Creos Luxembourg

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Creos Luxembourg S.A.
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Rechtsform Société anonyme
Gründung 2009
Sitz Rue de Bouillon, 59-61

L-1248 Luxembourg

Leitung Mario Grotz (Präsident),

Claude Seywert (CEO)

Mitarbeiter 682 (2016)
Umsatz 258 Millionen € (2016)
Branche Energie
Website www.creos-net.lu creosnews(blog)

Creos Luxembourg S.A. ist Betreiber von Stromnetzen und Erdgasleitungen im Großherzogtum Luxemburg. Das Unternehmen plant, errichtet und betreibt Hoch-, Mittel- und Niederspannungsstromnetze sowie Hoch-, Mittel- und Niederdruckgasleitungen, die sich im Eigentum von Creos befinden oder mit deren Betrieb Creos beauftragt wurde[1].

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Creos entstand aus der Fusion der Cegedel S.A., großherzogliche Elektrizitätsgesellschaft Luxemburgs, eine 1928 gegründete Konzessionsgesellschaft, die als Versorger damals 70 % des Strombedarfs des Landes abdeckte, der Soteg S.A., größter Gasversorger Luxemburgs, und der Saar Ferngas AG, die 1929 im Saarland gegründet wurde[2]. Am 23. Januar 2009 wurden sämtliche Anteile der Aktionäre der Cegedel S.A. und der Saar Ferngas AG auf die Soteg S.A. übertragen. Nach dem erfolgreichen obligatorischen Übernahmeangebot für alle noch nicht in ihrem Besitz befindlichen Anteile nahm die Gesellschaft rückwirkend zum 1. Januar 2009 eine umfassende Umstrukturierung vor, aus der sie als neuer Energiekonzern hervorging. Er firmiert unter dem Namen Enovos und besteht aus der Muttergesellschaft, Enovos International S.A., und zwei großen Tochtergesellschaften: Creos (ehemals Cegedel S.A.), die für die Netzaktivitäten, und Enovos Luxembourg S.A., die für die Produktions-, Verkaufs- und Vermarktungsaktivitäten zuständig ist. Enovos und Creos verfügen über je eine Tochtergesellschaft, die auf dem deutschen Markt aufgestellt sind: Enovos Deutschland und Creos Deutschland [3][4][5].

In den beiden folgenden Jahren konsolidierte Creos ihre Position auf dem luxemburgischen Markt. Im Jahr 2010 erweiterte das Unternehmen das Erdgasübertragungsnetz um ein Vertriebsnetz und übernahm die Erdgasnetze der Luxgaz Distribution S.A. Die Verwaltung der kommerziellen Aktivitäten wurde auf die Enovos Luxembourg S.A. übertragen[6]. Am 1. Januar 2011 trat die Stadt Luxemburg ihre Strom- und Erdgasnetze sowie ihr Personal gegen eine Beteiligung am Kapital der Gesellschaft an Creos ab. Der Anteil der öffentlichen Beteiligung am Kapital von Creos stieg von 5,71 % auf 24,57 % [7],[8]. Neben ihrer Tochtergesellschaft in Deutschland hält Creos auch Beteiligungen an folgenden Gesellschaften: Luxmetering seit 2012, Learning Factory seit 2014, Balansys und Ampacimon seit 2015 [9].

Zur klaren Unterscheidung zwischen der Muttergesellschaft und ihren Tochtergesellschaften - der Energieversorger Enovos und der Netzbetreiber Creos - erhielt Enovos International 2016 eine neue Corporate Identity mit der Bezeichnung Encevo[10].

Geschäftstätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Creos Luxembourg S.A. plant, errichtet und betreibt Übertragungs- und Verteilnetze für Strom und Erdgas im Großherzogtum Luxemburg. Creos ist zuständig für die Zählerinstallation und -verwaltung, die Verbrauchsdatenverarbeitung der Kunden sowie die Abrechnung der Netzzugangsgebühren. Das Unternehmen verfolgt ferner die Aktivitäten bzw. Wechsel der Versorger. Die Tochtergesellschaft Creos Deutschland Holding GmbH, die Alleingesellschafter der Creos Deutschland GmbH und der Creos Deutschland Services GmbH ist, versorgt mit ihrem Gashochdrucknetz die Kunden im Saarland und in Rheinland-Pfalz.

