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Ernst von Malortie

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Portrait.

Baron[1][2] Carl Otto Unico Ernst von Malortie (* 15. November 1804 in Linden; † 11. Oktober 1887 in Hannover)[3][4] war Jurist, Oberhofmarschall[5] und leitender Minister des Königreichs Hannover, dazu Autor und Gastrosoph.

Ernst von Malorties Vater Ferdinand[6][7]

Malortie entstammte einer alten französischen Adelsfamilie und wurde auf Gut Linden bei Hannover geboren.[1] Er war der Sohn von Ferdinand von Malortie (1771–1847) und Sabine Luise Julia von Platen-Hallermund (1780–1826). Er besuchte das Ratsgymnasium in Hannover.[5] Von 1823 bis 1826[5] studierte er Rechtswissenschaften an der Universität Göttingen. Dort wurde er Mitglied des Corps Hannovera. Nach dem Studium trat der aus einer französischen Refugiéfamilie stammende v. Malortie in den Hannöverschen Verwaltungsdienst ein und wurde 1826 zunächst Amtsauditor in Hannover und Syke (1827). 1829 trat er als Assessor und Hilfsarbeiter in die Land-Drostei in Hannover ein.

1836 wurde er zunächst Kammerjunker und Hofmarschall des Herzogs Ernst August von Cumberland (dem späteren König Ernst August von Hannover), 1837 dessen Kammerherr und Reisemarschall.[5]

Inschrift am Straßburger Münster von dem jungen Baron und Reisebegleitern auf der oberen Aussichtsplattform.

Malortie entwickelte das höfische Zeremoniell bis zur Perfektion: 1842 veröffentlichte er sein Hauptwerk Der Hof-Marschall. Handbuch zur Einrichtung und Führung eines Hofhalts, das sich zum Standardwerk entwickelte.[5] 1846 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Universität Göttingen.[5]

Malortie wurde 1846 Verwalter der Königlichen Gärten, Bauten sowie der Königlichen Privatschatulle. 1851 wurde er zum Oberhofmarschall ernannt.[5] 1860 saß er im „engeren Ausschuß des Comités für die Errichtung des Ernst-August-Denkmals[8] 1862 wurde von Malortie, unter Beibehaltung des Amtes des Oberhofmarschalls, zum Staatsminister und zum Minister des Königlichen Hauses berufen.[5][1] Mit der Annexion Hannovers durch Preußen 1866 verlor Malortie „alle Ämter, schloss sich aber nicht der welfischen Bewegung an“.[5] Er war Mitglied der Naturforschenden Gesellschaft zu Emden und der botanischen Klasse der Leopoldina. Zeitweise saß Malortie im Vorstand des Ernst-August-Familienfideikommiss, war somit Verwalter des Königs-Privat-Schatulle.[9]

Malortie betätigte sich als angesehener Schriftsteller. Er verfasste eine große Anzahl historischer Schriften. Hervorzuheben ist sein Handbuch für die Leitung eines fürstlichen Hofhaltes, welches 1842 unter dem Titel Der Hofmarschal erschien und große Anerkennung fand. Im Jahre 1878 erschien die erste Auflage seines Werkes Das Menu, dem 1880 der zweite Teil Die Feine Küche folgte. Sein Werk Das Menue galt im 19. Jahrhundert als das Standardwerk der Kochkunst bis zum Erscheinen von Auguste Escoffiers Guide Culinaire im Jahr 1902. Die erste Auflage war bereits im ersten Jahr ihres Erscheinens vergriffen. Malortie selbst schrieb darüber in seiner Familiengeschichte:

„Dieses Werk hatte durchschlagenden Erfolg und befestigte des Verfassers Ruhm als Hofmarschall glänzend aufs neue. Das Buch ist zunächst für reiche Privathäuser bestimmt, hat aber auch bei den europäischen Höfen große Anerkennung gefunden und alsbald eine hervorragende Stelle unter den Kochbüchern eingenommen. Die Wissenschaft hat solches als einen Beitrag zur Kulturgeschichte begrüßt und so fand es eine selten allgemeine Aufnahme weit über Deutschlands Grenzen hinaus. Die angesehensten Zeitungen und Journale haben die günstigsten Beurtheilungen gebracht. Selten hat wohl ein Haushaltsbuch ähnliche Triumphe gefeiert!“[1]

