Das Junge Rheinland

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Das Junge Rheinland war eine am 24. Februar 1919 auf Initiative des Schriftstellers Herbert Eulenberg sowie der Maler Arthur Kaufmann und Adolf Uzarski in Düsseldorf gegründete moderne Künstlervereinigung. Der Zusammenschluss sollte die gemeinsamen Interessen der jungen rheinischen Künstlerschaft vertreten und Ausstellungen organisieren.[1] Vorangegangen war 1918–1919 ein Literatur- und Künstlerbund namens „Neues Rheinland“, ebenfalls um Eulenberg.[2] Den Mittelpunkt der Künstlergruppe Junges Rheinland bildete die Altstadt-Galerie „Junge Kunst – Frau Ey“. Viele der Künstler der Vereinigung waren dem Rheinischen Expressionismus verbunden.

Bei Gründung waren Ernst te Peerdt und Christian Rohlfs Ehrenmitglieder des „Jungen Rheinland“. Im Vorstand waren Heinrich Nauen, Fritz Westendorp, Adolf Uzarski, Eduard Sturm, Arthur Kaufmann, Alfred Fischer, Carl Moritz Schreiner und Irma Goecke. Der beratende Ausschuss setzte sich aus Hermann Burg, Walter Cohen, Herbert Eulenberg, Alfred Flechtheim, Franz Haniel, Karl Koetschau, Karl Ernst Osthaus, Gottlieb Reber, Richart Reiche, August Stein, Edwin Karl Friedrich Suermondt, Hermann von Wedderkop sowie einem Konsul Dr. Friederich zusammen.

Die 1. Ausstellung der Gruppe „Das Junge Rheinland“ erfolgte im Juni/Juli 1919 in der Kunsthalle Düsseldorf unter Teilnahme von 113 Künstlern.[3] Der Name „Das junge Rheinland“ wurde vom Kunsthistoriker Walter Cohen geprägt, der 1918 eine Ausstellung unter dem Titel „Das Junge Rheinland“ im Kölnischen Kunstverein veranstaltete. Dort stellten 19 Künstler aus.[4] Ab 1921 erschien eine Zeitschrift mit dem Titel „Das junge Rheinland“. Ihr Ziel war, ein vom Kunsthandel unabhängiges Kommunikationsorgan für Politik, Kunst und Kultur zu schaffen, das der neuen Kunst förderlich wäre. Zudem wurde 1922 ein internationaler Kongress veranstaltet, welcher die größte Aktion der Gruppe bleiben würde.

Zusammen mit anderen Künstlergruppierungen im Rheinland wie dem „Sonderbund westdeutscher Kunstfreunde und Künstler“, dem Düsseldorfer „Aktivistenbund“, der „Kölner Gesellschaft der Künste“, dem „Duisburger Künstlerbund“, den „Kölner Progressiven“, der „Künstlergruppe Niederrhein“ sowie der „Duisburger Sezession“ war „Das Junge Rheinland“ Teil der westdeutschen Linksintellektuellen-Szene nach dem Ersten Weltkrieg, die einen engen Kontakt und Austausch pflegte und sich gemeinschaftlich mit hochrangigen Ausstellungsveranstaltungen und politischen Aktivitäten künstlerisch-literarisch einmischte.[5]

Zum „Jungen Rheinland“ zählten unter anderem Otto Dix, Joseph Enseling, Max Ernst, Ernst Gottschalk, Adolf de Haer, Werner Heuser, Richard Schwarzkopf, Ludwig ten Hompel, Peter Janssen, Curt Lahs, Ulrich Leman, Otto Pankok, Jean Paul Schmitz, Werner Schramm sowie Mathias Barz, Bernhard Gobiet, Theo Champion, Heinz May, Carlo Mense, Walter Ophey, Hans Rilke, Else Sehrig-Vehling, die Brüder Otto und Karli Sohn-Rethel, Lorenz Bösken, Otto von Wätjen, Karl Schwesig, Harriet Ellen Siderovna von Rathlef-Keilmann, Carl Lauterbach, Arno Breker[6] und Gert Heinrich Wollheim. 1923 spaltete sich die „Rheingruppe“ ab, um sich 1928 erneut mit dem „Jungen Rheinland“ und anderen zur „Rheinischen Sezession“ zu vereinigen. Die Reunion in die „Rheinischen Sezession“ war von Julius Bretz zusammen mit einigen Malerfreunden gründet worden. 1930 fand in der Städtischen Kunsthalle Düsseldorf die Jahresausstellung der „Rheinische Sezession“ mit einer Gedächtnisausstellung für Walter Ophey statt.[7]

