HA Schult

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
HA Schult (2013)

HA Schult (* 24. Juni 1939 als Hans-Jürgen Schult in Parchim) ist ein deutscher Künstler,[1] der hauptsächlich durch Objekt- und Aktionskunst bekannt geworden ist. Er ist einer der ersten Künstler, der das ökologische Ungleichgewicht in den Mittelpunkt seiner Arbeit stellte.

Leben[Bearbeiten]

HA Schult wurde 1939 in Parchim geboren und wuchs in Berlin auf. Von 1958 bis 1961 studierte er an der Kunstakademie Düsseldorf. Von 1961 bis 1978 lebte er in München, bis 1988 in New York, bis 1990 in Essen, bis 1992 wieder in Berlin.[2] HA Schult ist Vater zweier Söhne. Einer ist der Film- und Fernsehregisseur und Grimmepreisträger Kolin Schult[3][4] und lebt in Köln. Zahlreiche seiner Aktionen realisierte er in Zusammenarbeit mit seiner Muse und früheren Ehefrau Elke Koska.

Seit Herbst 2010 ist er in vierter Ehe mit der aus Moskau stammenden und seit 2003 in Köln lebenden Violinistin Anna Zlotovskaya verheiratet. HA Schult war mit der Biokinetischen Landschaft Teilnehmer der Documenta 5 in Kassel im Jahr 1972 und auch auf der Documenta 6 (1977) als Künstler vertreten. Im Bundestagswahlkampf 2009 engagierte sich Schult für die Fortsetzung der Kanzlerschaft von Angela Merkel.[5]

Auswahl seiner Werke[Bearbeiten]

Titel Jahr Ort Text Foto
Flügelauto 1991 seit 1991 Köln Ein Auto als goldener Vogel. Entstanden 1991 im Rahmen der Aktion „Fetisch Auto“ in Köln. Das Kunstwerk steht heute auf dem Dach des Kölnischen Stadtmuseums. Der frühere Kölner Regierungspräsident Antwerpes verlangte unter Hinweis auf den Denkmalschutz die Entfernung des Autos, aber das zuständige Ministerium duldete einen (bis heute andauernden) „vorübergehenden“ Verbleib des Gegenstands.
Flügelauto in Köln
Weltkugel 1996seit 1996 Köln Von 1996 bis 2000 thronte die beleuchtete Weltkugel auf dem 70 Meter hohen Pylon der Severinsbrücke in Köln. Das tonnenschwere Metallgerüst der Weltkugel hat einen Durchmesser von acht Metern und wurde per Helikopter auf der Brücke installiert. Die weithin sichtbare Illumination der Kontinente und des überdimensionalen Erdenbürgers wurde von dem Kölner Bühnen- und Mediendesigner Michael Zilz entwickelt. Am 15. Oktober 2000 wurde die konstruktiv überarbeitete Weltkugel mit einem Hubschrauber von der Severinsbrücke zum heutigen Standort auf dem Dach des linksrheinisch neben der Zoobrücke gelegenen Gebäudes der DEVK-Zentrale geflogen.
Weltkugel auf der DEVK Zentrale
Trash People („Müllmenschen“) 1996seit 1996 Xanten, Paris, Moskau, Peking, Chinesische Mauer, Kairo, Gizeh, Zermatt, Kilkenny Castle, Gorleben, Brüssel, Köln, New York, Rom, Barcelona, Syracus, Longyearbyen, Telgte, Mochental, Luxemburg, Tel Aviv, Lhasa Die Trash People starteten ihren Zug um die Welt 1996 in Xanten[6] und machten Station in Paris und Moskau[6] (1999), Peking und an der Chinesischen Mauer[6] (2001). Danach wurden sie in Kairo und Gizeh[6] (2002), Zermatt (2003), Kilkenny Castle (2003), Gorleben (2004) und 2005 in Brüssel ausgestellt. Bis zum 1. Mai 2006 waren die eintausend 1,80 m großen, aus Müll gepressten Figuren auf dem Roncalliplatz vor dem Kölner Dom zu sehen.

Die Trash People machten noch einen Stopp auf der Piazza del Popolo in Rom.[6] Ab dem 4. Juni 2007 bevölkerten sie die Plaça Reial in Barcelona, gleich neben den Ramblas. Sie waren in Syrakus. Der Wert einer einzelnen Figur läge laut dem Energieversorger RheinEnergie AG bei etwa zwei Euro Brennwert. Im März 2011 besuchten die Trash People die Arktis und wurden im Flusstal Adventdalen in der Nähe der Ansiedlung Longyearbyen auf Spitzbergen aufgestellt.[7] Bevor die "Müllies" ins Museum gebracht wurden, waren die Figuren im Juli 2011 in Telgte im Münsterland zu sehen sein. Bis zum 14. Juli 2013 waren die Trash People in Mochental zu sehen. Im Jahr 2014 standen sie im April im Ariel Sharon Park mit dem Blick auf Tel Aviv und im September auf dem Place Clairefontaine in Luxemburg. In Vorbereitung München und Lhasa in Tibet.[6]

Trash People vor dem Kölner Dom
Hotel Europa 1999 Troisdorf Die als Kaiserbau bekannte Hotelruine des Bauunternehmers Franz Kaiser an der A 59 bei Troisdorf wurde 1999 von Schult zum Hotel Europa verwandelt. 130 großformatige Portraits bekannter Persönlichkeiten schmückten die Fassade des aus den 1970er Jahren stammenden Rohbaus. Das Projekt war ursprünglich als langfristige Installation und Touristenattraktion geplant, da die prognostizierten Besucher jedoch ausblieben, ließ die Stadt Troisdorf den Nutzungsvertrag mit Schult bereits nach einem Jahr auslaufen. Der Bau wurde schließlich am 13. Mai 2001 gesprengt. Die Installation wurde eingelagert.
Kaiserbau in Troisdorf, 1999
Love Letters („Liebesbriefe“) 2001 Berlin Die Hälfte der etwa 100.000 auf einen deutschlandweiten Aufruf hin eingesandten Liebesbezeugungen wurden 2001 im alten Postfuhramt in Berlin zu einer Rauminstallation ausgelegt und das Gebäude von außen mit 5000 auf Spezialfolie vergrößerten Exemplaren verkleidet.
„Liebesbriefe“ am Berliner Postfuhramt, 2001
Trees for Peace („Friedensbäume“) 2003 Essen Tausende von Friedenswünschen in gemalter, geschriebener und fotografierter Form wurden von HA Schult in die Birken auf dem Gelände der Zeche Zollverein in Essen gehängt. -
Herz aus Müll 2013-03-21 2013 Paderborn Anlässlich der Retrospektive mit über 100 seiner Werke im Diözesanmuseum Paderborn (22. Februar bis 12. Mai 2013)[8] kreierte Schult am 21. März 2013 das Herz aus Müll. Den dafür eingesetzten Müll hatten Schulkinder der Stadt Paderborn gesammelt.[9][10][11] -

Zitate[Bearbeiten]

  • „Die Freiheit einer Gesellschaft ist so groß wie die, die sie ihrer Kunst gibt.“[12]
  • „Wir produzieren Müll, sind aus Müll geboren und werden wieder zu Müll.“[13]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: HA Schult – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. koeln.de: Herzlichen Glückwunsch: HA Schult wird 70. In: koeln.de. 23. Juni 2009. Abgerufen am 16. Juli 2013.
  2. AUf Erklärungstafel zu Trashpeople, 2013 in Monschau
  3. http://www.grimme-institut.de/_old_scripts/preis/preistraeger/pt_1996.html
  4. http://www.freundederkuenste.de/aktuelles/exklusiv-interviews/im-gespraech/ha-schult-haelt-new-york-fuer-die-groesste-muellhalde-der-welt-und-wendet-sich-gegen-die-wegwerf-society.html
  5. HASchult.de Biographie
  6. a b c d e f Reutlinger General-Anzeiger-Autor GEA: Stumme Mahner. In: Reutlinger General-Anzeiger. 18. Mai 2013. Abgerufen am 16. Juli 2013.
  7. Th. Bujack: Arktis: HA Schult' Trash People auf Spitzbergen. In: nordlandseite.de. Abgerufen am 17. Juli 2013.
  8. dapd: Feature : HA Schult bringt Müll in christliche Hallen. In: Welt Online. 21. Februar 2013. Abgerufen am 16. Juli 2013.
  9. Erzbistum Paderborn: Ein „Herz aus Müll“ im Herzen Paderborns. Erzbistum Paderborn. 21. März 2013. Abgerufen am 16. Juli 2013.
  10. WDR 2: Kunstaktion in Paderborn. In: WDR 2. Westdeutscher Rundfunk. 21. März 2013. Abgerufen am 16. Juli 2013.
  11. Audio mit HA Schult von WDR 2: HA Schult in Paderborn: „Wir müssen lernen, mit dem Müll anders umzugehen“ (Audio) Westdeutscher Rundfunk. 21. März 2013. Abgerufen am 16. Juli 2013.
  12. HA Schult und der Geist des Rheines - Heftausgabe: 12/1996. In: art. S. 10. Dezember 1996. Abgerufen am 16. Juli 2013.
  13. monopol.de: Ausstellungstipps aus der Monopol-Redaktion. In: monopol. 4. November 2011. Abgerufen am 16. Juli 2013.