Die Leucht

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Die Leucht ist ein etwa 12.000 ha großes Waldgebiet des Regionalforstamts Niederrhein. Es liegt fast komplett im Norden des Stadtgebietes von Kamp-Lintfort.

Die Leucht ist der südliche Teil der Bönninghardt, einem Teil der Niederrheinischen Höhen, die sich von Kleve bis Krefeld erstrecken. Geologisch ist die Leucht eine Stauchmoräne der Riß- oder Saale-Kaltzeit und vor rund 250.000 bis vor 125.000 Jahren entstanden. Typisch für diese Moränen ist die relativ steile Nord-Ost-Seite. Hier haben die Gletscher mit einer Eishöhe von bis zu 300 m die Gesteine vor sich her geschoben. Die Süd-West-Seite ist abgeflachter und besteht aus dem Sander. In diesem Bereich findet man häufig Taleinschnitte, die von Bachläufen ausgewaschen wurden, die einst aus den Gletschern durch die Gletschertore gespeist wurden. Es gibt in der Leucht eine geologische Besonderheit, welche sich östlich des Leichenweges in einer Entfernung von ca. 400 m bis 500 m befindet. Hier senkt sich der Boden im Verlauf des Plaggenweges plötzlich um 1 m – 1,5 m ab. Diese Erscheinung verläuft über mehrere hundert Meter in nord-südlicher Richtung. Bei diesem Gebilde handelt es sich um eine Sanddüne, die sich nach dem Rückzug der Gletscher auf dem Höhenzug abgelagert hat. Vergleichbar hierzu entstanden parallel im Tiefland entsprechend viele größere Dünen wie z. B. Annaberg, Homberg, Budberg, etc. Typisch für diese Dünen ist ebenfalls eine steile Ostseite. Wegen des sandigen Bodens gibt es auf der Bönninghardt nur wenige natürliche Wasserstellen. Sie entstanden während der Eiszeit, als durch das Gewicht riesiger Eisbrocken, Lehm- und Tonmergelhaltiger Boden sich senkte und extrem verdichtet wurde. In diesen Senken bzw. Löcher sammelte sich das Niederschlagswasser. In der Leucht entstand hierdurch ein Hochmoor, das „Saure Veen“ [1], ein Naturschutzgebiet von ca. 2ha Größe. Leider ist vor einigen Jahren, durch die Bohrung von Trinkwasserbrunnen und in diesem Bereich sehr stark vorhandener Bodensenkungen durch den Steinkohlebergbau, die Schicht, die das Wasser im Hochmoor gehalten hat beschädigt worden. Hierdurch ist diese Fläche ausgetrocknet und die ehemals vorhandene Fauna und Flora des Moors verschwunden.

Seit dem 13. Jahrhundert findet in der Leucht Forstwirtschaft statt. Schon die alten Römer führten hier großzügige Waldrodungen durch. Durch den Eintrieb von Viehherden in den Wald zum Zwecke der Beweidung, die Nutzung der abgefallenen Blätter und Nadeln als Einstreu in den Viehställen, der immense Holzverbrauch des Schiffbaues, sowie die Nutzung des Holzes als Brennstoff waren die wesentlichen Nutzung der Leucht. Bis ins 18. Jahrhundert findet man auf historischen Karten die Leucht als ausgewiesenes Waldgebiet unter dem Namen „Lucht“. In niederländischer Sprache bedeutet dieses „Luft“ aber in der alten niederdeutschen Sprache bedeutet es Heuboden,[2] was auch zur landschaftlichen Nutzung der Moränen, auch aus Beschreibung diverser anderer Quellen, bis fast in die heutige Zeit passt. In Dokumenten der Gemeinde Alpen wird die „Hei“ (Heide), nach immer noch gängig mundartlichem Sprachgebrauch für den Ortsteil Bönninghardt, als Kuhweide bezeichnet – Ackerbau war nicht zu betreiben.

Die ältesten Hinweise auf die Besiedlung der Bönninghardt liegen im Norden der Leucht, zum Teil auf dem Gebiet der Gemeinde Issum. Hier lagen nach Befund des Archäologen Rudolf Stampfuß ca. 50 Hügelgräber der Bronzezeit, die etwa 800 v. C. durch die aus dem Süden zuwandernden Nachkommen der Becherkultur angelegt wurden. Das dichteste Gräberfeld befand sich mit einer kleinen Ansiedlung direkt an der südlichen Seite des Strohwegs, in einer Höhe von etwa 12 m bis 15 m über der Fleuthniederrung. Auf dem Gemeindegebiet von Issum sind die Grabhügel durch landwirtschaftliche Bebauung eingeebnet worden und die restlichen Gräber durch Forstwirtschaft und zum Teil durch Verbuschung nur noch sehr schwer erkennbar.

