Lucas Debargue

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Lucas Debargue (* 23. Oktober 1990 in Paris) ist ein französischer Pianist.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausbildung und Anfänge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Debargue stammt aus einer Familie, in der die klassische Musik keine Bedeutung hatte.[1] 1999 zog Debargues Familie von Paris in das ca. 90 Kilometer von Paris entfernte Compiègne, wo er im Alter von elf Jahren seine musikalische Ausbildung an der dortigen Musikschule bei Mme Meunier begann.[2][3] Als Debargue 15 Jahre alt war, hörte er auf zu musizieren, da er keinen Lehrer fand, der sein Talent fördern konnte.[4] Er spielte E-Bassgitarre in einer Band, musizierte mit Freunden im Jazz-Bereich und trat in einem Lokal auf.[2] Mit 17 Jahren begann er, Kunst und Literatur an der Pariser Diderot-Universität zu studieren; nebenher jobbte er in einem Supermarkt als Kassierer.[2][3] Während seines Studiums spielte er drei Jahre lang kein Klavier. 2010 wurde er eingeladen, am Fête de la Musique, einem lokalen Musikfest in Compiègne, zu spielen. Dort lernte er seine jetzige Mentorin Rena Shereshevskaya, eine langjährige russische Klavierpädagogin, kennen, bei der er an der École Normale de Musique de Paris studierte.[2] Mit 20 Jahren fing Debargue wieder an, sich intensiv mit dem Klavier zu beschäftigen.[4] 2014 gewann er den neunten Adilia-Alieva-Wettbewerb in Gaillard (Frankreich).

Tschaikowsky-Wettbewerb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach vier Jahren Vorbereitung mit Shereshevskaya nahm Debargue im Sommer 2015 am 15. Internationalen Tschaikowski-Wettbewerb in Moskau teil, wo er den 4. Platz gewann und außerdem den Preis der Musikkritiker erhielt.[2][3] Beim Wettbewerb interpretierte er Werke von Johann Sebastian Bach, Ludwig van Beethoven, Frédéric Chopin, Sergei Wassiljewitsch Rachmaninow, Franz Liszt, Pjotr Iljitsch Tschaikowski, Nikolai Medtner (Klaviersonate Op. 5) und Maurice Ravel (Gaspard de la Nuit).[3]

Von Waleri Gergijew, der als Schirmherr beim Tschaikowsky-Wettbewerb fungierte, wurde er anschließend sofort zu Konzerten eingeladen, bei denen er Tschaikowskis b-Moll-Konzert und das 4. Klavierkonzert von Rachmaninow spielte.[2] Auf Gergijews ausdrücklichen Wunsch durfte er auch, obwohl nur Viertplatzierter, am Galakonzert der Preisträger teilnehmen.[3]

Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seither gastiert Debargue international mit Solo- und Orchesterkonzerten. Im Jahr 2016 war er für etwa 60 Konzerte gebucht.[2]

Im April 2016 erschien bei SONY Music seine erste Solo-CD, eine Live-Aufnahme vom November 2015 aus der Salle Cortot in Paris, mit Werken von Scarlatti, Franz Schubert, Chopin, Liszt, Grieg und Ravel.[3][5] Im September erschien bei SONY sein zweites Album mit Werken von Bach, Beethoven und Medtner.[6]

Im November 2016 gab Debargue ein Solo-Konzert im Münchner Prinzregententheater, mit Werken von Scarlatti, Ravel und Franz Liszt.[7] Im Januar 2017 spielte Debargue ein Solo-Recital im Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie, ebenfalls mit Werken von Scarlatti, Beethoven, Liszt und Ravel.[4]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2017: Echo Klassik in der Kategorie Nachwuchskünstler (Klavier) für das Album Bach, Beethoven, Medtner

Tondokumente[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lucas Debargue: Scarlatti • Chopin • Liszt • Ravel. SONY Classics. April 2016 (Solo-Album)
  • Lucas Debargue: Bach • Beethoven • Medtner. SONY Classics. September 2016. (Solo-Album)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. LUCAS DEBARGUE IM INTERVIEW: "AUCH DIE SPEZIALISTEN KENNEN MOZART NICHT". Interview mit Lucas Debargue. BR Klassik vom 5. November 2016. Abgerufen am 21. Januar 2017.
  2. a b c d e f g LUCAS DEBARGUE: Dieser Autodidakt ist das neue Klavier-Wunderkind. Porträt. In: DIE WELT vom 10. April 2016. Abgerufen am 21. Januar 2017.
  3. a b c d e f Der unheimliche Pianist. Porträt. In: Crescendo vom 9. März 2016. Abgerufen am 21. Januar 2017.
  4. a b c Lucas Debargue im Kammermusiksaal: Lucas mit den Spinnenfingern. Konzertkritik. In: Tagesspiegel vom 20. Januar 2017. Abgerufen am 21. Januar 2017.
  5. Neuer Klavierkönner: Lieber den Bass als den Bach. CD-Kritik. In: DER SPIEGEL vom 3. April 2016. Abgerufen am 21. Januar 2017.
  6. CD – LUCAS DEBARGUE: BACH, BEETHOVEN, MEDTNER. CD-Kritik. BR Krassik vom 15. Oktober 2016. Abgerufen am 21. Januar 2017.
  7. Lucas Debargue – Klavier. Veranstaltungshinweis Bell’Arte Konzertdirektion Dr. Schreyer. Abgerufen am 21. Januar 2017.