Changchun

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Chángchun Shì
长春市
Changchun
Changchun Montage.JPG
Stadtansichten
Changchun (China)
Changchun
Changchun
Koordinaten 43° 54′ N, 125° 12′ OKoordinaten: 43° 54′ N, 125° 12′ O
Lage Changchuns in JilinLage Changchuns in Jilin
Basisdaten
Staat Volksrepublik China
Region Nordostchina
Provinz Jilin
Status Unterprovinzstadt
Gliederung 6 Stadtbezirke, 1 Kreis,
3 kreisfreie Städte
Höhe 222 m
Fläche 3616 km²
Metropolregion 20.565 km²
Einwohner 3.581.000 (2007)
Metropolregion 7.459.000
Dichte 990,3 Ew./km²
Metropolregion 362,7 Ew./km²
Postleitzahl 130000
Telefonvorwahl +86 (0)431
Zeitzone China Standard Time (CST)
UTC+8
Website www.changchun.gov.cn
Lage Changchuns in China

Changchun (chinesisch 長春市 / 长春市, Pinyin Chángchūn Shi ‚langer Frühling‘) ist die Hauptstadt der Provinz Jilin im Nordosten der Volksrepublik China und eine der 15 Unterprovinzstädte des Landes. Sie hat 2.541.729 Einwohner in der Innenstadt (Stand 1. Januar 2005) und 7,12 Mio. im gesamten Stadtgebiet.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fläche und Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Verwaltungsgebiet von Changchun hat eine Fläche von 20.565 km².

Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 4,9 °C, die Jahresniederschlagssumme 616 mm. Das Klima ist kontinental bei kalten und relativ trockenen Wintern und feucht-warmen Sommern.

Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Changchun
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) −10,4 −6,3 2,7 13,5 21,7 26,0 27,9 26,4 21,3 13,0 1,8 −7,2 Ø 10,9
Min. Temperatur (°C) −21,6 −18,5 −9,2 0,4 8,3 14,6 18,6 16,8 9,4 1,5 −8,8 −17,7 Ø −0,4
Niederschlag (mm) 4 5 9 22 42 91 184 128 61 34 12 4 Σ 596
Sonnenstunden (h/d) 6,3 7,2 7,9 8,8 8,1 7,6 7,6 7,6 6,9 5,6 5,6 5,4 Ø 7
Luftfeuchtigkeit (%) 68 63 55 51 51 67 78 80 71 64 66 68 Ø 65,2
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−10,4
−21,6
−6,3
−18,5
2,7
−9,2
13,5
0,4
21,7
8,3
26,0
14,6
27,9
18,6
26,4
16,8
21,3
9,4
13,0
1,5
1,8
−8,8
−7,2
−17,7
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
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34
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Administrative Gliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf Kreisebene setzt sich Changchun aus sieben Stadtbezirken, einem Kreis und zwei kreisfreien Städten zusammen. Diese sind:

  • Stadtbezirk Chaoyang (朝阳区), 379 km², 740.000 Einwohner, Zentrum, Sitz der Stadtregierung;
  • Stadtbezirk Erdao (二道区), 965 km², 390.000 Einwohner;
  • Stadtbezirk Jiutai (九台区), 2.875 km², 830.000 Einwohner;
  • Stadtbezirk Kuancheng (宽城区), 877 km², 470.000 Einwohner,
  • Stadtbezirk Lüyuan (绿园区), 301 km², 570.000 Einwohner;
  • Stadtbezirk Nanguan (南关区), 497 km², 610.000 Einwohner,
  • Stadtbezirk Shuangyang (双阳区), 1.663 km², 380.000 Einwohner;
  • Kreis Nong’an (农安县), 5.221 km², 1,12 Mio. Einwohner, Hauptort: Großgemeinde Nong’an (农安镇);
  • Stadt Dehui (德惠市), 3.096 km², 920.000 Einwohner;
  • Stadt Yushu (榆树市), 4.691 km², 1,23 Mio. Einwohner.

Die Einwohnerzahlen beziehen sich auf Ende 2004 und gehen von 7,26 Mio. Einwohnern für Gesamt-Changchun aus.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim Zensus 2000 wurden für das gesamte Verwaltungsgebiet Changchuns 7.135.439 Einwohner gezählt.

Name des Volkes Einwohner Anteil (in Prozent)
Han 6.883.310 96,47
Manju 0142.998 02,0
Koreaner 0049.588 00,69
Hui 0043.692 00,61
Mongolen 0011.106 00,16
Xibe 00000685 00,01
Zhuang 00000533 00,01
Miao 00000522 00,01
Sonstige 00003.005 00,04

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Changchun ist eine der wichtigsten Industriestädte im Norden Chinas. Die Stadt beherbergt Stahlwerke und eine Vielzahl metallverarbeitender Betriebe. Das Fahrzeugwerk Nummer 1 (First Automotive Works) war einmal der größte Hersteller von Autos in China und betreibt seit 1991 zusammen mit Volkswagen/Audi und Toyota zwei große Joint Ventures in der Stadt. 2004 wurde das Fahrzeugwerk Nummer 2 eingeweiht. Jährlich werden 660.000 VW-Fahrzeuge hergestellt und 9.000 Menschen sind in den Fahrzeugwerken beschäftigt. Eine weitere Ausbaustufe zur größten chinesischen Autostadt ist geplant. Seit 1999 hat Changchun auch seine eigene internationale Automesse. Die China Changchun International Automobile Fair 2009 war mit 130 in- und ausländischen Ausstellern die bisher größte Veranstaltung. Aber auch der Automobilhersteller Zxauto betreibt hier sein Zweitwerk.

Weitere Wirtschaftsfaktoren sind

Das Bruttosozialprodukt pro Kopf belief sich 2003 auf 21.336 ¥ (ca. 2.200 Euro). Damit erreichte Changchun den 52. Platz unter 659 chinesischen Städten.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Museum und Gastronomie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutsches Restaurant im Ort
Markt in Changchun

Eine nennenswerte Sehenswürdigkeit ist der Kaiserpalast, in welchem der von den Japanern eingesetzte Kaiser von Mandschukuo, Puyi, residierte.

Puyis Thronsaal

Seit 2010 gibt es in Changchun das von Rolf Giesen gegründete International Animation, Comics & Games Museum.[1]

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Changchun befinden sich die Jilin-Universität (JLU), die Nordost Normal Universität und die Changchun Universität für Wissenschaft und Technik. Außerdem befindet sich hier das Jilin Huaqiao Fremdsprachen Institut. An der Nordost Normal Universität ist das Institute for the History of Ancient Civilizations angesiedelt, das 1984 als erstes altertumswissenschaftliches Universitätsinstitut in China gegründet wurde, das Journal of Ancient Civilizations herausgibt und jährlich bis zu vier auswärtige Forscher als Gastprofessoren beschäftigt. So waren bereits Rainer Hannig, Bernhard Kytzler, Fritz-Heiner Mutschler, Carl Joachim Classen, David A. Warburton, Maria Rybakova, Burkhard Fehr und Sven Günther in der Stadt tätig. Der Mathematiker Tassilo Küpper war 1988 Honorarprofessor an der Jilin-Universität.

Skyline von Changchun, im Vordergrund der Nanhu-See

Kultur und Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2003 etablierte die Chinesische Sport-Organisation im Umfeld von Changchun das Vasaloppet China Festival mit einem Skilanglauf-Wettbewerb in abgestuften Längen, den Vasaloppet China, und umfassenden Kulturveranstaltungen.[2]

2007 wurden die Asien-Winterspiele in Changchun abgehalten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Datong-Allee in Xinjing (Changchun), 1939

Im 18. Jahrhundert war Changchun eine kleine Handelsstadt. Erst 1906 bekam die Stadt eine größere Bedeutung, als sich hier die japanische Südmandschurische Eisenbahn und die russische Chinesische Osteisenbahn trafen.

Nachdem Japan 1931 in der Mandschurei-Krise die Mandschurei besetzt und den Satellitenstaat Mandschukuo ausrief, wurde die Stadt 1932 die Hauptstadt des Staates. Der Name wurde in Xinjing (新京, Xīnjīng, jap. Shinkyō, veraltet nach Post Hsinking), zu deutsch "Neue Hauptstadt", geändert. Die Stadt erfuhr ein enormes Wachstum und große Alleen und Regierungsanlagen wurden gebaut. Außerdem wurde hier die erste japanische Hochgeschwindigkeitsstrecke des Ajia von Changchun nach Dalian gebaut.

