Der unsichtbare Gast

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Filmdaten
Deutscher TitelDer unsichtbare Gast
OriginaltitelContratiempo
ProduktionslandSpanien
OriginalspracheSpanisch
Erscheinungsjahr2016
Länge110 Minuten
AltersfreigabeFSK 12[1]
Stab
RegieOriol Paulo
DrehbuchOriol Paulo
MusikFernando Velázquez
KameraXavi Giménez
SchnittJaume Martí
Besetzung
Synchronisation

Der unsichtbare Gast (Alternativtitel The Invisible Guest, Originaltitel Contratiempo) ist ein spanischer Thriller von Oriol Paulo.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der junge und erfolgreiche Geschäftsmann Adrián, der im Verdacht steht, seine Geliebte Laura erschlagen zu haben, wird in seinem Luxusapartment in Barcelona von der Star-Anwältin Virginia Goodman aufgesucht. Sein Verteidiger Félix hat sie engagiert, damit sie kurz vor dem anstehenden Indizienprozess eine für die Geschworenen überzeugende Verteidigungslinie mit Adrián einstudiert, um ihn vor der drohenden Verurteilung zu bewahren. Zunächst präsentiert ihr Adrián die wenig überzeugende Geschichte, wonach sich ein unbekannter Dritter in dem Hotelzimmer befunden haben müsse, wo er mit Lauras Leiche und der Tatwaffe in der Hand von der Polizei aufgegriffen wurde. Der Täter habe ihn zunächst bewusstlos geschlagen und dann den Mord begangen und anschließend 100.000 Euro aus einem Koffer, den Adrián bei sich trug, am Tatort ausgeschüttet. Das Geld hätte das Paar mitgebracht, um damit einen Erpresser zu bezahlen, der von ihrer Beziehung wusste und sie in das abgelegene Berghotel gelotst hatte. Wie der Täter aus dem von innen verriegelten Zimmer entkommen sein soll und warum die Polizei keinerlei Spuren des angeblichen Eindringlings finden konnte, kann Adrián nicht erklären.

Goodman macht ihm klar, dass er mit dieser Geschichte niemanden überzeugen kann und sicher schuldig gesprochen wird. Sie drängt ihn, ihr die volle Wahrheit über die Vorgeschichte zu enthüllen, weil sie ihm sonst nicht helfen könne. Das Verschwinden eines jungen Mannes aus dem Dorf Bierge, Daniel Garrido, soll dabei eine Rolle spielen.

Daraufhin berichtet ihr Adrián von einem Wochenende, das er mit Laura in einem Ferienhaus in den Bergen verbrachte, während seine Familie überzeugt war, er halte sich geschäftlich in Paris auf. Auf der Rückfahrt waren Adrián und Laura in einen Wildunfall verwickelt, bei dem der junge Fahrer eines entgegenkommenden Wagens zu Tode kam. Um nicht zusammen entdeckt zu werden, habe Laura ihn gedrängt, nicht die Polizei zu rufen, sondern Fahrerflucht zu begehen. Unglücklicherweise passierte jedoch ein drittes Fahrzeug die Unfallstelle, dessen Fahrer die beiden Unfallautos am Straßenrand stehen sah.

Um den im gegnerischen Auto liegenden Toten zu verbergen, täuschen Laura und Adrián vor, sie seien die Unfallgegner. Nachdem der Zeuge weitergefahren ist, überzeugt Laura Adrián, er müsse nun das Auto mit der Leiche verschwinden lassen. Sie verstauen den leblosen Körper Daniels im Kofferraum und Adrián fährt mit Daniels Wagen einige Stunden bis zu einem Stausee und versenkt das Auto mit dem Toten, nachdem es dunkel geworden ist. Anschließend lässt er sich von Laura abholen. Diese hat inzwischen Adriáns Auto, das nach dem Unfall nicht mehr angesprungen war, mithilfe eines Einheimischen instandsetzen können, der sie mit seinem Jeep zu seinem Haus in Bierge abgeschleppt und das Fahrzeug in seiner Garage repariert hat. Während Laura im Haus wartete und sich mit der Frau des Mannes unterhielt, bemerkte sie, dass es sich bei dem Paar um die Eltern des Jungen handelt, der bei dem Unfall zu Tode kam. Überstürzt bricht sie mit dem reparierten Wagen auf, ohne sich zu bedanken. Um alle Spuren zu beseitigen, verkauft Adrián seinen Wagen zur Verschrottung an einen Verwerter und meldet das Fahrzeug offiziell als gestohlen. Anschließend trennen sich Laura und Adrián und verabreden, sich nicht mehr zu sehen.

