Cicely Saunders

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Dame Cicely Mary Strode Saunders, OM, DBE (* 22. Juni 1918 in Barnet, Hertfordshire; † 14. Juli 2005 in London) war eine englische Krankenschwester, Sozialarbeiterin und Ärztin. Sie gilt als Begründerin der modernen Hospizbewegung und Palliativmedizin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cicely Saunders besuchte die Roedean School bis 1937 und begann anschließend ein Studium der Philosophie, Politik und Ökonomie am St Anne’s College, Oxford. Sie brach das Studium ab, da sie im gerade ausgebrochenen Krieg etwas Nützlicheres machen wollte, und ließ sich am St Thomas’s Hospital in der Nightingale School of Nursing zur Krankenschwester ausbilden. Nach Kriegsende kehrte sie zurück ans St Anne's College und nahm ihr Studium wieder auf, das sie 1947 mit einem Diplom in Public and Social Administration abschloss. Sie arbeitete weiterhin als sogenannte Lady Almoner und als Freiwillige in der Krankenpflege. Dabei begegnete sie Patienten, die sich im Endstadium ihrer Erkrankung befanden, und stellte fest, dass diese oft unzureichend versorgt waren und vor allem unter Schmerzen litten.
Als sie Ende der 1940er Jahre im St. Lukes Hospital in London arbeitete, lernte sie den 40-jährigen Patienten David Tasma kennen. Tasma, ein aus Polen stammender Jude und Überlebender des Warschauer Ghettos, litt aufgrund einer fortgeschrittenen Krebserkrankung unter starken Schmerzen und wurde von Saunders in seinen letzten Wochen begleitet. Er vermachte ihr sein Vermögen von £ 500, verbunden mit dem Wunsch, ein Sterbeheim zu eröffnen.[1]
Da Saunders klar war, dass sie für dieses Ziel weitere Qualifikationen benötigte, beschloss sie, Ärztin zu werden. 1957 beendete sie die entsprechende Ausbildung an der St Thomas’s Hospital Medical School (inzwischen im King’s College London aufgegangen) mit einem Bachelor of Medicine und Bachelor of Surgery (MBBS).[2] Es dauerte aber noch 10 Jahre, bis 1967 das St. Christopher’s Hospice in Sydenham im Südosten Londons eröffnet werden konnte.[3]; bis dahin arbeitete Saunders sieben Jahre lang als Ärztin im Hospiz der Schwestern der Barmherzigkeit.[4] Von 1967 bis 1985 leitete Saunders das St Christopher's Hospice.[1]

Saunders heiratete erst spät und hatte keine Kinder.[5] Sie engagierte sich auch in ihrem Ruhestand in der Hospizbewegung und starb 87-jährig in dem von ihr eröffneten Hospiz.[1]

Arbeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Palliative Care

Cicely Saunders prägte in den frühen 1960ern den Begriff des Total Pain. Nach diesem Konzept besteht der Schmerz aus vier Dimensionen: Physisch, psychisch, sozial und spirituell. Schwerkranke Menschen erleiden demnach Schmerzen, die über das rein körperliche Leiden hinausgehen. Um die Patienten auf allen Ebenen optimal zu versorgen, formulierte sie mit Hospice care Basisprinzipien zur ganzheitlichen Begleitung, welche seit 1977 unter dem Begriff des Palliative Care vor allem in Nordamerika und Europa verbreitet wurden. Wichtig dabei ist ein multiprofessionelles Team, unterstützt durch ehrenamtliche Helfer, das belastende Symptome so gut es geht kontrolliert.[6] Zentrale Leitideen sind dabei Lebensqualität und Selbstbestimmung bis zum Schluss.[7] Die Entwicklung von Hospiz, Palliativmedizin und Palliativpflege sind wesentlich Saunders Pionierarbeit zu verdanken. In Großbritannien entstanden nach dem Vorbild von St Christopher's bis 2005 insgesamt 220 und weltweit über 8.000 stationäre Hospize.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Saunders erhielt zahlreiche Auszeichnungen. 1980 wurde sie durch Königin Elisabeth II. als Dame Commander of the Order of the British Empire ausgezeichnet und damit in den persönlichen Adelsstand erhoben.[3] 1989 wurde sie durch Elisabeth II. in den Order of Merit aufgenommen, ebenfalls 1989 als einzige Frau des 20. Jahrhunderts in England zum Ehrendoktor der Medizin ernannt (übergeben durch den Erzbischof von Canterbury). 2001 erhielt das von ihr gegründete Hospiz den Conrad N. Hilton Humanitarian Prize (dotiert mit 1,5 Mio. US-Dollar). 2003 wurde Saunders mit dem Ehrenpreis des Viktor-Frankl-Fonds der Stadt Wien ausgezeichnet, 2004 mit der Ernst-von-Bergmann-Plakette der deutschen Bundesärztekammer. Am 3. Juli 2005 verlieh ihr die University of Bath die Ehrendoktorwürde.

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Leben mit dem Sterben. Betreuung und medizinische Behandlung todkranker Menschen. Huber, Bern/ Göttingen/ Toronto 1991, ISBN 3-456-82080-1.
  • Brücke in eine andere Welt. Was hinter der Hospiz-Idee steht. Herder, Freiburg im Breisgau/ Basel/ Wien 1999, ISBN 3-451-04708-X.
  • Sterben und leben. Spiritualität in der Palliative Care. Theologischer Verlag, Zürich 2009, ISBN 978-3-290-17534-4.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dame Cicely Saunders im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar) In: Internationales Biographisches Archiv. 25/2003 vom 9. Juni 2003.
  • Shirley Du Boulay, Marianne Rankin: Cicely Saunders: The Founder of the Modern Hospice Movement. SPCK 2007, ISBN 978-0-281058-891.

Dokumentation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1971: Noch 16 Tage. Eine Sterbeklinik in London. Reinhold Iblacker, Siegfried Braun

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c H. Christof Müller-Busch: Die Anfänge - Cicely Saunders. In: Maria Wasner, Sabine Pankofer (Hrsg.): Soziale Arbeit in Palliative Care. Ein Handbuch für Studium und Praxis. Kohlhammer, Stuttgart 2014, ISBN 978-3-17-022262-5, S. 35–39.
  2. Dame Cicely Saunders Biography; englisch, abgerufen am 26. April 2016
  3. a b Cicely Saunders. Ein Leben für die Hospizbewegung. Arbeitsgemeinschaft Elisabeth Kübler-Ross, hospiz.org. Abgerufen am 16. Februar 2016.
  4. Der Hospizgedanke und seine Entwicklung. Hospizbewegung Soest. Abgerufen am 16. Februar 2016.
  5. Martina Holder-Franz: "... dass du bis zuletzt leben kannst." Spiritualität und Spiritual Care bei Cicely Saunders. Theologischer Verlag Zürich 2012, ISBN 978-3-290-17637-2, S. 100.
  6. Michael Anderheiden, Hubert J. Bardenheuer und Wolfgang U. Eckart: Ambulante Palliativmedizin als Bedingung einer ars moriendi, Mohr Siebeck Tübingen 2008, hier: Wolfgang U. Eckart: Auch Sterben ist Leben. Hospiz- und Palliativmedizin damals und heute, zu Cicely Saunders S. 44, hier dto: Hubert J. Bardenheuer: Das Heidelberger Konzept einer multiprofessionellen, integrierten ambulanten und stationären Palliativmedizin, zu Cicely Saunders S. 87. ISBN 978-3-16-149897-8
  7. David A. E. Shepard: Principles and practice of palliative Care. In: Canadian Medical Association Journal. Vol. 116, 1977, S. 523 (online)