Die Japaner siedelten auch große Filmfirmen an, die zunächst hauptsächlich Propagandafilme produzierten.

Im Jahr 1945 wurde die Stadt in der Operation Auguststurm von der sowjetischen Roten Armee besetzt. Die Truppen plünderten die Stadt. Bis 1956 behielt die Sowjetunion eine Präsenz in der Stadt und baute die erste Automobil-Produktionsstätte auf. Der auf einem Ford-Modell beruhende Jiefang-LKW (deutsch „Befreiung“) und die Rote Flaggen-Limousinen wurden hier bis 1987 produziert.

Während des Chinesischen Bürgerkriegs wurde die Stadt 1946 von der Kuomintang besetzt. Von März bis Oktober 1948 wurde die Stadt durch KPCh-Truppen belagert und anschließend erobert.[3] Dabei starben bis zu einer Million Menschen,[3][4] viele davon verhungerten. In der offiziellen chinesischen Geschichtsschreibung galt der „Sieg“ von Changchun als eines der friedlichsten und als „unblutiges“ Kapitel des ruhmreichen Befreiungskampfes des Volkes, Opferzahlen wurden nicht erwähnt.[3]

1954 wurde Changchun Hauptstadt der Provinz Jilin. Im Mai 1992 veröffentlichte Li Hongzhi hier erstmals seine Lehren von Falun Gong.

Im Januar 2006 erhielt der deutsche Städteplaner Albert Speer junior den Zuschlag für die Planung und Errichtung einer Automobil-Produktionsstätte, die mit 120 km² doppelt so groß wie Shanghais Autocity Anting ist. Die Ansiedlung von 300.000 Beschäftigten war in dem Projekt mit inbegriffen, die meisten Bauarbeiten wurden bereits beendet (Stand 2017). Das Ende des Projekts für 2022 geplant. Changchun soll nach den Plänen der Stadtregierung damit zu einem Detroit des Ostens werden. Schon jetzt ist sie Chinas zweitgrößter Automobilstandort.

Ökologische Stadterweiterung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

China befindet sich in einem der größten Transformationsprozesse seiner Geschichte, bis 2025 werden weitere ca. 350 Millionen Menschen vom Land in die Städte umsiedeln. Auch Changchun soll seine Einwohnerzahl in den nächsten 10 bis 15 Jahren verdoppeln. Das Planungsbüro Albert Speer und Partner, Frankfurt a.M., hat den Wettbewerb für eine ökologische Erweiterung Changchuns gewonnen. Die ab 2008 entstehenden neuen Stadtteile sollen vor allem die Funktion einer „Autostadt“ bekommen, d.h. alle Flächen werden der engen Verzahnung von Arbeiten im Entwicklungs- und Produktionsbereich, dem arbeitsplatznahen Wohnen und der regenerativen Freizeitgestaltung untergeordnet. Nach dem Willen der chinesischen Regierung wird Changchun der wichtigste Schwerpunktort der schnell wachsenden inländischen Automobilindustrie. Inwieweit das Konzept einer überwiegenden Ökostadt wie in Shanghai Dongtan hierbei verfolgt wird, werden die noch ausstehenden Detailplanungen zeigen.

Der Masterplan sieht eine der typischen quadratisch angelegten Stadtraster vor, das sich ca. 10 km breit und 12 km lang dahinstreckt und einmal 300.000 Einwohner aufnehmen soll. Die Musterstadt ist durch eine alleenartige Doppelachse geprägt, zweimal durchbrochen durch künstlich hineingeleitete Flussläufe, die mit breiten Begleitflächen eine gute Durchlüftung sicherstellen sollen. Alle zentral nutzbaren Gebäude und viele der emissionsfreien Arbeitsstätten sind im Zentrum geplant, die Wohngebiete liegen rechts und links der Hauptachse in passabler Entfernung; diese Stadt soll auch dem Fahrrad wieder zu neuer Blüte verhelfen. Die Randflächengestaltung der Planstadt wird voraussichtlich auch mit einer ökologischen Landschaftsreparatur verbunden, d.h. öffentlich nutzbare, parkartige Flächen oder kleinere Waldstücke anstatt landwirtschaftlich intensiv genutzter, aber der Öffentlichkeit versperrter Flächen.

