Containern

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Containern

Containern, auch Mülltauchen oder Dumpster Diving genannt, bezeichnet die Mitnahme weggeworfener Lebensmittel aus Abfallcontainern.

Das Containern erfolgt in der Regel bei Abfallbehältern von Supermärkten, aber auch bei Fabriken. Die Lebensmittel werden meist wegen abgelaufenen Mindesthaltbarkeitsdaten, Druck- und Gammelstellen oder als Überschuss weggeworfen. Viele dieser Lebensmittel sind jedoch ohne wesentliche Geschmacks- und Qualitätseinbußen und ohne erhöhtes gesundheitliches Risiko eine gewisse Zeit genießbar.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemüse und Obst aus Containern

Unter den Personen, die Containern betreiben, sind einerseits bedürftige Menschen und andererseits Menschen, die sich auf diese Weise gegen die Verschwendung von Lebensmitteln einsetzen bzw. die Lebensmittelwirtschaft nicht unterstützen wollen.[1][2]

Containern ist die bekannteste Praxis des Freeganismus und ein fester Teilbereich dieser Lebensweise, die auf weitgehender Konsumverweigerung und einer Boykottierung der sogenannten Wegwerfgesellschaft beruht.

Rechtslage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Containern könnte gemäß § 123 Abs. 1 StGB (Hausfriedensbruch) und/oder gemäß §§ 242 f. StGB (Diebstähle) strafbar sein. Im konkreten Fall kommt es auf die genauen Umstände an. In der Rechtspraxis (Staatsanwaltschaften, Gerichte, Polizei) wurde das Containern bereits in der zweiten Strafinstanz verhandelt. Verschiedene Staatsanwaltschaften und die Polizei verfolgen das Containern. Eine Strafbarkeit kommt vor allem bei der Überwindung eines physischen Hindernisses – der einem Container vorgelagert ist, als Hausfriedensbruch in Betracht, oder als Diebstahl, wenn man nicht von dem Eigentumsverlust durch das Wegwerfen (Dereliktion) ausgeht, was jedoch von der herrschenden Meinung abgelehnt wird.[3] Manche Literaturstimmen sprechen sich gegen eine strafrechtliche Verfolgung des Containerns aus, weil das verwirklichte Unrecht und die Schuld des Täters beim Containern nur gering sei (Einstellung eines eventuellen Strafverfahrens gem. § 153 StPO wegen Geringfügigkeit).[4]

In Deutschland wird Abfall, der in entsprechenden Behältern auf privaten Grundstücken wie zum Beispiel Supermärkten oder Fabriken gesammelt und den kommunalen und privaten Städtereinigungsbetrieben zur Entsorgung bereitgestellt wird, nach dem Abfallrecht bis zur Abholung dem Eigentum des Wegwerfers bzw. Grundstückseigentümers zugerechnet. Beim unberechtigten Betreten eingefriedeter Grundstücke kann der Tatbestand des Hausfriedensbruchs verwirklicht sein, wenn der Grundstückseigner Strafantrag stellt. 2004 wurde eine beim Containern erwischte Kölnerin wegen „gemeinschaftlichen Diebstahls in einem besonders schweren Fall“ angeklagt. Das Verfahren wurde gegen die Auflage, 60 Stunden gemeinnützige Arbeit zu leisten, eingestellt.[5]

Im Juni 2013 hob das Landgericht Aachen ein Urteil des Dürener Amtsgerichts auf, das zwei Containerer wegen Diebstahls zu Geldbußen verurteilt hatte. Das Verfahren wurde ohne jede Auflage eingestellt, weil der Fall zu geringfügig sei und kein öffentliches Interesse an einer Strafverfolgung bestehe.[6]

Im Mai 2009 beschäftigte sich der Sächsische Landtag nach einer Kleinen Anfrage der Linkspartei mit der strafrechtlichen Würdigung des Containerns. Auslöser war ein gegen zwei Containerer eingeleitetes Ermittlungsverfahren. Zwischenzeitlich hatte bereits die Staatsanwaltschaft Bautzen das Verfahren eingestellt, da kein besonderes öffentliches Interesse an der Strafverfolgung bestand und der Betreiber des Supermarktes keinen Strafantrag stellte.[7] In einer Pressemitteilung von März 2012 forderte die Linkspartei anlässlich der Vorstellung einer Studie zur Lebensmittel-Verschwendung die Bundesregierung auf, das „Containern“ nach Lebensmitteln straffrei zu stellen.[8]

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemäß österreichischem Recht stellt Containern prinzipiell keine Straftat dar, da Müll als herrenlose Sache gilt, wenn keine Sachbeschädigung wie etwa durch Aufbrechen von Schlössern verübt wird.[9]

Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Markus Melzel, Sprecher der Basler Staatsanwaltschaft: „Was weggeworfen wird und nicht für Dritte bestimmt ist, gehört niemandem mehr. Wenn man nicht über einen Zaun steigen oder ein Schloss aufbrechen muss, um an die Waren heranzukommen, dann ist gegen das Containern nichts einzuwenden.“[10]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: containern – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Containern – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Supermarktkette vergiftete Obdachlose. Abgerufen am 16. März 2012.
  2. Just eat it: Lebensmittel aus der Mülltonne format.at, abgerufen am 1. September 2011
  3. Malkus: Containern - strafbar und strafwürdig?, in Magazin für Restkultur, 2016, S. 3. Online verfügbar (PDF)
  4. Vergho: Containern – Kann die Mitnahme von Lebensmittelmüll strafbar sein. In: DLR. Nr. 9, 2014, S. 414.
  5. http://www.taz.de/pt/2004/12/21/a0047.nf/text
  6. Mutmaßliche Diebe triumphieren vor Gericht n-tv.de vom 26. Juni 2013
  7. Antwort der Landesregierung Sachsen
  8. „Containern“ ist kein Verbrechen. Website der Fraktion Die Linke im Bundestag. Abgerufen am 30. März 2012.
  9. Joghurt, Krapfen, Paprika: Von der Mülltonne frisch auf den Tisch, derstandard.at, 30. März 2009
  10. Artikel von Mena Kost: Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven: @1@2Vorlage:Toter Link/www.streetnewsservice.orgMülltaucher beim Einkaufsbummel auf streetnewsservice.org und in surprise vom 14. April 2008
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