Dany Laferrière

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Dany Laferrière (2010)

Dany Laferrière (* 13. April 1953 in Port-au-Prince, Haiti) ist ein haitianischer Schriftsteller. 2009 erhielt er den Prix Médicis für seinen Roman L'énigme du retour.

Am 12. Dezember 2013 wurde er in die Académie française gewählt.[1] Am 28. Mai 2015 wurde er dort offiziell aufgenommen und hielt seine Antrittsrede.[2] Er ist das zweite jemals aufgenommene Mitglied (nach Julien Green im Jahr 1971/72[3]), der nie französischer Staatsbürger war.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dany Laferrière wurde 1953 in Haitis Hauptstadt Port-au-Prince geboren. Er wuchs in der kleinen Stadt Petit-Goâve bei seiner Großmutter auf, der er später zwei Romane widmen sollte. Laferrière arbeitete zunächst als Journalist, bis er 1976 nach Montréal auswanderte.[4] Dort arbeitete er unter anderem als Fabrikarbeiter, bevor er seinen ersten Roman veröffentlichte.

Im Januar 2010, knapp eine Woche nach dem Erdbeben in Haiti, wurde er von Radio-Canada und der Zeitung La Presse zur „Persönlichkeit des Jahres 2009“ gewählt. Er erzählt, was er gesehen hat und wie er das Erdbeben erlebt hat, in seinem Buch Tout bouge autour de moi. Das Buch ist eine Hommage an die Würde der Haitianer.[5]

Laferrière ist kanadischer Staatsbürger und lebt in Paris.[6]

Literarisches Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1985 erschien sein erster Roman unter dem Titel Comment faire l'amour avec un nègre sans se fatiguer (deutsch: Die Kunst, mit einem Neger zu schlafen, ohne müde zu werden). In der Folge veröffentlichte Laferrière zehn weitere Romane. Laferrière verwahrte sich dagegen, als „Exil-Schriftsteller“ einsortiert zu werden: Nicht das, was er in Haiti zurückließ, ist das vorrangige Thema seiner frühen, hauptsächlich in Montréal geschaffenen Werke, sondern das gegenwärtige Leben in dieser Stadt. Innerhalb von fünfundzwanzig Jahren verfasste er fast zwanzig großteils von seiner Lebensgeschichte angeregte Bücher: seine sogenannte „amerikanische Autobiografie“. Laferrière verwahrte sich stets dagegen, als Autor in eine Kategorie eingeordnet zu werden, etwa als „ethnischer Schriftsteller“. Er will mit seinen Büchern Welt-Themen ansprechen, die alle angehen: das Leben in einer ungerechten Welt und das Zusammenleben verschiedener Kulturen.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für sein Werk erhielt Dany Laferrière zahlreiche Auszeichnungen.

Bibliografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Romane und Erzählungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Comment faire l'amour avec un nègre sans se fatiguer, VLB Éditeur, Montréal 1985; Serpent à Plumes, Paris 1999, ISBN 9782842611460
  • Éroshima. VLB Éditeur, Montréal 1987, ISBN 9782892951455
  • L'Odeur du café. VLB Éditeur, Montréal 1991; Éditions du Rocher, 2011, ISBN 9782268072548
  • Le goût des jeunes filles, VLB Éditeur, Montréal 1992 (vom Autor geänderte Fassung: Grasset, 2005, ISBN 9782246686613).
  • Cette grenade dans la main du jeune Nègre est-elle une arme ou un fruit? VLB Éditeur, Montréal 1993 (vom Autor geänderte Fassung: Serpent à Plumes, 2003, ISBN 9782842614492)
  • Pays sans chapeau. Lanctôt, Outremont 1996; Boréal Compact, Montréal 2006, ISBN 9782842612696
  • La Chair du maître. Lanctôt, Outremont 1997; Serpent à Plumes, 2000, ISBN 9782842612313
  • Le Charme des après-midi sans fin. Lanctôt, Outremont 1997; Boréal Compact, Montréal 2010, ISBN 9782842611545
  • Le Cri des oiseaux fous. Lanctôt, Outremont 2000; Boréal "Compact", Montréal 2010, ISBN 9782842613860
  • Vers le sud. Boréal, Montréal 2006 (wurde für den Prix Renaudot nominiert), ISBN 9782246703112

Romane in deutscher Übersetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das Rätsel der Rückkehr. Wunderhorn, Heidelberg 2013 ISBN 978-3-88423-426-6 (Original L'Énigme du retour. Boréal, Montréal 2009 et Boréal "Compact", 2010; Paris, Grasset, 2009)
  • Tagebuch eines Schriftstellers im Pyjama. Wunderhorn, Heidelberg 2015 ISBN 978-3-88423-493-8
  • Die Kunst, einen Schwarzen zu lieben, ohne zu ermüden. Übers. Beate Thill. Wunderhorn, Heidelberg 2017

Verschiedenes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Interviews[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • J'écris comme je vis (mit Bernard Magnier), Lanctôt Éditeur, Outremont 2000; Boréal "Compact", 2010
  • Conversations avec Dany Laferrière. Interviews mit Ghila Sroka, Éditions de la Parole Métèque, Montréal 2010

Drehbücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Comment conquérir l’Amérique en une nuit. Drehbuch Dany Laferrière, 2004 bei Lanctôt und 2010 bei Boréal erschienen. 2004 hat Dany Laferrière bei dem Film Regie geführt.
  • Le Goût des jeunes filles, Film von John L'Écuyer, 2004

Verfilmung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film In den Süden (Originaltitel: Vers le sud) von Laurent Cantet mit Charlotte Rampling wurde durch die Novellen des Schriftstellers Dany Laferrière beeinflusst.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Dany Laferrière – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dany Laferrière élu à l’Académie française
  2. www.academie-francaise.fr
  3. www.academie-francaise.fr
  4. arte.tv: Der haitianische Autor Dany Laferrière erzählt die Tragödie in einem Buch, abgerufen am 22. November 2012
  5. Claudia Kramatschek: Entfremdung und Einkehr. Ein Prosagedicht des Haitianers Dany Laferrière. In: Neue Zürcher Zeitung, 11. März 2014.
  6. Cornelius Wüllenkemper: Nation und Imagination. Haitis Schriftsteller sind der Stolz der von vielen Problemen geplagten Inselrepublik. In: Süddeutsche Zeitung vom 6. Oktober 2017, S. 14.
  7. Thill in der Übersetzerdatenbank des VdÜ, 2017