Tesla Supercharger

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Tesla Model S an einer „Tesla-Supercharger“-Ladestation in den USA
Mit Photovoltaik-Dach beschattete Supercharger-Station in Kalifornien

Tesla Supercharger sind Ladestationen des Unternehmens Tesla, die für das Schnellladen von Fahrzeugen der eigenen Marke gebaut wurden. Man unterhält damit das engmaschigste Ladesystem der Welt.[1] Die, Stand Juli 2018, in die Fahrzeuge eingespeiste Energiemenge entspricht einem Äquivalent von 92 Millionen Liter Treibstoff.[2] Das gesamte Netzwerk wird von Tesla selbst finanziert.[3] Bisher war die Nutzung der Supercharger im Kaufpreis der Modelle S und X enthalten, seit kurzem ist diese jedoch nur noch bis zu einem bestimmten Kontingent kostenfrei. Die Stationen können die Traktionsbatterien der Tesla-Fahrzeuge so weit aufladen, dass die nächste Superchargerstation oder ein anderes Ziel erreicht werden kann. Die Verteilung dieser Ladestationen entlang von Autoverkehrsmagistralen in 20 Ländern ermöglicht Fahrten auf langen Strecken mit kurzen Ladestopps.

Tesla betreibt weltweit an 1229 Orten[4] insgesamt 9623 Supercharger-Anschlüsse, 545 in Europa. In Deutschland gibt es 67 (12 im Bau)[5], in Österreich 16 (2 im Bau)[6] und in der Schweiz 16 (3 im Bau) Standorte[7] (Alle Angaben Stand 30. Mai 2018). Dazu kommen noch zusätzlich 19.200 Destination Charger.[8][9][10] Tesla-Fahrzeuge können obendrein an allen ca. 10.000 öffentlichen Ladesäulen in Deutschland aufgeladen werden, die über einen Typ-2-Stecker verfügen.[11] Umgekehrt z. B. einen Opel Ampera, e-Golf, usw., an einem Supercharger aufzuladen, funktioniert nicht.[12]

Ein Tesla Supercharger verwendet je zwei Ladesäulen (markiert mit A und B) an einem Drehstrom-zu-Gleichspannungswandler mit einer Spitzenleistung von 145 kW und 480 V Gleichspannung. Damit unterscheidet sich das System in seinen Eckdaten von den international standardisierten Ladeverfahren Combined Charging System (CCS, bis 350 kW) und CHAdeMO (bis 100 kW). Ein Wandler kann über die beiden Ladesäulen zwei Autos gleichzeitig laden; in diesem Fall wird die Ladeleistung auf das erste Fahrzeug, welches zu laden beginnt, priorisiert, das zweite bekommt die verbleibende Wandlerleistung. Derzeit werden die Modelle S und X vom Supercharger allerdings nur mit maximal 125 kW beschickt.

Die Alternative, in zwei Minuten die komplette Batterie automatisch, aber kostenpflichtig austauschen zu lassen, wurde von den Kunden nicht angenommen. Ergänzend installiert Tesla sogenannte Destination Charger, um zusammen mit Hotels, Restaurants, Supermärkten/Einkaufszentren usw. ihren Kunden nahezu überall Ladestationen anbieten zu können (derzeit u. a. 3171 in den USA[13] und 3504 in Europa[14]). Des Weiteren gab Tesla bei der Vorstellung seines Sattelzugs Tesla Semi bekannt, Megacharger-Stationen zu errichten, um diese innerhalb von 30 Minuten für eine Reichweite von ca. 645 km zu laden. Die Leistung der Megacharger wird dafür bei über 1 MW liegen und zunächst an Be-/Entladepunkten der Großkunden gebaut[15][16].

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Typ-2-Stecker eines Tesla Supercharger in Europa
Typ-2-Anschlussdose im linken hinteren Blinker eines europäischen Model S. Die Isolatoren der Steckkontakte sind beleuchtet.
Zum Vergleich: Beleuchteter nicht-runder Tesla-eigener „Charge port“ an einem US-Model S. Mit einem Adapter kann auch ein runder SAE J1772-Typ-1-Stecker z. B. an einem ChargePoint genutzt werden.

