Concours Géza Anda

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Der Concours Géza Anda ist ein seit 1979 alle drei Jahre in Zürich stattfindender Klavierwettbewerb. 1978 gründete Hortense Anda-Bührle (1926–2014), die Witwe des 1976 verstorbenen ungarischen Pianisten Géza Anda, zu seinem Gedenken die Géza Anda-Stiftung, die den Wettbewerb seit der Gründung im Jahre 1979 durchführt. Bekannte Preisträger sind Hisako Kawamura (2003), Michael Endres (1985), Matthias Kirschnereit (1991), Pietro De Maria (1994), Georges Pludermacher (1979), Konstantin Scherbakov (1991), Hüseyin Sermet (1985), Henri Sigfridsson (2000), Nikolai Tokarew (2006), Denes Várjon (1991) und Alexei Volodin (2003).

Die Besonderheit des Concours Géza Anda liegt in der Förderung der Preisträger, denen während drei Jahren kostenlos von der Géza Anda-Stiftung Konzertauftritte vermittelt werden. Die Preisträger erhalten Auftrittsmöglichkeiten in Europa, Südamerika und Asien.

Im Jahr 1987 erfolgte der Beitritt in die World Federation of International Music Competitions.

Preise (Stand 2012)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptpreise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nebst dem eingangs erwähnten kostenlosen Konzertmanagement erhalten die Preisträger Preisgelder in der Höhe von insgesamt 60'000 Schweizer Franken; 1. Preis 30'000 Schweizer Franken, 2. Preis 20'000 Schweizer Franken und 3. Preis 10'000 Schweizer Franken.

Mozart-Preis des Musikkollegiums Winterthur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Jury verleiht einem Semi-Finalisten in Absprache mit dem Musikkollegium Winterthur den Mozart-Preis, der aus einem Auftritt des Preisträgers in Begleitung des Musikkollegiums besteht.

Géza Anda-Publikumspreis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Besucher des Schlusskonzertes haben die Möglichkeit, einem der Finalisten den Géza Anda-Publikumspreis zu verleihen. Der Publikumspreis bezieht sich im Gegensatz zu den Hauptpreisen nur auf das Schlusskonzert. Er wird von der Privatbank Ihag Zürich gestiftet, die den Gründerfamilien Bührle und Anda gehört, und beinhaltet einen Konzertauftritt.

Die Géza Anda-Stiftung weist das Publikum darauf hin, dass die künstlerische Leistung für den Preis ausschlaggebend sein sollte. Jedoch entschied sich das Publikum in den letzten Jahren, den Preis immer an den Finalisten mit dem virtuosesten Klavierkonzert zu verleihen.

Schumann-Preis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die beste Interpretation eines Werkes von Robert Schumann wird mit dem Schumann-Preis honoriert. Er wird von der Konzertvermittlungsagentur Artists Management Company AG Zürich gesponsert und bestand aus einem Preisgeld von 5'000 Schweizer Franken sowie einem Konzertauftritt. Der Preis ging 2012 an den russischen Pianisten und Drittpreisträger Elmar Gasanov.

Förderpreise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwei junge Teilnehmer erhalten für ihre vielversprechende künstlerische Leistung während des Wettbewerbs einen Förderpreis in der Höhe von 5'000 respektive 3'000 Schweizer Franken.

Modus (Stand 2012)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für den Wettbewerb müssen eine Reihe von Pflichtstücken aus der Wiener Klassik, Romantik und Moderne für Klavier solo sowie Klavierkonzerte vorbereitet werden. Die Pflichtstücke lehnen sich stark an das Repertoire von Géza Anda an. Der ganze Wettbewerb ist öffentlich und kann von Interessierten besucht werden. Die beiden ersten Runden finden in den Räumlichkeiten der Zürcher Hochschule der Künste statt. Für die Mozart-Prüfung und das Schlusskonzert wird die Tonhalle Zürich benutzt.

Vorselektion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2012 wurden erstmals alle Kandidaten für die Vorselektionsrunde nach Zürich eingeladen. Die Teilnehmer hatten während 25 Minuten Sätze und/oder Werke nach eigener Wahl sowie aus den Pflichtstücken nach Wahl der Jury vorzutragen. Auf Grundlage einer audiovisuellen Bewerbung werden maximal 50 Teilnehmer für die erste Runde eingeladen.

Rezital[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die 55 Minuten dauernde, zweite Runde stellen die verbliebenen Teilnehmer nach Absprache mit der Jury ein Rezital-Programm zusammen. Stücke, die in der ersten Runde auszugsweise gespielt wurden, können in ihrer Gesamtheit nochmals berücksichtigt werden.

Mozart-Prüfung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Semi-Finalisten tragen der Jury in Begleitung des Musikkollegiums Winterthur unter Leitung von Theodor Guschlbauer je ein Klavierkonzert von Mozart vor. Das Musikkollegium Winterthur stiftet auch den Mozart-Sonderpreis.

