David Herzog

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Stolperstein für David Herzog

David Herzog (7. November 1869 in Tyrnau, Österreich-Ungarn6. März 1946 in Oxford, Vereinigtes Königreich) war ein Historiker und Landesrabbiner für Steiermark und Kärnten.

Biographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenktafel

Herzog war das älteste von acht Kindern des Textilkaufmanns Leopold Herzog und von Cäcilia Herzog, geborene Süß. In Tyrnau besuchte er von 1876 bis 1881 die Volksschule und von 1881 bis 1889 das fürsterzbischöfliche Gymnasium. Ab 1889 studierte er an der Universität Berlin semitischen Sprachwissenschaft und wurde am 4. Jänner 1894 zum Doktor der Philosophie promoviert. 1896 setzte er seine Studien in Paris und 1899/1900 in Wien fort.

Der Kultusrat der Israelitischen Kultusgemeinde Graz wählte ihn am 20. Oktober 1907 als Nachfolger von Samuel Mühsam zum neuen Rabbiner für Steiermark, Kärnten und – bis 1918 – für Krain. Im Jahre 1909 nahm Herzog seine Tätigkeit an der Karl-Franzens-Universität Graz auf und lehrte bis 1938 die hebräische und arabische Sprache, an Schulen wirkte er als Historiker und Religionslehrer, u. a. am Akademischen Gymnasium in Graz. 1926 wurde er zum außerordentlichen Universitätsprofessor ernannt.

Während seiner Amtszeit erreichte die jüdische Gemeinde in Graz ihren Höhepunkt. Jüdische Zeitschriften wurden in Graz herausgegeben, am jüdischen Friedhof wurde 1910 die Zeremonienhalle eingeweiht und 1914 im Amtsgebäude ein Winterbetsaal eingerichtet. Die jüdische Gemeinde, die 1910 insgesamt 1971 Mitglieder (1,3 % der Bevölkerung von Graz) hatte, verringerte sich nach dem Ersten Weltkrieg durch Überalterung, Geburtenrückgang, Auswanderung nach Palästina und Austritten aus der IKG und litt unter dem wachsenden Antisemitismus, der zu wiederholten Übergriffen auf jüdische Vereine und Personen führte.

Nach dem „Anschluss“ Österreichs 1938 wurde er in einer ersten Verhaftungswelle zusammen mit dem Nobelpreisträger Otto Loewi und vielen anderen festgenommen. Die Erfahrungen der 14-tägigen Inhaftierung und des Novemberpogroms zwangen ihn, mit seiner Frau Österreich am 20. Dezember 1938 zu verlassen. Über Wien, die Niederlande und Dover emigrierte er nach London, wo er ein Jahr in bescheidenen Verhältnissen lebte. 1940 übersiedelte er nach Oxford, wo er an der dortigen Universität seine wissenschaftliche Arbeit wieder aufnehmen konnte.

Am 16. August 2016 wurde in der Radetzkystraße 8 in Graz von Gunter Demnig ein Stolperstein verlegt.

Auszeichnungen und Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Maimonides’ Commentar zum Tractat Peah. Calvary, Berlin 1894.
  • Urkunden und Regesten zur Geschichte der Juden in der Steiermark (1475–1585). Verlag der Israelitischen Kultusgemeinde, Graz 1934.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1988 wurde an der Karl-Franzens-Universität Graz der David Herzog-Fonds eingerichtet, mit dessen Hilfe interkulturelles Verstehen – speziell in Bezug auf die jüdische Kultur – gefördert und gewürdigt werden soll. Seit 2005 wird der David-Herzog-Fonds von allen steirischen Universitäten getragen.

Der Platz vor der Grazer Synagoge trägt seinen Namen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Herzog, David. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 2, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1959, S. 301.
  • David Herzog: Erinnerungen eines Rabbiners 1932–1940. 2. Auflage. Auf Grundlage einer Diplomarbeit von Andreas Schweiger hrsg. von Walter Höflechner. Akademische Druck- und Verlagsanstalt, Graz 1997, ISBN 3-201-01639-X (Publikationen aus dem Archiv der Universität Graz, Bd. 32).
  • Handbuch österreichischer Autorinnen und Autoren jüdischer Herkunft 18. bis 20. Jahrhundert. Band 1. Hrsg.: Österreichische Nationalbibliothek, Wien. K. G. Saur, München 2002, ISBN 3-598-11545-8, S. 543f.
  • Salomon Wininger: Große Jüdische National-Biographie. Band 3. Czernowitz 1928, S. 91.
  • Esriel Hildesheimer, Mordechai Eliav: Das Berliner Rabbinerseminar 1873–1938, Berlin 2008, ISBN 9783938485460, S. 136–137

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]