Chinesische Osteisenbahn

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Die Chinesische Osteisenbahn

Die Chinesische Osteisenbahn (russisch Китайско-Восточная железная дорога, КВЖД) (seit August 1945 – Chinesische Changchun-Eisenbahn, russisch Чанчуньская железная дорога, seit 1953Harbin-Eisenbahn), auch als Transmandschurische Eisenbahn bekannt, ist eine Eisenbahnmagistrale in Nordostchina. Sie verbindet Tschita mit Wladiwostok sowie Dalian-Lüshunkou (ehemals Port Arthur) und führt durch die historischen chinesischen Landschaften der Inneren Mongolei und Mandschurei.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ostchinesische Eisenbahn wurde von 1897 bis 1903 als Teil der Transsibirischen Eisenbahn zwischen Tschita und Wladiwostok gebaut. Zu dieser Zeit gehörte die Mandschurei im Rahmen der von den westlichen Großmächten getragenen Politik der offenen Tür in China zum Einflussgebiet des Russischen Kaiserreichs. Eine rasche Abfolge verschiedener Schwierigkeiten ließ die Baukosten in die Höhe schnellen: 1899 sowie 1901 brach Beulenpest und 1902 Cholera unter den Erbauern aus. 1900 schlossen sich die chinesischen Arbeiter dem Boxeraufstand an und zerstörten rund 700 Kilometer Strecke. Nach der russischen Niederlage im Russisch-Japanischen Krieg verlor Russland ab 1905 für längere Zeit seinen Einfluss in Nordchina und baute eine vollständig auf russischem Territorium liegende neue Strecke der Transsibirischen Eisenbahn von Tschita und Wladiwostok. Die Chinesische Ostbahn verlor damit erheblich an Bedeutung.

Erster Präsident der Ostchinesischen Eisenbahngesellschaft war der Diplomat Xu Jingcheng, der jedoch noch vor Inbetriebnahme der Strecke im Juli 1900 viergeteilt wurde. Weitere Präsidenten waren unter anderem der später mit Japan kollaborierende Li Shaogeng. Im Oktober 1920 ereignete sich bei Pogranitschny ein schwerer Eisenbahnunfall, als ein Postzug, der von Wladiwostok nach Harbin unterwegs war, entgleiste. Einhundert Menschen sollen dabei ums Leben gekommen sein.[1]

Nach der Besetzung Nordchinas durch die Kwantung-Armee verkaufte die UdSSR, obwohl sie überhaupt keine Rechte dafür (mehr) besaß, 1935 die Ostchinesische Eisenbahn an Japans Marionettenstaat Mandschukuo, der unmittelbar an die Mongolische Volksrepublik, den Satellitenstaat der Sowjetunion, grenzte.[2] Die Regierung von Mandschukuo ließ innerhalb kürzester Zeit die ursprünglich in russischer Breitspur von 1.524 mm angelegte Strecke auf die ansonsten in China übliche Normalspur von 1.435 mm umspuren.[3]

Im Zuge der Operation Auguststurm erhob die Sowjetunion erneut Ansprüche und nahm die Chinesische Osteisenbahn trotz chinesischer Proteste in Besitz. Erst nach Unterzeichnung des Chinesisch-Sowjetischen Freundschaftsvertrags verzichtete die UdSSR auf ihre Sonderrechte in Nordchina und übergab am 14. Februar 1950 die Chinesische Osteisenbahn endgültig an China.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sören Urbansky: Kolonialer Wettstreit. Russland, China, Japan und die Ostchinesische Eisenbahn. campus, Frankfurt am Main 2008, ISBN 9783593387710
  • Wladimir Kotelnikow: Der „Chinesische Eisenbahnkrieg“ von 1929. Flieger Revue Extra Nr. 24, Möller, Berlin 2009 online

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Chinesische Osteisenbahn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Peter Semmens: Katastrophen auf Schienen. Eine weltweite Dokumentation. Stuttgart 1996, ISBN 3-344-71030-3, S. 60.
  2. Sergej Slutsch, Carola Tischler: Deutschland und die Sowjetunion. Band 1. 1933/1934. Walter de Gruyter, 2014, S. 186
  3. Transmanchourien-express auf trains-worldexpresses.com (abgerufen am 30. Juli 2013)