Schlusskonzert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während des Schlusskonzerts werden die Finalisten vom Tonhalle-Orchester Zürich begleitet. Nach dem Ende des Schlusskonzerts gibt es eine kurze Pause, in der sich die Jury zur Urteilsberatung zurückzieht und in der das Publikum den Preisträger des Publikumspreises wählt. Anschliessend werden die Haupt- und Sonderpreise verliehen.

Jury[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Jury besteht aus international renommierten Interpreten klassischer Musik, ehemaligen Preisträgern, Musikjournalisten und Kulturmanagern. Jury-Präsidenten waren Antal Doráti (1982 und 1985), Sándor Végh (1991 und 1994), Wladimir Fedossejew (2003), Franz Xaver Ohnesorg (2006), Jonathan Nott (2009 und 2012), Jesús López Cobos (2015) und Christian Zacharias (2018). Zu den Pianisten in der Jury zählten bzw. zählen Michel Béroff, Bella Davidovich, Markus Hinterhäuser, Robert Levin, Oleg Maisenberg, Pietro De Maria (1. Preisträger 1994), Dénes Várjon (1. Preisträger 1991), Alexei Volodin (1. Preisträger 2003), Elisso Wirsaladse und Gérard Wyss.

Preisträger des Concours Géza Anda[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr 1. Platz 2. Platz 3. Platz
1979 FrankreichFrankreich Georges Pludermacher DeutschlandDeutschland Heidrun Holtmann -
1982 DeutschlandDeutschland Heidrun Holtmann TaiwanRepublik China (Taiwan) Hung-Kuan Chen FrankreichFrankreich Laurent Cabasso
1985 - JapanJapan Yukino Fujiwara, TurkeiTürkei Hüseyin Sermet DeutschlandDeutschland Michael Endres
1988 DeutschlandDeutschland Konstanze Eickhorst JapanJapan Yukino Fujiwara BrasilienBrasilien Ricardo Castro
1991 UngarnUngarn Dénes Várjon RusslandRussland Konstantin Scherbakov DeutschlandDeutschland Matthias Kirschnereit
1994 ItalienItalien Pietro De Maria JapanJapan Yoshiko Iwai ItalienItalien Luca Ballerini
1997 ItalienItalien Corrado Rollero (†) RusslandRussland Roustem Saitkoulov JapanJapan Yuka Imamine
2000 ItalienItalien Filippo Gamba FinnlandFinnland Henri Sigfridsson JapanJapan Andrew Shibko
2003 RusslandRussland Alexei Wolodin RusslandRussland Sergei Kuznetsov JapanJapan Hisako Kawamura
2006 RusslandRussland Sergei Koudriakov RusslandRussland Nikolai Tokarew JapanJapan Tomomi Okumura
2009 Korea SudSüdkorea Jinsang Lee RusslandRussland Alexej Zuev RusslandRussland Tatjana Kolesowa
2012 RusslandRussland Varvara Nepomnyashchaya Korea SudSüdkorea Kim Da Sol RusslandRussland Elmar Gasanov
2015 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Andrew Tyson RusslandRussland Aleksandr Shaikin BrasilienBrasilien Ronaldo Rolim
2018 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Claire Huangci Korea SudSüdkorea Jong Hai Park RusslandRussland Sergej Tanin

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dietmar Grieser, In Deinem Sinne. Begegnungen mit Künstlerwitwen, Langen-Müller, München 1985, S. 122–136 [zur Gründung des Concours durch Hortense Anda-Bührle].
  • Géza Anda. [Sonderedition der Zeitschrift Du zum 90. Geburtstag Andas als Beilage zum Heft 71/2011]. Beiträge von Martin Meyer und Wolfgang Rathert; Interviews mit András Schiff, Jonathan Nott und Hortense Anda-Bührle; Porträts der Preisträger Pietro de Maria, Dénés Varjon, Alexei Volodin, Hisako Kawamura, Hüseyin Sermet, Henri Sigfridsson, Jinsang Lee und Konstantin Scherbakov. Du Kulturmedien AG, Zürich 2011, ISBN 978-3-905931-17-4.

Filme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Concours Géza Anda – Erbe eines Pianisten. Jörg Lohner / nmz media (Deutschland 2011)
  • Concours Géza Anda. Ein Filmessay von Theodor Eisner (1997)
  • Concours Géza Anda 1991. Friedrich Schrag und Franziska Schuh (1991)
  • Géza Anda – Künstler und Mensch. Filmporträt von Peter Reichenbach (Schweiz 1979)
  • Géza Anda, Pianist – Dirigent – Pädagoge. Film von und mit Rolf Liebermann (Schweiz 1966)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]