Dietrich Rauschning

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Dietrich Rauschning (* 16. Januar 1931 in Klein Steinort, Kreis Angerburg, Ostpreußen) ist ein deutscher Emeritus für Völkerrecht.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fünf Jahre nach seiner Flucht aus Ostpreußen machte Rauschning 1950 in Seesen am Harz sein Abitur. Im Anschluss daran studierte er von 1950 bis 1955 Rechts- und Wirtschaftswissenschaft an der Universität Hamburg, der Ludwig-Maximilians-Universität München, der TH Braunschweig und der University of British Columbia. Die juristischen Staatsexamen bestand er 1954 und 1960 in Hamburg. 1964 wurde er an der Juristischen Fakultät der Universität Hamburg zum Dr. iur. promoviert.[1] 1969 habilitierte er sich für Öffentliches Recht und Völkerrecht.[2] 1970 folgte er dem Ruf der Georg-August-Universität Göttingen auf ihren Lehrstuhl für Völkerrecht. Bis zur Emeritierung 1999 war er o. Professor und Direktor des Instituts für Völkerrecht. 1973/74 war er Dekan der juristischen Fakultät. Nach der sog. Wiedervereinigung fungierte Rauschning als Gründungsdekan der juristischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (1991–1993). Er hatte die Deutsche Teilung nie akzeptiert und sich tatkräftig für eine Wiedervereinigung eingesetzt.[3][4][5]

Rauschning war Mitglied im Committee on Legal Aspects of Long Distance Air Pollution der International Law Association (1976–1996), ab 1982 als Chairman. Von 1977 bis 1983 saß er im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Völkerrecht. Von 1996 bis 2004 war er Richter in der Menschenrechtskammer für Bosnien und Herzegowina.[A 1] Rauschning ist der Urvater der Kaliningrad EuroFaculty (2000-2007[6]) und seit 2000 Partnerschaftsbeauftragter. Er ist Vizepräsident des Göttinger Arbeitskreises und führte von 2012 bis 2014 die Geschäfte. In seiner Heimatgemeinde Nörten-Hardenberg war Rauschning von 1981 bis 1996 Gemeinderatsmitglied.

Rauschning ist verheiratet und hat sechs Kinder. Er hat ein Büro in Kaliningrad.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Streit um den Suezkanal; Analyse, Materialien, Bibliographie. Hamburg 1956.
  • Die Gesamtverfassung Deutschlands; nationale und internationale Texte zur Rechtslage Deutschlands. Frankfurt am Main 1962.
  • mit Ralf Günter Wetzel: Die Wiener Vertragsrechtskonvention. Materialien zur Entstehung der einzelnen Vorschriften. Wolfgang Metzner Verlag 1978.
  • Bibliographie des deutschen Schrifttums zum Völkerrecht 1945-1964. Hamburg 1966.
  • Staatsaufgabe Umweltschutz. Veröffentlichungen der Vereinigung der Deutschen Staatsrechtslehrer 38 (1980)
  • Allgemeine Völkerrechtsregeln zum Schutz gegen grenzüberschreitende Umweltbeeinträchtigungen. Festschrift für Hans-Jürgen Schlochauer. 1981, S. 557–576.
  • Völkerrechtliche Schranken für den Besitz und den Einsatz von Nuklearwaffen. Festschrift für Boris Meissner zum 70. Geburtstag. 1985, S. 582–600.
  • mit Dirk Siegmann: Kernenergierechtsprechung in Leitsätzen. Nomos Verlag 1988.
  • Rechtsstellung Deutschlands : völkerrechtliche Verträge und andere rechtsgestaltende Akte : Atlantik-Charta, Potsdamer Abkommen, Deutschlandvertrag, Viermächte-Abkommen über Berlin, Transitabkommen, Moskauer Vertrag, Prager Vertrag, Grundlagenvertrag mit der DDR, Entscheidungen des BVerfG zum Grundlagenvertrag und zu einer einheitlichen deutschen Staatsangehörigkeit : Textausgabe mit Sachverzeichnis und einer Einführung. München 1989.
  • Die Albertus-Universität zu Königsberg und ihre Professoren : aus Anlass der Gründung der Albertus-Universität vor 450 Jahren. Duncker & Humblot 1995.
  • Key resolutions of the United Nations General Assembly, 1946-1996. Cambridge University Press 1997.
  • mit Kasimir Lawrynowicz: Albertina – zur Geschichte der Albertus-Universität zu Königsberg in Preußen. Abhandlungen des Göttinger Arbeitskreises, Bd. 13. Duncker & Humblot 1999.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dissertation: Das Schicksal völkerrechtlicher Verträge bei der Änderung des Status ihrer Partner.
  2. Habilitationsschrift: Die Sicherung der Beachtung von Verfassungsrecht.
  3. Rauschning: Wiedervereinigungsgebot – Willensbildungsfunktion und Kontrollfunktion. Festschrift für Karl Doehring, S. 779–802
  4. Rauschning: Das Verhältnis Bundesrepublik Deutschland – Deutsche Demokratische Republik im Blick auf die europäische Integration. Die Öffentliche Verwaltung 42 (1989), S. 963–969
  5. Rauschning: Der deutsch-deutsche Staatsvertrag als Schritt zur Einheit Deutschlands. Aus Politik und Zeitgeschichte, Nr. B. 33/90. 10. August 1990. S. 3–16
  6. Eurofaculty History - cbss.org. In: cbss.org. (cbss.org [abgerufen am 13. Februar 2017]).

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Kammer war ein im Dayton-Vertrag vorgesehenes, mit acht internationalen und sechs einheimischen Richtern zu besetzendes Gericht. An das Gericht konnten sich alle Bürger wegen Menschenrechtsverletzungen wenden.