Drag Bike

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Startendes Top Fuel Bike. Filippos Papafilipou (GRE)
Super Twin TF Bike: Die hinten angebrachten (höhenverstellbaren) Wheeliebars verhindern ein zu starkes Aufsteigen des Motorrads. Dort auch sichtbar: der Bremsschirm mit der Auswurfvorrichtung

Drag Bikes oder auch Drag Racing Bikes sind Motorräder, die speziell für das Drag Racing (Beschleunigungsrennen) konstruiert oder modifiziert wurden. Drag Bikes zeichnen sich insbesondere durch großvolumige, meist aufgeladene Motoren mit sehr hoher Leistung sowie durch (in den meisten Klassen) breite Antriebsräder und sogenannte „Wheeliebars“ aus.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

FIM/E Junior Drag Bike.
Geeuwke Siersema (NED)
FIM/E Pro Stock Bike.
Kenneth Holmberg (SWE)
ProStockBike mit der, auf möglichst geringen Luftwiderstand ausgerichteten Verkleidung
FIM/E Super Street Bike.
Xristos Agapidis (GRE)
SSB: technische Entwicklung
FIM/E Super Twin Top Fuel Bike.
Neil Midgley (GBR)
FIM/E Top Fuel Bike.
Rikard Gustafsson (SWE)

Die Anfänge des Bike Drag Racing liegen wie bei den Cars in den USA. Auch hier entwickelte sich der Sport aus den illegalen Rennen von Ampel zu Ampel hin zu einem geordneten Ablauf mit festen Regeln. Das erste offiziell genehmigte Rennen wurde von der American Motorcyclist Association (AMA) 1953 in Pomona, Kalifornien, veranstaltet[1].

Anfangs beschränkten sich die Modifikationen hauptsächlich auf das „Strippen“ der Bikes, also das Entfernen sämtlichen „unnötigen“ Ballasts. Erste Versuche mit profillosen Reifen und dem Versteifen der Hinterradschwinge folgten.

In den 1960er und 1970er Jahren begannen Versuche, mehrere Motoren hintereinander einzubauen. Zusammen mit eigens angefertigten Rahmen, angeschraubten Kompressoren und selbst konstruierten Primärantrieben entstanden gegen Ende dieser Area Bikes, die mit ihren bis zu drei hintereinander eingebauten Honda- oder Kawasaki-Vierzylindermotoren sowohl technisch als auch körperlich fast nicht zu beherrschen waren. Einer der Protagonisten dieser Zeit war der Niederländer Henk Vink.

In der ersten Hälfte der 1980er Jahren erlebte dieses Konzept ein kurzzeitiges Revival durch den Red Porsche Killer, einem von Rötger Feldmann und seinem Team entworfenen Drag Bike auf Basis von vier hintereinander verbauten Horex Regina Motoren. Das Fahrzeug wurde in der „Drag Bike Szene“ für die sehr gute Qualität der Umsetzung" durchaus positiv bewertet, gleichzeitig wurde ihm aber keine wirkliche Wettbewerbstauglichkeit zugetraut.

Der nächste Schritt war eine Rückkehr zur „Ein-Motor-Phylosophie“, die bewährte Serienmotoren einschließlich Getriebe so verstärkte (bzw. nachbaute), dass sie leistungssteigernde Stoffe wie zum Beispiel Lachgas oder Nitromethan verarbeiten konnten. Im Bereich Top Fuel werden heute speziell angefertigte, extrem teure, teilweise aus dem „Vollen“ (Aluminiumblock) gefräste Motorblöcke und Zylinderköpfe verwendet, die gegenüber den in Gussformen hergestellten Serienkomponenten an Toleranzgenauigkeit und Stabilität deutlich überlegen sind.[2] Diese Motoren ermöglichen aus dem Stand Zeiten von 5,662 Sekunden[3] und Höchstgeschwindigkeiten von 403,22 km/h[3] über die Viertelmeile (402,3 Meter). Bei der Verwendung von Lachgaseinspritzung war die Klasse Super Street Bike lange Zeit führend. Hier hat nach anfänglichen Schwierigkeiten mit der Dosierbarkeit die Entwicklung von programmierbaren Steuerungen zu beachtlichen Resultaten geführt. Inzwischen wird bei den SSB auf die Turbotechnik gesetzt. Den Weg des „klassischen“, rein mechanischen Tunings wählten die Pro Stock Bikes.

Sportsman-Klassen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Harley-Davidson V-Rod Destroyer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Rennserie im Amateurbereich ist der im Jahre 2006 vom US-amerikanischen Motorradhersteller Harley-Davidson auch in Europa ins Leben gerufene Destroyer Cup. Die Fahrer treten auf Drag Bikes des Typs Harley-Davidson VRXSE V-Rod gegeneinander an, die bis auf geringfügige Modifikationen, etwa an der Zündung, technisch gleich sind. Die auf 1300 cm3 aufgebohrten Zweizylindermotoren leisten 165 hp (123 kW). Die Motorräder haben ein Gewicht von etwa 250 kg und legen die Renndistanz von einer Viertelmeile in weniger als zehn Sekunden zurück. Die Zukunft dieser Rennserie ist jedoch fraglich. Zurzeit (2019) wird die Serie in Europa nicht mehr ausgeschrieben, vereinzelte V-Rods treten in verschiedenen Sportsmann-Klassen an.

E.T. Bike[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Klasse „E.T.Bike“ (von englisch "Elapsed Time" = verstrichene Zeit) wird in Europa seit einigen Jahren ausgeschrieben. Ein ebenfalls benutztes Klassenkürzel ist SOE (Street Only Eliminator). Angesiedelt zwischen Street Bikes und den wesentlich kostenintensiveren Super Street Bikes gelten die ETB als Einstiegsklasse. In dieser Klasse findet sich eine große Marken- und Typenvielfalt mit unterschiedlichen Motorenkonzepten. Es gibt kein festes Zeitfenster, in dem sich die Teilnehmer bewegen. Es werden Zeiten zwischen 9,000 und 11,999 Sekunden gefahren. Trainierte bzw. erfahrene Fahrer können auf gut präparierten Strecken „Hohe 8er-Zeiten“ erreichen, das heißt weniger als 9 Sekunden.[4] In 9 Sekunden erreichen die E.T. Bikes ca. 250 km/h.

Funny Bike[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Klasse der „FB“ findet man eine große Bandbreite verschiedenster Bike-Konzepte. Sowohl Zwei- als auch Vierzylinder sind zugelassen. Häufig werden „nicht mehr State of the Art“-Bikes aus höheren Klassen (z. B. Top Fuel, Pro Stock, Competition) durch Umbauten dem Reglement angepasst und eingesetzt. Zur Leistungssteigerung verwenden die Teams Kompressoren, Turbolader und/oder Lachgas (N2O). Es darf Benzin oder Methanol getankt werden. Die Rahmen sind Spezialkonstruktionen. Es werden profillose Slickreifen mit besserer Bodenhaftung verwendet, Wheeliebars sind vorgeschrieben. Die Viertelmeilenzeiten liegen bei den besten Fahrern im Bereich um etwa 7 Sekunden, wobei Endgeschwindigkeiten von mehr als 300 km/h erreicht werden. Hin und wieder treten (hauptsächlich in Europa) Funny Bikes auch in der Klasse Top Fuel an, wo sie wegen ihrer leichter zu beherrschenden Technik und der höheren Zuverlässigkeit durchaus Außenseiterchancen haben.

