DM41

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DM41A1

Die DM41 bzw. DM41A1 ist eine in der Bundeswehr verwendete Splitterhandgranate. Sie ist ein Nachbau der US-amerikanischen M26A2 Handgranate mit Zünder M215.[1] Hergestellt wurde sie von der Firma Diehl Nürnberg (LOS DN) und der Fábrica Militar de Braço de Prata Lissabon (LOS FMP). Nach der Einführung der DM51 Spreng-Splitterhandgranate 1974/75 wurden keine weiteren Exemplare gefertigt und die DM41 ersetzt. Die Handgranate DM41 besteht aus dem durch Falzen verbundenen Oberteil mit Mundlochbuchse und dem Unterteil mit Haltering. Vor dem Falzen wird die vorgefertigte Splitterspirale in den Handgranatenkörper eingelegt. Die Splitterspirale besteht aus Vierkantstahl der vor dem Wickeln auf der späteren Innenseite auf ganzer Länge eingekerbt wird. Die Einkerbungen dienen als Sollbruchstellen bei der Explosion des Sprengstoffes. Die Sprengladung besteht aus etwa 150 g Composition B und wird in den Handgranatenkörper gegossen. In die Mundlochbuchse des Handgranatenoberteils wird der Schlagzünder eingeschraubt. Der Handgranatenzünder zündet nach einer Brennzeit von 4,5 ± 0,5 s. In die Handgranate DM41 ist der Handgranatenzünder DM72 eingeschraubt, in der Handgranate DM41A1 der Handgranatenzünder DM82. Äußerliches Unterscheidungsmerkmal neben der Beschriftung ist die beim Handgranatenzünder DM82 verwendete Schutzkappe mit Klemmbacken für den Ring am Sicherungssplint. Eine Umzünderung von Restbeständen auf den Schlagzünder DM82 erfolgte unter anderem in den Munitionsdepots Kropp (LOS KRO), Liebenau (LOS LIE) und Pflummern (LOS PFL).

Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gewicht Splitterhandgranate 450 g
Sprengstoffgewicht 150 g
Länge mit Zünder 117 mm (DM41A1: 104 mm)
Durchmesser 60,1 mm
Verzögerung 4,5 ±0,5 s
Farbanstrich gelboliv
Beschriftung chromgelb
Splitterwirkung ca. 20 m

Kontroverses[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Bestand des Bundesarchiv befinden sich drei Bände zum Handgranatenzünder DM 72 mit technischen Unterlagen, Erprobung, Vertragsunterlagen und Zeichnungen (Bestellsignatur: BV 5/84692, BV5/84691, BV 5/84693).[2] Bei der Inhaltsbeschreibung wird auf drei Unglücke eingegangen:

  • 8. Oktober 1964 Standortübungsplatz Alt-Ahlen. Verunglückte Personen: Oberleutnant Stein, Leutnant Müller, Gefreiter Thomas Gollhardt
  • 26. Mai 1965 Torpedofangboot Triton. Verunglückte Personen: Maat Klaus Schneider, Gefreiter Hans Peter Leinberger
  • 4. November 1965 Truppenübungsplatz Baumholder. Verunglückte Personen: Major Ernst Himmighofen, Gefreiter Bernhard Simon. Beide vom Fallschirmjägerbataillon 261.[3]

Daraus lässt sich schließen, dass diese Personen durch technisch mangelhafte Handgranaten DM41 verletzt bzw. getötet wurden. Außerdem wird die Maßnahme „Aderlaß – 2932“ erwähnt, die die Rücklieferung von mangelhaften Handgranaten beschreibt. Darüber hinaus wird ein Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Portugal zur Lieferung von 4,5 Mio. Splitterhandgranaten M 26 (US) mit Zünder M 204 A2 beschrieben. Gemäß Schmidt-Tapken[4] ist die Handgranate DM41 aber mit dem Zünder M 215 und die Handgranate DM31 mit dem Zünder M 204 Serie ausgestattet. Die HDV 215/51[5] bezeichnet den deutschen Nachbau der Splitterhandgranate M 26 mit Zünder M 204A1, M 204A2 oder M 215 als Handgranate DM31. Es ist folglich denkbar, dass die Handgranate DM41 ursprünglich als DM31 mit mangelhaftem Zünder M 204 Serie beschafft wurde. Diese wurden zur Beseitigung der Mängel zurück nach Portugal geliefert, umgezündert auf M 215 und anschließend als DM41 in der Bundeswehr weiterverwendet.

