Carsten Rodbertus

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Carsten Rodbertus (2011) bei einem Windparkfest in Wahnwegen

Carsten Wilhelm Rodbertus (* 9. März 1961)[1] ist ein ehemaliger deutscher Unternehmer und Initiator sowie Mitgründer des Windenergie-Unternehmens Prokon. Als Geschäftsführer der damaligen Kapitalgesellschaft baute er von 1995 bis 2014 Prokon zu einer der größten Unternehmensgruppen der Branche regenerativer Energien auf, wurde jedoch nach Einleitung des Insolvenzverfahrens im Konflikt mit dem Insolvenzverwalter seiner Position enthoben und kurz darauf fristlos entlassen.

Anfänge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rodbertus absolvierte eine Ausbildung zum Industriekaufmann und arbeitete als Buchhalter in Hamburg.[2] Von 1985 bis 1994 war er in einem mittelständischen Messebau-Unternehmen tätig, ab 1989 Leiter des Finanz- und Rechnungswesens. Nach eigener Aussage weckte die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl 1986 sein Interesse an erneuerbaren Energien. Seit 1993 betrieb er zwei Windkraftanlagen je 110 kW Leistung in Arkebek im Kreis Dithmarschen, die er nach seinen Großeltern „Käthe“ und „Paul“ benannte.[3]

Prokon[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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1995 gründete Rodbertus zusammen mit Ingo de Buhr und einem dritten Gesellschafter das Unternehmen Prokon Energiesysteme.[3] Wegen unterschiedlicher Ansichten über die zukünftige Ausrichtung des GmbH schied de Buhr 1997 aus. Rodbertus entwickelte das Unternehmen zu einer Unternehmensgruppe weiter.

Ein Unternehmen der Gruppe, die Prokon Regenerative Energien, stellte am 22. Januar 2014 einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens.[4] Anfang März 2014 plante Rodbertus die Gründung einer „Prokon Genossenschaft für eine lebenswerte Zukunft“, deren Ziel es im Idealfall sei, Projekte der mutmaßlich insolventen Prokon Regenerative Energie GmbH zu übernehmen.[5] Die Rechtsform der Genossenschaft wurde später zugunsten der einer AG ersetzt.[6]

Am 26. März 2014 ordnete das Amtsgericht Itzehoe zur Insolvenzmassensicherung und Sachverhaltsaufklärung für Rodbertus und zwei leitende Angestellte ein sofort wirkendes allgemeines Verfügungsverbot an.[7] Am 1. April teilte der vorläufige Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin mit, dass er Rodbertus als Geschäftsführer Prokons und aller Tochtergesellschaften abberufen habe. Dessen Tätigkeit für die „Prokon-Genossenschaft für eine lebenswerte Zukunft i. G.“ und seine jüngsten Äußerungen über Prokon hätten keinen Raum für eine konstruktive Zusammenarbeit gelassen; die Abberufung solle die für die Sanierung notwendige Ruhe in das Unternehmen zu bringen; Rodbertus habe das Betriebsgelände dauerhaft verlassen.[8][9] Zum Ende April wurde dem Unternehmnesgründer fristlos gekündigt, wie Penzlin nach Einleitung des Hauptinsolvenzverfahrens am 1. Mai 2014 mitteilte.[10]

Im November 2014 einigte sich Rodbertus mit dem Insolvenzverwalter auf einen Rückzug aus dem Unternehmen bei gegenseitigem Ersatzanspruchsverzicht.[11][12]

Nach Prokon[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem unfreiwilligen Abschied von seinem Lebenswerk betätigte sich Rodbertus zunächst als Berater eines neu gegründeten Magdeburger Unternehmens, dessen Name Projekte mit Konzept für eine lebenswerte Zukunft (PmK) deutlich an einen früheren Prokon-Slogan sowie die in Konflikt mit dem Insolvenzverwalter geplante Genossenschaft erinnerte.[13][14] Die Stiftung Warentest kündigte an, die Geldanlage bei der PmK baldmöglichst auf ihre „Warnliste“ zu setzen.[15]

Nachdem Rodbertus von zahlreichen Anlegern persönlich auf Schadensersatz verklagt worden war, kündigte er am 19. September 2014 per E-Mail den Prokon-Anlegern seine Privatinsolvenz an, zu der es „voraussichtlich keine Alternative“ gebe. Er betont zugleich, sich nie persönlich bereichert, sondern ebenfalls „alle meine Ersparnisse und meine vollständige Rente bei Prokon in Genussrechten angelegt“ zu haben.[16]

Im März 2015 arbeitete Rodbertus dann laut ZDF-Magazin Frontal21 als Produktionsmitarbeiter für ein holzverarbeitendes Unternehmen, dem Prokon mit Rodbertus als Geschäftsführer Kredite von 160 Mio. Euro gewährt hatte.[17]

Ermittlungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit Sommer 2014 ermittelt die Wirtschaftsabteilung der Staatsanwaltschaft Lübeck gegen Rodbertus und weitere Verantwortliche wegen Insolvenzverschleppung und Betrug,[18] nachdem entsprechende Anzeigen bereits Ende 2013 zur Prüfung des Anfangsverdachts geführt hatten.[19] Außerdem ermittelt sie bereits seit April 2013 wegen Korruption, da ein Mitarbeiter des Landkreises Wesermarsch, der Standorte für Windparks plante, von Prokon im Rahmen einer Nebentätigkeit Honorarzahlungen für drei Gutachten erhalten hatte.[20]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Melanie Bergermann, Jens Brambusch, Christian Kirchner: Lücken in der Ökobilanz. In: Andreas Petzold (Hrsg.): Capital. Nr. 7. Gruner + Jahr, Juli 2012, ISSN 0008-5847, S. 24–31 (online [abgerufen am 23. Januar 2014]).
  2. Lars-Marten Nagel, Marc Neller: Der Mann hinter dem riskanten Prokon-Versprechen. In: Die Welt. 14. Januar 2014, abgerufen am 24. Januar 2014: „Als Mitte der 80er-Jahre in Tschernobyl ein Atomkraftwerk in die Luft fliegt, beschließt ein junger Buchhalter aus Hamburg, die Welt zu verändern.“
  3. a b Der Mann hinter Prokon. shz.de, 16. Januar 2014, abgerufen am 23. Januar 2014.
  4. Prokon meldet Insolvenz an – Geschäftsbetrieb geht weiter. Die Zeit, 22. Januar 2014, abgerufen am 23. Januar 2014.
  5. Prokon gründet Genossenschaft. In: Handelsblatt. 25. März 2014, abgerufen am 8. April 2014.
  6. Ex-Prokon-Chef wirbt jetzt um Aktionäre. shz.de, 28. April 2014, abgerufen am ?.
  7. Insolvenzeröffnungsverfahren über das Vermögen der PROKON Regenerative Energien GmbH. Az 28 IN 11/14. In: Insolvenzbekanntmachungen.de. Amtsgericht Itzehoe, abgerufen am 8. April 2014: „Der Schuldnerin wird ein allgemeines Verfügungsverbot auferlegt (§ 21 Abs. 2 Nr. 2 InsO); die Verwaltungs- und Verfügungsbefugnis über das Vermögen der Schuldnerin einschließlich des Rechts zum Einzug von Bankguthaben und anderen Forderungen geht damit auf den vorläufigen Insolvenzverwalter über.“
  8. Prokon-Insolvenzverwalter stellt Geschäftsführer frei. In: Spiegel Online. 1. April 2014, abgerufen am 1. April 2014.
  9. Insolvenzverwalter trennt sich von Prokon-Geschäftsführer. OnVista.de, 1. April 2014, abgerufen am 1. April 2014: „‚Die Tätigkeiten von Herrn Rodbertus und Herrn Gronau für die Genossenschaft sowie ihre jüngsten Äußerungen über Prokon haben leider keinen Raum mehr für eine konstruktive Zusammenarbeit gelassen.‘, sagte der Hamburger Rechtsanwalt am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur.“
  10. Prokon-Anleger verlieren mindestens 40 Prozent. In: Zeit Online. 2. Mai 2014, abgerufen am 5. Mai 2014.
  11. Insolvenzverwalter: Kapitel Carsten Rodbertus ist für Prokon beendet. In: spiegel.de. Spiegel Online, 19. November 2014, abgerufen am 12. Juni 2015.
  12. Gertrud Hussla: Prokon-Gründer Rodbertus zieht sich zurück. In: handelsblatt.com. Handelsblatt, 19. November 2014, abgerufen am 12. Juni 2015.
  13. Spiegel-Online: Carsten Rodbertus – Prokon-Gründer wirbt für undurchsichtige Geldanlage.
  14. Pressemitteilung der PmK. (Nicht mehr online verfügbar.) 16. September 2014, ehemals im Original, abgerufen am ?.@1@2Vorlage:Toter Link/www.projekte-mit-konzept.de (Seite nicht mehr abrufbar; Suche in Webarchiven)
  15. Carsten Rodbertus: Ex-Prokon-Chef in neuer Mission. Stiftung Warentest, 26. September 2014, abgerufen am 3. April 2017.
  16. Henryk Hielscher: Ex-Prokon-Chef vor Privatinsolvenz. In: Wirtschaftswoche. wiwo.de, 14. September 2014, abgerufen am 3. April 2017: „(Ein Grund,) weshalb die Privatinsolvenz noch nicht eingeleitet wurde, ist der Umstand, dass ich meinen Wohnsitz verlegen werde“
  17. Frontal 21. ZDF Mediathek. (Nicht mehr online verfügbar.) 10. März 2015, ehemals im Original, abgerufen am ?.@1@2Vorlage:Toter Link/www.zdf.de (Seite nicht mehr abrufbar; Suche in Webarchiven)
  18. Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Prokon-Chef. In: Handelsblatt. handelsblatt.com, 15. Juli 2014, abgerufen am 12. Juni 2015: „Die neueste Wendung im Fall Prokon: Die Staatsanwaltschaft Lübeck ermittelt jetzt gegen Firmengründer Rodbertus wegen Insolvenzverschleppung. Zuvor hatte der versucht, Anleger gegen den Insolvenzverwalter aufzubringen.“
  19. Staatsanwaltschaft prüft Anzeigen gegen Prokon. In: Spiegel Online. 13. Januar 2014, abgerufen am 8. April 2014.
  20. Lars-Marten Nagel, Marc Neller: Windenergie-Manager unter Bestechungsverdacht. In: Die Welt. welt.de, 13. April 2013, abgerufen am 18. April 2014.