Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand (Film)

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Filmdaten
Deutscher Titel Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand
Originaltitel Hundraåringen som klev ut genom fönstret och försvann
Produktionsland Schweden
Originalsprache Schwedisch
Erscheinungsjahr 2013
Länge 115 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
JMK 12[1]
Stab
Regie Felix Herngren
Drehbuch Felix Herngren
Hans Ingemansson
Jonas Jonasson
Produktion Felix Herngren
Malte Forssell
Henrik Jansson-Schweizer
Patrick Nebout
Musik Matti Bye
Kamera Göran Hallberg
Schnitt Hendrik Källberg
Besetzung

Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand (Originaltitel: Hundraåringen som klev ut genom fönstret och försvann) ist eine schwedische Filmkomödie von Felix Herngren aus dem Jahr 2013, basierend auf dem gleichnamigen Roman von Jonas Jonasson. Kinostart in Deutschland war der 20. März 2014. 2016 wurde die Fortsetzung Der Hunderteinjährige, der die Rechnung nicht bezahlte und verschwand produziert.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Was Allan Karlsson in seinem Leben am allermeisten bedeutet hat, war sein Kater Molotow. Als ein Fuchs den Kater tötet, bastelt Allan eine Sprengstoff-Falle. Aufgrund der Detonation weist man den 99-Jährigen in ein Altersheim ein. So hat Allan sich sein Leben hindurch bis ins Altersheim gesprengt.

Eine Stunde vor der offiziellen Feier anlässlich seines 100. Geburtstags beschließt Allan, aus seinem Zimmer im Altersheim zu fliehen. Auf dem Bahnhof von Malmköping fragt er nach einer Verbindung in irgendeine Richtung und löst ein Senioren-Ticket. Ein junger Mann nötigt ihn, auf sein Gepäck aufzupassen. Allan geht mit dem fremden Koffer auf den Bahnhofsvorplatz. Derweil schaltet das Altersheim die Polizei ein.

Rückblende 1:
Die Erste, die Allan anschreit, ist seine Mutter bei seiner Geburt. Sein Vater gründet später seine eigene Republik mitten in Moskau und wird erschossen. Er hinterlässt seiner Frau unter anderem ein Fabergé-Ei, das diese aus Unkenntnis dem Großhändler Gustavsson für nur wenig Geld veräußert. Allan entdeckt den Sprengstoff für sich. Seine Mutter stirbt an einer Lungenkrankheit.

Kurz entschlossen steigt Allan mit dem Rollkoffer in den Bus nach Strängnäs. Da sein Geld nur bis Byringe reicht, steigt er dort aus und trifft bei dem stillgelegten Bahnhof den alten Julius Jonsson. Bei einem Essen erzählt Allan Julius von sich. Der junge Mann trifft ein und setzt Julius wegen Allan und seinem Koffer massiv unter Druck. Im letzten Augenblick gelingt es Allan, ihn mit einem Holzhammer zu überwältigen, und die beiden sperren ihn in einen Kühlraum. Sie brechen den Koffer auf und finden darin 50 Millionen schwedische Kronen. Da der junge Mann im Kühlraum randaliert, stellt Julius die Kühlung an.

Rückblende 2:
Das Kind Allan sprengt den Händler Herrn Gustavsson versehentlich in die Luft und wird deswegen in die Psychiatrie eingewiesen. Nach mehreren Jahren Aufenthalt wird er dem namhaften Rassenbiologen Herman Lundborg vorgestellt, der an Allan eine Sterilisation vornimmt.

Es stellt sich heraus, dass der junge Mann, dem Allan den Koffer gestohlen hat, Mitglied des kriminellen Bikerclubs Never Again ist. Das viele Geld scheint aus einem Drogendeal zu stammen. Der örtliche Boss, dem eine Fußfessel angelegt wurde, schickt einen weiteren seiner Handlanger auf die Suche nach dem Geld.

Die beiden Alten vergessen die Kühlung abzustellen. Am nächsten Morgen ist der junge Mann im Kühlraum erfroren, woraufhin die Männer beschließen, die Leiche unter Mitnahme des Geldkoffers zu entsorgen.

