Damasia

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Damasia war eine keltisch-römische Stadt im Norden der römischen Provinz Raetia, im Gebiet des heutigen Bayern.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der antike griechische Geschichtsschreiber und Geograph Strabo schreibt „...Vindeliciern,...ihre Städte sind.....Kambodunum und Damasia, gleichsam die Burg der Likattier.“ Hier ist Damasia als Felsenburg („Akropolis“) beschrieben, als Hauptstadt des keltischen Stammes der Likatier, den Bewohner des Lechgebiets[1]. Da am Lech aber keine – zumindest heute erkennbare – vergleichbare Höhenburg liegt, könnte der Auerberg das gesuchte Damasia sein.[2] Dies entspricht allerdings mit Stand Anfang 2021 nicht dem aktuellen Forschungsstand, da bisher keine spezifisch keltischen Spuren gefunden wurden.[3] Der Auerberg, ein kegelförmiger Berg mit 1055 m ü. NN vor den Alpen (Oberbayern-Allgäu), ist der größte voralpenländische Berg im Lechraum.

Ausgrabungen auf dem Auerberg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausgrabungen ergaben ein von einer weitläufigen Stadtmauer (Ringwall) umgebenes städtisches Siedlungsgebiet (Therme, Fabrica, u. a. m.). Der Auerberg wurde in zwei Zonen unterteilt, den Schlossberg östlich und den Kirchberg westlich. Nur fünf Prozent des Auerberges sind bisher archäologisch untersucht worden.

Andere Identifikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Frage ist, welche Definition „Höhenburg“ bei Strabo hat. Bedeutet es einfach, dass die Siedlung nicht direkt am Fluss, sondern erhöht liegt, so kommen prinzipiell mehrere Orte am Lech in Frage, darunter Augsburg (Augusta Vindelicorum)[4][5], das zwar keine Höhensiedlung ist, dessen historisches Zentrum aber noch heute 10 Meter über Lechniveau auf einer Hangkante liegt.

Auch Füssen oder Dießen wurden als Damasia angesprochen. Allerdings wird die Örtlichkeit von Füssen erst ab dem 3. Jahrhundert erwähnt (nämlich als römisches Heerlager)[6] und Dießen ist keine Höhensiedlung, sondern liegt am Ammersee.

Eine Tatsache, die gegen den Auerberg spricht, ist jedoch, dass der Berg im Gegensatz zu Augsburg und Füssen nicht direkt am Lech liegt, aber Damasia als Hauptstadt der Likatier bezeichnet wurde. Ein weiteres Argument gegen den Auerberg ist, dass es sehr ungewöhnlich für eine „Hauptstadt“ ist, dass die Siedlungstradition völlig verschwunden sein soll. Alle anderen bei Strabo genannten Städte wie Brigantium (Bregenz) und Cambodunum (Kempten (Allgäu)) existierten als Stadt weiter. Da die Römer Damasia zerstörten, könnte es auch sein, dass sie die Stadt umbenannt haben.

Sage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sagen berichten über Höhlenbewohner auf dem Auerberg oder „das Männlein von Burgstall Echt“ aus dem angrenzenden Stöttener Raum[7]. Die Sage über Dießen berichtet: „Eine Sage deutet auf das Schicksal der Stadt, wonach sie durch ein schweres Hochwasser des Sees überflutet worden sein soll“. Eine exponierte Höhenburg (Strabo: „Damasia ... Burg der Likattier“.) kann per se nicht durch einen See überflutet werden.

In einer weiteren Sage zu Dießen heißt es: Das Land rund um Damasia war sumpfig ... es begann zu regnen und zwar so lange bis die ganze Stadt samt Mensch und Tier fast ganz versunken war. Es blieben nur ein paar Häuser, die dort, wo heute Dießen liegt, erhöht gestanden hatten. Über der großen Stadt Damasia aber liegt der See (gemeint ist der Ammersee). Hier wird eine Höhenburg von dem weit darunter liegenden See überflutet. Am Ende liegt der See über der Höhenburg. Derartige tektonische Umkehrungen interpretiert man als Steigerungen wie bei Fabeln mit apokalyptischem Impetus.

Wirkungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als lokales Pendant für Atlantis im Landkreis Landsberg am Lech haben Wolfgang Hauck und Peter Pruchniewitz Damasia 2011 als Szenerie entdeckt und mit dem Theater die Stelzer als sogenanntes RuethenFestSpiel mit dem Titel Licca Line – eine Fahrt ins sagenhafte Damasia in den thematischen Rahmen einer klassischen Heldenreise eingebettet. Dabei spielt die mythische Welt von Damasia, "unter und über dem Lech und um den Lech herum", "in der die Zeit still steht und man nicht mehr altert", eine zentrale Rolle.

Für ihre Festspielproduktion im Rahmen des traditionellen Landsberger Ruethenfests 2011 und der 850-Jahr-Feier der Stadt Landsberg am Lech 2012[8] wurde Hauck und Pruchniewitz 2012 mit dem Ellinor Holland Kunstpreis ausgezeichnet.[9]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Günter Ulbert: Der Auerberg I. Topographie, Forschungsgeschichte und Wallgrabungen. (= Münchner Beiträge zur Vor- und Frühgeschichte 45). Beck, München 1994
  • Günter Ulbert, Werner Zanier: Der Auerberg II. Besiedlung innerhalb der Wälle. (= Münchner Beiträge zur Vor- und Frühgeschichte 46). Beck, München 1997

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Max Spindler, Andreas Kraus: Handbuch der Bayerischen Geschichte, S. 50.
  2. Günter Ulbert, Dietwulf Baatz, Werner Zanier, Christof Flügel: Der Auerberg, München 1994, ISBN 3 406 37500 6, Seite 37.
  3. Jörg von Rohland: Auf der Suche nach Spuren aus der Bronzezeit: Labor am Auerberg ist auf dem Forscher-Olymp angekommen. merkur.de, 26. Februar 2021, abgerufen am 26. Februar 2021.
  4. Jahrbücher des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande, 1857 - S. 176.
  5. Franz Streber: Über die sogenannten Regenbogen-Schüsselchen Königlich Bayerische Akademie der Wissenschaften, München 1860, S. 65.
  6. Reinhold Böhm: Die Geschichte und Entstehung der Stadt Füssen. Historischer Verein Alt Füssen, abgerufen am 27. Februar 2021.
  7. Von Damasia und anderen Geschichten, Landsberger Tagblatt, Stephanie Millonig, 22. Dezember 2008, abgerufen 28. Dezember 2020
  8. Reise in die Sagenwelt, Kreisbote, 7. Mai 2012, abgerufen 20. Dezember 2020
  9. Sieger auf Stelzen, Landsberger Tagblatt, Alexandra Lutzenberger, 30. September 2012, abgerufen 20. Dezember 2020