Der Fremde im Zug

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Filmdaten
Deutscher Titel Der Fremde im Zug
Deutscher Original-Verleihtitel: Verschwörung im Nordexpress
Originaltitel Strangers on a Train
Produktionsland Vereinigte Staaten
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1951
Länge 93 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie Alfred Hitchcock
Drehbuch Raymond Chandler
Czenzi Ormonde
Whitfield Cook
Produktion Alfred Hitchcock
für Warner Bros.
Musik Dimitri Tiomkin
Kamera Robert Burks
Schnitt William H. Ziegler
Besetzung

Der Fremde im Zug (OT: Strangers on a Train) ist ein Thriller von Alfred Hitchcock aus dem Jahr 1951. Er basiert auf Patricia Highsmiths erstem, gleichnamigen Roman (deutscher Titel: „Zwei Fremde im Zug“). In Deutschland trug der Film lange Zeit den Titel Verschwörung im Nordexpress.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während einer Fahrt mit der Eisenbahn lernt Guy Haines, ein Tennisstar mit politischen Ambitionen, im Zug einen Mann namens Bruno Antony kennen. Bruno hat aus der Presse umfangreiche Kenntnisse über Guys Privatleben gesammelt. So weiß er zum Beispiel auch von Problemen, die Guy mit seiner von ihm getrennt lebenden Frau hat, und von Guys Scheidungsplänen, um die Tochter eines Senators zu heiraten. Bruno schlägt ihm einen Handel vor: Da er immer davon träume, das „perfekte Verbrechen“ zu begehen, sei er bereit, Guys Frau zu töten, wenn dieser im Gegenzug Brunos verhassten Vater umbringen würde. Da die Opfer den Mördern jeweils völlig fremd wären, gäbe es für die Polizei keinerlei nachvollziehbare, logische Motive. Guy gibt Bruno ironisch und eher amüsiert zu verstehen, er sei mit diesem Plan einverstanden, weil er glaubt, bei Bruno handle es sich um einen harmlosen Verrückten. In Metcalf verlässt Guy den Zug, um seine Frau aufzusuchen. Sein Versuch, sie zur Einwilligung in die Scheidung zu bewegen, ist wiederum vergeblich.

Bruno hat Guys Reaktion im Zug als Einverständnis aufgefasst und setzt sein Vorhaben in die Tat um: Er stellt Guys Frau nach und erwürgt sie auf einem Rummelplatz. Er fordert nun von seinem „Partner“ die entsprechende Gegenleistung. Guy steckt in der Zwickmühle. Da er zur Tatzeit kein Alibi, im Gegensatz zu Bruno aber ein Motiv für den Mord hat, meldet er Bruno nicht bei der Polizei.

Da Guy trotz Brunos permanenter Nachstellungen nicht bereit ist, seine „Schuldigkeit“ zu tun, versucht Bruno schließlich, sich zu rächen, indem er das mit persönlicher Prägung versehene Feuerzeug, das Guy beim ersten Treffen mit Bruno im Zug vergessen hatte, am Tatort verstecken und Guy damit den Mord an seiner Frau Miriam in die Schuhe schieben will.

Bevor Guy Bruno am Verstecken des Feuerzeugs hindern kann – wobei ihm Barbara, die Schwester seiner Freundin, durch ein Ablenkungsmanöver einen Vorsprung vor der ihn observierenden Polizei verschaffen soll – muss er ein wichtiges Tennismatch absolvieren. Da das Spiel jedoch wesentlich länger als erwartet dauert, beginnt ein Wettlauf mit der Zeit.

Bei einem Kinderkarussell treffen Guy und Bruno aufeinander. In der Aufregung erschießt ein Polizist den Betreiber des Karussells, der so unglücklich auf die Schalthebel fällt, dass sich das Karussell mit den Kindern rasend schnell zu drehen beginnt, während Guy und Bruno vor den Augen der Polizeibeamten, die Guy gefolgt sind, auf Leben und Tod kämpfen. Als ein alter Mann, der unter der rotierenden Platte zur Mitte gekrochen ist, das Karussell abschaltet, hält es mit einem Ruck, zerbricht teilweise, und Bruno wird von Trümmern eingeklemmt.

Guy und ein Inspektor beugen sich über den schwer Verletzten, der behauptet, Guys Feuerzeug liege am Tatort. Doch als er stirbt, öffnet sich seine linke Hand mit dem besagten Feuerzeug darin.

