Doppeltes Perfekt

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Das doppelte Perfekt (auch Perfekt II, Doppelperfekt, Superperfekt[1] oder Ultra-Perfekt) ist eine zusätzliche Vergangenheitsform der deutschen Sprache, die nicht der Standardsprache entspricht (siehe auch im Französischen das Temps surcomposé). Es wird z. B. im Duden nicht berücksichtigt. Hierbei steht das zur Perfektbildung notwendige Hilfsverb „haben“ oder „sein“ selbst im Perfekt, zum Beispiel: „Wir sind bis dort vorgedrungen gewesen“.

Somit ergibt sich eine dritte Vergangenheitsform in der Deutschen Grammatik:

  • Ich schrieb ihm (Präteritum/Imperfekt)
  • Ich habe ihm geschrieben (Perfekt)
  • Ich hatte ihm geschrieben (Plusquamperfekt)
  • Ich habe ihm geschrieben gehabt (Doppeltes Perfekt)
  • Ich hatte ihm geschrieben gehabt (Doppeltes Plusquamperfekt)

Das doppelte Perfekt/Plusquamperfekt ist im süddeutschen Sprachraum entstanden, da dort die Verwendung des Präteritums und des Plusquamperfekts in der gesprochenen Sprache nicht üblich ist und daher eine eigene Zeit für die Vorvergangenheit benötigt wurde. Das doppelte Perfekt wird mitunter als normal empfunden und hat in Teilen der Bevölkerung das Plusquamperfekt nahezu vollständig verdrängt. Es wird auch im Konjunktiv verwendet, zum Beispiel: „Ich hätte es vergessen gehabt“. Analog zum doppelten Perfekt gibt es vereinzelt auch das doppelte Plusquamperfekt (auch Plusquamperfekt II, Superplusquamperfekt oder Ultra-Plusquamperfekt), in diesem Beispiel: „Ich hatte ihm geschrieben gehabt“. Beides wird nur umgangssprachlich verwendet.

Da manche Konjunktive im Deutschen nicht ausgebildet werden, ist in einigen Verwendungen das doppelte Perfekt obligatorisch.

  • "Ich konnte gestern daheim meine Hausaufgaben nicht machen, weil ich das Buch mittags in der Schule vergessen hatte." --> Der Schüler entschuldigte sich, er habe seine Hausaufgaben am Vortag daheim nicht machen können (Kj. I Perfekt, da das Präteritum keinen ihm zugehörigen Konjunktiv ausbildet), weil er das Buch nach Schulschluss in der Schule vergessen gehabt habe (Kj. I Doppelperfekt aus dem gleichen Grund).

Das doppelte Perfekt wurde von Bastian Sick in seinen Zwiebelfisch-Kolumnen aufgegriffen und kritisiert.[2] Dem wird entgegengehalten, dass das doppelte Perfekt nicht erst kürzlich entstanden ist, sondern bereits in Texten des 17. Jahrhunderts zu finden ist.[3]

Weblinks[Bearbeiten]

  1. Struktur der deutschen Gegenwartssprache II, Vorlesung Universität Würzburg, S. 26
  2. http://www.spiegel.de/kultur/zwiebelfisch/0,1518,295317,00.html Kolumne von Bastian Sick
  3. http://www.das-oesterreichische-deutsch.at/reserve.html Wortschatz & Grammatik