Gramzow

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Wappen Deutschlandkarte
Gramzow
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Gramzow hervorgehoben

Koordinaten: 53° 13′ N, 14° 0′ O

Basisdaten
Bundesland: Brandenburg
Landkreis: Uckermark
Amt: Gramzow
Höhe: 65 m ü. NHN
Fläche: 66,2 km2
Einwohner: 1772 (31. Dez. 2021)[1]
Bevölkerungsdichte: 27 Einwohner je km2
Postleitzahl: 17291
Vorwahl: 039861
Kfz-Kennzeichen: UM, ANG, PZ, SDT, TP
Gemeindeschlüssel: 12 0 73 225
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Poststraße 25
17291 Gramzow
Website: amt-gramzow.de
Bürgermeister: Uwe Koch
Lage der Gemeinde Gramzow im Landkreis Uckermark
AngermündeBoitzenburger LandBrüssowCarmzow-WallmowCasekowFlieth-StegelitzGartz (Oder)GerswaldeGöritzGramzowGrünowHohenselchow-Groß PinnowLychenMescherinMilmersdorfMittenwaldeNordwestuckermarkOberuckerseePinnowPrenzlauRandowtalSchenkenbergSchönfeldSchwedt/OderTantowTemmen-RingenwaldeTemplinUckerfeldeUckerlandZichowBrandenburgKarte
Über dieses Bild

Die Gemeinde Gramzow gehört zum Landkreis Uckermark im Norden Brandenburgs und liegt etwa 13 km von der Kreisstadt Prenzlau entfernt. Sie liegt im Ballungsraum von Stettin. In Gramzow befindet sich der Verwaltungssitz des gleichnamigen Amtes.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf Gramzow liegt an den Seen Klostersee (auch Haussee) und Kantorsee. Im Ort befindet sich der Schulzensee. In südlicher Richtung (an der B 198 nach Angermünde) liegt der Glambecksee. Südwestlich von Gramzow (in Richtung Melzow/Warnitz) befinden sich die Kuhseen (Großer und Kleiner Kuhsee). Die Badestelle am Großen Kuhsee erreicht man von Karlshof aus.

Klostersee in Gramzow, im Hintergrund (linker Bildrand) der Gramzower Sportplatz, am rechten Bildrand die Klosterruine.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Gramzow gehören die Ortsteile Gramzow, Lützlow, Meichow und Polßen sowie die Wohnplätze Ausbau, Forsthaus, Karlshof, Koboltenhof, Neumeichow, Randowhöhe und Zehnebeck.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klosterruine Gramzow

Bei Grabungen zur Vorbereitung der Ostsee-Pipeline-Anbindungsleitung OPAL wurde bei Neumeichow eine Gruppe von sieben slawischen Körpergräbern der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts gefunden. Die Skelette wurden von der Anthropologin Bettina Jungklaus untersucht. Die vier Erwachsenen und drei Kinder waren alle in gestreckter Rückenlage in Ost-West-Ausrichtung bestattet. Bei vier der Toten lag der Kopf im Osten, bei den anderen im Westen. Bei einer 45 bis 50 Jahre alten Frau befanden sich im Bereich des Kopfes zwei Schläfenringe als Bestandteile der spätslawischen Tracht. Die anderen Gräber waren ohne Beigaben. Bei der Frau mit den Schläfenringen lagen zudem auf dem Kopf ein großer und ein kleinerer Stein, sowie auf den Füßen ein großer Stein. Solche „Versteinungen“ sind in spätslawischen Körpergräbern schon länger bekannt. Sie zielen wahrscheinlich darauf ab, die Wiederkehr des Verstorbenen zu verhindern. Bei dieser Frau könnte das an sechs unterschiedlich großen Osteomen am Stirnbein gelegen haben. Die größte maß im Durchmesser 13 mm und war 5 mm hoch. Diese gutartigen, langsam wachsenden Knochentumore verursachen meist keine Schmerzen. Doch sind sie je nach Lage und Größe gut sichtbar, wie bei der hier bestatteten Frau. Die Lage des großen Osteoms direkt auf der Stirn über dem linken Auge, kennzeichnete das Gesicht zu Lebzeiten auf markanter Weise.[3][4][5][6]

Erstmals wird Gramzow im Jahr 1168 als villa Gramsowe (Dorf) urkundlich erwähnt und ist damit „ältester urkundlich überlieferter Ort der Uckermark (Lieselott Enders). Im Jahr 1177/78 wurde das Prämonstratenserkloster Gramzow gegründet.[7] 1714 brannte die Klosterkirche nieder. Bis heute ist nur noch ein Teil der Westwand erhalten geblieben. Die Klosterruine ist ein Wahrzeichen Gramzows. Im Jahr 1288 wird Gramzow erstmals als Stadt erwähnt, seit 1586 nur noch als Flecken. Stadtherr war das Kloster, ab 1542/43 der Landesherr (Kurfürst).

1687 wurde die französische Kolonie gegründet. Die Réfugiés erhielten die Klosterkirche, die 1714 abbrannte, für ihre Gottesdienste.

Verwaltungsgeschichte

Gramzow, Lützlow, Meichow und Polßen gehörten seit 1817 zum Kreis Angermünde in der preußischen Provinz Brandenburg. 1952 wurden Gramzow, Lützlow und Meichow in den Kreis Prenzlau im DDR-Bezirk Neubrandenburg, Polßen in den Kreis Angermünde im Bezirk Frankfurt (Oder) eingegliedert.

