Christoph M. Schmidt

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Christoph M. Schmidt

Christoph M. Schmidt (* 25. August 1962 in Canberra, Australien) ist ein deutscher Volkswirt. Er ist Präsident des RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung und war bis Februar 2020 Vorsitzender des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Zudem ist er Professor für Wirtschaftspolitik und angewandte Ökonometrie an der Ruhr-Universität Bochum.[1]

Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich Angewandte Ökonometrie, insbesondere der arbeits- und bevölkerungsökonomischen sowie energiepolitischen Fragestellungen. Er setzt sich für eine CO2-Steuer zur Bekämpfung der durch den Menschen verursachten globalen Erwärmung ein.[2]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herkunft und Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Christoph Schmidt legte sein Abitur 1981 am Domgymnasium Fulda ab.[3] Anschließend studierte er Volkswirtschaftslehre an der Universität Mannheim, wo er sein Studium 1987 als Diplom-Volkswirt abschloss. Er wechselte dann an die Princeton University, erlangte dort 1989 einen Master-Abschluss und wurde 1991 mit einer empirischen Arbeit zum deutschen Arbeitsmarkt promoviert. Sein Doktorvater war David Card, ein anderer Betreuer seiner Doktorarbeit der Nobelpreisträger Angus Deaton.[4] Schmidt habilitierte sich 1995 an der Universität München.

Während seiner Ausbildung wurde er durch eine Princeton University Fellowship (1987–1990), die Alfred P. Sloan Doctoral Dissertation Fellowship (1990–1991) sowie mit einem Habilitandenstipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft (1992–1995) ausgezeichnet.[5] 2016 wurde ihm der Gustav-Stolper-Preis des Verein für Socialpolitik verliehen für seine Leistung, „wichtige wirtschaftspolitische Themen in den Fokus der Diskussion zu stellen und einer breiten Öffentlichkeit zu vermitteln“.[6]

Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Berufliche Laufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1992 war Schmidt zunächst Research Affiliate, seit 1996 ist er Research Fellow des Centre for Economic Policy Research (CEPR) in London. Seit 1998 ist er Research Fellow des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) in Bonn.

1995 wurde er an den Lehrstuhl für Ökonometrie an der Universität Heidelberg berufen, den er bis 2002 innehatte. Seit 2002 ist er Professor an der Ruhr-Universität Bochum und Präsident des RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Essen. Im März 2009 wurde Schmidt in den Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung berufen, wo er den Platz von Bert Rürup einnahm.[5] Im März 2013 übernahm er den Vorsitz des Sachverständigenrates von Wolfgang Franz bis zum Ende seiner Ratsmitgliedschaft im Februar 2020.[7]

Von 2011 bis 2013 war er sachverständiges Mitglied der Enquete-Kommission Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität des Deutschen Bundestages. Seit 2014 ist er Präsidiumsmitglied der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech), der er seit 2011 als Mitglied angehörte. Seit 2017 ist er stellvertretender Vorsitzender im Direktorium des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Akademienprojektes „Energiesysteme der Zukunft“, in dessen Rahmen er sich bereits seit dem Jahr 2013 engagiert.[8]

Im April 2020 wurde Schmidt einstimmig zum Ko-Vorsitzenden des Deutsch-Französischen Rates der Wirtschaftsexperten gewählt. Schmidt gehört dem Gremium seit seiner Einrichtung durch den Vertrag von Aachen im Oktober 2019 an.[9] Ebenfalls seit April 2020 gehört Schmidt dem "Expertenrat Corona" der Landesregierung Nordrhein-Westfalens an. Das von Ministerpräsident Armin Laschet ins Leben gerufene zwölfköpfige Gremium soll im Kontext der Corona-Krise "Kriterien und Maßstäbe für die Öffnung des sozialen und öffentlichen Lebens" entwickeln.[10]

Weitere Mitgliedschaften und Engagements[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schmidt ist Vorsitzender des Kuratoriums des Max-Planck-Instituts für Steuerrecht und Öffentliche Finanzen sowie Mitglied der Akademie der Wissenschaften und der Literatur (2015),[11] der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste (2018), des Kuratoriums der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, der Kinderstiftung Essen,[12] im Wissenschaftlichen Beirat der Fritz-Thyssen-Stiftung, sowie im Wissenschaftlichen Beirat der wirtschaftspolitischen Zeitschrift Wirtschaftsdienst.[13] Im Jahr 2020 wurde Christoph M. Schmidt in der Sektion Ökonomik und Empirische Sozialwissenschaften als Mitglied in die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina aufgenommen.

Seit 2020 Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats des Energiewirtschaftliches Institut an der Universität zu Köln (EWI), seit 2020 Mitglied des Expertengremiums des Programms zur Förderung von Spitzenforschung an Universitäten („Exzellenzstrategie“) der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) und seit 2021 Mitglied im Aufsichtsrat der BMW AG.[14]

Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zusammenhang mit Thilo Sarrazins Buch Deutschland schafft sich ab kritisierte er scharf dessen Methodik und warf ihm falsch verstandene Statistik und Rassismus vor. Sarrazin irre über die methodischen Grenzen statistischer Verfahren und gelange so zu absurden Schlussfolgerungen, mit denen er pseudowissenschaftlich rassistische Thesen zu untermauern suche.[15]

Im März 2013 forderte Schmidt wirtschaftspolitische Reformen in Deutschland, die er als Weiterentwicklung der „Hartz-Reformen“ der Jahre 2003 bis 2005 sieht. Dazu zählt er eine weitere Liberalisierung des Arbeitsmarkts, wie etwas eine Lockerung des Kündigungsschutzes, und eine weitere Erhöhung des Rentenalters auf 69 Jahre im Jahr 2060.[16]

Einen Mindestlohn von 8,50 Euro bezeichnet Schmidt als „sehr hohe Hürde“ für das Ziel, Flüchtlinge und Geringqualifizierte in den Arbeitsmarkt zu integrieren.[17] Er sprach sich gegen eine Erhöhung aus, weil dadurch Arbeitsplätze insbesondere für Geringqualifizierte gefährdet würden. Die Mindestlohnbefürworter kümmerten sich „offenbar“ wenig um die „Beschäftigungschancen wenig produktiver Arbeitnehmer“.[18]

Schmidt setzt sich für eine nachhaltige und kosteneffektive Energiewende im Rahmen einer europäischen Lösung ein.[19] Er befürwortet den Umstieg auf grüne Energieerzeugung, kritisiert jedoch die Einzelförderung von Technologien im Rahmen des nationalen Erneuerbare-Energien-Gesetzes als ineffizient und sozial ungerecht. Hauptargumente der Kritik sind, dass wegen der Beteiligung deutscher Unternehmen am EU-Emissionshandel durch gleichzeitige nationale Alleingänge wie dem EEG keine einzige Tonne CO2 zusätzlich eingespart werden könne und dass insbesondere einkommensschwache Haushalte durch die EEG-Umlage besonders belastet werden. Gemeinsam mit dem Umweltökonomen Ottmar Edenhofer entwickelte Schmidt ein Steuerkonzept auf Basis einer CO2-Steuer, das auf die Bekämpfung des Klimawandels durch rein marktwirtschaftliche Mechanismen abzielt.[20][21]

Aufgrund der sozialen Schieflage im Bildungssystem befürwortet Schmidt die Einführung sozialverträglicher nachgelagerter Studiengebühren. Gemeinsam mit Wissenschaftlern von der Australian National University hat er das Modell „BAföG Plus“ entwickelt, wonach alle Studierenden ein zinsfreies staatliches Darlehen zur Zahlung von Gebühren erhielten. Dieses würde nach Ende des Studiums einkommensabhängig als eine Art Graduiertensteuer zurückgezahlt. Das aufgrund einer Bedürftigkeitsprüfung zugestandene BAföG-Stipendium bliebe erhalten.[22]

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schmidt war Mitherausgeber des Journal of Population Economics und des German Economic Review. Er hat in zahlreichen renommierten Fachzeitschriften publiziert wie dem European Economic Review, dem Journal of Economic Behavior and Organization, dem Journal of Health Economics, dem Journal of Public Economics, und dem Review of Economics and Statistics.[5]

Er ist zudem Ko-Autor des Lehrbuchs „Empirische Wirtschaftsforschung. Eine Einführung“.[23]

