Im Schatten des Zweifels

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Filmdaten
Deutscher Titel Im Schatten des Zweifels
Originaltitel Shadow of a Doubt
Produktionsland Vereinigte Staaten
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1943
Länge 108 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie Alfred Hitchcock
Drehbuch Thornton Wilder
Sally Benson
Alma Reville
Produktion Jack H. Skirball
für Universal Pictures
Musik Dimitri Tiomkin
Franz Lehár
Kamera Joseph A. Valentine
Schnitt Milton Carruth
Besetzung

Im Schatten des Zweifels ist ein Spielfilm von Alfred Hitchcock aus dem Jahr 1943. Der Thriller mit Teresa Wright und Joseph Cotten basiert auf einer Geschichte von Gordon McDonell und handelt von einer jungen Frau, die erkennen muss, dass es sich bei ihrem geliebten Onkel wahrscheinlich um einen Serienmörder handelt. Im Schatten des Zweifels, den Hitchcock selbst seinen Lieblingsfilm nannte, wurde 1991 als „kulturell, historisch oder ästhetisch signifikant“ in die National Film Registry aufgenommen.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Charlie Oakley ist ein großer, gutaussehender Mann, der jede Menge Bargeld mit sich herumträgt. Als die Polizei in New York nach ihm fahndet, sucht er Ruhe und Zuflucht bei der Familie seiner Schwester Emma Newton und ihrem Ehemann Joseph. Diese leben mit ihren drei Kindern in der betulichen Kleinstadt Santa Rosa in Kalifornien. Mit seiner unschuldigen, aber klugen Nichte Charlie teilt Oakley nicht nur den Namen – beide fühlen sich seelisch verbunden. Die Freude der Familie über den Besuch des reichen Onkels aus der Großstadt ist zunächst ungetrübt, doch Onkel Charlie fällt gelegentlich durch sein seltsames Verhalten auf: Er lehnt Fotoaufnahmen von sich generell ab, versteckt Zeitungsausschnitte vor der Familie und eröffnet ein Bankkonto mit einer großen Summe. Eines Tages erscheinen im Haus zwei Männer, die angeblich an einer Umfrage über amerikanische Familien arbeiten und die Newtons interviewen. Onkel Charlie gerät in Wut, als einer der Männer ein Foto von ihm macht. Als Jack Graham – einer der beiden Männer – die junge Charlie am Abend ausführt, klärt er sie auf, dass er und sein Kollege Polizisten seien und ihren Onkel beschatten. Entweder sei ihr Onkel oder ein anderer Mann der gesuchte Mörder von mindestens drei Witwen. Fortan nagen Zweifel an Charlie und sie versucht hinter das Geheimnis ihres Onkels zu kommen.

Sie spioniert ihm nach und findet mehr und mehr Indizien. Die Initialen des Rings, den Onkel Charlie ihr geschenkt hat, passen zu denen einer ermordeten Witwe. In einem Zeitungsartikel über den Witwenmörder, den ihr Onkel versteckt hat, findet sie weitere Hinweise, dass es sich bei ihrem Onkel um den Mörder handeln könnte. Zudem redet Onkel Charlie beim Essen mit kaum verhohlenem Hass von wohlhabenden Witwen, die nur vom Geld ihrer verstorbenen Männer lebten und sich dann zu Tausenden in feinen Hotels aufhielten. Als die junge Charlie ihn mit dem Ring konfrontiert, vertraut er sich ihr bei einem abendlichen Spaziergang an. Sie verspricht ihm, ihn nicht bei der Polizei zu melden, wenn er schnell wieder aus der Stadt verschwindet. Sie versucht dabei Rücksicht auf ihre nichtsahnende Mutter zu nehmen, die ihren jüngeren Bruder innig liebt und bei dessen Verhaftung wohl am Boden zerstört wäre. Kurz darauf verunglückt jedoch der andere Verdächtige auf der Flucht vor der Polizei in einem Flugzeugpropeller, so dass für die Polizei der Fall geklärt scheint. Der Polizist Jack Graham vertraut sich der jungen Charlie an, dass er sie liebe und sie gerne heiraten würde, und verlässt dann die Stadt.