Seit 1993 liegen die Orte im brandenburgischen Landkreis Uckermark. Am 31. Dezember 2001 wurden Lützlow, Meichow und Polßen in Gramzow eingemeindet.[8]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner
1875 2302
1890 2164
1910 2133
1925 1923
1933 1841
1939 1778
Jahr Einwohner
1946 2152
1950 2343
1964 1850
1971 1774
1981 1507
1985 1432
Jahr Einwohner
1990 1331
1995 1293
2000 1264
2005 2110
2010 1986
2015 1901
Jahr Einwohner
2016 1897
2017 1856
2018 1836
2019 1800
2020 1788
2021 1772

Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl: Stand 31. Dezember (ab 1991)[9][10][11], ab 2011 auf Basis des Zensus 2011

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeindevertretung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeindevertretung von Gramzow besteht aus 12 Gemeindevertretern und dem ehrenamtlichen Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 26. Mai 2019 führte zu folgendem Ergebnis:[12]

Partei / Wählergruppe Stimmenanteil Sitze
CDU 56,5 % 7
Wählergruppe Bürgernahe Kommunalpolitik 38,3 % 4
Einzelbewerber Frank Gartzke 05,2 % 1

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1998–2003: Klaus Brandt (SPD)[13]
  • 2003–2016: Karl Heimann (CDU)[14]
  • seit 2016: Uwe Koch (CDU)[15]

Koch wurde in der Bürgermeisterwahl am 26. Mai 2019 mit 57,8 % der gültigen Stimmen für eine weitere Amtszeit von fünf Jahren[16] gewählt.[17]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen wurde am 26. Januar 2000 genehmigt.

Blasonierung: „In einer silbern gefugten roten Ziegelmauer ein spitzbogiges, silbern gerahmtes blaues Fenster, oben beseitet von zwei silbernen Dreipässen, darin ein stehender, widersehender rot-bewehrter Storch in natürlichen Farben.“[18]

Eisenbahnmuseum Gramzow

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Liste der Baudenkmale in Gramzow stehen die in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragenen Baudenkmale.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gramzow liegt an der Bundesstraße B 198 zwischen Prenzlau und Angermünde. Die B 166 führt zwischen dem Kreuz Uckermark und Schwedt über das Gemeindegebiet, hat aber keine Anbindung an den Ort. Die nächstgelegene Autobahnanschlussstelle ist Gramzow an der A 11 Berlin–Stettin.

Im Jahr 1906 wurde die Kreisbahn Schönermark–Damme mit dem Bahnhof Gramzow und dem Haltepunkt Lützlow eingeweiht. 1979 wurde der Streckenabschnitt nach Schönermark und 1995 der nach Damme stillgelegt. Auf dem Streckenteil zwischen Gramzow und Damme und zwischen Damme und Eickstedt betreibt das Eisenbahnmuseum Gramzow heute eine eigene Strecke. Ausgangspunkt ist das Museum in Gramzow.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Gramzow verbundene Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Gramzow (Uckermark) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerungsentwicklung und Flächen der kreisfreien Städte, Landkreise und Gemeinden im Land Brandenburg 2021 (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen, bezogen auf den aktuellen Gebietsstand) (Hilfe dazu).
  2. Gemeinde Gramzow. Kommunalverzeichnis der Landesverwaltung Brandenburg.
  3. Projekt Neumeichow, spätslawische Gräber. In: anthropologie-jungklaus.de. Abgerufen am 4. Juni 2017.
  4. Bettina Jungklaus: Sonderbestattungen vom 10.–15. Jahrhundert in Brandenburg aus anthropologischer Sicht. In: Ruth Struwe, Johan Callmer (Hrsg.): Ethnographisch-Archäologische Zeitschrift. Band 50, Nr. 1–2. Verlag Beier & Beran, Langenweißbach 2009, S. 197–214.
  5. Thilo Stapelfeldt, Bettina Jungklaus: An der Wiederkehr gehindert. Slawische Gräber mit Sonderbestattung bei Neumeichow, Lkr. Uckermark. In: Archäologie in Berlin und Brandenburg. Konrad Theiss Verlag, 2008, ISSN 0948-311X, S. 72–74.
  6. Thilo Stapelfeldt, Bettina Jungklaus: Die Furcht vor dem Weibe. In: Archäologie in Deutschland. Band 3, 2010, ISSN 0176-8522, S. 40–41.
  7. Franz Winter: Die Prämonstratenser des 12. Jahrhunderts und ihre Bedeutung für das nordöstliche Deutschland. Berlin 1865, S. 210–212.
  8. Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2001. StBA
  9. Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Uckermark (PDF) S. 18–21
  10. Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2017 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden, Tabelle 7
  11. Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember)
  12. Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019
  13. Ergebnisse der Kommunalwahlen 1998 (Bürgermeisterwahlen) für den Landkreis Uckermark (Memento vom 15. April 2018 im Internet Archive)
  14. Kommunalwahlen 26.10.2003. Bürgermeisterwahlen (PDF) S. 34
  15. Wahlkrimi in der Gemeindevertretung Gramzow
  16. Brandenburgisches Kommunalwahlgesetz, § 73 (1)
  17. Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 26. Mai 2019
  18. Wappenangaben auf dem Dienstleistungsportal der Landesverwaltung des Landes Brandenburg