Christian Ludwig Brehm

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Christian Ludwig Brehm

Christian Ludwig Brehm (* 24. Januar 1787 in Schönau vor dem Walde; † 23. Juni 1864 in Renthendorf bei Neustadt (Orla)) war ein deutscher Pfarrer und Ornithologe.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erinnerungstafel an der Kirche in Drackendorf

Brehm wurde am 24. Januar 1787 in Schönau vor dem Walde bei Gotha (Thüringen) geboren. Sein Vater war der Schönauer Pfarrer Carl August Brehm, seine Mutter Sophia Christiana Philippa, geb. Heimberger. Brehm besuchte das Gothaer Gymnasium Illustre, welches bis heute unter dem Namen Gymnasium Ernestinum existiert. Nach dem Abschluss der Schule nahm Brehm 1809 ein Studium der Theologie an der Universität Jena auf. Im Anschluss wirkte er als Hauslehrer in Lausnitz und wurde am 8. März 1812 in Altenburg zum Pfarrer in Drackendorf ordiniert. Diese Stelle verließ er zu Weihnachten desselben Jahres und wirkte als Vakanzvertreter in Renthendorf. Das weitere Leben Christian Ludwig Brehms war - ganz im Gegensatz zum Leben seines Sohnes Alfred Brehm - durch außerordentliche Sesshaftigkeit geprägt: Während seiner 50-jährigen Tätigkeit als Pfarrer verließ Brehm Renthendorf nur selten. Viel Zeit hingegen investierte er in seine wissenschaftliche Tätigkeit auf dem Gebiet der Ornithologie, was ihn den Spitznamen "Vogelpastor" einbrachte. Insbesondere mit seiner umfangreichen Sammlung an Vogelbälgen (>9000 Stck.) und Veröffentlichungen zur Taxonomie der Vögel, aber auch Schriften zum Fang, zur Haltung oder Präparation von Vögeln machte er sich einen Namen. Brehm war während seines Lebens zwei Mal verheiratet. Seine erste Ehe schloss er am 15. Januar 1813 mit Amalia Wilhelmine Wachter (1790 - 1826), mit welcher er acht Kinder bekam, von welchen jedoch nur wenige das erste Lebensjahr überlebten. Von diesen kennt man Ferdinand August Brehm (1813 - 1814), Amalie Mathilda Brehm (1815 - 1816), Rudolf Brehm (1816 - ?), Mathilda Brehm (*†1818),Ida Brehm (1820 - 1821), Hugo Brehm (1821 - 1822), Oskar Brehm (1823 - 1850)[1] und eine totgeborene Tochter (*1826) bei deren Geburt auch Mutter Amalia verstirbt. Nur ein Jahr später heiratet Brehm seine zweite Frau Bertha, geb. Reiz, unter spätere Mutter von Alfred Edmund Brehm. Neben ihm gehen Reinhold Bernhard Brehm (1830 - ?), Thekla Klothilde Hertha Brehm (1833 - 1857), Edgar Theobald Brehm (1835 - 1900), Arthur Matthias Ludwig Brehm (*1839) und Alexander Wilibald Johannes Brehm (1845 - 1846) aus dieser Ehe hervor. Am 23. Juni 1864 verstarb Brehm in Renthendorf. Seine Witwe Bertha ließ daraufhin ein neues Wohnhaus neben dem Pfarrhaus errichten, welches sie mit ihren drei geistig behinderten Söhnen beziehen konnte. Heute informiert die Brehm-Gedenkstätte in diesem Haus und dem Pfarrhaus in Renthendorf über das Leben und Werk Christian Ludwig Brehms aber auch das seines Sohnes Alfred Edmund Brehms.

Wissenschaftliche Arbeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fiktionale Darstellung Christian Ludwig Brehms bei seiner wissenschaftlichen Arbeit im Pfarrhaus von Carl Werner (1859)

Christian Ludwig Brehm begann frühzeitig, Vogelbälge zu sammeln, und legte darauf Wert, nicht nur die attraktiv ausgefärbten Bälge zu sammeln, sondern auch solche im Jugend-, Brut- oder Ruhekleid. Schlussendlich besaß er mit 15.000 etikettierten Bälgen eine wissenschaftlich geordnete Sammlung, die an Umfang alle vergleichbaren seiner Zeit übertraf und welche aufgrund von Brehms akribischer Datenaufnahme bis zum heutigen Tag von Wert für die Biodiversitätsforschung ist. Sie diente unter anderem seinem Sohn Alfred Brehm sowie Johann Friedrich Naumann als Forschungsobjekt. Er verfasste darüber hinaus zahlreiche Schriften die wir heute wohl vor allem der Taxonomie zuschreiben würden. So kam er z.B. aufgrund seiner Untersuchungen zu der Schlussfolgerung dass der Gartenbaumläufer und der Waldbaumläufer, das Sommergoldhähnchen und das Wintergoldhähnchen sowie die Sumpfmeise und die Weidenmeise unterschiedlichen Arten zugeordnet werden müssen. Sein besonderes Interesse galt auch die Unterscheidung von geographischen Subspezies: 55 der von ihm beschriebenen Unterarten in verschiedenen Gegenden Europas wurden später anerkannt[2]. Er gab außerdem mit "Ornis" eine der ersten ornithologischen Zeitschriften der Welt heraus, die allerdings bereits nach dem Erscheinen des dritten Heftes wieder eingestellt werden musste. Neben diesen Arbeiten veröffentlichte er aber auch sehr praxisnahe Ratgeber zum Vogelfang, zur Haltung von Vögeln und zur Präparation derselben. Christian Ludwig Brehm wurde mehrfach während seines Lebens für sein wissenschaftliches Werk hoch geehrt. Dazu zählen die 1822 erfolgte Aufnahme in die Leopoldina und 1858 die Verleihung der Ehrendoktorwürde durch die Medizinische Fakultät der Universität Jena.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Beiträge zur Vögelkunde. 3 Bde, ab Bd. 3 in Zusammenarbeit mit W. Schilling. Neustadt an der Orla 1820–1822.
  • Lehrbuch der Naturgeschichte aller europäischen Vögel. 2 Bde. Jena 1823–1824
  • Ornis oder das neueste und Wichtigste der Vögelkunde. Jena 1824–1827 (erste ornithologische Zeitschrift der Welt).
  • Handbuch der Naturgeschichte alle Vögel Deutschlands. Ilmenau 1831.
  • Handbuch für den Liebhaber der Stuben-, Haus- und aller der Zähmung werthen Vögel. Ilmenau 1832.
  • Der Vogelfang. Leipzig 1836.
  • Der vollständige Vogelfang. Weimar 1855.
  • Die Kunst, Vögel als Bälge zu bereiten. Weimar 1842.
  • Die Wartung, Pflege und Fortpflanzung der Canarienvögel. Weimar 1855, 2. Auflage Weimar 1865, 3. Auflage Weimar 1872, 4. Auflage Weimar 1883, 5. Auflage Weimar 1893.
  • Die Naturgeschichte und Zucht der Tauben. Weimar 1857.
  • E. Baldamus, C.L. Brehm, John Wilhelm von Müller & J.F. Naumann: Verzeichnis der Vögel Europa's. als Tausch-Catalog eingerichtet. Stuttgart 1852.
  • Monographie der Papageien oder vollständige Naturgeschichte aller bis jetzt bekannten Papageien mit getreuen und ausgemalten Abbildungen, im Vereine mit anderen Naturforscher herausgegeben von C.L. Brehm. Jena/Paris 1842–1855.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Christian Ludwig Brehm – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Christian Ludwig Brehm – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ludwig Gebhardt: Die Ornithologen Mitteleuropas. Band 1, Brühlscher Verlag, Gießen 1964, S. 52.
  2. Haffer, Jürgen. "Christian Ludwig Brehm (1787–1864) über Spezies und Subspezies von Vögeln." Journal für Ornithologie 144.2 (2003): 129-147.