Die türkische Presse berichtet über zahlreiche Funde von DM41 Handgranaten bei der türkischen nationalistischen Untergrundorganisation Ergenekon, die diese auch für Anschläge verwendet hat.[6][7][8][9] Die Funde sind in zusammengefasst. Besonders auffällig ist dass die gefundenen Handgranaten DM41 alle den Hersteller FMP, also Fábrica Militar de Braço de Prata in ihrer Losnummer tragen. Wie diese für die Bundeswehr bestimmten Handgranaten in die Hände türkischer Extremisten gelangen konnten ist unbekannt.

Am Sonntag den 19. Oktober 2014 und Montag den 20. Oktober 2014 wurden über der von den IS Dschihadisten belagerten Stadt Kobane Waffenlieferungen für die verteidigenden Kurden abgeworfen.[10] Dabei trieb vermutlich Wind einen von den von amerikanischen Flugzeugen ausgeführten 28 Abwürfen ab.[11] Tags darauf am 21. Oktober 2014 wurde ein Video auf YouTube veröffentlicht das offensichtlich IS Kämpfer mit den erbeuteten Waffen zeigt.[12] Im Laufe des Videos sind zahlreiche Kisten mit DM41 zu erkennen. Als eine der Handgranaten aus ihrer Verpackung genommen wird lässt sich die Beschriftung genau erkennen. Auffällig ist dass es sich bei allen gezeigten Kisten und dem Exemplar nur um das Grundmodell DM41 von FMP handelt. Im Anschluss an dieses Video befassten sich die Medien[13][14] [15] mit der Frage wie für die deutsche Bundeswehr vorgesehene Handgranaten in IS-Hände gelangen konnten. Ursprünglich wurde die Waffenlieferung von der Regierung der autonomen Region Kurdistan, und deren Streitkräften „Peschmerga“ zusammengestellt.

In der Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Jan van Aken, Christine Buchholz, Annette Groth, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE vom 7. November 2014 wird dazu offiziell Stellung bezogen. Auf die Frage welche Kenntnis die Bundesregierung über den Inhalt der abgeworfenen Waffenlieferungen hat, gibt sie an die erbetene Auskunft aufgrund geheimhaltungsbedürftigkeit und „weil sie Informationen enthält, die im Zusammenhang mit Aufklärungsaktivitäten des Bundesnachrichtendienstes (BND) stehen“[16] nicht geben kann. Über die Herkunft der Handgranaten hat die Bundesregierung keine gesicherten Erkenntnisse. Außerdem sieht sie „keine konkreten Ansatzpunkte für weitere Nachforschungen“[17] zur Aufklärung der Herkunft.

Übungshandgranate DM48[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Querschnitt Übungshandgranate DM48

Die Übungshandgranate DM48 ist eine Nachbildung der Handgranate DM41 und ersetzt die Übungshandgranate DM28. Sie dient der Ausbildung und ist gewichts-, form- und handhabungsgleich. Durch ihre lichtblaue Farbe[18](RAL 5012) ist sie eindeutig von der Gefechtsversion zu unterscheiden. Die Übungshandgranate DM48 besteht aus:

  1. Handgranatenzünderoberteil DM62 bestehend aus: Schlagstück, Spannfeder, Zünderbügel und Sicherungssplint mit Ring
  2. Handgranatenzünderunterteil DM62 mit eingeschraubtem Verzögerungsstück
  3. Dichtring
  4. Übungshandgranatenkörper
  5. Übungshandgranatenladung DM38
  6. Verschlussstopfen

