Crocodile (Zugbeeinflussungssystem)

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Crocodile

Beim Crocodile handelt es sich um ein 1872 in Nordfrankreich eingeführtes Zugbeeinflussungssystem. Es wird heute als sehr unsicher angesehen und durch weitere Systeme, z. B. KVB ergänzt. Das Gerät wird heute in Frankreich, Luxemburg und Belgien benutzt, soll aber langfristig durch ETCS-Ausrüstung ersetzt werden. In Belgien und Luxemburg wird es unter dem Namen Memor benutzt.

Bedingt durch den Eisenbahnunfall in Buizingen wird verstärkt an der Ausrüstung des Netzes mit dem System TBL1+, welches mehr Sicherheit bieten soll, bis 2015 gearbeitet.[1]

Funktionsweise[Bearbeiten]

gelbe Lampe im Führerstand nach Vorbeifahrt an einem Vorsignal in Warnstellung

Ein Crocodile wird üblicherweise an allen Signalen mit Vorsignalfunktion (d. h. bei reinen Vorsignalen, kombinierten Haupt-/Vorsignalen und der Disque) angebracht. Ebenso sind diverse Langsamfahrsignale mit Crocodile ausgerüstet. Wird es von einer Lok bei Vorbeifahrt an einem Vorsignal in Warnstellung passiert, ertönt auf dem Führerstand eine Hupe. Der Triebfahrzeugführer hat 5 Sekunden Zeit die Beeinflussung zu quittieren, sonst wird eine Zwangsbremsung ausgelöst. Eine weitere Bremskurve wird nicht überwacht, das System überprüft also nur, ob der Triebfahrzeugführer das Signal wahrgenommen hat.

  • An Vorsignalen in Warnstellung (Halt erwarten, Langsamfahrt erwarten) und an Langsamfahrsignalen liegt am Crocodile eine Spannung von +20 V an, die Hupe ist wie oben beschrieben zu quittieren. Später wurde eine gelbe Lampe ergänzt, die nach der Quittierung bis zum nächsten Signal leuchtet und den Lokführer an das Vorsignal in Warnstellung erinnern soll. Hiermit wurde in Belgien das gong-fluit-systeem zu Memor (von memorieren) weiterentwickelt.[2] 154 Fahrzeuge (entsprechend 11 %) von Infrabel und der NMBS/SNCB verfügten Februar 2010 noch nicht über Memor, sondern nur über das ältere gong-fluit-systeem, welches den Lokführer nicht an die Vorbeifahrt an einem Vorsignal in Warnstellung erinnert.[3]
  • An Hauptsignalen in Fahrtstellung (Fahrt, Langsamfahrt) liegt am Crocodile eine Spannung von -20 V an. Auf neueren Fahrzeugen ertönt ein Gongschlag und eine blaue Lampe leuchtet.
  • An Halt zeigenden Hauptsginalen liegt keinerlei Spannung am Crocodile an. Man geht davon aus, dass bei unzulässiger Vorbeifahrt am Halt zeigenden Signal die Abwesenheit des Gongschlages, wie er bei Vorbeifahrt an Fahrt zeigenden Signalen ertönt, unterbleibt und der Lokführer dies richtig bewertet.[4]

Aufbau[Bearbeiten]

Bürste an der Unterseite der Lok

Zwischen den Schienen ist ein Stahlsteg – das Crocodile – angebracht. Ist die Disque sichtbar (Halt erwarten), liegt am Crocodile eine Spannung von +20 V gegenüber Erde bzw. den Schienen an. Am Triebfahrzeug ist eine Bürste angebracht, die diese Spannung zum Empfangsgerät überträgt. Das System wurde zur Zeit der Dampflokomotiven eingeführt und hat mechanisch eine Pfeife aktiviert, die vom Triebfahrzeugführer zurückgesetzt werden musste. Die Funktion der Zwangsbremsung kam erst später hinzu. Auf dem Fahrtenschreiber wurde sowohl die Beeinflussung, als auch die Quittierung durch senkrechte Striche vermerkt. Um Fahrtenschreiber besser analysieren zu können, wurde später eine Spannung von −20 V angelegt, wenn das Signal einen Fahrtbegriff zeigte, also signaltechnisch unbedeutend war. Diese Spannung beeinflusste die alten Empfangsgeräte nicht, wird aber auf dem Fahrtenschreiber dokumentiert.

Führerstandseinrichtung[Bearbeiten]

Bei einer Beeinflussung ertönt die Hupe und eine gelbe Lampe blinkt. Wird die Beeinflussung bestätigt, leuchtet die gelbe Lampe bis zum nächsten Hauptsignal.

Memor II+[Bearbeiten]

Nach drei tragischen Unfällen in Luxemburg (1997) wurde das System dort zu Memor II+ ergänzt. Memor II überprüft eine Bremskurve, so dass 800 m nach der Beeinflussung eine Geschwindigkeit von 60 km/h erreicht werden muss, sonst wird eine Zwangsbremsung eingeleitet. Problematisch ist dabei immer noch die fehlende Zwangsbremsung bei Halt zeigendem Hauptsignal. Daher werden bei Memor II+ zwei Crocodiles in höchstens 11 Meter Abstand hintereinander an einem Hauptsignal platziert. Haben diese beiden Crocodiles gleichzeitig ein positives Potential, wird bei entsprechender Fahrzeugausrüstung eine Zwangsbremsung eingeleitet.

Die Aufrüstung des Netzes war 2004 in Luxemburg abgeschlossen und soll bis 2017 durch ein ETCS-basiertes System ersetzt werden.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Mehr als 2.550 mit TBL1+ ausgestattete Signale, Infrabel-Pressemitteilung vom 9. Dezember 2011.
  2. Erklärung der belgischen Zugsicherungssystem (niederländisch), abgerufen am 17. Juli 2013.
  3. Untersuchungsbericht zum Zugunglück von Buizingen am 15. Februar 2010, in niederländischer (PDF; 6,7 MB) und in französischer Sprache (PDF; 7,9 MB), Abschnitt 3.4.2.4.
  4. Untersuchungsbericht zum Zugunglück von Buizingen am 15. Februar 2010, in niederländischer (PDF; 6,7 MB) und in französischer Sprache (PDF; 7,9 MB), Abschnitte 7.7.2 und 7.7.3.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Crocodile – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien