Creamcheese

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Das Creamcheese war ein Lokal in der Düsseldorfer Altstadt, das von 1967 bis 1976 bestand.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gebäude Neubrückstraße 12, 2016

Gegründet von Hans-Joachim Reinert (* 1930) und Bim Reinert (* 3. Juni 1934 in Jüchen; † 3. Juni 2011 in Düsseldorf als Resi Lingen)[1][2] – konzeptionell gestaltet von dem Bildhauer Günther Uecker, dem Filmemacher Lutz Mommartz und dem Allround-Künstler Ferdinand Kriwet – entstand in der Neubrückstraße 12 ein für damalige Verhältnisse spektakuläres und originelles Lokal, wie u. a. die Frankfurter Rundschau im Januar 1968 berichtete.[3]

Die Ausstattung, wie etwa eine 20 Meter lange Theke mit Spiegel-Lamellen-Rückwand von Heinz Mack, Titel „der Mund“, die bis zu 24 laufenden Fernseher, eine zum Podium erhobene Tanzfläche und diverse Kunstobjekte wie ein überdimensionaler Nagel in einem Metallkäfig als Objekt von Uecker, Titel: „electric Garden“, machten das Creamcheese zu einem intellektuellen Lokal in der Zeit der End-1960er.

Weit über Düsseldorfs Stadtgrenze bekannt, stand der Name Creamcheese für einen progressiven Musiksound. Zu hören waren bekannte Bands wie Atomic Rooster, Iron Butterfly, Camel, Pink Floyd, Birth Control, Supertramp, Genesis, Deep Purple und Frank Zappa, der mit seinem Song „Son of Suzie Creamcheese“ den Namen für den Insidertreff lieferte. Suzy Creamcheese ist weiters eine fiktive Person, die – besetzt durch Pamela Zarubica – auf Zappas Album Uncle Meat mehrere Auftritte hat.

Achim Reinert stand, in seinem langen schwarzen Ledermantel mit Schaffnerkasse vor dem Bauch, wie eine lebendige Skulptur an der Tür. Das Creamcheese zog nicht nur Musik- und Tanzbegeisterte an, sondern auch Künstler wie Joseph Beuys, Anatol Herzfeld und Günther Uecker zählten zum Stammpublikum. Angeregt durch Johann Kuiper fanden diverse „Kneipentheater“-Aufführungen statt, gefördert von den damaligen Besitzern Bim und Achim Reinert. So führten zum Beispiel die Künstler Beuys und Herzfeld am 5. Dezember 1968 die gemeinsame Aktion Handaktion und Der Tisch auf.[4]

Somit wurde das Creamcheese zu einem Gesamtkunstwerk und entwickelte sich zu einem Stück Zeitgeschichte. Der langjährige documenta-Ausstellungsleiter Arnold Bode äußerte sich 1968 über das Creamcheese: „Das ist keine Kneipe, sondern als Raum ein Gesamtkunstwerk“.[5]

Ende 1976 schloss das Creamcheese seine Tore, da das Gebäude saniert werden musste. Die Reinerts eröffneten weitere Gastronomiebetriebe in Düsseldorf.

Der Nachbau der damaligen „längsten Theke Deutschlands“ wurde zeitweise im Düsseldorfer Kunstmuseum im Ehrenhof, das fast die ganze künstlerische Innenausstattung des Creamcheese aufgekauft hatte,[6] mit den Original-Exponaten ausgestellt. Erwähnung fand das Creamcheese auch in „Summer of Love“, einer Ausstellung der Tate Liverpool in Kooperation mit der Schirn Kunsthalle in Frankfurt am Main und der Kunsthalle Wien.

Creamcheese e. V.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Juli 2005 gründeten Hans Herriger, Peter und Petra Rewald, Günter Leyl, Robert Eglauer, Thomas Aulenkamp, Andreas Hesselmann, Ralf-Georg Wegemann, Birgit Marlis Bongardt und Michael Meglitsch den „Creamcheese-Verein“.

Der Creamcheese e. V. ist eine kulturell wirksame Vereinigung im Sinne der Kunst- und Kulturvereinigung des Creamcheese der Jahre 1967 bis 1976. Zweck und Aufgabe des Vereins ist die Pflege des Andenkens an das kulturelle Leben im und rund um das Creamcheese, das während seines Bestehens ein wichtiger kultureller Treffpunkt von Künstlern und anderen Kulturträgern war.

Der Verein organisiert authentische Veranstaltungen in Form von Revival-Partys mit originalem und nachgebildetem Inventar.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zum Tod von Bim Reinert - Mitbegründerin des Creamcheese, auf creamcheese-ev.de, abgerufen am 30. Juli 2016.
  2. Clemens von Looz-Corswarem, Benedikt Mauer (Hrsg.): Das grosse Düsseldorf Lexikon. Greven Verlag, Köln 2012, ISBN 978-3-7743-0485-7, S. 576.
  3. Antonia Loick: Was war los in Düsseldorf 1950–2000. Sutton, Erfurt 2000, ISBN 3-89702-273-7, S. 43.
  4. Dietmar Kirves Filmdokumentationen, abgerufen am 17. August 2010.
  5. Antonia Loick: Was war los in Düsseldorf 1950–2000. Sutton, Erfurt 2000, ISBN 3-89702-273-7, S. 44.
  6. Manfred Schwarz: Gestrandete Himmelfahrt. In: Die Zeit. 17. September 2009, Nr. 39 (Artikel im Portal creamcheese-ev.de, abgerufen am 27. März 2015).