Doktorhut

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Doktorhut (mortarboard) nach US-amerikanischer Art

Der sogenannte Doktorhut ist in Deutschland heute meist eine schwarze Kappe, die auf dem Scheitel mit einer viereckigen Platte versehen ist, die eine Quaste ziert. Er wird dem ehemaligen Doktoranden nach Abschluss seiner Promotion als äußeres Zeichen der neu erworbenen Doktorwürde vom Dekan der Fakultät und an manchen kleinen Universitäten vom Rektor überreicht.

Martin Luther mit Doktorhut, gemalt von Lucas Cranach dem Älteren, 1529

Das Aussehen des Doktorhutes entspricht heute meist dem anglo-amerikanischen mortarboard (wörtlich: „Mörtelbrett“); dies gilt außerhalb der USA insbesondere für Länder und Hochschulen, in denen sich keine eigene Tradition der Absolventenfeier entwickelt oder bis in die Gegenwart gehalten hat und nach einer traditionell wirkenden und zugleich international wiedererkennbaren Formensprache gesucht wurde, um der Zeugnisverleihung einen feierlichen Anstrich zu geben. In Skandinavien hingegen wird zur Promotionsfeier von altersher ein besonderer Zylinderhut verwendet. Auch im deutschen Sprachraum sah ein Doktorhut in vergangenen Jahrhunderten anders aus, wie das Bildnis Martin Luthers mit Doktorhut von Lucas Cranach d. Ä. zeigt.

Regionale Besonderheiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die früher übliche Zeremonie der Verleihung des Doktorhutes ist an den meisten Hochschulen unter anderem auch im deutschen Sprachraum weggefallen. An einigen Universitäten ist der feierliche Doktoreid geblieben, mit dem der Doktorand die Erfüllung der mit der Doktorwürde verbundenen Pflichten verspricht.

An einigen mitteleuropäischen Universitäten ist es üblich, Doktorhüte frei zu gestalten; häufig übernehmen dies Kollegen, Kommilitonen oder Mit-Doktoranden. Die selbstgebastelten Doktorhüte reflektieren dann die Arbeit oder persönliche Eigenschaften des Doktoranden. Beispielsweise kann ein Doktorhut aus Schokolade bestehen oder ein Maschinenteil darstellen. Der Doktorhut wird nach Bestehen der abschließenden Prüfung oder im Rahmen einer Promotionsfeier überreicht.[1]

In Schweden ist die Verleihungszeremonie mit dem traditionellen Doktorhut weiterhin üblich, sofern der Absolvent bereit ist, den benötigten Hut zu kaufen. Eine der wenigen Gelegenheiten, den Doktorhut zu tragen, sind die regelmäßig stattfindenden öffentlichen Promotionen (an der Universität Uppsala zweimal jährlich). Den neuen Doktores wird in Uppsala dabei vom Promotor ein Lorbeerkranz auf die Stirn gesetzt, der Promotor selbst trägt auch einen. Außerdem ist es in Schweden üblich, die Doktorwürde durch das Tragen eines Doktorringes zu zeigen, den man, im Gegensatz zum Hut, immer tragen kann. Je nach Fakultät ist der Ring mit einem passenden Symbol geschmückt; so zeigen die Doktorringe der Ärzte den Äskulapstab.

Aussehen und Herkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die akademische Kopfbedeckung hat ihre Ursprünge in den Kopfbedeckungen kirchlicher Würdenträger und des 11. und 12. Jahrhunderts. Sie wurde Teil der Kleiderordnung der in jenen Jahren neu gegründeten Bildungsanstalten: Bologna (gegründet 1088), Paris (1150), Oxford (1167), Modena (1175) und anderen. Die Form wiederum entstammt – immer wieder farblich oder formlich verändert – von den weichen Pillei (Singular: Pileus), auch „Kappen der Freiheit“, wie die von römischen Freigelassenen, also Ex-Sklaven, genannt wurden, die ihre frisch rasierten Köpfe damit bedeckten. Später begann man, auch aus der Zweckmäßigkeit heraus Material und Aufwand für die Kappenherstellung einzusparen, einfache geometrische Formen zuzuschneiden. Die ersten viereckigen Strukturen erschienen zwischen 1500 und 1550. Zuerst nutzten katholische Geistliche diese neue Kopfbedeckung (Birett), hielt aber auch ihren Einzug in die Universitäten, wo sie vornehmlich nur von Studierenden und Lehrpersonal der theologischen Fächer getragen wurde. Alle anderen Disziplinen (Jura, Physik und musische Fächer) trugen den runden Hut.[2]

Zu Ende des 17. Jahrhunderts begann der quadratische Hut den Runden abzulösen. In Oxford war zwar die runde Form für die meisten Studenten obligatorisch, jedoch war der Status der Theologiestudenten hoch angesehen und deren quadratische Kopfbedeckung unter den Studenten der „niedrigen“ Fächer ein Begehrlichkeiten weckendes Symbol. 1675 erhielten dann die ersten Studenten, zumindest wenn sie aristokratischer Herkunft waren, die Erlaubnis ebenfalls den viereckigen Hut zu tragen. Das kann als Beginn der weitgehenden Nutzung des „Mörtelbretts“ im akademischen Betrieb, wie der Hut im Englischen scherzhaft genannt wird („Mortarboard“), angesehen werden. Nun wurde die Kappe mit einer ca. 10 cm langen, in der Mitte befestigten und über den Rand hängenden Seidenquaste getragen. Diese ist an einem Knopf befestigt, welche früher auch die Stoffbahnen des Hutes zusammen hielt. Waren die ersten Doktorhüte noch aufwendig geschneidert und ausgestattet worden, sind heutige Modelle industriell aus Kunstfaser gefertigt, welche durch ihre Elastizität keine kostspieligen Änderungen durch Schneider mehr erfordert, um die individuelle Kopfgröße zu berücksichtigen. Das Aussehen und Machart des heute üblichen Doktorhutes gehen auf ein US-amerikanisches Patent zurück, welches 1950 von einem Erfinder namens Edward O'Reilly und dem katholischen Priester Joseph Durham eingereicht wurde. Die Idee und das nachfolgende Patent beinhalteten u. a. eine Versteifung aus Fiberglas, welche in den Doktorhut eingenäht wurde.[3]

Der mortarboard wird in den USA heute nicht ausschließlich von Doktoren, sondern von Absolventen von High Schools, Junior Colleges, Community Colleges und Colleges bei der Abschlussfeier aufgesetzt. Einige deutsche Universitäten (z. B. die Universität Bonn) veranstalten Abschlussfeiern nach amerikanischem Vorbild, bei denen BA-Absolventen Talar und Barett tragen.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Laura Hennemann: Physiker-Humor: Espresso aus dem Doktorhut. Spiegel Online vom 13. März 2013.
  2. Yale Allumni Magazine Juli-August 2008
  3. US-Patent Nr. 2880423

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Doktorhüte – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Doktorhut – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen