Christoph Pfister

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Christoph Pfister (* 10. Oktober 1945 in Bern) ist ein Schweizer Historiker und Autor. Er ist ein Vertreter der Chronologiekritik, die in wissenschaftlichen Kreisen als bedeutungslos angesehen wird. Hauptsächlich befasst er sich mit geschichtlichen und heimatkundlichen Themen über die Schweiz im Allgemeinen sowie die Stadt und den Kanton Bern im Besonderen.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Christoph Pfister verbrachte seine Kindheit in Bern, wo er als Sohn von Robert Pfister, eines Generalagenten, und Marie-Elise, geborene Roos, zur Welt kam.[1] Dort besuchte er die Primarschule von 1952 bis 1956 und von 1956 bis 1960 die Sekundarschule. Im Jahr 1960 zog er nach Freiburg um, wo er in das Kollegium St. Michael eintrat und bis zur 5. Klasse das humanistische Gymnasium absolvierte. Von 1964 bis 1967 bereitete er sich an einer Privatschule und im Selbststudium auf die Eidgenössische Maturitätsprüfung des Typus A vor, die er in St. Gallen im September 1967 bestand. Ab dem Wintersemester 1967/68 studierte Pfister im Hauptfach neuere Geschichte, in den Nebenfächern mittelalterliche Geschichte (Mediävistik) und historische Hilfswissenschaften an der Universität Freiburg i. Ü. Daneben besuchte er auch Vorlesungen aus anderen Gebieten der philosophischen Fakultät. Im Jahr 1974 promovierte er bei Heribert Raab zum Thema Die Publizistik Karl Ludwig von Hallers in der Frühzeit 1793 – 1815.[2] Anschliessend betätigte sich Pfister als Universitätsassistent, später als Sprachlehrer und Publizist. In den 1990er Jahren begann er sich geschichts- und chronologiekritischen Themen zuzuwenden.[3] Als Grundlage für seine Betrachtungen nimmt er oft die Gegebenheiten seiner Schweizer Umgebung. Er hat dazu verschiedene Artikel in der regionalen Presse[4] veröffentlicht, Vorträge gehalten und Bücher verfasst. Bei der deutschen Übersetzung von Georges Andreys Bestseller Schweizer Geschichte für Dummies war er für das Lektorat verantwortlich.[5] Seit dem Jahr 2011 gibt Pfister seine älteren, in Buchform publizierten Schriften kostenlos und aktualisiert in der eigenen Reihe Historisch-philologische Werke als E-Books heraus. Die Reihe zählt gegenwärtig acht Bände. Der 6. Band, Beiträge zur Freiburger Historiographie des 18. und 19. Jahrhunderts, ist bislang als E-Book nicht verfügbar. Pfister arbeitete in Freiburg. Er ist unverheiratet und lebt seit 2015 in Matran bei Freiburg.

Thesen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Pfisters bisheriges Hauptwerk gilt sein Buch Die Matrix der alten Geschichte (2013). Darin fasst er die verschiedenen geschichts- und chronologiekritischen Ansätze älterer und zeitgenössischer Autoren zu einem eigenen, radikalen Thesengebäude zusammen. Grundlegende Anregungen bezog er unter anderem aus den Werken von Anatoli Timofejewitsch Fomenko, Wilhelm Kammeier, Uwe Topper, Karl August von Cohausen, Nikolai Alexandrowitsch Morosow, Robert Baldauf, Edwin Johnson, Francesco Carotta und von Joseph Yahuda. Pfister vertritt im Wesentlichen die These, dass ein gesichertes historisches Wissen bereits wenige Jahrzehnte vor der Französischen Revolution ende. Früher datierte Überlieferungen, seien es Urkunden oder Inschriften an Bauten, sieht Pfister als Fälschungen an, die Teil einer religiös geprägten Geschichtserfindung einiger weniger Autoren im frühen 18. Jahrhundert seien, deren Werke in der Folge als Vorlagen für weitere Geschichtserfindungen dienten. Die organisatorischen Probleme, die mit einer solchen umfassenden Fälschungsaktion verbunden gewesen wären, welche neben Europa offenbar auch den übrigen Mittelmeerraum umfasste, bleiben dabei ungeklärt.

In den Sprachen Griechisch, Latein und Hebräisch sieht Pfister Kunstprodukte einer früheren Hegemonialmacht im europäischen Raum zum Zweck der Verständigung in der Verwaltung, Armee und Religion. Wobei zuerst Griechisch geschaffen worden sei, später abgelöst durch Latein. Hebräisch sieht Pfister als jüngste der drei Kunstsprachen belegt. Zum einen bestehe der Wortschatz zu beträchtlichen Teilen aus griechischen Wörtern und zum anderen aus deutschen.[6]

Neben quellen- und textkritischen Arbeiten befasst sich Pfister mit der Bau- und Technologiegeschichte. Die Fortschritte auf letzteren Gebieten seien wesentlich rascher erfolgt, als bisher angenommen. Die Entwicklung der baugeschichtlichen Epochen Romanik, Gotik, Renaissance bis hin zu Barock sollen sich in Schüben weniger Jahrzehnte im 17. und 18. Jahrhundert vollzogen haben, nachdem sich die Erfindung des Mörtels um 1700 durchgesetzt habe. Daher schätzt Pfister im Vergleich zur etablierten Lehrmeinung die Bauten des antiken Roms viel jünger ein. Er kritisiert in dem Zusammenhang auch das konventionelle Geschichtsbild vom Bau alter Kirchen, in dem von Bauzeiten von mehreren hundert Jahren ausgegangen wird.[7] Pfister vermutet auch hier wesentlich kürzere Entstehungszeiten von wenigen Jahren.

Ein besonderes Steckenpferd von Christoph Pfister ist die Burgenkunde. Hier interessieren ihn besonders die alten Wehranlagen, die Oppida, die Erdburgen und die Steinburgen. Aus diesen Anlagen gewinnt der Autor Rückschlüsse auf die dahinterstehende Kultur und eine relative Chronologie.

Das Weisse Buch von Sarnen bezeichnet er als bewusste Fälschung aus dem 19. Jahrhundert. Der chronikalische Teil sei ohne jeden Wert und nur zur Verbreitung des Mythos Tell viel später geschrieben worden.[8]

Wissenschaftliche Methoden zur Altersbestimmung von Stoffen wie etwa die Radiokohlenstoffdatierung lehnt Pfister als unbrauchbar ab. Nach seiner Einschätzung gibt es zurzeit kein Instrument, um Material zweifelsfrei richtig datieren zu können.

Seit Jahren vertritt Christoph Pfister folgende allgemeine Erkenntnisse zur Geschichte und Chronologie: Die heutige menschliche Kultur und Gesellschaft hat sich vor vielleicht 400 Jahren herausgebildet. Der Zement oder Mörtel hat die Römerzeit ermöglicht, vor etwas mehr als dreihundert Jahren. – Das Mittelalter begann vor weniger als 300 Jahren und dauerte etwa drei Generationen. – Die nachrömische Stilfolge von Romanik und Gotik wurde etwa 1770 von den neuen Stilen des Barocks, des Rokoko und des Klassizismus abgelöst. – Die heute gebräuchliche Anno Domini-Datierung wurde vielleicht um 1740 eingeführt. – Die schriftliche Überlieferung in Handschriften und Drucken setzte um 1750 ein. Um diese Zeit begann auch die künstlerische Produktion mit Gemälden und Zeichnungen. Doch ist die ganze literarische Produktion der ersten fünfzig Jahre nach ihrem Beginn als eine einzige Geschichtsdichtung anzusehen. Die Inhalte und Jahrzahlen bis um etwa 1800 haben nur symbolischen Wert. Die literarische Geschichtserfindung hatte religiöse Motive.

Im Streit um die Theorien von Heribert Illig hat Pfister klar Position gegen Illig bezogen und dessen These über Karl den Grossen als „unmöglich“ kritisiert.[9]

Die bemannten Mondlandungen der USA erachtet Pfister als „Fake“ (Fälschung).[10] Dabei bedient er sich hauptsächlich der Argumente, die der umstrittene Autor Gernot L. Geise veröffentlichte.