Ausgewählte Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • T. K. Bauer, P. Breidenbach, C. M. Schmidt: "Phantom of the Opera" or "Sex and the City" – Historical Amenities as Sources of Exogenous Variation. In: Labour Economics, Jg. 37 (2015), S. 93–98. DOI: 10.1016/j.labeco.2015.05.005
  • T. K. Bauer, S. Bender, A. Paloyo, C. M. Schmidt: Do Guns Displace Books? The Impact of Compulsory Military Service on Educational Attainment. In: Economics Letters, Bd. 124 (2014), S. 513–515. DOI: 10.1016/j.econlet.2014.07.026
  • M. Frondel, C. M. Schmidt: A Measure of a Nation's Physical Energy Supply Risk. In: The Quarterly Review of Economics and Finance, Jg. 54 (2014), Heft 2, S. 208–215.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Startseite. Abgerufen am 19. Dezember 2018.
  2. Dohmen et al.: Neues Steuerkonzept: Wie jetzt der Markt das Klima retten soll. Spiegel+, 30. November 2018.
  3. Wiedersehen nach vielen Jahren – Patronatsfest an der Rabanus-Maurus-Schule, Fuldaer Zeitung, 8. Februar 2014.
  4. Presse - Archiv. Abgerufen am 19. Dezember 2018.
  5. a b c Christoph M. Schmidt beim RWI Essen
  6. Liste der Preisträger | Verein für Socialpolitik. In: www.socialpolitik.de. Abgerufen am 29. Dezember 2016.
  7. Ehemalige Ratsmitglieder. 2. März 2020, abgerufen am 2. März 2020.
  8. Energiesysteme der Zukunft. Abgerufen am 19. Dezember 2018.
  9. Pressemitteilungen. Abgerufen am 2. April 2020.
  10. Ministerpräsident Armin Laschet beruft „Expertenrat Corona“ | Das Landesportal Wir in NRW. 1. April 2020, abgerufen am 2. April 2020.
  11. Mitgliedseintrag von Christoph M. Schmidt bei der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz, abgerufen am 6.11.17
  12. Kinderstiftung Essen e.V: Kinderstiftung Essen: Kuratorium. Abgerufen am 19. Dezember 2018.
  13. Wissenschaftlicher Beirat | Wirtschaftsdienst. Abgerufen am 4. Januar 2018.
  14. Vita gemäß RWI-Essen
  15. Falsch verstandene Statistik und Rassismus (Memento vom 11. September 2010 im Internet Archive), Handelsblatt, 6. September 2010
  16. Experten für Fortsetzung von Schröders Agenda-Politik. Auf: www.welt.de, 10. März 2013.
  17. RP ONLINE: Lohnuntergrenze: Mindestlohn über 8,80 Euro? Abgerufen am 19. Dezember 2018.
  18. Bert Losse: Wirtschaftsweiser Schmidt: Mindestlohn 2017 nicht erhöhen. Abgerufen am 19. Dezember 2018.
  19. WELT: Wirtschaftsweiser: Rein deutsche Energiewende macht keinen Sinn. In: DIE WELT. 29. Dezember 2013 (welt.de [abgerufen am 19. Dezember 2018]).
  20. Dohmen et al. (2018). Neues Steuerkonzept: Spiegel+, 30. November 2018. Wie jetzt der Markt das Klima retten soll. http://www.spiegel.de/plus/neues-steuerkonzept-fuer-deutschland-raus-aus-absurdistan-a-00000000-0002-0001-0000-000161087441
  21. Eckpunktepapier von Ottmar Edenhofer und Schmidt. In: www.rwi-essen.de. RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung, abgerufen am 19. Dezember 2018.
  22. Mathias Sinning, Christoph M. Schmidt, Katja Fels: BAföG Plus: Deutschlands Hochschulfinanzierung neu. Nachgelagerte Studiengebühren können die soziale Schieflage in der Bildungsfinanzierung auflösen. Nr. 66. RWI Positionen, 2015 (econstor.eu [abgerufen am 19. Dezember 2018]).
  23. Thomas K. Bauer, Michael Fertig, Christoph M. Schmidt: Empirische Wirtschaftsforschung: Eine Einführung (= Springer-Lehrbuch). Springer-Verlag, Berlin Heidelberg 2009, ISBN 978-3-540-00041-9 (springer.com [abgerufen am 19. Dezember 2018]).
  24. Gustav-Stolper-Preis, abgerufen am 11. September 2017.
  25. Bürger des Ruhrgebiets, abgerufen am 2. Juli 2020.