Am 16. Oktober 1760 wird in den Aufzeichnungen des Siebenjährigen Kriegs über die Schlacht bei Kloster Kampen oder vom Kamper Dreieck die Leucht erwähnt. Seinerzeit versuchten die preußischen Truppen über die Leucht die französischen Truppen zu umgehen um diesen in den Rücken fallen zu können.

Um 1860 wird in urkundlichen Akten die Leucht als Unterschlupf für den aus den Alpen stammenden Wilhelm Brinkhoff (Die Vogelfreien der Bönninghardt) genannt.

1936 wurde ein Feldflughafen der Luftwaffe im Gebiet der Bönninghardter Heide am nördlichen Rand der Leucht eröffnet. Dieser wurde gegen Ende des Krieges durch alliierte Truppen zerstört. Die Trümmerreste wurden von der hiesigen Bevölkerung zum Wiederaufbau des Wohnraumes verwendet Flughafen-Boenninghardt.

Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Leucht im südlichen Teil besiedelt. Im Bereich des Kopfbogen und an der Altfelder Straße wurden einige Nissenhütten für die einströmenden Flüchtlinge gebaut, die dann in Wohnhäuser umgebaut wurden (Ponnyhof am Kopfbogen in der Leucht).

1954 beschlagnahmte die Britische Armee als Besatzungsbehörde den nordwestlichen Teil der Leucht um dort ein Munitionsdepot anzulegen. Die Grundstückseigentümer wurden aufgefordert, von einer weiteren Nutzung und Bewirtschaftung abzusehen. Protesten zum Trotz legten die Briten rund dreißig Lagerplätze (17 m × 17 m) für Munition an. Die meisten dieser Plätze hatten lagen größtenteils am Waldweg, Issumer Weg und am Bierweg, aber auch nördlich der Xantener Straße. Die ausgehobenen Kiesgrube an der Kreuzung Waldweg/Strohweg diente als Sprengplatz. Wegen Brandgefahr mussten dabei ca. 15 Morgen Wald abgeholzt werden. Das gesamte Gelände war mit hohen Zäunen versehen und durch Wachen mit Hundestreifen gesichert.[3] Der Feuerwachturm wurde von seinem alten Standort nahe dem Baerlagshof in den nordwestlichen Teil des Waldes versetzt. Im Herbst 1965 wurde das Depot aufgelöst und die Munition in das Depot Brüggen-Bracht transportiert. Die Sicherungseinrichtungen wurden beseitigt. Die Lage verschiedener Lagerplätze lässt sich heute noch erkennen, hier und da sind auch noch kleinere Einzäunungen und einige Fundamente von Stabsgebäuden übrig blieben. Drei Feuerlöschbassins am Bierweg (Wanderweg A 8 und A 10), von denen zwei abgedeckt und eingezäunt sind, existieren heute noch.

