Deutschlandnetz

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Das Deutschlandnetz ist ein geplantes Schnellladenetz in Deutschland, welches von der Bundesrepublik Deutschland ausgeschrieben wird und bis Ende 2023 flächendeckend mehr als 8.000 Ladepunkte in insgesamt 1100 Ladeparks bereitstellen soll. Es wurde im August 2021 von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer und der Nationalen Leitstelle Ladeinfrastruktur im Rahmen der förmlichen Vorabbekanntmachung vorgestellt.[1][2] Die vorgesehene Investitionshöhe von Seiten des Bundes beträgt 1,9 Milliarden Euro.

Ausschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste Ausschreibung umfasst insgesamt 8784 Ladepunkte in 900 festgelegten Gebieten mit einem Radius von ca. 2 km (sog. Suchräume). Dabei wurde Deutschland in 6 Regionen mit jeweils 3 bis 5 Losen aufgeteilt. Jeder Bieter kann hierbei lediglich den Zuschlag für 1 Los pro Region und insgesamt 3 Lose erhalten. Die Lose innerhalb der Regionen sind räumlich durchmischt angeordnet. Hierdurch soll der Wettbewerb gefördert und marktbeherrschende Strukturen verhindert werden. Der Preis für das Laden ohne Registrierung (Ad-Hoc) ist nach oben hin begrenzt, wobei der Preiskorridor als „atmend“ definiert ist und somit bei Bedarf seitens des Staates schnell angepasst werden kann, etwa bei steigenden Stromkosten für die Ladesäulenbetreiber. In einer getrennten Ausschreibung sollen auch an ca. 200 bundeseigenen Rastanlagen und Parkplätzen weitere Ladeparks entstehen. Da die Anbieter für die Errichtung und den Betrieb im Rahmen der Ausschreibung bezahlt werden, fließen große Teile der Einnahmen aus dem verkauften Strom zurück an den Bund.[1][3][4]

Standortkategorien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Standortkategorie Anzahl an Ladepunkten Anzahl an Suchräumen
S 4 156
M 8 255
L 12 426
XL 16 63

[1]

Anforderungen an die Standorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Nutzerfreundlichkeit durch Dächer, gastronomisches Angebot, sanitäre Anlagen und barrierefreie Nutzung
  • Nenn-Ladeleistung von mindestens 300 kW DC pro Ladepunkt, wobei auch bei Vollauslastung des Standorts mindestens 200 kW je Ladepunkt gewährleistet werden müssen
  • Unterstützung von 400 V und 800 V Batteriesystemen
  • CCS-Stecker
  • Eichrechtskonforme Ladepunkte
  • Diskriminierungsfreier Zugang sowohl im Ad-Hoc-Verfahren, als auch bei Zugang über EMP-Betreiber
  • Zugang über RFID, App, Plug-&-Charge nach ISO 15118 (ab Verfügbarkeit) und Ad-Hoc ohne Registrierung mit NFC-Kartenleser[1][5]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritik wird an den Ausschreibungsformalitäten geübt, die an unbewirtschafteten Rastanlagen entlang der Autobahnen vorsehen, an denen keinerlei aufwertende Infrastruktur vorhanden ist.[6][7]

Das Bundeskartellamt hält die Maßnahme der Deutschlandnetz-Ausschreibungen weder für geeignet, erforderlich noch angemessen. Es sei „zweifelhaft, ob hinreichende Gründe dafür gegeben sind, dass der Bund als Auftraggeber durch eine sehr weitgehende Übernahme des Betriebs- und Auslastungsrisikos faktisch selbst im Bereich des Angebots von Ladeinfrastruktur tätig wird“.[8] Zudem würden durch die beabsichtigten Preisvorgaben „regulierungsähnliche Maßstäbe“ gesetzt, die eine Verdrängung privater Angebote mit sich bringen könnten. Ein staatliches Eingreifen sei nicht notwendig, um eine flächendeckende Versorgung zu gewährleisten, findet der Bundesverband der Energie und Wasserwirtschaft (BDEW). In Gesprächen mit der EU-Kommission hatte die Bundesregierung jedoch das Argument des Marktversagens angeführt. Sowohl das Bundeskartellamt als auch die Monopolkommission kamen in ihren Analysen zu dem Ergebnis, dass in Deutschland ein funktionierender Markt für Ladesäulen besteht und eine weitere Expansion zu erwarten ist. Einige Unternehmen haben daraufhin im August 2022 Beschwerde bei der Generaldirektion Wettbewerb (DG Competition) der EU-Kommission eingereicht. Zu den Beschwerdeführern gehören zum einen der Ladesäulenbetreiber Allego, und zum anderen der Verein Inspire („Institut für praxisorientiertes, integriertes Recht der Elektromobilität“), dessen Mitglieder große Ladesäulenbetreiber wie Fastned, Ionity und Ewe Go sind.[9]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Video: Förmliche Vorabbekanntmachung der Ausschreibung des Deutschlandnetzes. Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, 16. August 2021, abgerufen am 16. September 2021.
  2. nextmove - Das große Deutschlandnetz - Die Fakten und Insider-Infos. In: nextmove. 31. August 2021, abgerufen am 30. Juni 2022 (deutsch).
  3. Zweite Deutschlandnetz-Ausschreibung gestartet. 20. Dezember 2021, abgerufen am 30. Juni 2022 (deutsch).
  4. Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur: Deutschlandnetz – StandortTOOL. Abgerufen am 30. Juni 2022 (deutsch).
  5. Ausschreibungsinformation Regionallose. Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, 16. August 2021, abgerufen am 16. September 2021.
  6. Claudia Scholz: „Es entstehen Ladeplätze zweiter Klasse“ – So trist plant der Bund die Ladesäulen an der Autobahn. Handelsblatt. 19. Januar 2022.
  7. Michael: Deutschlandnetz an der Autobahn: „Es entstehen Ladeplätze zweiter Klasse“. 19. Januar 2022, abgerufen am 30. Juni 2022 (deutsch).
  8. Sachstandsbericht zur laufenden Sektoruntersuchung zur Infrastruktur bei Ladesäulen. Bundeskartellamt. 12. Oktober 2021.
  9. Claudia Scholz: Zwei Milliarden Euro: Eines der wichtigsten Auto-Projekte Deutschlands droht zu scheitern. Handelsblatt. 2. August 2022.