Der aus Gusseisen gefertigte Handgranatenkörper besitzt zwei Bohrungen. In die obere Bohrung mit Innengewinde wird der Handgranatenzünder eingeschraubt. Die untere Bohrung dient zum Entweichen der Verbrennungsgase der Übungshandgranatenladung und ist mit einem Stopfen aus Filz verschlossen. Dieser verhindert das Eindringen von Fremdkörpern in den Innenraum. 4,5 ± 0,5 Sekunden nach Wurf zündet der Handgranatenzünder DM62 die pyrotechnische Übungshandgranatenladung DM38 welche einen Knall und Rauch erzeugt. Durch Erneuern der Teile außer dem Handgranatenkörper, kann die Übungshandgranate DM48 wiederverwendet werden. Die Übungshandgranatenladung DM38 wird stets mit dem Handgranatenzünderunterteil DM62 in einem Stück geliefert.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: DM41 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dietmar Schmidt-Tapken: Handgranaten-Atlas. Dissberger, Düsseldorf 1984
  2. Roland Kleinander: Bundesarchiv: Bestand – BV 5 Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung. 8.2007Vorlage:FormatDate/Wartung/0, abgerufen am 10. Juli 2014.
  3. Saarländische Wochenblatt Verlagsgesellschaft mbH, Saarbrücken: 50 Jahre Garnisonsstadt Lebach. Abgerufen am 10. Juli 2014.
  4. Dietmar Schmidt-Tapken: Handgranaten-Atlas. Dissberger, Düsseldorf 1984
  5. HDv 215/51 Die Ausbildung mit Handgranaten, Wehr und Wissen Verlagsgesellschaft m.b.H., Darmstadt 1961
  6. Emniyet bombaların benzerliğini açıkladı. 29. Januar 2009, abgerufen am 2014-017-10.
  7. Bombaların markası tanıdık. 15. Dezember 2008, abgerufen am 10. Juli 2014.
  8. Kaos bombalarının adresi hep aynı. 29. Januar 2009, abgerufen am 10. Juli 2014.
  9. Bombalarda Ergenekon şüphesi! Abgerufen am 10. Juli 2014.
  10. Spiegel Online: Kobane: US-Waffenpaket landete bei den Dschihadisten. 21. Oktober 2014, abgerufen am 10. Dezember 2014.
  11. Ewen MacAskill, Martin Chulov: Isis apparently takes control of US weapons airdrop intended for Kurds. 22. Oktober 2014, abgerufen am 10. Dezember 2014.
  12. A3maq News: أسلحة و ذخائر ألقتها الطائرات الأمريكية و سقطت في مناطق سيطرة الدولة الإسلامية بكوباني. 21. Oktober 2014, abgerufen am 10. Dezember 2014.
  13. Thomas Wiegold: Re-post: Deutsche Waffen in der Hand der ISIS – Nicht von der Bundeswehr (Neufassung). 23. Oktober 2014, abgerufen am 10. Dezember 2014.
  14. n-tv: Handgranaten in Video gezeigt – IS verfügt über deutsche Waffen. 22. Oktober 2014, abgerufen am 10. Dezember 2014.
  15. Christoph Hickmann: Berlin prüft stärkeres Engagement im Irak. In: Süddeutsche Zeitung 70.Jahrgang, 43. Woche, Nr. 244, 23. Oktober 2014, S.1
  16. Zitiert nach Deutscher Bundestag: Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Jan van Aken et al.. In: Drucksache 18/3115, 7. November 2014. Abgerufen am 10. Dezember 2014.
  17. Zitiert nach Deutscher Bundestag: Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Jan van Aken et al.. In: Drucksache 18/3115, 7. November 2014. Abgerufen am 10. Dezember 2014.
  18. Grenades, mines and boobytraps. Abgerufen am 10. Juli 2014.