Charlie weiß jedoch von der Schuld ihres Onkels. Sie drängt ihn, Santa Rosa für immer zu verlassen. Er weigert sich und versucht durch zwei fingierte Unfälle, seine Nichte zu ermorden. Zufälle retten ihr jeweils das Leben. Schließlich stellt sie ihm ein Ultimatum und er lenkt ein. Er will nach San Francisco fahren – zufällig mit demselben Zug wie die reiche Witwe Mrs. Parker. Im Zug will sich die junge Charlie von ihrem Onkel verabschieden. Da sie sein Geheimnis kennt, versucht er abermals sie zu ermorden. Es kommt zu einem Handgemenge, schließlich stürzt er selbst aus dem fahrenden vor einen entgegenkommenden Zug. Er wird in Santa Rosa im Kreise der trauernden Gemeinde beerdigt. Die junge Charlie und Jack Graham haben sich dafür entschieden, Onkel Charlies Geheimnis zu bewahren.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Nicht nur für Alfred Hitchcock, der die Arbeit im Studio über alles liebte, sondern für die damalige Filmarbeit ganz allgemein, sind ungewöhnlich viele Aufnahmen an einem realen, nicht im Studio gebauten Set gefilmt worden – weniger aus praktischen oder gar künstlerischen Gründen, sondern vor allem bedingt durch den Krieg. Ein staatliches Kriegskomitee bestimmte nämlich, wieviel Geld zum Aufbau eines Filmsets ausgegeben werden durfte, und so wurde gespart, indem man sich in die Realität hinauswagte. Ein Großteil des Films wurde tatsächlich in Santa Rosa gedreht, was in den 1940er Jahren noch eine Kleinstadt mit rund 15.000 Einwohnern war; inzwischen leben dort über 150.000 Menschen. Viele Statisten waren daher auch keine Hollywood-Statisten, sondern Bewohner von Santa Rosa. So war die zehnjährige Edna May Wonacott, die als altkluge Schwester eine größere Nebenrolle bekam, niemals zuvor mit der Schauspielerei in Berührung gekommen. Die Tochter eines lokalen Lebensmittelhändlers wurde von Hitchcock zufällig entdeckt, als sie auf den Schulbus wartete.[1]
  • Das im Film verwendete Haus der Familie Newton existiert noch heute in Santa Rosa, 904 McDonald Avenue.[2] Zunächst gab es Bedenken, dass es für die Familie eines Bankangestellten als zu luxuriös erscheinen könnte. Allerdings stellte sich heraus, dass sich der tatsächliche Bewohner des Hauses in einer ähnlichen finanziellen Situation befand wie die Filmfigur. Er war so froh, dass sein Haus Schauplatz eines Films werden sollte, dass er es hat frisch anstreichen lassen. Hitchcock war entsetzt darüber und ließ es für die Dreharbeiten wieder "dreckig" streichen; nach dem Dreh bekam es dann wieder den neuen Anstrich.
  • Mit Thornton Wilder konnte Hitchcock für das Drehbuch einen äußerst prominenten Schriftsteller gewinnen. Das war ungewöhnlich, weil bekannte Schriftsteller oder Theaterautoren damals eher auf die Arbeit an Drehbüchern beim Film herunterblickten. Wilder hatte 1938 das Erfolgsstück Unsere kleine Stadt veröffentlicht, welches auch Hitchcock sehr schätzte. Für Im Schatten des Zweifels wollte er eine ähnliche Kleinstadt-Atmosphäre wie in Wilders Unsere kleine Stadt erreichen. Thornton Wilder hatte zunächst hauptsächlich wegen des Geldes angenommen, nach einem Treffen mit Hitchcock war er dann aber von der Zusammenarbeit auch künstlerisch überzeugt. Wilder suchte sogar einige der Schauplätze in Santa Rosa aus, ehe er wegen des Zweiten Weltkriegs als Reporter zur Armee nach Florida berufen wurde. Das Drehbuch war zwar weitgehend fertig, musste aber während der Dreharbeiten noch angepasst und verfeinert werden. Einen Teil dieser Arbeit erledigte die Darstellerin der Mutter Emma, Patricia Collinge, die als langjährige Theaterautorin bereits Erfahrung mit dem Schreiben hatte. Sie schrieb unter anderem die romantische Garagenszene zwischen dem Mädchen Charlie und dem Polizisten Graham. Ihre Beteiligung am Skript wird jedoch weder im Vor- noch im Abspann genannt. Insgesamt waren sechs Autoren am Drehbuch beteiligt, darunter auch Hitchcock und seine Frau Alma Reville.[3]
  • Hume Cronyn hatte sein Filmdebüt in der Rolle des schüchternen Nachbars Herbie. Zwischen dem Schauspieler und Autor Cronyn und Hitchcock entwickelte sich eine lange Partnerschaft: Cronyn übernahm eine Rolle in Das Rettungsboot (1944) und schrieb die Drehbücher zu Cocktail für eine Leiche (1948) und Sklavin des Herzens (1949) – allesamt Hitchcock-Filme.
  • In den Gesprächen mit François Truffaut bezeichnete Hitchcock Im Schatten des Zweifels als den Lieblingsfilm unter all seinen Werken: „Weil es eine dieser raren Gelegenheiten war, wo man die Charakterstudie mit Spannung verbinden konnte. Normalerweise ist in einer spannungsreichen Geschichte keine Zeit für Charakterentwicklung.“[3] Dabei gilt der Film auch als eines seiner persönlichsten Werke. Es gibt zahlreiche Parallelen zu Hitchcocks Leben: etwa der Name der Mutter, biografische Erlebnisse, die er in Dialoge einflocht, oder, laut Donald Spoto in seiner umfangreichen Hitchcock-Biografie, die Tatsache, dass man in den beiden Hauptfiguren (den beiden Charlies) die beiden Seiten der Persönlichkeit Hitchcocks wiederfindet.
  • Der verwendete Walzer Lippen schweigen, ’s flüstern Geigen aus Franz Lehárs Operette Die lustige Witwe wird im Film als Merry-Widow-Walzer bezeichnet. Die Familie überlegt beim Abendessen, von wem die Melodie wohl stammt. Im Laufe der Konversation werden unter anderem der US-Komponist Victor Herbert sowie der Walzer An der schönen blauen Donau von Johann Strauss erwähnt.