Infolge der Liberalisierung der Energiemärkte organisiert und überwacht eine unabhängige Behörde, das Institut Luxembourgeois de Régulation (ILR), den Netzzugang in Luxemburg. Die Tarife unterliegen ihrer Genehmigung, und die Gebühren für die Netznutzung stehen unter ihrer Aufsicht. Auf diese Weise wird den Energieversorgern ein transparenter Zugang zu den Netzen von Creos gewährleistet [11].

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stromnetz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Großteil des Stroms im Großherzogtum Luxemburg kommt aus Deutschland[12]. Die zwei 220 kV-Doppel-Hochspannungsleitungen sind an das deutsche Stromnetz angeschlossen. Derzeit wird eine Stromverbindung nach Belgien errichtet, und etwa 15 % des ins Netz eingespeisten Stroms stammen aus lokaler Produktion (Biogas, Kraft-Wärme-Koppelung, Windenergie, Wasserkraft und Photovoltaik)[13]. Der Strom wird zu sechs Umspannstationen (Flebour, Roost, Itzig/Blooren, Heisdorf, Bertange und Schifflingen) geleitet, wo die Spannung von 220 kV auf 65 kV abgesenkt wird, bevor der Strom in die nachgeschalteten Netze der Industriekunden und großen Kommunalverteiler gespeist wird. In mehr als 60 landesweit verteilten Umspannwerken wird anschließend die Spannung von 65 kV auf 20 kV erneut abgesenkt. Die elektrische Energie wird dann an KMU, Städte und Dörfer weitergeleitet, wo Transformatoren die Spannung ein letztes Mal auf 0,4 kV senken. Dieser Niederspannungsstrom wird an den Endverbraucher verteilt. Eine Strom-Netzleitstelle, auch Dispatching-Zentrale genannt, ist für die Überwachung und Fernsteuerung des Hoch- und Mittelspannungsstromnetzes zuständig.

Das von Creos betriebene nationale Stromnetz ist derzeit etwa 9.700 Kilometer lang. Davon sind 585 Kilometer Hochspannungsleitungen, 3.511 Kilometer Mittelspannungsleitungen und 5.600 Kilometer Niederspannungsleitungen [14].

Strom 2016
Transportierte Energie     GWh 5.048,2
Leistungsspitze     MW 795,0
Länge des Stromnetzes     km 9.702,5

Erdgasnetz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dank der Eintrittspunkte mit Deutschland, Belgien und Frankreich ist Luxemburg mit dem europäischen Gasverbundnetz verbunden. Unter der Aufsicht der Dispatching-Zentrale wird das Erdgas durch die Hoch- und Mitteldruckleitungen in etwa sechzig Kommunen befördert, die an das nationale Netz angeschlossen sind. Druckreglerstationen, die die kommunalen Systeme versorgen, verringern im Anschluss den Gasdruck. Creos gewährleistet die Erdgasversorgung in 45 Gemeinden des Landes [15],[16].

Erdgas 2016
Gesamtkapazität Erdgas     Nm3/h 319.000
Leistungsspitze Erdgasnetz     Nm3/h 204.780
Transportiertes Volumen     GWh 9.165
Netzlänge     km 2.059,3

Creos und ihr belgisches Pendant Fluxys Belgium haben in enger Zusammenarbeit mit den staatlichen Aufsichtsbehörden ILR bzw. CREG die beiden nationalen Erdgasmärkte zu einem gemeinsamen Belux-Gasmarkt zusammengeführt. Diese Initiative entspricht dem Ziel der Europäischen Union, einen gesamteuropäischen Erdgasmarkt ohne Binnengrenzen zu schaffen und hatte die erste Integration der Gasmärkte zweier EU-Mitgliedstaaten zur Folge [17],[18],[19],[20].