Partnerstädte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Changchun hat Partnerschaften mit dem kanadischen Québec und der grönländischen Hauptstadt Nuuk[5]. Außerdem werden folgende 18 Städtepartnerschaften aufgelistet: [6]

Stadt Land seit Typ
Birmingham Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich England, Vereinigtes Königreich 1983 Partnerstadt
Ch’ongjin Korea NordNordkorea Hamgyong, Nordkorea 2003 Partnerstadt
Little Rock Little Rock Wappen.jpg Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Arkansas, Vereinigte Staaten 1994 Partnerstadt
Masterton NeuseelandNeuseeland Wellington, Neuseeland 1996 Partnerstadt
Minsk Coat of arms of Minsk.svg WeissrusslandWeißrussland Weißrussland 1992 Partnerstadt
Montreuil Blason ville fr Montreuil (Seine-Saint-Denis).svg FrankreichFrankreich Île-de-France, Frankreich 2008 Partnerstadt
Mora Wappen Mora.svg SchwedenSchweden Dalarna, Schweden 2005 Partnerstadt
Novi Sad Novi sad.gif SerbienSerbien Vojvodina, Serbien 1981 Partnerstadt
Plowdiw Plovdiv-coat-of-arms.svg BulgarienBulgarien Bulgarien 2009 Städtefreundschaft
Prachin Buri ThailandThailand Thailand 2009 Städtefreundschaft
Sendai Flag of Sendai, Miyagi.svg JapanJapan Tōhoku, Japan 1980 Partnerstadt
Tijuana Escudo .jpg MexikoMexiko Baja California, Mexiko Partnerstadt
Ulan-Ude Gerb u u.jpg RusslandRussland Sibirien, Russland 2000 Partnerstadt
Ulsan Korea SudSüdkorea Südkorea 1994 Partnerstadt
Warrnambool AustralienAustralien Victoria, Australien 2012 Städtefreundschaft
Windsor Wappen von Windsor O in Kanada.jpg KanadaKanada Ontario, Kanada 1992 Partnerstadt
Wolfsburg DEU Wolfsburg COA.svg DeutschlandDeutschland Niedersachsen, Deutschland 2006 Städtefreundschaft
Žilina Žilina Erb.svg SlowakeiSlowakei Slowakei 1992 Partnerstadt

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Liu Binyan 劉賓雁 / 刘宾雁 (1925–2005), Journalist
  • Ei-ichi Negishi (* 1935), japanischer Chemiker
  • Hiroshi Nakai (1942–2017), japanischer Politiker
  • Hwang Sok-yong (* 1943), südkoreanischer Autor
  • Liu Xiaobo 劉曉波 / 刘晓波 (1955–2017), Schriftsteller, Systemkritiker und Menschenrechtler
  • Wang Wenyi 王文怡 (* 1959) Pathologin und Journalistin
  • Chen Lu 陈露 (* 1976), Eiskunstläuferin
  • Yang Yang 楊陽 / 杨阳 (* 1977), Eisschnellläuferin
  • Li Weifeng 李玮锋 (* 1978), Fußballspieler
  • Li Chengjiang 李成江 (* 1979), Eiskunstläufer
  • Wang Hao 王皓 (* 1983), Tischtennisprofi

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Changchun – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Liane von Billerbeck: China ist reich an Geschichten. Trickfilm-Spezialist Rolf Giesen über das nach ihm benannte Museum in Changchun. In: deutschlandfunkkultur.de. 4. Oktober 2011, abgerufen am 13. Januar 2018.
  2. Vasaloppet China. In: vasaloppetchina.com. 24. Mai 2016, abgerufen am 13. Januar 2018 (englisch).
  3. a b c Lung Yingtai: Chinas vergessene Opfer, die Tageszeitung, 13. Oktober 2009
  4. Mark Siemons: Die andere Kulturrevolution, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26. August 2009
  5. Changchun Municipal People's Government: Chart of Friendly Cooperative Cities of Changchun. Abgerufen am 19. April 2018.
  6. Changchun Municipal People's Government. Abgerufen am 27. März 2018.