Neuverfilmungen und Hommagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film wurde 1991 unter dem Titel Shadow of a Doubt von Regisseurin Karin Arthur für das Fernsehen neu verfilmt. In den tragenden Rollen waren Mark Harmon und Margaret Welsh zu sehen.[4] Der 2013 erschienene Film Stoker von Park Chan-wook handelt ebenfalls von einem mysteriösen "Onkel Charlie", der plötzlich in das Leben einer scheinbar normalen Familie tritt, und wurde von Filmkritikern als Hommage an Hitchcocks Werk betrachtet.[5]

Hitchcocks Cameo-Auftritt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch in diesem Film hat Hitchcock seinen Cameo-Auftritt: Er sitzt im Zug nach Santa Rosa und spielt Karten mit einem Doktor (gespielt von Edward Fielding), wobei Hitchcock mit sämtlichen Pik-Karten in der Hand klare Vorteile zu haben scheint.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gordon McDonell war 1944 in der Kategorie Beste Originalgeschichte für einen Oscar nominiert.

1991 wurde der Film in die National Film Registry aufgenommen.

Synchronisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die deutsche Synchronfassung von Im Schatten des Zweifels entstand 1969 bei der Interopa Film GmbH.[6]

Rolle Schauspieler Synchronstimme
Charlie Newton Teresa Wright Dagmar Biener
Charlie Oakley Joseph Cotten Gert Günther Hoffmann
Detective Jack Graham Macdonald Carey Rainer Brandt
Vater Joseph Newton Henry Travers Paul Wagner
Mutter Emma Newton Patricia Collinge Edith Schollwer
Herbie Hawkins, Nachbar der Newtons Hume Cronyn Reinhold Brandes
Detective Fred Saunders Wallace Ford Gerd Duwner
Ann Newton Edna May Wonacott Philine Peters-Arnolds

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Schatten des Zweifels war bei seiner Veröffentlichung ein Erfolg bei Kritikern und Publikum. Er gilt bei der Filmkritik allgemein als Meisterwerk. Beim US-amerikanischen Kritikerportal Rotten Tomatoes fallen bei einer durchschnittlichen Bewertung mit 9 von 10 Sternen alle 34 Kritiken positiv aus.[7]

„Interessante, gut gespielte Kriminalstudie, der es nicht so sehr um die Jagd auf einen Gangster geht, sondern um die Konfrontation einer kleinstädtischen Bürgerfamilie mit dem Verbrechen. Ein Film ohne kriminalistische Spannung, der dem Zuschauer die Rolle des ironisch-distanzierten Beobachters zuweist.“

Lexikon des internationalen Films[8]

„Lieblingsfilm Hitchcocks, der die Entäußerung einer zur Liebe unfähigen Seele mit den Mitteln des Thrillers in Handlung umsetzt. Durch die Präzision der Darstellung wird die Wirklichkeit selbst in den Schatten des Zweifels gezogen. Ab 18.“

Evangelischer Filmbeobachter[9]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Interview mit Edna May Wonacott
  2. http://www.movie-locations.com/movies/s/ShadowOfADoubt.html#.VhHW1SszsmU
  3. a b "Im Schatten des Zweifels" bei TCM
  4. Shadow of a Doubt (1991) in der Internet Movie Database (englisch)
  5. Horrorfilm Stoker: Der Zauber der Gewalt Spiegel Online
  6. Im Schatten des Zweifels in der Deutschen Synchronkartei
  7. "Shadow of a Doubt" bei Rotten Tomatoes
  8. Im Schatten des Zweifels im Lexikon des internationalen Films
  9. Evangelischer Presseverband München, Kritik Nr. 181/1968