Anfangs 2016 veröffentlichte Pfister ein Online-Manifest zur Geschichts- und Chronologiekritik[11] – auch in französischer und englischer Übersetzung.

Im Frühjahr desselben Jahres gab der Autor Die Ortsnamen der Schweiz in einer neuen und erweiterten Fassung heraus.

Im Herbst 2016 erschien von ihm die endgültige Ausgabe von Johann Rudolf Wyss: Der Abend zu Geristein und Der Ritter von Ägerten. Neben Änderungen bei den Bildern und Kommentaren hat der Herausgeber dem Büchlein auch eine Sage über die Teufelsküche im Grauholz bei Bern angefügt.

Die Webseite von Christoph Pfister enthält unterdessen rund 170 illustrierte Artikel zur Geschichte, Philologie und Heimatkunde. Davon gehen etwa 90 Beiträge über Burgen, besonders Erdburgen und Burgstellen, im Kanton Bern und in der übrigen Westschweiz.

Für 2017 plant der Autor eine Neuausgabe von Die Ursprünge Berns.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfisters Thesen werden von der etablierten Forschungswelt selten beachtet oder dann abgelehnt.[12] In chronologiekritischen Kreisen, die von etablierten Historikern allerdings nicht ernst genommen werden, sind seine Schriften dagegen bekannt und geniessen als Grundlagenwerke im deutschen Sprachraum eine gewisse Anerkennung.[13] Die historisch-heimatkundlichen Untersuchungen Pfisters, unter anderem über das Anch von Bern[14], die Kelten oder über verschiedene Erdburgen im Bernbiet[15], sind gelegentlich Gegenstand von teils kritischen Schweizer Presseberichten.[16] Der Schweizer Kulturanthropologe Kurt Derungs bezieht sich im Rahmen seiner Forschungen auf Pfisters Arbeiten.[17]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Christoph Pfister: Lebenslauf. In: Christoph Pfister: Die Publizistik Karl Ludwig von Hallers in der Frühzeit. 1791-1815. Bern: Herbert Lang; Frankfurt/M.: Peter Lang 1975. S. 205.
  2. Christoph Pfister: Biografie & Werke. In: Geschichte und Chronologie. Kritik. Kürzungen. Rekonstruktion. Geschichtliche Analytik. Internationale wissenschaftliche und populär-wissenschaftliche Webseite für Geschichtskritik und neue Chronologie. [1]
  3. Eugen Gabowitsch: A chronological revolution made by historical analytics. In: International Historical-Analytical Almanac. Jg. 1 Heft 1 (2007) S. 12 und 18f.[2]@1@2Vorlage:Toter Link/www.ihaal.com (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (PDF-Datei; 240 kB) (Englisch); Christoph Pfister: Thesen zur Geschichts- und Chronologiekritik. Archivlink (Memento des Originals vom 6. Dezember 2009 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.dillum.ch
  4. Christoph Pfister: Der grosse Plan. In: Der Bund. 27. November 2003. Ausgaben-Nr. 250. S. 8; Christoph Pfister: Löst Geometrie das Rätsel? Keltenwall und Knebelburg auf dem Jäissberg bei Port. In: Solothurner Zeitung. 9. November 1998. S. 17; Christoph Pfister: Interessantes Bauwerk der keltischen Welt. In: Der Bund. 11. April 1996. Ausgabe-Nr. 84. S. 9.
  5. Georges Andrey: Schweizer Geschichte für Dummies. Weinheim: Wiley VCH Verlag 2009.
  6. Christoph Pfister: Hebraica historica. Neue Erkenntnisse zur Geschichte und zum Ursprung der hebräischen Sprache in Europa und in der Schweiz.[3]
  7. Christoph Pfister: Zur langen Baugeschichte des Mittelalters. Kritik an der überlieferten Chronologie und Versuch einer Neubetrachtung. In: Zeitensprünge (vormals Vorzeit-Frühzeit-Gegenwart) Jg. 11. Heft 1 (1999), S. 139–166.