1930 trat die „Rheingruppe“ nach heftigen internen Auseinandersetzungen aus der Dachorganisation „Rheinische Sezession“ aus. Die Schnelligkeit, mit der nach Adolf Hitlers Ernennung zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 die Künstlerschaft Düsseldorfs ‚gesäubert‘ wurde, zeigten Aktionen wie der Abbruch des Rübsam-Denkmals für die Gefallenen im März 1933 und die Bücherverbrennung vom April 1933. Am 28. Juli 1933 erging der Erlass des Ministers für Volksaufklärung und Propaganda[8], nachdem die Künstlervereine und Kunstvereine gleichgeschaltet und deren Mitglieder in das Reichskartell der bildenden Künste übergeführt wurden. Das „Junge Rheinland“ und die „Rheingruppe“ verloschen 1933. Die „Rheinische Sezession“ wurde 1938 durch Verfügung aufgelöst. Begründung: „Die Ausstellungen haben erkennen lassen, daß von einer Mitarbeit im Sinne des kulturellen Aufbaugedanken nicht gesprochen werden kann. Vielmehr hat sich gezeigt, daß in der Rheinischen Sezession der Geist jener Kreise der Vergangenheit, die sich um Flechtheim, Frau Ey und andere scharten, immer noch vorhanden ist.“[9]

1946 wurde die „Rheinische Sezession“ neu gegründet. Von ihr spaltete sich 1949 auf Initiative von Ludwig Gabriel Schrieber die „Neue Rheinische Sezession“ ab.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Annette Baumeister u. a. (Hrsg.): Das junge Rheinland. Vorläufer, Freunde, Nachfolger. Hatje Cantz, Ostfildern 2008 ISBN 978-3-7757-1989-6 Schriftenreihe Stadtmuseum Düsseldorf. Ausstellungskatalog, 30. September bis 30. Dezember 2006
  • Stefan Kraus: Walter Ophey 1882–1930. Leben und Werk. Mit einem Werkverzeichnis der Gemälde und Druckgraphik. Hatje, Stuttgart 1993, ISBN 3-7757-0403-5, (zugl. Dissertation, Universität Köln 1991).
  • Ulrich Krempel (Hrsg.): Am Anfang: Das Junge Rheinland. Zur Kunst und Zeitgeschichte einer Region 1918–1945. Städtische Kunsthalle und Autoren, Claassen, Düsseldorf, 1985, ISBN 3-546-477715

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stadtmuseum Landeshauptstadt Düsseldorf: Das junge Rheinland und co.
  2. siehe Lemma Hans Rudolf Hartung, zu Archivalien und weitere Beteiligten
  3. Das Junge Rheinland: erste Ausstellung in der Kunsthalle vom 22. Juni bis 20. Juli, Ausst.-Kat., Bagel, Düsseldorf, 1919
  4. Stefan Kraus, Walter Ophey 1882–1930: Leben und Werk, mit einem Werkverzeichnis der Gemälde und Druckgraphik, Gerd Hatje, Stuttgart, 1993, S. 30–31
  5. Nicole Thesen: Die Kunstszene Rhein Central. Ein knappes Jahrhundert Kunst und Kultur im Zeitraffer
  6. vor seiner Hinwendung zum Nationalsozialismus. Barbara Kaufhold nennt ihn „Fleischhackers Mitstreiter“ im Jungen Rheinland, in: Das Werk Leopold Fleischhackers, virtuell ausgestellt, in: Kalonymos 3, 2013, S. 9, Anm. 1
  7. Jahresausstellung Rheinische Sezession Mai/Juni 1930
  8. Verordnung über die Aufgaben des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda, vom 30. Juni 1933
  9. Dagmar Bongart: Biographie des deutschen Malers Peter Janssen – Leben und künstlerische Entwicklung