Tesla Motors begann 2012 mit der Errichtung leistungsfähiger Stromladestationen unter der Eigenbezeichnung „Tesla Supercharger“. Die ersten Stationen lieferten eine maximale Ladeleistung von rund 90 kW. Ab 2013 wurde Technik für 120 kW installiert, später für maximal 145 kW. In einer ersten Phase wurde das proprietäre Gleichstromladesystem entlang der West- und Ostküste der Vereinigten Staaten errichtet. In einer zweiten Phase erfolgte die Verbindung der beiden Küstenkorridore. Seitdem ist es möglich, mit einem Model S die Vereinigten Staaten unter ausschließlicher Nutzung der Supercharger zu durchqueren. Parallel zum Netzausbau in den USA begann Tesla Motors mit der Installation von „Supercharger“-Ladestationen in Europa, Asien und Australien. Im Juni 2014 gab Tesla Motors bekannt, einige Patente, die mit ihrer hauseigenen Entwicklung für Ladestationen verbunden sind, der Allgemeinheit zur freien Verwendung zur Verfügung zu stellen.[17]

Um die Vorteile der in Europa – im Gegensatz zu den USA – weit verbreiteten dreiphasigen Wechselstromanschlüsse beim Aufladen nutzen zu können, werden Tesla-Fahrzeuge für den europäischen Markt – abweichend vom US-Markt mit der Tesla-eigenen Buchse – mit Ladesteckdosen des in Europa als Standard eingeführten Typs 2 Mennekes ausgeliefert. Damit können diese Fahrzeuge sowohl an den in Europa einigermaßen verbreiteten Typ-2-Säulen mit Wechselstrom laden, als auch – mit spezieller Belegung derselben Autosteckdose – an den Tesla-Superchargern.

Beim Laden am „Supercharger“ wird mit einem fest an der Ladesäule installierten Kabel unter Umgehung des internen Ladegeräts die Traktionsbatterie direkt mit Gleichstrom geladen.[18] Der Standard der Typ-2-Steckverbindung wurde bei Nutzung von Gleichstrom bis 70 kW Leistung spezifiziert. Tesla wartete für sein leistungsstärkeres Gleichstrom-Schnellladungssystem nicht auf den 2013 verabschiedeten internationalen Ladestandard Combined Charging System, der für Gleichstromübertragung mit mehr als 70 kW ein erweitertes Steckerdesign mit zwei zusätzlichen Gleichstromkontakten verwendet, sondern überträgt die Spitzenleistung von 135 kW über modifizierte Kontaktstifte in seiner Typ-2-Steckverbindung.[19]

Ladezeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 60-kWh-Akkumulatoren der ersten Tesla Model S konnten an 90-kW-Superchargerstationen der ersten Generation in 20 Minuten zur Hälfte, in 40 Minuten zu 80 % und in 75 Minuten vollständig geladen werden. Die Leistung der Ladestationen wurde ab 2013 auf 135 kW gesteigert.[20] Inzwischen werden Supercharger mit 145 kW Leistung installiert.

Ladeberechtigung und Kosten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ladestationen können nur von Fahrzeugen der Marke Tesla Motors genutzt werden, die über einen entsprechenden Ladeanschluss verfügen und vom Hersteller für das Laden dort per Software freigeschaltet wurden.

Beim Kauf eines Model S und Model X wird das kostenlose Aufladen an den Tesla Superchargern für die Lebensdauer des Fahrzeuges mitverkauft, je nach Modell und Markt als kostenlose Standardausstattung oder kostenpflichtige Option. Beim nicht mehr vertriebenen Model S 60 konnte die Option für 2400 Euro dazugekauft werden.[18]

Für Tesla Model S und X, die nach dem 15. Januar 2017 bestellt wurden, werden per Supercharger nur noch 400 kWh (über 1.600 km, Wert etwa 100 Euro) pro Jahr kostenlos abgegeben. Die darüber hinausgehende Nutzung wird berechnet und soll weniger kosten als das Auftanken eines vergleichbaren Verbrennerfahrzeuges.[21]

Weiterer Ausbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tesla-Supercharger-Station an der A9 bei Münchberg
Hinweisschild für „Tesla Supercharger“

Tesla baut (Stand April 2018) Supercharger-Stationen in Nordamerika, Europa, im Mittleren Osten, Ostasien, Australien und Neuseeland. Laut Tesla Motors wird für alle europäischen Supercharger-Stationen Ökostrom eingekauft.[22]

In Deutschland gilt seit dem 17. März 2016 die Ladesäulenverordnung, die das Combined Charging System (CCS) zum verpflichtenden Standard für die öffentliche Gleichstrom-Schnellladung vorgibt. In diesem Zusammenhang waren zuvor Befürchtungen laut geworden, dass Tesla Motors seine deutschen Supercharger mit CCS nachrüsten müsste, falls der damals vorliegende Entwurf der Verordnung unverändert in Kraft treten würde.[23]

Seit 24. März 2016 ist Tesla Motors Mitglied der Charging Interface Initiative e. V. (CharIN e. V.),[24] eine Initiative, die sich zum Ziel gesetzt hat, CCS zu fördern und zu verbreiten[25].

Kompletter minutenschneller Austausch der Batterie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tesla verfolgte zudem den Ansatz, die Supercharger-Stationen zum kompletten automatischen Tausch des Akkus in unter zwei Minuten aufzurüsten, wofür der Unterboden des Model S auch im Sinne der Herstellung und Wartung konstruiert ist. Ziel war es, diesen Tausch schneller[26] und billiger anzubieten als eine reguläre Kraftstofftankfüllung, was 2013 demonstriert wurde. Zwischen San Francisco und Los Angeles, an der Harris Ranch bei Coalinga, wurde eine solche Station gebaut.[27] Die Kunden hatten dort die Wahl zwischen schnell oder kostenlos, und bevorzugten die kostenfreie Schnellladung, sodass das Konzept nicht weiter ausgebaut wurde.[28] Nur die Firma Better Place hat dieses Konzept für Israel und Dänemark umgesetzt bis es 2013 in Konkurs ging.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Tesla Supercharger – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Das Supercharger-Netzwerk von Tesla wächst auf über 400 Standorte in ganz Europa. In: Presse Augsburg. 28. Juni 2018, abgerufen am 11. September 2018.
  2. Werner Pluta: Tesla Supercharger: Abgerechnet wird nach Kilowattstunden oder Minuten. In: golem.de. Computec Media Group, 13. Januar 2017, abgerufen am 11. September 2018.
  3. Hanne Lübbehüsen: Tesla: Verschenkter Strom. In: Die Zeit. 20. April 2015, abgerufen am 11. September 2018.
  4. The World’s Fastest Charging Station. Abgerufen am 11. April 2018.
  5. Tesla Supercharger-Standortliste Deutschland
  6. Tesla Supercharger-Standortliste Österreich
  7. Tesla Supercharger-Standortliste Schweiz
  8. https://teslamag.de/news/tesla-veroeffentlicht-quartalsbericht-fuer-das-q2-2018-19595
  9. https://www.tesla.com/de_DE/destination-charging
  10. https://www.goingelectric.de/stromtankstellen/Deutschland/Verbund/Tesla-Destination-Charging/
  11. https://www.heise.de/autos/artikel/Shell-erster-Oelkonzern-kauft-groesseres-Ladenetzwerk-3860568.html
  12. https://ecomento.de/2017/06/22/tesla-supercharger-nutzung-durch-andere-elektroauto-marken-weiter-im-gespraech/
  13. US Tesla Destination Charging
  14. Tesla.com: Find us
  15. Tesla Megacharger Stationen
  16. Tesla Semi Enthüllung
  17. Patrick Bernau: Teslas egoistisches Patent-Geschenk. In: faz.net. 13. Juni 2014, abgerufen im 7. Dezember 2014.
  18. a b Supercharger – Tesla Motors. In: teslamotors.com. Abgerufen am 25. Februar 2015.
  19. Mark Kane: Tesla Model S Charging Inlet In Europe. abgerufen am 12. Januar 2016
  20. TeslaMag: Tesla Supercharger verfügen offenbar über theoretische Ladeleistung von 145 kW statt 135 kW
  21. https://www.tesla.com/de_DE/blog/update-our-supercharging-program
  22. https://presse-augsburg.de/presse/das-supercharger-netzwerk-von-tesla-waechst-auf-ueber-400-standorte-in-ganz-europa/245390/
  23. BSM, 20. Oktober 2015: Politischer Kurzschluss beim Laden von Elektrofahrzeugen? aufgerufen 7. Dezember 2015
  24. Mission & Purpose. Bei: CharINeV.org. Abgerufen am 27. März 2016.
  25. CharIN e. V. welcomes member Tesla Motors. Bei: CharINeV.org. 24. März 2016. Abgerufen am 27. März 2016.
  26. Battery Swap Event- FULL CHARGE IN 90 SECONDS. In: Battery Swap Event- FULL CHARGE IN 90 SECONDS. Abgerufen am 8. Oktober 2016.
  27. Battery Swap Pilot Program. In: Battery Swap Pilot Program. Abgerufen am 8. Oktober 2016.
  28. Tesla’s battery swap program is pretty much dead. In: Tesla’s battery swap program is pretty much dead. Abgerufen am 8. Oktober 2016.