Carl Ludwig Gesell

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Orgel in Oderberg Nikolaikirche

Johann Carl Ludwig Gesell (* 24. Januar 1809 in Potsdam, Königreich Preußen; † 7. März 1867 ebenda) war ein deutscher Orgelbauer in Potsdam. Aus seiner Werkstatt ging seit 1894 die bekannte Firma Schuke hervor.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Haus in der Gutenbergstraße heute

Carl Ludwig Gesell lernte bei Friedrich Haas in Luzern, dem wichtigsten Orgelbauer in der Schweiz im mittleren 19. Jahrhundert. Anschließend war er für acht Jahre erster Gehilfe in der Werkstatt von Gottlieb Heise in der Charlottenstraße 50 in Potsdam. 1847/1848 übernahm er diese und führte sie seit 1852 mit Carl Schultze als Gesell & Schultze. 1856 wurde die Werkstatt in die Junkerstraße 36 (heute Gutenbergstraße 71) verlegt. Um 1861 verließ Carl Schultze die Firma.

Nach Gesells Tod 1867 übernahm sein Sohn Carl Eduard Gesell (1845–1894) die Firma, 1894 wiederum dessen Schüler Alexander Schuke.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von Carl Ludwig Gesell sind heute etwa 30 Orgelneubauten bekannt, vor allem in der Mittelmark.[1] Von 1852 bis 1861 baute er gemeinsam mit Carl Schultze als Gesell & Schultze, danach wieder allein mit dem Sohn. Einige Instrumente sind erhalten. Nicht mehr vorhandene Orgeln sind kursiv gedruckt.

Orgelneubauten

Jahr Ort Gebäude Bild Manuale Register Bemerkungen
1848 Saarmund Kirche I/P 9 erste eigene Orgel, Prospekt von Friedrich August Stüler, 1977–1979 restauriert[2]
1848 Groß Glienicke Kirche I/P 12 1929 ersetzt durch Schuke (II/P, 12)
1848 Läsikow Dorfkirche I/P 6 erster Standort unbekannt, 1867 in neue Kirche in Läsikow, erhalten[3][4]
1848 Nennhausen Kirche I 4 Positiv[5]
1850 Zeestow Kirche I/P ? nicht erhalten
1850 Grünefeld Dorfkirche I/P 11 [6][7]
1850 Börnicke, Havelland Kirche I/P 8 [8]
1852 Babelsberg Friedrichskirche I/P 15 1913 Erweiterung und pneumatischer Umbau auf I/P, 19 durch Schuke, 1917 Prospektpfeifen abgegeben, 1927 Zinkprospektpfeifen ersetzt, 1953 Umbau und Reparaturen durch Schuke, seit 2011/15 Neubau hinter historischem Prospekt geplant[9]
1852 Caputh Kirche I/P 6 1926 ersetzt durch Schuke-Orgel mit einigen alten Pfeifen, 2005 Neubau durch Hüfken mit einigen erhaltenen historischen Pfeifen im Gesell-Prospekt[10]
1852 Oderberg, Barnim St. Nikolai
Oderberg Nikolaikirche Orgel (2).jpg
II/P 16 mit Pfeifen und Windlade von Johann Simon Buchholz von 1792, 1953 Umdisponierung von Karl Gerbig[11]
1852 Gellmersdorf Kirche I/p 6 [12]
1853 Glindow Kirche I/P 8 [13]
1854 Bliesendorf Kirche I/P 8 [14]
1855 Nitzow Kirche I/P ? erhalten?? [15]
1856 Bornstedt Kirche I 6 1882 Prospektpfeifen mit Ornamenten bemalt, 1978 Neubau durch Schuke im Prospekt von Gesell
1856 Werder Heilig-Geist-Kirche II/P 17 1906 und 1934 Umbau durch Schuke auf II/P, 20 und pneumatische Trakturen, 1985 Restaurierung
1856 Schmergow Kirche I/P 7 [16]
1857 Gramzow Kirche I/P ? ersetzte Wagner-Orgel von 1736, 1938 Schuke-Neubau
1857 Potsdam Betsaal Junkerstraße 37 I 5 Positiv, im Nachbarhaus der Orgelwerkstatt (heute Gutenbergstraße 72), wahrscheinlich zerstört
1860 Potsdam Heilig-Geist-Kirche II/P 22 größte Orgel, 1945 mit Kirche zerstört
1860 Zabelsdorf Kirche [17]
1860 Golzow Kirche I/P 8 1897 (oder 1870?) nach Bergsdorf umgesetzt, erweitert auf I/P, 9[18]
1863 Groß Machnow Kirche I/P 9 [19][20]
1864 Paretz Dorfkirche
Dorfkirche Paretz Blick Richtung Empore.jpg
1966–1969 und 1993 restauriert durch Schuke
1865 Kladow Dorfkirche
Dorfkirche (Berlin-Kladow) Orgelempore.JPG
I/P 8 Prospekt nach Entwurf von Karl Friedrich Schinkel, 1953 und 1976 restauriert von Karl Schuke, 1976 Register Mixtur 3fach ergänzt[21][22]
1865 Potsdam Armenhaus Kapelle I/P 8 1945 zerstört[23]
1867 Buchholz bei Beelitz Kirche I/P 9 [24]

Weitere Arbeiten

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alexander Schuke Potsdam Orgelbau GmbH: 100 Jahre Alexander Schuke Orgelbau in Potsdam. thomasius verlag – Thomas Helms, Schwerin 1994
  • Carl Ludwig Gesell. In: Uwe Pape, Wolfram Hackel, Christhard Kirchner (Hrsg.): Lexikon norddeutscher Orgelbauer. Band 4. Berlin, Brandenburg und Umgebung. Pape Verlag, Berlin 2017. S. 170.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Werkverzeichnis bei Schuke (Memento vom 23. April 2004 im Internet Archive) führt irrtümlich Bauten von 1868 nach seinem Tod auf, die Orgel 1867 in Zehlendorf baute Schultze alleine.
  2. Information Orgeldatabase (niederländisch)
  3. Chronik Runddorf Läsikow (Memento)
  4. Orgel Orgeldatabase, mit Disposition (niederländisch)
  5. Information Orgeldatabase (niederländisch)
  6. Grünefeld im Havelland Kirchenorgel
  7. Information Orgeldatabase
  8. Information Orgeldatabase
  9. Orgel Friedrichskirche Projekt zum Orgepneubau (2015, pdf)
  10. Caputh Evangelische Kirche Hüfken
  11. Orgel Institut für Orgelforschung
  12. Information Orgeldatabase
  13. Information Orgeldatabase
  14. Information Orgeldatabase
  15. Information Orgeldatabase
  16. Information Orgeldatabase
  17. Information Orgeldatabase
  18. Information Orgeldatabase
  19. Orgel Orgeldatabase, mit Disposition
  20. Orgel Groß Machnow Kirchenkreis, Kurzbeschreibung
  21. Orgel Organindex
  22. Orgel Orgeldatabase (niederländisch)
  23. Information Orgeldatabase
  24. Information Orgeldatabase