Rupert Gebhard

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Rupert Gebhard

Rupert Gebhard (* 9. April 1961 in München) ist ein deutscher Prähistorischer Archäologe.

Er ist seit 2008 Außerplanmäßiger Professor an der Universität München und seit 2010 Leitender Sammlungsdirektor der Archäologischen Staatssammlung München.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Archäologische Staatssammlung München. Diese Institution wird seit 2010 von Rupert Gebhard geleitet

Nach dem Abitur am Wilhelmsgymnasium München studierte Rupert Gebhard von 1980 bis 1984 Vor- und Frühgeschichte, Provinzialrömische Archäologie und Europäische Ethnologie in München, Bonn und Basel. Als Sohn des Landeskonservators Torsten Gebhard (1963–1974), der an der Vorbereitung und fachlichen Entwicklung des Bayerischen Denkmalschutzgesetzes von 1973 maßgeblich mitgewirkt hatte, nahm er schon als Schüler an verschiedenen Grabungen der Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege teil und bearbeitete während seines Studiums als wissenschaftliche Hilfskraft Funde an der Außenstelle Ingolstadt der Römisch-Germanischen Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts.

Im Februar 1985 schloss er das Studium mit dem Magister Artium ab und wurde im Februar 1986 zum Doktor phil. mit der Arbeit „Datierung und Technologie keltischen Glases aus dem Oppidum von Manching - Mit einem Beitrag zur Chronologie der späten Früh- und Mittellatènezeit“ promoviert. Er bereiste als Reisestipendiat des Deutschen Archäologischen Instituts Frankreich, Spanien, Marokko, Algerien, Tunesien, sowie Ägypten, Yemen, Jordanien, Syrien, Türkei, Griechenland, Bulgarien und Italien. Anschließend setzte er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter (DFG) an der Außenstelle Ingolstadt die Arbeit mit der Bearbeitung von Fibeln aus dem Oppidum von Manching fort. In dieser Zeit konzipierte er schon die Abteilung Vor- und Frühgeschichte für das Alpinmuseum Kempten.

1989 kam er als Direktorialassistent und wissenschaftlicher Wertkstattleiter an die damalige Prähistorische Staatssammlung München, die nun den weiteren beruflichen Werdegang bestimmen sollte. Er stieg 1994 als Konservator zum wissenschaftlichen Werkstattleiter (Abt. Restaurierung) und 2001 zum Abteilungsleiter für Vor- und Frühgeschichte und Restaurierung auf. In dieser Funktion war er auch Stellvertretender Sammlungsdirektor der damals umbenannten Archäologischen Staatssammlung.

Nach Forschungsreisen – Südamerika (Peru, 1990), Nordamerika (Pueblokulturen, 1992/93) – konzipierte er 1993 die Ausstellung „Das Keltische Jahrtausend“ in Rosenheim, in der die Prähistorische Staatssammlung erstmals öffentlich die Ergebnisse der Ausgrabungen im Oppidum von Manching zusammen mit anderen Zeugnissen der keltischen Kultur präsentierte. 1994/95 entwarf und gestaltete er das Niederbayerische Archäologiemuseum in Landau a.d.Isar. Es wurde als elfte Zweigstelle der Archäologischen Staatssammlung München eröffnet. Er lieferte ferner 2001 das Konzept der Ausstellung Magie, Mythos, Macht – Gold der alten und der neuen Welt in München.

1997 habilitierte sich Rupert Gebhard an der Universität Regensburg, bekam die Lehrbefugnis für das Fach Vor- und Frühgeschichte und wurde dort 2002 Außerplanmäßiger Professor. Seit 2008 ist er auch Außerplanmäßiger Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Nachdem er 2006 das Kelten-Römer-Museum in Manching als weiteres Zweigmuseum der Archäologischen Staatssammlung München geschaffen hatte - in Zusammenarbeit mit der Regierung von Oberbayern - erhielt er den Oberbayerischen Kulturpreis. 2010 wurde er Leitender Sammlungsdirektor dieser Archäologischen Staatssammlung und damit auch Leiter des Münchner Museums für Vor- und Frühgeschichte. Somit war er 2013 auch für die Ausstellung „Alexander der Große - Herrscher der Welt“ verantwortlich, die als archäologische Landesausstellung vom 22. März bis 3. November 2013 im Ausstellungszentrum „Lokschuppen Rosenheim“ stattfand.