Super Twin Top Gas Bike[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Klasse „STTG“ (oder auch TG) dominieren Aggregate auf Harley-Davidson-Zweizylinder-Basis die Technik. Aber auch Ducatis, Hondas oder Eigenbauten kommen vereinzelt zum Einsatz. Der Hubraum ist nicht reglementiert, bewegt sich aber in der Regel zwischen 2000 und 2850 cm3. Die Fahrwerke sind entweder stark modifiziert oder komplette Spezialkonstruktionen. Mechanische Aufladung wie Kompressor oder Turbolader sind erlaubt, Slicks und Wheeliebars sind ebenfalls regelkonform. Lachgas-Einspritzung ist verboten. Die mit klopffestem Benzin betriebenen Motoren leisten etwa 400 PS (294 kW). Die Zeiten für eine Viertelmeile liegen auf gut präparierten Strecken bei 7,4 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeiten bei etwa 280 km/h. Die Klasse „Top Gas“ fährt seit vielen Jahren eine eigene (nicht FIM-reglementierte) Meisterschaft aus.

Galerie (Sportsman-Klassen)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pro-Klassen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Junior Drag Bike (FIM/E)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Klasse Junior Drag Bike (JDB) wurde zur Nachwuchsförderung und zu einem ersten Heranführen an den Sport eingeführt. Zur Saison 2018 erhielt sie das FIM-Europe-Prädikat, das die Austragung einer offiziell anerkannten Europameisterschaft beinhaltet. Die Klasse ist in 3 Unterkategorien (Stock/Modified/Pro) unterteilt, die das Alter der Fahrer (zwischen 8 und 17 Jahren) und die Leistung der Motoren in Relation bringen. Die Maschinen haben maximal 250 cm3 Hubraum und erreichen teilweise über 140 km/h. Als Renndistanz ist die Achtelmeile (201,17 Meter) festgelegt.

Pro Stock Bike (FIM/E)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die „PSB“ fahren ein sehr enges Reglement: Nur klassisches Tuning. Lediglich mechanisches Tuning und Bearbeiten der Motorräder ist gestattet. Die Motorräder haben fast alle einen Gitterrohrrahmen und eine einteilige Karosserienachbildung, die an ein serienmäßiges Straßenmotorrad angelehnt ist. Jegliche Leistungssteigerung durch Lachgas, Kompressor, Turbolader und Ähnliches ist verboten. Die Tuner der Top-Teams erreichen Leistungssteigerungen bis zu 600 PS (441 kW). Die Motoren sind meist Vierzylinder mit einem Hubraum zwischen 1500 und 1755 cm3. Es werden auch Zweizylinder in V-Twin-Version gefahren, die einen maximalen Hubraum von 2608 cm3 erlauben. Beide Konfigurationen ermöglichen Zeiten im Bereich von rund 7 Sekunden und Geschwindigkeiten von knapp über 310 km/h.

Super Street Bike (FIM/E)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die „SSB“ begannen in den 1990er Jahren als Einsteigerklasse für japanische 4-Zylinder, die aber in den 2000er Jahren eine rasante technische und professionelle Entwicklung durchmachte, die zur Aufnahme der Klasse in den UEM-FIM/E-Kalender führte. Zur Leistungssteigerung dürfen Turbolader, Kompressoren oder Lachgas (N2O) eingesetzt werden. Als Kraftstoff ist nur Benzin zulässig. Es dürfen ausschließlich handelsübliche Straßenreifen gefahren werden. Wheeliebars sind verboten. Die Viertelmeilenzeiten liegen im Spitzenfeld an der 7-Sekunden-Grenze, wobei diese Marke schon öfter unterboten wurde. Auch die wichtige „200-Meilen-Marke“ (321,869 km/h) wurde schon deutlich (341,33 km/h) überboten.

