Der Fall Paradin

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Filmdaten
Deutscher Titel Der Fall Paradin
Originaltitel The Paradine Case
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1947
Länge 125 Minuten
Altersfreigabe FSK 16
Stab
Regie Alfred Hitchcock
Drehbuch Alma Reville
David O. Selznick
Ben Hecht
James Bridie
Produktion David O. Selznick
Musik Franz Waxman
Paul Dessau
Kamera Lee Garmes
Schnitt John Faure
Besetzung

Der Fall Paradin ist ein Spielfilm von Alfred Hitchcock aus dem Jahr 1947. Der Kriminalfilm basiert auf dem Roman Wege im Zwielicht von Robert Smythe Hichens. Der Originaltitel des Films lautet wie der des Romans The Paradine Case.

Handlung des Films[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die schöne Mrs. Paradin ist angeklagt, ihren älteren blinden Mann vergiftet zu haben. Mit der Verteidigung wird der Anwalt Keane beauftragt. Dieser ist zwar verheiratet, erliegt aber binnen kürzester Zeit den Reizen seiner Mandantin; so gerät er zunehmend unter ihren Einfluss.

Im Laufe der Verhandlung stellt sich heraus, dass Mrs. Paradin ein Verhältnis mit ihrem Stallknecht Latour, dem ehemaligen Diener ihres Mannes, hatte. Keane versucht vergeblich, den Liebhaber in einem Kreuzverhör als Mörder zu entlarven. Latour beschuldigt Mrs. Paradin und begeht Selbstmord, und Keane erkennt, dass seine Mandantin die Mörderin ist. Sie gibt es schlussendlich auch freimütig im Gerichtssaal zu.

Hintergründe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Fall Paradin war Hitchcocks letzte Arbeit unter seinem Vertrag mit David O. Selznick und kostete das Studio mit drei Millionen Dollar annähernd ebenso viel wie der wesentlich aufwendigere Film Vom Winde verweht (1939). Der Grund für die Überziehung des Budgets war, dass man von Anfang an hinter dem Drehplan herhinkte. Selznick beschwerte sich, Hitchcock sei „unverantwortlich langsam“ und zeige außerdem „eine offensichtliche Indifferenz gegenüber Kosten und überhaupt nicht mehr die feste Hand, die ich einst geschätzt habe“. Hitchcock hingegen beklagte sich gegenüber Selznick mehrfach darüber, dass er einen Film unter Produktionsbedingungen drehen müsse, die technisch „zwanzig Jahre hinter der Zeit zurück“ seien. Darüber hinaus verfasste Selznick selbst die Endfassung des Drehbuchs, und zwar Szene für Szene, die er jeweils erst unmittelbar vor Drehbeginn vorlegte – eine für Hitchcock sehr enervierende Vorgehensweise. Hinzu kamen die ständigen Einmischungen Selznicks in Hitchcocks vorsichtige Planung des Produktionsbudgets; er bestand bei vielen Szenen darauf, sie wiederholen zu lassen.[1]
  • Für die Gerichtsszenen wurde eine genaue Kopie des Old-Bailey-Gerichtssaals gebaut.[2]
  • Obwohl Hitchcock die Darsteller mochte, sah er Gregory Peck, Alida Valli und Louis Jourdan für ihre Rollen als ungeeignet an. Selznick bestand als Studiochef allerdings darauf, sie einzusetzen. Hitchcock wünschte sich ursprünglich Sir Laurence Olivier als Keane, Greta Garbo als Mrs. Paradin und Robert Newton als André Latour.[2]
  • Als Hitchcock nach einer Rekordzeit von 92 Drehtagen den fertigen Film dem Studio ablieferte, hatte er eine Laufzeit von fast drei Stunden. 1980 wurde die ungeschnittene Originalversion bei einer Flut zerstört, was eine Restaurierung der geschnittenen Version als unwahrscheinlich erscheinen lässt.[2]
  • Leo G. Carroll hat insgesamt sechs Sprechrollen – allesamt Nebenrollen – in Hitchcock-Filmen, so viele wie sonst niemand. Seine Rolle als Staatsanwalt in Der Fall Paradin ist unter all diesen die textreichste und die mit der längsten Leinwandpräsenz.

Cameo-Auftritt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hitchcock verlässt (ca. zur 36. Filmminute) einen Zug in der Cumberland Station mit einem Cello (siehe auch Cameo-Auftritt im Film Der Fremde im Zug).

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1948 war Ethel Barrymore für den Oscar als beste Nebendarstellerin nominiert.

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„[…] die Redseligkeit des Films mindert die Spannung. (Wertung: 2 Sterne → durchschnittlich)“

Adolf Heinzlmeier, Berndt Schulz: Lexikon „Filme im Fernsehen“[3]

„Kriminalistische und ehepsychologische Probleme in einem brillant gespielten, für Hitchcocks Verhältnisse ungewöhnlich breit angelegten und dialogreichen Drama, das – von der zeitgenössischen Kritik geringgeschätzt – in neuerer Zeit als eines der bedeutenderen Werke des Meisters betrachtet wird.“

Lexikon des internationalen Films[4]

„Der Film besticht durch die menschliche Tiefe.“

Süddeutsche Zeitung, München

„Bemerkenswerter Fall einer Giftmörderin und ihres Strafverteidigers, in dem sich kriminelle und ehepsychologische Probleme gegenseitig durchdringen. Hervorragend gestaltet und menschlich vertieft.“

– 6000 Filme[5]

„Die teilweise künstlich komplizierte und dennoch psychologisch einfühlsame Dramatik des Films, die mehr den Verteidiger als die Mörderin in den Mittelpunkt des Geschehens stellt, weist das Werk als einen typischen, als gehobene Unterhaltung schätzenswerten Hitchcock-Streifen aus.“

Evangelischer Filmbeobachter, München[6]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Robert Hichens: Wege im Zwielicht. Roman (OT: The Paradine Case). Ullstein, Berlin 1935
  • Robert A. Harris, Michael S. Lasky, Joe Hembus (Hrsg.): Alfred Hitchcock und seine Filme (OT: The Films of Alfred Hitchcock). Citadel-Filmbuch bei Goldmann, München 1976, ISBN 3-442-10201-4

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Robert A. Harris, Michael S. Lasky: Alfred Hitchcock und seine Filme. Hrsg.: Joe Hembus. Wilhelm Goldmann Verlag, München 1976 (Originalausgabe).
  2. a b c IMDb. Stand: 9. Feb. 2009
  3. Adolf Heinzlmeier und Berndt Schulz in Lexikon „Filme im Fernsehen“ (Erweiterte Neuausgabe). Rasch und Röhring, Hamburg 1990, ISBN 3-89136-392-3, S. 215
  4. Der Fall Paradin im Lexikon des internationalen Films
  5. 6000 Filme. Kritische Notizen aus den Kinojahren 1945 bis 1958. Handbuch V der katholischen Filmkritik, 3. Auflage, Verlag Haus Altenberg, Düsseldorf 1963, S. 108
  6. Evangelischer Presseverband München, Kritik Nr. 46/1953