  8. Christoph Pfister: Die alten Eidgenossen. Die Entstehung der Schwyzer Eidgenossenschaft im Lichte der Geschichtskritik und die Rolle Berns. S. 94 (PDF; 13,07 MB)
  9. Christoph Pfister: Anti-Illig. Heribert Illig und seine unmögliche These über Karl den Grossen.
  10. Christoph Pfister: Das Fake der amerikanischen Mondlandungen, 1969 ff. – Der Apollo-Hoax der Amerikaner.
  11. Online-Manifest zur Geschichts- und Chronologiekritik
  12. Thomas von Graffenried: [Buchbesprechung zu] Pfister, Christoph: Der antike Berner Bär. Die Vorgeschichte einer mächtigen Stadt. 2. Aufl. Fribourg: Dillum Verlag des Autors, 2002. 190 S., ISBN 3-0344-0010-1 In: Schweizerische Zeitschrift für Geschichte 53 (2002) S. 225 (ausserdem in: Berner Zeitschrift für Geschichte und Heimatkunde. 65. Jg. Heft 4 (2003) S. 215–216 [4]@1@2Vorlage:Toter Link/www.bzgh.ch (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.); Daniel Gutscher: Historisches Ereignis und archäologischer Befund. Gedanken zur Einführung ins Thema. In: Mittelalter – Moyen Age – Medioevo – Temp medieval. Zeitschrift des Schweizerischen Burgenvereins. 11. Jg. Heft 3 (2006) S. 134f. oder in: Mitteilungen der Deutschen Gesellschaft für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit 16. (2005) S. 10 [5]@1@2Vorlage:Toter Link/www.dgamn.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (PDF-Datei; 145 kB); Wilhelm Kaltenstadler: Wie Europa wurde was es ist. Beiträge zu den jüdischen Wurzeln der europäischen Kultur. Gross-Gerau: Ancient Mailverlag 2008.
  13. Eugen Gabowitsch: Alternative Geschichte und Chronologiekritik. Internationale Ganztagestagung im Karlsruher Geschichtssalon vom 29. Juli 2000.[6]; Gernot L. Geise und Uwe Topper: Bücher von Christoph Pfister.[7]; Heribert Illig: 297 Jahre - zur Länge der Phantomzeit. In: Zeitensprünge 3/2006.[8]; Andreas Otte: Chronologie-Rekonstruktion. In: Chronologie-Rekonstruktion.
  14. Christoph Pfister: Das Ankh von Bern. In: Synesis Jg. 9 Nr. 54 Heft 6 (2002). Archivlink (Memento des Originals vom 24. März 2009 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.efodon.de
  15. Rahel Meile: «Burgen sind mein Hobby» In: Berner Zeitung. 25. Oktober 2004. S. 24; andere Online-Version S. 28 f.; (PDF-Datei; 100 kB)
  16. Stefan von Bergen: Sehnsucht nach den alten Kelten. In: Berner Zeitung. 13. Juni 2009.[9], Jörg Kiefer: Haben es die Kelten so gewollt? Namenszwillinge auf Landvermessungslinien. In: Neue Zürcher Zeitung. 3. Januar 2004. Ausgabe-Nr. 1. S. 14[10]@1@2Vorlage:Toter Link/www.nzz.ch (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.; Felix Maise: Noch nicht vom Sockel gestossen. In: Tages-Anzeiger. 8. November 2002. S. 42; This Rutishauser: Die Stadt Bern, eine Gründung der Kelten? In: Der kleine Bund. 17. August 2002. S. 5; Rebekka Reichlin: «Die Kelten haben das Land präzis vermessen» In: Der Bund. 14. November 1997, Ausgabe Nr. 266. S. 31; Carole Schneuwly: Christoph Pfister legt Buch über die Freiburger Geschichtsschreibung vor. In: Freiburger Nachrichten, 28. März 2008. S. 6[11]; Rosmarie Waldner: Ein Bärengraben in der Antike? Gallorömische Anlage auf der Berner Engehalbinsel neu gedeutet. In: Tages-Anzeiger. 7. Mai 1997. S. 74.
  17. Kurt Derungs: Geheimnisvolles Bern. Sakrale Stätten an der Aare. Grenchen: Amalia Verlag 2009. ISBN 978-3-905581-30-0.