Betriebszentren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Creos verfügt über vier regionale Zentren für Bau, Betrieb, Unterhalt und Störungsbehebung von Elektrizitäts- und Erdgasnetzwerken. Das Zentrum in Roost ist für die Regionen Zentrum und Norden zuständig. Unter ihrem Dach sind die Stromversorgung in den Bereichen Hoch-, Mittel- und Niederspannung, die Erdgasversorgung über das Nieder- und Mitteldruckleitungsnetz für das Zentrallager sowie die mechanischen und Elektrowerkstätten zusammengefasst[21][22].

Das Zentrum in Schifflingen ist für den Süden des Landes zuständig.

Das Zentrum in der Stadt Luxemburg deckt die dicht besiedelten Gebiete der Hauptstadt sowie die angrenzenden Gemeinden Strassen und Hesperingen ab.

Das Zentrum von Contern kontrolliert die Einstellung der Zähler, insbesondere der intelligenten Zähler.

Intelligente Netze und Elektromobilität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Creos ist an zwei landesweiten Großprojekten beteiligt: Intelligente Netze und Elektromobilität.

Gemäß dem Gesetz vom 7. August 2012, die die EU-Richtlinie über Endenergieeffizienz in luxemburgisches Recht umwandelt, müssen alle Gas- und Stromzähler landesweit und unabhängig vom Netzbetreiber ausgetauscht werden. Bis 2020 wird Creos 300.000 kommunizierende Zähler (Smart Meters) montieren, die den Energieverbrauch und die Energieproduktion im Großherzogtum Luxemburg genau erfassen, darunter 250.000 Stromzähler und 50.000 Gaszähler. Durch den Einbau der neuen „Smarty“-Strom- und Gaszähler in luxemburgischen Haushalten werden neue Netze eingerichtet, die mit einer „echten“ Intelligenz ausgestattet sind. Die sogenannten Smart Grids ermöglichen es, die dezentralisierte Stromerzeugung (z.B. mit Wind oder Photovoltaik als Energieträger) zu überwachen, die schwankende Einspeisung in die Verteilungsnetze zu steuern oder punktuelle Nachfragespitzen infolge der Aufladung von Elektroautos besser zu verwalten. Im Gesetz vom 7. August 2012 heißt es auch, dass das Zählersystem später in der Lage sein soll, den Verbrauch weiterer Energieträger, etwa Wasser- und Wärme, zu messen [23],[24],[25],[26].

Darüber hinaus ist Creos am Ausbau der Elektromobilität im ganzen Land beteiligt. Bis 2020 sollen landesweit etwa 800 öffentliche Ladestationen für Elektrofahrzeuge und Plug-In-Hybrid-Fahrzeuge installiert werden. Jede Ladestation wird mit zwei Stromzapfsäulen ausgestattet sein. Somit wird das Ladenetz „Chargy“ letztlich 1.600 Stellplätze für die Elektromobilität bieten. Creos übernimmt in ihrem Verteilungsnetz Einrichtung, Betrieb und Unterhalt der öffentlichen Ladeinfrastruktur, d. h. 749 der 800 bis 2020 vorgesehenen Ladestationen[27][28][29].