Rückblende 3:
Allan landet in einer Kanonengießerei und beginnt dort zu arbeiten. Er hat einen spanischen Kollegen namens Esteban, der ihn zur Teilnahme am Spanischen Bürgerkrieg überredet. Allan kommt mit; allerdings wird Esteban bald erschossen, und Allan sprengt sich allein durch den Spanischen Bürgerkrieg. Dabei rettet er zufällig General Franco das Leben und wird von diesem auf ein Fest eingeladen.

Allan und Julius versuchen die Leiche des jungen Mannes auf einer Draisine beiseitezuschaffen. Sie entsorgen sie in einer Übersee-Transportkiste mit Ziel Djibouti. Dann fahren sie bei dem Langzeitstudenten Benny per Anhalter mit. An einer Tankstelle liest Benny eine Fahndungsanzeige.

Rückblende 4:
Das Geschenk von Franco tauscht Allan gegen eine Arbeitserlaubnis in New York. Von der Wolkenkratzer-Baustelle wechselt er als Kellner zum Manhattan-Projekt, wo er Robert Oppenheimer zufällig den entscheidenden Tipp betreffend die Funktionsfähigkeit der Atombombe liefert. Dadurch wird er ein enger Freund von Vizepräsident, später Präsident Harry S. Truman. Wieder in Stockholm wird Allan zu einem Abendessen mit schwedischen Regierungsbeamten geschleppt. Ein sowjetischer Physiker, Popov, überredet ihn, in Moskau beim Bau einer Atombombe zu helfen, und entführt ihn mittels eines U-Bootes.

Benny und die beiden Alten landen auf dem Hof von Gunilla nebst Elefantendame Sonja. Gunillas Ex, ein Bruder des Handlangers des Never-Again-Clubs, taucht plötzlich auf. Da er Benny bei Gunilla sieht, reagiert er sehr eifersüchtig und ruft jammernd seinen Bruder an.

Rückblende 5:
Durch unvorsichtige Bemerkungen über Franco bei einem informellen Treffen zieht Allan Stalins Zorn auf sich, wird verhaftet und kommt in ein Arbeitslager, aus dem ihm nach einiger Zeit gemeinsam mit dem (fiktiven) Zwilling von Albert Einstein, Herbert, ein spektakulärer Ausbruch gelingt.

Die Never-Again-Rocker suchen weiter nach Allan und dem Koffer. Dank Gunillas Ex bekommen sie den Aufenthaltsort von Allan heraus. Der Handlanger wird bei dem Versuch, den Koffer zu erpressen, von der aufgeschreckten Elefantendame Sonja erdrückt. Die Freunde verstecken ihn im Kofferraum seines Autos. Der Boss mit der Fußfessel schneidet diese ab und schaltet sich selbst in die Suche nach Allan und dem Geld ein.

Rückblende 6:
In Paris nimmt Allan zusammen mit Herbert an einem Empfang in einer Botschaft teil und entlarvt dabei einen hochrangigen russischen Spion, weshalb er von der CIA angeworben wird. Er bittet Popov um Hilfe und lernt dessen Sohn Oleg kennen. Allan wird zum Doppelagenten. Gorbatschow versteht eine Bemerkung Reagans über eine Gartenmauer falsch und beschließt, die (Berliner) Mauer selbst niederreißen zu lassen.

Oleg Popov ruft Allan an, um ihm zum Geburtstag zu gratulieren. Oleg, der mittlerweile ein Logistik-Unternehmen besitzt, bietet sich an, sie mit einem Flugzeug zu evakuieren. Auf dem Weg zum Landeplatz haben sie einen Zusammenstoß mit dem Bikerclub-Boss, der daraufhin dauerhaft sein Gedächtnis verliert.

Der Polizeikommissar ist froh, als sein Vorgesetzter ihn wenig später von dem Fall wieder abzieht.

Oleg lässt die Freunde nach Bali fliegen. Der oberste Chef der Drogenhändler glaubt seinen Augen nicht zu trauen, als er Allan plötzlich im Auto neben sich sieht, und verursacht einen Unfall mit für ihn tödlichem Ausgang. In der letzten Szene sieht man die vier Freunde sowie Sonja an einem Strand auf Bali. Allan beginnt Julius seine Lebensgeschichte zu erzählen…

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film erhielt gemischte bis positive Kritiken. Auf der Website Rotten Tomatoes erhielt der Film 70 % positive Bewertungen. Die deutschen Kritiken waren überwiegend positiv, während der Film international teilweise kritischer bewertet wurde.