Daneben wirkte er ab 1851 als Präsident des Komitees des Museums und des Kunstvereins Hannover. Außerdem engagierte er sich bei der Errichtung des 1862 eröffneten „Königlichen Welfenmuseums“. Er war maßgeblich an der Gründung der Hannoverschen Genossenschaft des Johanniterordens (damals dort genannt Der Johanniterorden – Königreich Hannover) im Jahre 1864 beteiligt, die noch im selben Jahr von König Georg V. von Hannover mit dessen ausdrücklichem Wohlwollen als juristische Person anerkannt wurde. Von 1864 bis 1887 war er Regierender Kommendator der Hannoverschen Genossenschaft[10][1] des Johanniterordens. Seine Wappentafel aus der Johanniterkirche in Slonsk (Sonnenburg) blieb erhalten.[11]

1868 veräußerte er sein ererbtes kleines bei der Stadt Hoya liegendes Gut Liebenau.[12] Als dortiger Grundherr war er einst Mitglied der regionalen Ritterschaft der Graffschaft Hoya.[13]

Malortie war nicht verheiratet und stiftete von seinem ansehnlichen Vermögen einen (Geld)-Familienfideikommiss. Dieses Besitz wurde zeitweise von einem der Söhne seines Bruders, Kammerherr, Rittmeister und Hof-Theaterintendant Hermann von Malortie und dessen Frau Karoline, geb. Gräfin von Bismarck-Bohlen, weitergeführt wurde.[1]

Die Bronzestatuette Malorties, gefertigt von dem Bildhauer Carl Dopmeyer, befindet sich als Dauerleihgabe der Letter-Stiftung im Historischen Museum Hannover.

Laut dem Innentitel seines Werkes Der Hofmarschall... trug er folgende Orden und Auszeichnungen:

weiter wurden ihm folgende Orden verliehen

Ernst von Malortie

Weitere Ehrungen

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Erster Teil des Buches Das Menu von Ernst von Malortie, erschienen 1888 beim Klindworth’s Verlag, Hannover.
  • Der Hofmarschall. Handbuch zur Einrichtung und Führung eines Hofhalts. Hahnsche Hof-Buchhandlung, Hannover 1842. 2., sehr vermehrte Auflage: Hannover 1846. Digitalisat-Internet Archive.; ff. 3. Auflage 1867.[15]
  • Der Hannoversche Hof unter dem Kurfürsten Ernst August und der Kurfürstin Sophie. Hahn, Hannover 1847. Digitalisat
  • Die Verwaltung herrschaftlicher Bauten und Gärten. Hahn, Hannover 1853; Textarchiv – Internet Archive.
  • König Ernst August. Hahn, Hannover 1861. Digitalisat
  • Beiträge zur Geschichte des Braunschweig-Lüneburgischen Hauses und Hofes. 7 Hefte, Hahn, Hannover 1860–1884. Erstes Heft – Digitalisat – Drittes Heft, archive.org – Viertes Heft, Digitalisat – Fünftes Heft, archive.org.
  • Historische Nachrichten der Familie von Malortie von 1132–1872. Klindworth, Hannover 1872 Digitalisat
  • Das Menu. 2 Bände. 3. Auflage. Klindworth, Hannover 1887/1888. Digitalisat

Grabmal des Ernst von Malortie

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Porträt an Ernst von Malorties Grabmal
Ernst von Malorties Grabmal auf dem Herrenhäuser Friedhof

Malortie wurde in seinem Erbbegräbnis[16] auf dem Herrenhäuser Friedhof beigesetzt, an dessen Entstehung er als Oberhofmarschall maßgeblich beteiligt war.[17]

Offenbar aus privaten Interesse ließ sich Malortie um 1860 ein Album mit Fotografien von Kunstwerken aus dem Besitz der Welfen herstellen. Dieses „Malortie-Album“ verwahrt das Niedersächsische Hauptstaatsarchiv Hannover.[18]