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Creos Luxembourg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bloomberg: Creos Luxembourg S.A.: Private Company Information - Bloomberg. Abgerufen am 23. Februar 2017.
  2. Internet Archive: Cegedel S.A. - Le profil de Cegedel - Présentation. 7. August 2007, archiviert vom Original am 7. August 2007, abgerufen am 23. Februar 2017.
  3. Creos: Annual Report 2009. 2010.
  4. Luxemburger Wort: mywort.lu in Strassen - CREOS Luxembourg S.A. Abgerufen am 23. Februar 2017.
  5. Unter Strom. In: D'Lëtzebuerger Land. (land.lu [abgerufen am 23. Februar 2017]).
  6. Letzebuerger Gemengen Enovos poursuit sur la lignée de Luxgaz. Abgerufen am 23. Februar 2017 (fr-FR).
  7. Über uns. Abgerufen am 23. Februar 2017 (fr-FR).
  8. OECD: Fossil Fuel Country Note - Luxembourg. September 2016.
  9. Learning Factory | Willkommen in der Learning Factory. Abgerufen am 23. Februar 2017 (deutsch).
  10. Strategiewechsel: Enovos International wird zu Encevo. In: Wort.lu. 3. Oktober 2016 (wort.lu [abgerufen am 23. Februar 2017]).
  11. Institut Luxembourgeois de Régulation: Les acteurs du marché – Fournisseur, gestionnaire de réseau… Qui fait quoi ?
  12. L'Essentiel: Luxemburg importiert fast den kompletten Strom. In: L'Essentiel auf Deutsch. (lessentiel.lu [abgerufen am 23. Februar 2017]).
  13. Laurent Schmit: Gut vernetzt. Hrsg.: Luxemburger Wort. 12. Oktober 2016.
  14. De l’énergie à revendre ou à reprendre. In: Paperjam News. 26. Juni 2013 (paperjam.lu [abgerufen am 23. Februar 2017]).
  15. magic moving pixel s.a.: Erdgas in Luxemburg. Abgerufen am 23. Februar 2017 (deutsch).
  16. Creos: Strom- und Erdgasnetze. Hrsg.: Creos.
  17. Fusion des Gasmarkts mit Belgien : Verbraucher könnten bald weniger für Erdgas zahlen. In: Wort.lu. 10. November 2015 (wort.lu [abgerufen am 23. Februar 2017]).
  18. Belgium, Luxembourg announce first link of gas markets. In: Reuters. 1. Oktober 2016 (reuters.com [abgerufen am 23. Februar 2017]).
  19. Creos Luxembourg S.A.: Integrierter Belux Gasmarkt - Creos Luxembourg S.A. – Betreiber von Stromnetzen und Erdgasleitungen. Abgerufen am 23. Februar 2017.
  20. Vers un marché gazier belgo-luxembourgeois unique et intégré pour le 1er octobre 2015 - gouvernement.lu // L’actualité du gouvernement du Luxembourg. Abgerufen am 23. Februar 2017 (französisch).
  21. Inauguration du Centre régional et ateliers Creos de Roost - ARCHIDUC - Magazine d'Architecture (Luxembourg). In: Archiduc. 10. November 2014 (archiduc.lu [abgerufen am 23. Februar 2017]).
  22. Creos Luxembourg S.A.: Betriebsstätten - Creos Luxembourg S.A. – Betreiber von Stromnetzen und Erdgasleitungen. Abgerufen am 23. Februar 2017.
  23. Energiewende: Adieu Stromzähler, willkommen "Smart Meter". In: Wort.lu. 28. Juni 2016 (wort.lu [abgerufen am 23. Februar 2017]).
  24. Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek - Neue Strom- und Gaszähler, niedrigere Verbrauchsspitzen? Abgerufen am 23. Februar 2017.
  25. Jorge Cuéllar: Smart Grid Security: Second International Workshop. Hrsg.: Springer. 2014.
  26. Smarty, die intelligenten Strom- und Gaszähler von Creos Luxembourg S.A. Abgerufen am 23. Februar 2017.
  27. Tageblatt, Luxembourg: Das Ziel: Mehr E-Autos auf den Straßen | Tageblatt. In: Tageblatt. (tageblatt.lu [abgerufen am 23. Februar 2017]).
  28. L'Essentiel: Erste Ladestationen kommen in sechs Monaten. In: L'Essentiel auf Deutsch. (lessentiel.lu [abgerufen am 23. Februar 2017]).
  29. Elektro-Mobilität: 800 Ladestationen bis 2020. In: Wort.lu. 24. November 2016 (wort.lu [abgerufen am 23. Februar 2017]).