Friede von Frankfurt

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Friedensverhandlungen im Hotel zum Schwan. Zeitgenössischer Holzschnitt
Mit einer goldenen Feder unterzeichnet: der Friede von Frankfurt
Hotel zum Schwan, Ort des Friedensschlusses, am Sedantag 1895

Der zwischen der Französischen Republik und dem Deutschen Reich geschlossene Friede von Frankfurt wurde am 10. Mai 1871 in Frankfurt am Main unterzeichnet und beendete formell den Deutsch-Französischen Krieg. Faktisch bestätigte und ergänzte der Frankfurter Friede den am 26. Februar in Versailles geschlossenen Vorfrieden von Versailles.

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Friedensvertrag von Frankfurt umfasst 18 Artikel und drei Zusatzartikel (siehe Weblinks). Zu dem am 16. und 18. Mai 1871 ratifizierten Vertragswerk gehört auch ein auf den 15. Mai 1871 datiertes Protokoll, das den Beitritt der süddeutschen Staaten Baden, Bayern und Württemberg zum Friedensvertrag festhält. Diese Staaten waren aufgrund eines Militärbündnisses zwischen ihnen und dem von Preußen dominierten Norddeutschen Bund in den Krieg zwischen Frankreich und Preußen eingetreten und dann während des Krieges dem Deutschen Reich, in dem der Norddeutsche Bund während des Krieges aufging, beigetreten.

Der Frankfurter Friedensschluss nahm im Artikel 1 und im Zusatzartikel 3 vor allem Berichtigungen der im Vorfrieden von Versailles festgelegten Demarkationslinie vor. Die ebenfalls im Vorfrieden festgehaltene Verpflichtung Frankreichs zu Reparationen im Wert von fünf Milliarden Goldfranken innerhalb von drei Jahren wurde in Artikel 7 genauer bestimmt.

In Artikel 2 des Friedensvertrages wurde den Einwohnern der abgetretenen Gebiete gestattet, ihren Wohnsitz nach Frankreich zu verlegen. Die übrigen Artikel und die Zusatzartikel 1 bis 2 enthalten Bestimmungen unter anderem zu Kriegsgefangenen, Handelsverträgen und zu den in den abzutretenden Gebieten liegenden Eisenbahnen.

Folgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Friedensschluss bestätigte den Verzicht Frankreichs auf größere Gebiete des Elsass und Lothringens. Sie wurden kurz darauf als Reichsland Elsaß-Lothringen Teil des während des Krieges gegründeten Deutschen Reiches. Das damals zum ansonsten abgetretenen Département Haut-Rhin gehörende Belfort verblieb mit seiner Umgebung als Territoire de Belfort bei Frankreich. Die abgetretenen Gebiete wurden per Artikel 3 des im Juni 1871 erlassenen „Gesetzes, betreffend die Vereinigung von Elsaß und Lothringen mit dem Deutschen Reiche“ der Staatsgewalt des Kaisers unterstellt (die Bezeichnung „Reichsland Elsaß-Lothringen“ findet sich in diesem Gesetz jedoch nicht).

Bis zur Begleichung der Reparationen blieben Gebiete im Osten Frankreichs unter deutscher Besatzung. Frankreich gelang es, die Reparationen schneller als geplant zu entrichten. Ein Teil der Barzahlungen wurde als Reichskriegsschatz im „Juliusturm“ der Zitadelle Spandau gelagert. Nach der Zahlung der letzten Rate verließen am 16. September 1873 die letzten deutschen Truppen französisches Territorium.

Die Aneignung Elsaß-Lothringens und die hohe Reparationssumme belasteten das deutsch-französische Verhältnis schwer. Die Rückgewinnung (Revanche) der abgetretenen Gebiete stellte bis zum Ersten Weltkrieg ein Leitmotiv der französischen Politik dar. Manche Teile der französischen wie der deutschen Oberschicht und auch der übrigen Bevölkerungskreise betrachteten sich gegenseitig als „Erzfeinde“ und betonten die deutsch-französische Erbfeindschaft.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenktafel „Frankfurter Friede“ Hotel Zum Schwan, Frankfurt a. M.

Ort der Unterzeichnung war das Hotel zum Schwan im Steinweg, an dessen Stelle heute die Buchhandlung Hugendubel steht. Für das Deutsche Reich bevollmächtigte Verhandlungsführer waren Fürst von Bismarck und Graf von Arnim, für die Französische Republik Jules Favre, Augustin Pouyer-Quertier und Marc-Eugène de Goulard. Nach der Annexion Frankfurts 1866 durch Preußen war das Verhältnis der Stadt zum Königreich sehr angespannt. Bismarck versuchte den Frieden von Frankfurt auch für dieses Verhältnis positiv zu nutzen. Er sagte nach dem Friedensschluss: Ich wünsche von Herzen, daß der Friede von Frankfurt auch den Frieden für Frankfurt und den Frieden mit Frankfurt bringen werde.[1]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Henning Roet de Rouet: Frankfurt am Main als preußische Garnison. Von 1866 bis 1914. Societäts Verlag, Frankfurt am Main 2016, ISBN 978-3-95542-227-1

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Friede von Frankfurt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Friede von Frankfurt – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Henning Roet de Rouet: Frankfurt am Main als preußische Garnison. Von 1866 bis 1914. Societäts Verlag, Frankfurt am Main 2016, ISBN 978-3-95542-227-1, S. 107.