Hintergründe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hitchcock kaufte die Rechte an dem Patricia-Highsmith-Roman und versuchte ihn mit Raymond Chandler zu adaptieren. Die Zusammenarbeit funktionierte jedoch überhaupt nicht; Chandlers Versionen wurden – in Hitchcocks Augen – immer schlechter, so dass Hitchcock schließlich kein Wort mehr mit ihm gesprochen habe. Stattdessen engagierte er Czenzi Ormonde, eine Schülerin von Ben Hecht, die das Buch basierend auf Hitchcocks ursprünglicher Storyline zusammen mit Barbara Keon, einer Produktionsassistentin von Hitchcock und dessen Frau Alma Hitchcock, fast komplett neu geschrieben hat.[1] „Schuster, bleib bei deinem Leisten!“ war alles, was Hitchcock nach jahrzehntelangem Schweigen über die Zusammenarbeit mit Chandler zu sagen hatte.

Bei Der Fremde im Zug arbeitete Hitchcock erstmals mit dem Kameramann Robert Burks zusammen. Er war in den folgenden Jahren maßgeblich an dem Erfolg vieler Hitchcock-Filme beteiligt. Zusammen mit dem später dazugekommenen Filmeditor George Tomasini und dem Komponisten Bernard Herrmann bildete Burks über ein Jahrzehnt lang Hitchcocks Kernteam.

Der Kampf zwischen den beiden Protagonisten auf einem defekten, sich immer schneller drehenden Karussell ist der Höhepunkt des Thrillers. Durch die rasende Geschwindigkeit des Karussells und die hohe Bildfrequenz kann die Szene auch heute noch mit modernen Action-Sequenzen konkurrieren.

In der US-amerikanischen Version des Films sieht man Guy und Anne im Zug auf dem Weg zurück. Guy wird von einem freundlichen Priester gefragt, ob er nicht Guy Haines sei. Dieser erinnert sich an die Umstände, unter denen er Bruno traf, und verlässt wortlos das Abteil.

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lexikon des Internationalen Films: Eine Lektion in Sachen "Suspense" und ein Versuch über heimliche Mordgelüste und deren Belastung für das Gewissen; spannend inszeniert und voller "nebenbei" angerissener moralischer Problemstellungen wie Schuld und Angst.[2]
  • Evangelischer Film-Beobachter (Kritik Nr. 110/1952): Raffiniert gemachter älterer Hitchcock-Film von starker Grusel-Spannung. Das Spiel mit einem Kranken ist nicht unbedenklich.
  • Roger Ebert Kritiker der Chicago Sun-Times zählt den Film zu seiner Liste der "großartigen Filme" und gab ihm vier von vier Sternen. Ebert lobte das Casting, die Leistung Walkers, das Aufsetzen einiger Schlüsselszenen. Der Film zähle zu Hitchcocks besten Arbeiten und sei ein erstklassiger Thriller.[3]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cameo[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während Guy Haines den Zug verlässt, steigt Hitchcock mit einem Kontrabass ein. Siehe auch Hitchcocks Cameo-Auftritte.

Unterschiede zur Literaturvorlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bruno Antony heißt im Roman Charles Anthony Bruno.
  • Im Film sagt Guy Antony zwar zu, dessen Vater zu töten, er versucht diesen dann allerdings zu warnen. Im Roman führt er den Mord aus. Am Ende gibt Guy den Mord gegenüber dem Detektiv zu.
  • Im Buch ist Guy nicht Tennisprofi, sondern Architekt.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Patricia Highsmith: Zwei Fremde im Zug (Strangers On a Train). Diogenes, Zürich 2002, ISBN 3-257-86079-X.
  • Robert A. Harris, Michael S. Lasky, Hrsg. Joe Hembus: Alfred Hitchcock und seine Filme (OT: The Films of Alfred Hitchcock). Citadel-Filmbuch bei Goldmann, München 1976, ISBN 3-442-10201-4.
  • Donald Spoto: Alfred Hitchcock, Die dunkle Seite des Genies (OT: The Dark Side of Genius, The Life of Alfred Hitchcock) Heyne, München 1986, ISBN 3-453-55146-X.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Der Fremde im Zug – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Donald Spoto: Alfred Hitchcock S.379 ff
  2. Der Fremde im Zug im Lexikon des internationalen Films
  3. Kritik von Roger Ebert
  4. url=http://www.allmovie.com/work/strangers-on-a-train-47230/awards | title=Strangers on a Train > Awards/ Kritik auf Allmovie