Commons: Carl Ernst von Malortie – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikisource: Carl Ernst von Malortie – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise

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  1. a b c d e f g h Nekrolog für Carl Otto Unico Ernst von Malortie, In: Das Menu. 3. Auflage, Hannover 1888, S. 465 ff.
  2. In jüngeren Schriften des Johanniterordens, im Dt. Adelsblatt, etz., wird die Namensführung Baron (Freiherr) nicht genutzt.
  3. Nachruf, In: R. v. Mosch: Deutsches Adelsblatt. Wochen-Schrift für die Interessen des christlichen Adels. №. 42, V. Jg., Goedicke & Gallineck, Berlin, Sonntag, den 16. Oktober 1887, S. 766 f.
  4. Nachruf, In: C. Herrlich: Wochenblatt der Johanniter-Ordens-Balley Brandenburg. Jahrg. 28, Nr. 42, Julius Sittenfeld, Carl Heymanns Verlag, Berlin, den 19. Oktober 1887, S. 247.
  5. a b c d e f g h i j Klaus Mlynek: Malortie, Carl Otto Unico Ernst von. In: Stadtlexikon Hannover. Hannover 2009, S. 423.
  6. Ferdinand von Malortie (1771–1847). Lithographie auf China bei L. Sachse, Berlin, um 1850, 17,5 x 19 cm.
  7. Im Werk zum Jubiläum der Hann. Gen. d. Johanniterordens von 2014 ist dieses Motiv als des seines Eigenen ausgewiesen.
  8. Siehe: Ernst-August-Album. S. 24. Textarchiv – Internet Archive.
  9. Inge Becher: Die Aushandlung von Raum. Die Gründung der Stadt Georgsmarienhütte und ihre Vorgeschichte. Universitätsverlag Osnabrück, 2. Auflage-Online-Ressource, V & R Unipress, Osnabrück/Göttingen 2020, S. 48.
  10. Der Johanniterorden und die Hannoversche Genossenschaft von 1864 bis heute. Edition Hentrich, Berlin 2014, S. 66.
  11. Lars Andersson, Christopher von Warnstedt, u. a.: Riddarvappen från Sonnenburg. Ett Aterfunnet Krigsbyte. En Utställning i Samproduktion mellan Statens Historiska Museum och Riddersbergs Säteri. (Begleitheft zur Ausstellung der Wappentafeln aus Sonnenburg in Stockholm), Tryckeri Ölandstryckarna, Borgholm 1991, ISSN 1101-8224, S. X., S. 75. Nr. 557.
  12. Friedrich Wilhelm Boldewin Ferdinand von dem Knesebeck: Die Rittermatrikeln des Königreichs Hannover und des Herzogthums Braunschweig nebst einer alphabetischen Uebersicht der Ritterschaft und der von denselben vertretenen ritterschaftlichen Gütern. Verlag Deuerlich, Göttingen 1860, S. 113.
  13. Hof- und Staats-Handbuch für das Königreich Hannover auf das Jahr 1856. Verlag Berenberg, Hannover 1856, S. XXIII.
  14. Liste der Mitglieder der Balley Brandenburg des Ritterlichen Ordens St. Johannis vom Spital zu Jerusalem. 1859. Martin Berendt Verlag, Berlin 1859, S. 22, Nr. 191.
  15. L. Stockardt (Hrsg., Red.). Deutsche Adels-Chronik. Familien-Nachrichten der fürstlichen-, gräflichen und freiherrlichen Häuser sowie der adeligen Familien im Deutschen Reiche. Nro. 3. I. Jg., Selbstverlag, Stuttgart 1. November 1887, S. 40.
  16. Siehe diese Fotos.
  17. Siehe sein Schreiben vom 2. Juli 1859 an den Kirchenvorstand von Herrenhausen.
  18. Ludwig Hoerner: Hannover in frühen Photographien 1848–1910. Mit einem Beitrag von Rudolf Zankl. Schirmer-Mosel, München 1979, ISBN 3-921375-44-4, S. 58, 65.