Czerwieńsk

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Czerwieńsk
Wappen von Czerwieńsk
Czerwieńsk (Polen)
Czerwieńsk
Czerwieńsk
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Lebus
Powiat: Zielona Góra
Fläche: 9,20 km²
Geographische Lage: 52° 1′ N, 15° 26′ OKoordinaten: 52° 1′ 0″ N, 15° 26′ 0″ O
Einwohner: 4129
(30. Jun. 2015)[1]
Postleitzahl: 66-016
Telefonvorwahl: (+48) 68
Kfz-Kennzeichen: FZI
Wirtschaft und Verkehr
Schienenweg: Wrocław–Szczecin
Guben–Zbąszynek
Nächster int. Flughafen: Flughafen Zielona Góra
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Fläche: 195,93 km²
Einwohner: 9974
(30. Jun. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 51 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 0809033
Verwaltung (Stand: 2007)
Bürgermeister: Piotr Iwanus
Adresse: pl. Rynek 25
66-016 Czerwieńsk
Webpräsenz: www.czerwiensk.pl



Czerwieńsk ['ʧɛrvʲɛɲsk] (deutsch Rothenburg an der Oder) ist eine Stadt im Powiat Zielonogórski (Landkreis Grünberg in Schlesien) der polnischen Woiwodschaft Lebus.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt in Niederschlesien am Südufer der Oder, etwa 65 Kilometer nordwestlich von Glogau.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neugotische Kirche in Rothenburg (bis 1945 evangelisch)
Bahnhof von Rothenburg

Im 13. Jahrhundert wurde auf dem Gebiet der späteren Stadt Rothenburg das Dorf Netkowe erstmals urkundlich erwähnt. Der Ort gehörte zur brandenburgischen Neumark und lag unmittelbar an der Grenze zu Schlesien.

Mitte des 16. Jahrhunderts errichtete der adlige Besitzer von Nettkau oder auch Nettkow, Christoph von Rothenburg, ein Schloss und erweiterte den Ort. Während die alte Siedlung nun Polnisch-Nettkau genannt wurde, hieß die Erweiterung Neu-Nettkau. Der Dreißigjährige Krieg, unter dem die Region an der Oder besonders zu leiden hatte, hemmte die Entwicklung des Ortes. 1690 wurde Neu-Nettkau zur Stadt erhoben und in Rothenburg umbenannt.

Als die Habsburger nach dem Krieg im benachbarten Schlesien die Gegenreformation durchsetzten, wurde in Rothenburg 1654 eine Grenzkirche errichtet, zu der Protestanten aus dem Nachbarland zum Gottesdienst kamen. Im 17. Jahrhundert entwickelte sich nicht zuletzt durch Auswanderer aus Schlesien das Tuchhandwerk.

Alexander Rudolf von Rothenburg wurde von König Friedrich Wilhelm I. 1736 in den Grafenstand erhoben. Sein Sohn Graf Friedrich Rudolf von Rothenburg gehörte zu den engsten Freunden Friedrichs des Großen.

1788 erwarb der Herzog Peter von Kurland, dem das benachbarte Sagan gehörte, die Herrschaft über Rothenburg/Nettkow. Dessen Tochter Pauline brachte die Güter als Mitgift in die Familie der schwäbischen Hohenzollern, die hier auch nach der Aufhebung der Grundherrschaft große Güter besaßen und das Rothenburger Schloss bewohnten.

Rothenburg an der Oder gehörte bis zum 6. August 1816 zum Landkreis Crossen im Fürstentum Crossen in der Neumark.[2] 1816 wurde Rothenburg an die seit 1742 preußische Provinz Schlesien angegliedert. Die Anbindung an das Schienennetz erfolgte 1870 über die Strecken Guben–Bentschen–Posen der Märkisch-Posener Eisenbahn-Gesellschaft und Breslau–Stettin der Breslau-Schweidnitz-Freiburger Eisenbahn-Gesellschaft.

1945 gehörte Rothenburg zum Landkreis Grünberg in Schlesien im Regierungsbezirk Liegnitz der preußischen Provinz Niederschlesien des Deutschen Reichs.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs besetzte im Frühjahr 1945 die Rote Armee die Region. Nach Kriegsende zerstörten sowjetische Truppen das Schloss. Die Kriegsschäden in der Stadt waren ansonsten verhältnismäßig gering. Rothenburg an der Oder wurde nach Kriegsende unter polnische Verwaltung gestellt. In der Folgezeit wurde die eingesessene Bevölkerung von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde vertrieben und durch Polen ersetzt.[3] Die deutsche Ortschaft Rothenburg an der Oder wurde in Czerwieńsk umbenannt und verlor das Stadtrecht.

Im Jahr 1969 wurde Czerwieńsk zur Stadt erklärt.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner Anmerkungen
1825 0626 darunter dreizehn Katholiken[2]
1846 0864 davon 856 Evangelische[4]
1933 1.430 [5]
1939 1.399 [5]

Stadtgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsteile rechts der Oder

Będów (Bindow), Bródki (Klein Blumberg), Nietkowice (Deutsch Nettkow, 1937–1945 Straßburg) und Sycowice (Leitersdorf)

Ortsteile links der Oder

  • Czerwieńsk (Rothenburg (Oder))
  • Dobrzęcin (Valeskahof)
  • Laski (Läsgen)
  • Leśniów Mały (Klein Lessen)
  • Leśniów Wielki (Groß Lessen)
  • Nietków (Polnisch Nettkow, 1937–1945 Schlesisch Nettkow)
  • Płoty (Oderfischer)
  • Sudoł (Seedorf)
  • Wysokie (Woitscheke, 1936–1945 Schäferberg)
  • Zagórze (Jonasberg)

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johann Georg Knie: Alphabetisch-Statistisch-Topographische Uebersicht aller Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preuß. Provinz Schlesien. Breslau 1830, S. 1008.
  • Siegismund Justus Ehrhardt: Presbyterologie des Evangelischen Schlesiens. Teuil II, 1. Hauptabschnitt, Liegnitz 1782, S. 666–667.
  • Hugo Weczerka (Hrsg.): Schlesien. 2. verbesserte und erweiterte Auflage. Kröner, Stuttgart 2003, ISBN 3-520-31602-1, S. 514 f. (Handbuch der historischen Stätten) (Kröners Taschenausgabe 316).
  • Przemyslaw Goralczyk: Wybrane aspekty historii miasta Czerwiensk na tle dziejow Zielonej Gory od XVI do poczatku XX wieku. In: Dawid Kotlarek, Przemysław Bartkowiak: Zielona Góra na przestrzeni dziejów. Przemiany społeczno-kulturowe. Pro Libris, Zielona Góra 2007, ISBN 978-83-88336-57-7, S. 196–206.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Czerwieńsk – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2015. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (ZIP-Ordner mit XLS-Dateien; 7,82 MiB), abgerufen am 28. Mai 2016.
  2. a b Knie (1830), S. 1008.
  3. Allgemein zur vollständigen Vertreibung der Einwohner der historischen Neumark (einschließlich Rothenburg, S. 95) siehe Paweł Rutkowski (Hrsg.): Streifzüge zwischen Oder und Drage. Begegnung mit der Neumark. Deutsches Kulturforum, Potsdam 2012, ISBN 978-3-936168-44-0, S. 14f.
  4. Anders (1848), S. 432
  5. a b http://www.geschichte-on-demand.de/gruenberg.html