Chemin de fer de l’Est

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Bahnhof der EST in Straßburg (im Hintergrund die damalige Hauptsynagoge von Straßburg)
Crampton-Lokomotive Nr. 187 der EST
Die 1C-Dampflokomotive Nr. [1]30 B 476 der EST ist ein bewegliches Kulturdenkmal nach französischem Denkmalrecht

Die Compagnie des Chemins de fer de l’Est (EST; deutsch Gesellschaft der Ostbahnen) war von 1853 bis 1938 eine privatrechtlich organisierte französische Eisenbahngesellschaft.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gesellschaft wurde im Jahr 1845 als Compagnie du chemin de fer de Paris à Strasbourg gegründet und erhielt die Konzession für die Bahnstrecke Paris–Straßburg mit Abzweigungen von Épernay nach Reims und von Frouard nach Metz und weiter zur damals preußischen Grenze mit Anschluss an die Forbacher Bahn. Die Strecke wurde abschnittsweise 1849–1854 eröffnet. Ihr Bahnhof in Paris war der Gare de l’Est, der zunächst Embarcardère de Strasbourg hieß. Durch Übernahmen und weitere Konzessionen vergrößerte sich die Gesellschaft rapide. 1853 erhielt die Gesellschaft die Konzession für die Bahnstrecke Paris–Mulhouse. Im gleichen Jahr fusionierte sie mit der Compagnie du chemin de fer de Montereau à Troyes und benannte sich in Compagnie des chemins de fer de l’Est um.[1]

Ausbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1854 übernahm die Ostbahn die Compagnie de Strasbourg à Bâle, 1857 den Betrieb der Eisenbahnen im Großherzogtum Luxemburg, 1858 die Eisenbahn Mülhausen-Thann und 1863 das Netz der Ardennenbahn. Anfang 1870 betrieb die Ostbahn in Frankreich ein Netz von 2838 km Länge, wozu noch die in Luxemburg betriebenen Strecken kamen.[1]

Die Compagnie war 1868/1869 in eine „Belgische Eisenbahnkrise“ verwickelt. Mit finanzieller Hilfe der französischen Regierung versuchte sie, Eisenbahnen im Osten Belgiens aufzukaufen. Das verärgerte Großbritannien. Die belgische Regierung wirkte schließlich erfolgreich darauf hin, dass es nicht zum Kauf kam.

Kriegsfolgen 1871[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Infolge des Deutsch-Französischen Krieges und des anschließenden Friedensvertrags von Frankfurt musste Frankreich Elsass und Lothringen an das Deutsche Reich abtreten. Dieses ließ von Frankreich die nun auf deutschem Hoheitsgebiet und in Luxemburg liegenden Strecken der EST, 841 km in Frankreich und 237 Kilometer in Luxemburg, enteignen, das deren Aktionäre mit 325 Mio. Francs entschädigte, kaufte sie Frankreich ab und gründete daraus die Reichseisenbahnen in Elsaß-Lothringen.[1] Der Kaufpreis wurde auf die französischerseits zu zahlenden Reparationen angerechnet.

Durch weitere Bahnbauten und Übernahmen vergrößerte sich das Netz der französischen Ostbahn bis Ende 1912 auf eine Länge von 5027 Kilometern[1], ein Bestand der sich in der Folgezeit nicht mehr wesentlich änderte.[2] Die Laufzeit aller Konzessionen der EST wurde 1883 einheitlich bis 26. November 1954 festgesetzt.[1]

In Folge des Ersten Weltkriegs fiel Elsass-Lothringen 1919 wieder an Frankreich zurück. Die Strecken wurden nun von Frankreich als Staatsbahn unter der Bezeichnung Réseau ferroviaire d’Alsace-Lorraine (AL) selbständig betrieben.

Verstaatlichung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Januar 1938 wurden die großen Bahngesellschaften Frankreichs in der neu gegründeten Staatsbahn Société nationale des chemins de fer français (SNCF) zusammengefasst. Die EST und die AL bildeten dabei die Region 1 der SNCF.[2]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Röll, S. 191.
  2. a b Vockrodt.