Dagmar Nick

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Dagmar Nick (* 30. Mai 1926 in Breslau) ist eine deutsche Dichterin und Schriftstellerin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dagmar Nick bei einer Autorenlesung am 20. September 2019 in Wolfratshausen-Waldram.
Dagmar Nick bei einer Autorenlesung am 20. September 2019 in Wolfratshausen-Waldram.

Dagmar Nick wurde als zweites Kind des Komponisten Edmund Nick und der Konzertsängerin Käte Nick-Jaenicke geboren. Sie ist eine Großkusine[1] des Historikers Fritz Stern. Die Mutter Käte Nick-Jaenicke galt in der Zeit des Nationalsozialismus als „Halbjüdin“. Der Vater, Musikalischer Leiter der Hörfunkgesellschaft Schlesische Funkstunde in Breslau, wurde 1933 im Zuge der nationalsozialistischen Gleichschaltung entlassen.[2] Die Familie zog nach Berlin um, wo Nick das Gymnasium besuchte. Nach ihrem Abitur 1943 erkrankte sie schwer an Tuberkulose, woran sie fast sechs Jahre litt. 1944 wurde die Wohnung der Familie in Berlin-Wilmersdorf durch eine Luftmine schwer beschädigt, so dass die Familie nach Böhmen auswich, von wo sie Ende Februar 1945 noch nach Bayern flüchten konnte. Nicks Bruder gilt als im Krieg verschollen.[3] Die Familie zog nach München. Dort traf Nick nach dem Krieg auf Erich Kästner, der zu dieser Zeit in München das Feuilleton der „Neuen Zeitung“ leitete.[4] Kästner veröffentlichte im Oktober 1945 das erste Gedicht der 19-jährigen Nick, das den Titel „Flucht“ trägt:[5]

„Weiter. Weiter. Drüben schreit ein Kind.
Laß es liegen, es ist halb zerrissen.
Häuser schwanken müde wie Kulissen
durch den Wind.
Irgendjemand legt mir seine Hand
in die meine, zieht mich fort und zittert.
Sein Gesicht ist wie Papier zerknittert,
unbekannt.
Ob Du auch so um dein Leben bangst?
Ach, ich habe nichts mehr, kaum ein Leben,
nur noch Angst.“

Nick studierte in München Psychologie und Graphologie. Seitdem lebt sie in München, unterbrochen nur durch einen vierjährigen Aufenthalt (von 1963 bis 1967) in Israel.[6]

Dagmar Nick war mit dem Übersetzer und Dramaturgen Robert Schnorr, den Ärzten Peter Davidson und Kurt Braun verheiratet.

Neben Rose Ausländer, Ingeborg Bachmann und Hilde Domin wurde Dagmar Nick zu den wichtigen deutschsprachigen Lyrikerinnen nach 1945 gezählt.[7] Sie trat 1948 dem Schutzverband deutscher Schriftsteller, München (SDS Bayern) bei und ist seit 1965 Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland, seit 2005 Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Prosa

Lyrik

Weitere Werke und Veröffentlichungen

  • Dagmar Nick: Israel gestern und heute (Dokumentation) 1968
  • Edmund Nick, Das literarische Kabarett, Die Schaubude 1945–1948. Seine Geschichte in Briefen und Songs. Hrsg. und kommentiert von Dagmar Nick. 2004. ISBN 3-86520-026-5
  • Text zu dem Schlagerlied „Laß dich nicht unterkriegen“ aus dem Hans-Albers-Film 'Foehn', komponiert von Mark Lothar. Veröffentlicht im Jahr 1950 in Interpretationen von Hans Albers (Schallplatte Decca F 49288) und den Metropol-Vokalisten (Schallplatte Odeon O-26917).
  • After Every War. Twentieth-Century Woman Poets. (Anthologie) by Eavan Boland, Princeton University Press 2004.
  • Einzelne Gedichte und Prosa in über 240 Anthologien und Schulbüchern
  • Gedichte und Prosa erschienen in Englisch (USA), Polnisch, Ungarisch

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dagmar Nick, in: Internationales Biographisches Archiv 19/2001 vom 30. April 2001, im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar).
  • Sabine Friedrich: Traditionsbewusstsein als Lebensbewältigung. Zu Leben und Werk der Dagmar Nick, Frankfurt am Main 1990 (zugl. Univ., Diss. München 1989).
  • Jürgen Nelles: Erinnern und Vergessen. Zur Rekonstruktion des Vergangenen in den Hörspielen Dagmar Nicks. In: Dagmar Nick: Die Flucht. Drei Hörspiele. Rimbaud: Aachen 2006, S. 91–106, ISBN 978-3-89086-603-1.
  • Holger Pils: Zeugnis und Zeichen. Die Dichterin Dagmar Nick, in: Literaturgeschichte Münchens, hrsg. von Waldemar Fromm, Manfred Knedlik und Marcel Schellong, Regensburg 2019, S. 481–489, ISBN 978-3-79173-040-0.

Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dagmar Nick: Eingefangene Schatten. Mein jüdisches Familienbuch. München 2015, ISBN 978-3-406-68148-6, S. 266.
  2. https://www.rundfunkschaetze.de/?s=sender+breslau&searchsubmit=%7CDer Sender Breslau mit Edmund Nick und Erich Kästner
  3. Nick, Dagmar – Kulturstiftung. Abgerufen am 13. November 2021 (deutsch).
  4. Aus dem Vorlass von Dagmar Nick in der Monacensia. Abgerufen am 13. November 2021 (deutsch).
  5. Lyrikerin Dagmar Nick - "Gedichte kann ich nicht machen, Gedichte passieren". Abgerufen am 13. November 2021.
  6. Dagmar Nick im Literaturportal Bayern (Projekt der Bayerischen Staatsbibliothek)
  7. Eavan Boland, After Every War, Princeton University Press 2004. (Dagmar Nick, A Biografical Note).
  8. Antje Weber: Gedichte über Mut und Erblinden. In: Süddeutsche Zeitung. 30. Mai 2021, abgerufen am 30. Mai 2021.