Crypto AG

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Crypto International AG
Rechtsform Aktiengesellschaft[1]
Gründung 1952
Sitz Steinhausen (Schweiz) und Lund (Schweden)
Leitung Andreas Linde
(Owner and Executive Chairman of the Board)
Mitarbeiterzahl 80
Branche Informationssicherheit
Website www.crypto.ch

Die Crypto International AG mit Sitz in Steinhausen (Schweiz) und Lund (Schweden) ist ein international tätiges Unternehmen im Bereich der Informationssicherheit.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1915 gründete der schwedische Kryptologe, Ingenieur und Erfinder Arvid Damm (1869–1927) in der schwedischen Hauptstadt Stockholm die Aktiengesellschaft (schwedisch ‘Aktiebolag’) A.B. Cryptograph. Zweck war, die durch ihn ersonnenen Chiffriermaschinen weiter zu entwickeln, zu fertigen und zu vertreiben. Als 1921 das Kapital des jungen Unternehmens zur Neige ging, gelang es ihm, den schwedischen Industriellen und Finanzier Emanuel Nobel (1859–1932), Neffe des Dynamit-Erfinders Alfred Nobel (1833–1896), sowie seinen Landsmann Karl Wilhelm Hagelin für weitere finanzielle Investitionen in die Firma zu gewinnen. Auf Wunsch der Investoren, stieß im Jahr 1922 Hagelins Sohn, der im Russischen Kaiserreich aufgewachsene und damals 30-jährige Boris Hagelin (1892–1983) hinzu, um bei der Leitung, aber auch als technischer Berater, mitzuhelfen. Bis 1925 entwickelte er dort mit dem Prototyp der B-21 (Bild) seine erste Chiffriermaschine. Im selben Jahr, kurz nachdem Damm nach Frankreich übergesiedelt war, übernahm Hagelin die Leitung der A.B. Cryptograph. Damm starb zwei Jahre später im Jahr 1927. Hagelin reorganisierte das Unternehmen und liquidierte es schließlich im Jahr 1932.

Unmittelbar darauf, noch im Jahr 1932, wurde es unter der neuen Firma A.B. Cryptoteknik (deutsch Kryptotechnik AG) mit Boris Hagelin als Geschäftsführer wiedergegründet (siehe auch Foto des Hauses unter Weblinks). Nach dem Zweiten Weltkrieg, als die schwedische Regierung Chiffriermaschinen als Kriegsgeräte ansah und deren Export verbot, übersiedelte Hagelin im Jahr 1948 in die Schweiz mit der Absicht, dort ein Entwicklungslabor für die A.B. Cryptoteknik einzurichten. Am 13. Mai 1952 gründete er dort schließlich die CRYPTO AG.[2][3]

Sie entwickelt und produziert unter dem Slogan Total Information Security Sicherheitslösungen für Militärs, Unternehmen, Privatpersonen, Banken und Regierungen. Die erste vollständig in der Schweiz produzierte Maschine war die C-52, eine Weiterentwicklung der C-36, die Boris Hagelin bereits vor dem Zweiten Weltkrieg an zahlreiche Nationen und – in Lizenz (Typ M-209) – an die US-Streitkräfte verkauft hatte. Aus den Konstruktionselementen der C-36 wurden in der Folgezeit die weiteren Modelle entwickelt. Boris Hagelin zog sich aus seiner aktiven Tätigkeit im Unternehmen zurück, als sich die Technik der Chiffriermaschinen immer mehr Richtung Elektronik bewegte. Das Unternehmenslogo mit dem orangen «H» verkörpert – damals wie heute – den Anfangsbuchstaben seines Gründers.

Zusammen mit der 1988 gegründeten Schwestergesellschaft InfoGuard AG war die Crypto AG bis im Januar 2018 unter dem Dach der «The Crypto Group AG» mit Sitz in Steinhausen organisiert.[4] Seit Februar 2018 gehört das internationale Geschäft der Crypto International Group im Besitz des schwedischen Unternehmers Andreas Linde. Das Schweizer Geschäft wurde im Rahmen eines Management-Buyouts in die «Crypto Schweiz AG» überführt.

Produkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sprachverschlüsselungsgerät CVX-396

Die Crypto AG bietet Verschlüsselungen für Funk, Telefon, VPN und Lichtwellenleiter. Groß geworden ist die Crypto AG durch den Verkauf von Funkgeräten an Regierungen für den Botschaftsfunk. Die verwendeten Verschlüsselungsalgorithmen sind nicht öffentlich, die Details sind nur wenigen Mitarbeitern des weltweit tätigen Unternehmens bekannt. Die Implementierung der Algorithmen erfolgt demnach nach dem Prinzip Security through obscurity. Eine Bewertung der Sicherheit durch jedermann ist daher (mangels offengelegtem Quellcode) nicht möglich.

Die Crypto AG hat Niederlassungen in Brasilien, Malaysia, im Sultanat Oman und in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Kritik und Kontroversen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Crypto AG geriet 1996 in die Schlagzeilen, da das Unternehmen in den Verdacht geriet, bis Ende der 1980er Jahre – unter Mitwirkung deutscher und amerikanischer Geheimdienste – manipulierte Schutzgeräte vertrieben zu haben. Das Nachrichtenmagazin Spiegel widmete in seiner Printausgabe Nr. 36 (1996) unter dem Titel Wer ist der befugte Vierte? Geheimdienste unterwandern den Schutz von Verschlüsselungsgeräten dem Geschäftsgebaren der Crypto AG einen Artikel.[5] In einem weiteren kritischen Bericht befasst sich MediaFilter.org mit den Verflechtungen zwischen der Crypto AG und dem amerikanischen Geheimdienst NSA.[6]

2013 veröffentlichte das ZDF eine Reportage über die NSA-Affäre. In dieser sagt ein ehemaliger Mitarbeiter aus, dass er gezwungen wurde, einen Algorithmus-Entwurf zur Verschlüsselung von Daten abzuschwächen. Dies sei mehrfach passiert und in Absprache mit dem Bundesnachrichtendienst geschehen. Der Geheimdienstexperte Erich Schmidt-Eenboom bezeichnete die Crypto AG in diesem Zusammenhang als „verlängerten Arm des BND“. Er sagt aus, dass der BND gezielt Algorithmen in die Verschlüsselungssysteme der Crypto AG eingebaut habe, welche diesem ermöglicht habe, die Telekommunikation der über 20 Käuferstaaten zu knacken. Sowohl die Crypto AG als auch der BND bestreiten dies.[7]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eintrag der «Crypto AG» im Handelsregister des Kantons Zug (Memento des Originals vom 4. Oktober 2015 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.hrazg.ch
  2. Boris Hagelin: Die Geschichte der Hagelin-Cryptos. (PDF) Zug, Schweiz, 1979, S. 2.–19
  3. Fred B. Wrixon: Codes, Chiffren & andere Geheimsprachen. Von den ägyptischen Hieroglyphen bis zur Computerkryptologie. Könemann, Köln 2000, ISBN 3-8290-3888-7, S. 601.
  4. The Crypto Group (Memento des Originals vom 25. Oktober 2016 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.crypto-group.com
  5. Wer ist der befugte Vierte? Geheimdienste unterwandern den Schutz von Verschlüsselungsgeräten
  6. Cryptogate – Crypto AG: The NSAs Trojan Whore? (Memento des Originals vom 27. September 2007 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/mediafilter.org
  7. ZDF: Verschwörung gegen die Freiheit. Teil 2 (Memento des Originals vom 25. August 2016 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.zdf.de. Abgerufen am 29. Mai 2014 in der ZDF-Mediathek