„Nach Jonas Jonassons Weltbestseller inszeniert der Schwede Felix Herngren mit Komiker-Ass Robert Gustafsson in der Hauptrolle ein aberwitziges Roadmovie mit skurrilen Figuren, das nicht nur die Weltgeschichte umschreibt, sondern auch so richtig zu Herzen geht …“

kino.de[2]

„Der Film läuft Gefahr die Gleichgültigkeit, mit der der unsympatische [sic] Titelheld auf das Chaos um ihn reagiert, auch auf seine Zuschauer zu übertragen, insbesondere auf jene, die den speziellen Humor der schwedischen Komödie nicht verstehen […]. ‚Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand‘ ist ein langatmiger Witz, der weder lustig noch ernst gemeint ist.“

Mark Kermode und Peter Bradshaw: The Guardian[3]

„Ständig stolpert die Gangsterkomödie in Rückblenden über die Anekdoten des Jahrhundertschelms. Zwischen dem tatterigen Allan, der dank der Maske verblüffend an Martin Walser erinnert, dem hemdsärmligen Julius (Iwar Wiklander), dem schüchternen Benny (David Wiberg) und der kernigen Gunilla (Mia Skäringer) kommt denn auch nie die nötige Gruppendynamik für eine anarchistische Sause auf. All die irrwitzigen Ideen wirken bloß maßvoll makaber, der schwarze Humor ist nur matt grundiert. Jonas Jonasson bietet Einfälle für zwei Filme, Felix Herngrens Kino zeigt sich von dieser Fülle völlig überfordert.“

Echo-Online[4]

„Es wirkt wie ein lächerlicher ‚Forrest Gump‘ mit Elementen aus ‚Zelig‘, nur überzogen mit Peniswitzen, Slapstick-Spielereien und Witzen mit Elefantendung.“

David Rooney: The Hollywood Reporter[5]

„Als Mischung aus ‚Zelig‘ und ‚Forrest Gump‘ präsentiert sich Herngrens gelungene Literaturverfilmung, die das ausufernde, erzählerische Dickicht der Vorlage gelichtet hat, ohne den Geist von Jonassons Roman zu beschädigen. Dabei betont der Film mehr die dramatischen Momente der Geschichte und spielt die komödiantischen Elemente ohne aufdringliche Verstärkereffekte aus.“

Martin Schwickert: epd Film[6]

Die behördliche Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW) hat dem Film das Prädikat Besonders wertvoll zuerkannt. Die Jurybegründung in Auszügen: „In der Adaption des Bestsellers von Jonas Jonasson wird geschickt die Lebensgeschichte des Titelhelden mit dessen letztem Abenteuer verwoben und auf beiden Ebenen ist die Geschichte voller skurriler Figuren, irrwitziger Zufälle und Explosionen … Dabei entsteht der Humor fast immer aus den absurden Situationen und nicht, weil die Figuren der Zeitgeschichte zu Karikaturen werden. Auch dadurch ist der Film trotz der vielen Leichen, die Allens Weg pflastern, nie brutal, denn erzählt wird stets aus seiner Perspektive, und er bleibt hundert Jahre lang im Grunde unschuldig, weil er mit den großen Augen eines Kindes durch sein Leben stolpert … Der Komiker Robert Gustafsson spielt ihn dann auch nicht als eine Witzfigur, sondern als einen im Grunde sanften Toren, der durch seine Ignoranz unverwundbar wird. Felix Herngren ist eine kongeniale Adaption des Bestsellers gelungen. Trotz der Fülle an Episoden, Figuren und Spielorten zerfällt er nie in seine Einzelteile, sondern wirkt wie aus einem Guss.“

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Rahmen der Oscarverleihung 2016 wurde der Film in der Kategorie Bestes Make-up und Beste Frisuren für einen Oscar nominiert.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Alterskennzeichnung für Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand. Jugendmedien­kommission.
  2. Kritik von kino.de
  3. http://www.filmstarts.de/kritiken/222582/pressespiegel/
  4. Filmkritik in Echo-Online (Memento vom 12. August 2014 im Internet Archive)
  5. http://www.filmstarts.de/kritiken/222582/pressespiegel/
  6. http://www.epd-film.de/filmkritiken/der-hundertjaehrige-der-aus-dem-fenster-stieg-und-verschwand