Vom 18. auf den 19. Januar 2007 zerstörte der Orkan Kyrill große Teile der Leucht. Mit Windgeschwindigkeiten bis zu 225 Kilometer in der Stunde prallte der „Herrliche“ – so die griechische Übersetzung – in den Abendstunden des 18. Januars auf weite Teile der Wälder in und um Kamp-Lintfort herum. In der Sturmnacht legte „Kyrill“ in der Leucht 200.000 bis 300.000 Bäume um, das entsprach rund 50.000 Festmeter Holz. Der normale Jahreseinschlag lag bei 4.500 Festmetern. 1200 Hektar war die Waldfläche der Leucht groß, 180 Hektar wurden komplett flach gelegt, darüber hinaus war der gesamte Wald durch Einzel- und Nesterwürfe geschädigt. Kyrill hatte an einigen Flächen den Baumbestand bis zu 75 Prozent zerstört.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Naturschutzgebiet „Saures Veen“, westlich des Leichenweg zwischen Stappweg und Issumer Weg (kleines Moorgebiet entstanden nach Abzug Eiszeitlicher Gletscher. 1991 zum Naturschutzgebiet erklärt. Durch Bergbausenkungen ausgetrocknet, soll es in der Zukunft renaturiert werden. Die dort früher heimischen Amphibien sind abgestorben.)
  • Naturschutzgebiet Erlenbruchwald, im Osten der Leucht am Stappweg (Im Kernbereich dieses NSG trifft man auf eine Lichtung, in der noch die Überreste eines alten Entwässerungssystems (Rabatten) erkennbar sind. In diesen Gräben findet man verschiedene Torfmoos-Arten. Mit Pflegemaßnahmen von Seiten des Naturschutzes soll verhindert werden, dass diese offene, feuchte Fläche von Bäumen besiedelt wird. Wird hier nicht regelmäßig der aufkommende Birken- und Faulbaum-Jungwuchs entfernt, verwandelt sich die Fläche mit der Zeit in Wald und verliert ihren feuchten Charakter.)
  • Naturschutzgebiet Birkenbruch, östlich Xantener Straße, südlich Issumer Weg.
  • Naturdenkmal Schwarznuss (ND 18, LP Alpen/Rheinberg) Rheinberger Str. 25 (Forsthaus) in Alpen (am nördlichen Ende des Leichenweg)
  • Naturdenkmal Rotbuche (2.6.2 LP Kamp-Lintfort) am Leichenweg in der Nähe des Sauren Veen (Es handelt sich um eine 30 m hohe Rotbuche mit einem Stammumfang von 528 cm und einem Alter von ca. 260 Jahren. Als weiteres um zwei 30 m hohe Rotbuchen mit einem Stammumfang von 400 bzw. 430 cm und einem Alter von ca. 200 Jahren.)
  • Naturdenkmal Stieleiche (2.6.6 LP Kamp-Lintfort) am Leichenweg zwischen Plaggenweg und Rennweg (Es handelt sich um eine 22 m hohe Stieleiche mit einem Stammumfang von 421 cm und einem Alter von ca. 260 Jahren.)
  • Naturdenkmal Findling Granit (2.6.7 LP Kamp-Lintfort) Kreuzung Rennweg/Bierweg (Es handelt sich um einen ca. 110 cm langen, 180 cm breiten und 140 cm hohen schwedischen Granit mit einem Alter von mehr als 1 Mio. Jahren.)
  • Kulturdenkmal Hügelgrab Mit etwas Mühe sind, von den vormals mehreren Dutzend Hügelgräbern, heute noch fünf zu erkennen. 2 Stück im rechten Bereich des Strohweg kurz vor dem Ende der Leucht sind nur noch zu erahnen. 2 weitere liegen am nördlichen Waldrand der Leucht, zwischen Rennweg und Bierweg. Das letzte links am Ende des Bongersweg fast zum Übergang des Waldweg.
  • Kulturdenkmal Wallanlage In Karten ist auf der Ostseite der Leucht, wo der Stappweg in die Leucht neinführt, eine Wallanlage verzeichnet. Die Anlage liegt direkt oben an der steil abfallenden Moränenflanke der Bönninghardt. Hierbei handelte es sich vermutlich um eine Art Kontrollpunkt an den ständig wechselnden Grenzverläufe des damaligen Kurfürstentum Köln und der nordwestliche Teil dem preußischen Herzogtum Kleve. Ein weiterer Hinweis deutet hierauf, dass sich ein Landwehrgraben in der Nähe befindet.
  • Kulturdenkmal Landwehr Geht man von Alpen aus kommend, der Verlängerung des Dahlackerweg folgend, den tieferliegenden Waldrand der Leucht entlang, ist hier sehr gut die Grenzbebauung einer Landwehr über mehrere hundert Metern zu erkennen.
  • ehemalige Galgenstätte der im Mittelalter existierenden Rheinberger Gerichtsbarkeit. Am nördlichen Rande der Leucht, am Übergang Waldweges zum Bongersweg liegt das Überbleibsel des Rheinberger Galgen Eine weitere Richtstätte könnte sich auf dem kleinen Hügel gegenüber dem Wasserbassin am Bierweg / Plaggenweg. Dieser Bereich der Leucht nennt sich Galgenbogen was auf diese Richtstätte hinweist. Ebenfalls die Lage wäre für einen Galgenhügel nicht auszuschließen, da der Plaggenweg direkt zu der Wallanlage (Grenzposten) am Stappweg führt.
  • Reste des Munitionslagers der britischen Armee:
    • Feuerwachturm (Issumer Weg / Bongersweg)
    • Kiesgrube / Sprengplatz (Strohweg / Waldweg)
    • Jugendzeltplatz Kamp-Lintfort (Waldweg – ehem. Eingang in das Munitionslager)
    • Gut erhaltene Splitterboxen, Abstellplätze und Schutzwälle am Strohweg, Issumer Weg und Waldweg im nordwestlichen Bereich der Leucht.
  • Ausgetrocknetes Bachbett von einem eiszeitlichen Gletschertor, zwischen dem Feuerwachturm und der Kriesgrube am Strohweg/Waldweg, wurde im Januar 2007 durch den Orkan Kyrill in diesem Gebiet der Waldbestand fast völlig zerstört. Hierdurch ist in diesem Bereich der, welcher sich durch ein Gletschertor bildete, ehemalige Bachverlauf sehr gut zu erkennen. In seinem Verlauf von Ost nach West schneidet sich der Bachlauf bis zu einer Tiefe von fast 5 m in die Endmoräne. Die Fläche wird wieder aufgeforstet, wodurch in einigen Jahren diese Ansicht verschwinden wird.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Naturschutzgebiet „Saures Veen“ (WES-037) im Fachinformationssystem des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen, abgerufen am 9. März 2017.
  2. Eintrag im DUDEN
  3. Munitionslager an der Leucht

Koordinaten: 51° 33′ 0″ N, 6° 29′ 58″ O