Einige Zeit später wird Adrián von der Polizei aus seinem Büro abgeholt, weil man ihn mit dem Verschwinden Daniels in Verbindung bringt. Tomás Garrido, Daniels Vater, hatte sich das Kennzeichen des Wagens notiert, den er repariert hatte. Adriáns Anwalt Félix erklärt, der Wagen sei gestohlen, Adrián in Paris gewesen. Um die Polizei von Adriáns Alibi zu überzeugen, muss Félix ihm allerdings gefälschte Flugtickets und Hotelrechnungen besorgen, die seine angebliche Reise belegen. Adrián nimmt unvorsichtigerweise Kontakt mit Laura auf und wird von der Polizei dabei überwacht. Grund sei ein Erpresser gewesen, so erklärt er Virginia Goodman, der sie in das Berghotel gelockt und Laura dort erschlagen habe. Es handelt sich nach Adriáns Ansicht um den Fahrer des Autos, der sie am Unfallort gesehen hatte. Er müsse ihn heimlich verfolgt und das Wegschaffen der Leiche beobachtet haben. Goodman verwirft diese Hypothese und macht Adrián klar, dass die Version zu konstruiert klingt und zu viele Fragen offen lässt, um die Richter zu überzeugen.

Wahrscheinlicher sei es, dass Tomás Garrido ihnen im Hotelzimmer auflauerte. Er habe das Vertrauen in die Hilfe der Behörden verloren, weil er sich gegenüber dem Einfluss des mittlerweile mit Entrepreneur-Preisen ausgezeichneten und medial gefeierten Geschäftsmanns machtlos gefühlt habe. Zusammen mit seiner Frau, die in dem Berghotel als Zimmerfrau beschäftigt war, habe er das Verbrechen als Racheakt für den Tod ihres Kindes geplant. Mit Hilfe seiner Frau habe er nach der Tat auch unbemerkt aus dem Hotelzimmer entkommen können. Sowohl der Ablauf als auch das Tatmotiv, sich an Laura wegen ihrer Kaltherzigkeit zu rächen, ließen sich mit dieser Theorie plausibel erklären.

Goodman schlägt ihm nun vor, es vor Gericht so darzustellen, als habe Laura das Verschwinden der Leiche allein bewerkstelligt. Dafür müsse er allerdings die Stelle offenbaren, wo er die Leiche Daniels abgeladen hat. Adrián ist von dieser Möglichkeit angetan und vertraut der Anwältin an, dass der junge Mann noch gelebt hat, als er den Wagen im See versenkte. Daraufhin verliert sie kurzzeitig die Contenance. Danach macht sie Adrián klar, dass es auch zur letzten Version der Geschichte noch eine Alternative gibt. Es könnte auch sein, dass nicht Laura, sondern er selbst von Anfang an die Initiative zur Vertuschung des Unfalls übernommen habe. Laura bekam ein schlechtes Gewissen und offenbarte sich den Eltern. Sie habe die Erpressung vorgetäuscht, um Adrián dazu zu bewegen, einen Koffer mit Geld in das Hotel zu bringen, wo Garridos Frau arbeitete. Als sie ihn aufforderte, Daniels Familie das Geld zu überlassen und sich zusammen mit ihr der Polizei zu stellen, sei er ausgerastet und habe Laura erschlagen.

Die vermeintliche Anwältin bringt Adrián, der sich nun sicher fühlt, dazu, ihr zu bestätigen, dass diese Version stimmt und er seine Geliebte tatsächlich getötet hat. Dann verlässt sie das Apartmenthaus und es stellt sich heraus, dass sie das Gespräch mit Adrián heimlich mitgeschnitten hat. In Wirklichkeit ist sie Daniels Mutter und hat sich als Anwältin verkleidet.

Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mario Casas übernahm im Film die Hauptrolle des Mord­verdächtigen Adrián Doria

Regie führte Oriol Paulo, der auch das Drehbuch zum Film schrieb. Mario Casas übernahm die Hauptrolle des Mordverdächtigen Adrián Doria. Ana Wagener spielt in einer Doppelrolle die Mutter des Unfallopfers und die vermeintliche Star-Anwältin Virginia Goodman. In der deutschen Synchronisation wird Adrián Doria von Florian Hoffmann gesprochen, und Heike Schroetter synchronisiert Virginia Goodman.

Der Film wurde an verschiedenen Orten in der baskischen Provinz Bizkaia, in Barcelona und in der nordöstlich in Spanien gelegenen Stadt Girona in Katalonien gedreht.[2] Das Finale spielt im Hochtal von Núria, das nur durch die im Film gezeigte Zahnradbahn zu erreichen ist.[3]

Die Produktionskosten des Films belaufen sich auf rund vier Millionen Euro.

Der Film feierte am 23. September 2016 beim Fantastic Fest in Austin seine Premiere und wurde im Januar 2017 im Rahmen der Fantasy Filmfest White Nights erstmals in Deutschland gezeigt. Am 23. Februar 2017 wurde der Film auf DVD veröffentlicht.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Walker MacMurdo von Willamette Week sagt, obwohl der Film zeitweise vorhersehbar sei, enthalte er ausreichend viele Wendungen, um einen zu fesseln, bis die ganze Wahrheit enthüllt ist.[4]

Alexander Hertel vom Filmdienst sagt, der spanische Thriller beweise eindrucksvoll, dass das Subgenre des Locked-Room-Mystery noch längst nicht auserzählt sei, und die Szenarien im Film blieben stets plausibel, was nicht nur dem tollen Drehbuch, sondern auch den exzellenten Schauspielern zu verdanken sei: „Besonders Hauptdarsteller Mario Casas setzt die verschiedenen Facetten seiner Rolle überzeugend um. Durch die Befragungen offenbart er immer tiefere Einblicke in Adriáns Innenleben und auf das komplexe Geschehen, begibt sich in dunklere Bereiche seines Lebens, als er eigentlich möchte.“[5]

Einspielergebnis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit einem Einspielergebnis von 3,65 Millionen Euro bis Mai 2017 und mehr als einer halben Million (555.476) Zuschauern kam Contratiempo unter die Top 10 der meistgesehenen Filme des Jahres 2017 in Spanien und war eine der erfolgreichsten Produktionen des heimischen Kinojahres.[6][7] In China, wo der Film am 15. September 2017 startete, wurde er von mehr als 2,3 Millionen Besuchern gesehen und spielte fast 26 Millionen US-Dollar ein.[7][8]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gaudí Awards 2017

Portland International Film Festival 2017

  • Auszeichnung mit dem Publikumspreis Best of PIFF After Dark Sidebar (Oriol Paulo)
  • Viertplatzierter in der Wahl zum Publikumspreis Best Narrative Feature (Oriol Paulo)[10]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung für Der unsichtbare Gast. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (PDF; Prüf­nummer: 165395/V).Vorlage:FSK/Wartung/typ nicht gesetzt und Par. 1 länger als 4 Zeichen
  2. Un cadáver en la cama de Mario Casas In: elperiodico.com, 16. November 2015.
  3. Oszillierendes Spiel mit der Wahrheit. In: femundo.de. Abgerufen am 12. Februar 2018.
  4. Walker MacMurdo: Week One of the Portland International Film Festival is Here. These are the Movies You Should Watch In: Willamette Week, 8. Februar 2017.
  5. Alexander Hertel: Der unsichtbare Gast In: Filmdienst 7/2017.
  6. Taquilla España: 2017. Abgerufen am 7. April 2019 (spanisch).
  7. a b Contratiempo (The Invisible Guest). In: Box Office Mojo, abgerufen am 7. April 2019.
  8. Box Office China 2017. In: insidekino.com, abgerufen am 7. April 2019.
  9. El pratenc Jaume Martí guanya el Gaudí al millor muntatge In: elprat.cat, 30. Januar 2017.
  10. Portland International Film Festival: Award Winners and Film Previews In: thepacificsentinel.com, 10. März 2017.