Die Dauerausstellung der Archäologischen Staatssammlung ist seit dem 1. August 2016 wegen einer umfangreichen Generalsanierung geschlossen. Die Wiedereröffnung des Museums ist für 2020 geplant.

Bernsteingesicht, ausgestellt im Bronzezeit Bayern Museum. Über die Authentizität der Gold- und Bernsteinfunde von Bernstorf gibt es einen wissenschaftlichen Streit.

Seit mehreren Jahren befinden sich Rupert Gebhard und Rüdiger Krause in einem wissenschaftlichen Streit um Authentizitätsprobleme in der Archäologie. Die Fundumstände beim sogenannten Depotfund der Himmelsscheibe von Nebra und bei den Gold- und Bernsteinfunden der bronzezeitlichen Befestigung bei Bernstorf sind noch nicht abschließend geklärt. Ernst Pernicka und Harald Meller sind die Hauptkontrahenten in diesem Streit, in dem es um die Bewertungen der naturwissenschaftlichen Untersuchungen einerseits und die Gesamtumstände der Funde und ihre Gesamtbewertung andererseits geht.[1]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • mit Rüdiger Krause: Bernstorf. Archäologisch-naturwissenschaftliche Analysen der Gold- und Bernsteinfunde vom Bernstorfer Berg bei Kranzberg, Oberbayern (= Abhandlungen und Bestandskataloge der Archäologischen Staatssammlung München. 3 = Frankfurter Archäologische Schriften. 31 = Bernstorf-Forschungen. 1). Archäologische Staatssammlung München, München 2016, ISBN 978-3-927806-43-6.[2]
  • mit Rüdiger Krause, Astrid Röpke und Vanessa Bähr: Das Gold von Bernstorf – Authentizität und Kontext in der mittleren Bronzezeit Europas. In: Harald Meller, Roberto Risch, Ernst Pernicka (Hrsg.): Metalle der Macht – Frühes Gold und Silber. 6. Mitteldeutscher Archäologentag vom 17. bis 19. Oktober 2013 in Halle (Saale). = Metals of power – early gold and silver (= Tagungen des Landesmuseums für Vorgeschichte Halle. 11, 2). Band 2. Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt – Landesmuseum für Vorgeschichte, Halle 2014, ISBN 978-3-944507-13-2, S. 761–776.
  • mit Rüdiger Krause und Vanessa Bähr: Gold, Bernstein und viele Rätsel. In: Archäologie in Deutschland. 3, 2013, S. 8–13.
  • Die spätkeltische Gräbergruppe von Hörgertshausen, Ldkr. Freising. In: Claus-Michael Hüssen, Walter Irlinger, Werner Zanier (Hrsg.): Spätlatènezeit und frühe römische Kaiserzeit zwischen Alpenrand und Donau (= Kolloquien zur Vor- und Frühgescheschichte. Bd. 8). Habelt, Bonn 2004, ISBN 3-7749-3297-2, S. 105–112.
  • mit Werner Häusler, Manfred Moosauer und Ursel Wagner: Remnants of a Bronze Age Rampart in Upper Bavaria: A Mössbauer Study. In: Hyperfine Interactions. 154, 2004, S. 181–197, doi:10.1023/B:HYPE.0000032076.38155.f7.
  • mit Karl Heinz Rieder: Zwei bronzezeitliche Bernsteinobjekte mit Bild- und Schriftzeichen aus Bernstorf (Lkr. Freising). In: Germania. 80, 2002, S. 115–133.
  • Der Goldfund von Bernstorf. In: Bayerische Vorgeschichtsblätter. Bd. 64, 1999, S. 1–18, (Sonderdruck online).
  • als Herausgeber mit Hermann Dannheimer: Das keltische Jahrtausend (= Ausstellungskataloge der Prähistorischen Staatssammlung München. 23). von Zabern, Mainz 1993, ISBN 3-8053-1514-7.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Rupert Gebhard – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rupert Gebhard, Rüdiger Krause: Authentizitätsprüfungen: Methoden, Möglichkeiten, Grenzen. In: Rupert Gebhard, Rüdiger Krause: Bernstorf. Archäologisch-naturwissenschaftliche Analysen der Gold- und Bernsteinfunde vom Bernstorfer Berg bei Kranzberg, Oberbayern (= Abhandlungen und Bestandskataloge der Archäologischen Staatssammlung München. 3 = Frankfurter archäologische Schriften. 31 = Bernstorf-Forschungen. 1). Archäologische Staatssammlung München, München 2016, S. 25–44.
  2. Reinstes Gold. In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, vom 15. Januar 2017, S. 57.