Technische Entwicklung Zur Mitte der 1990er Jahre waren die Super Street Bikes Starrrahmen-Eigenkonstruktionen ohne jede Federung, die mit einteiligen Karosserieabgüssen aus Kunststoff verkleidet waren. Die häufigste Maßnahme zur Leistungssteigerung der mehrheitlich eingesetzten Suzuki GSX- und GSX/R Motoren war die Verwendung von Lachgas, das über sogenannte Fogger-Düsen direkt in die Ansaugtrichter der Vergaser eingespritzt wurde. Um den plötzlich auftretenden massiven Leistungszuwachs besser dosieren zu können, wurden getaktete Lachgassteuerungen, „Controller“, entwickelt. Gleichzeitig gab es erste Versuche mit Data-Recording (mit 3 Sensoren), um die Abstimmung der Bikes zu erleichtern. Um mit den vorgeschriebenen Straßenreifen eine maximale Auflagefläche (Traktion) zu erreichen, wurden teilweise Reifendrücke von 0,1 bar gefahren. In einer solchen Konfiguration waren Zeiten zwischen 8,4 und 8,0 Sekunden über die Viertelmeile möglich[5].

Ab 2005 kam es zu einem Paradigmenwechsel: Durch das vermehrte Auftreten von SSB-Bikes des Modells Suzuki Hayabusa und der inzwischen professionalisierten Datenerfassung (12 Sensoren) verschwanden die Starrrahmen zugunsten einer traktionsfördernden Hinterradfederung, und die Lachgaseinspritzung wurde durch den Einsatz von leichter kontrollierbaren Turboladern ersetzt. Die Zeiten verbesserten sich innerhalb kurzer Zeit um mehr als 1 Sekunde über die Viertelmeile. Diese nach dem europäischen FIM-Reglement aufgebauten Bikes erzielen gegenwärtig (Stand: Jan. 2020) Resultate von 6,804 Sekunden mit 349,21 km/h über die Viertelmeile.[3]

Super Twin Bike (FIM/E)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch: Top Fuel

Die Zweizylinder der „STTF“ stammen im Allgemeinen von US-amerikanischen Spezialfirmen und ähneln äußerlich den Motoren der Traditionsmarke Harley-Davidson. Der Hubraum ist für Saugmotoren auf 3000 cm3 beschränkt. Aufladung mittels Kompressoren oder Turboladern ist erlaubt, der maximal zulässige Hubraum beträgt dann 2000 cm3 bei der Verwendung von 90 % Nitromethan und 1700 cm3 bei der Verwendung von bis zu 100 % Nitromethan. Die Motoren leisten etwa 800 PS (588 kW) und erlauben Viertelmeilen-Zeiten von weniger als sieben Sekunden.

Top Fuel Bike (FIM/E)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch: Top Fuel

Die Klasse „TFB“ unterliegt kaum Beschränkungen hinsichtlich möglicher Modifikationen. Hier starten Motorräder die meist in 4-Zylinder-Reihenbauweise konstruiert sind. Ähnlich wie bei den Super Twin Bikes sind die Motoren Einzelanfertigungen, die meist aus dem „Vollen“ (Aluminiumblock) gefräste Motorblöcke und Zylinderköpfe verwenden, die den in Gussformen hergestellten Serienkomponenten an Toleranzgenauigkeit und Stabilität deutlich überlegen sind.[2][6]

Als Kraftstoff ist Nitromethan vorgeschrieben. Die Verwendung von Kompressoren oder Turboladern ist erlaubt. Bei der Verwendung von Saugmotoren sind ein oder auch zwei Motoren mit einem maximalen Hubraum von 3200 cm3 als Antrieb erlaubt. Der maximal zulässige Hubraum für aufgeladene 4-Zylinder-Motoren beträgt 1700 cm3, für aufgeladene 2-Zylinder-Motoren 2000 cm3. Top Fuel Bikes leisten über 1.000 PS (735 kW) und passieren die Ziellinie nach weniger als 6 s mit etwa 380 km/h.

Technik: Gegenüber den anderen Drag Bike-Klassen (und auch allen sonstigen Motorrädern) weisen TF-Bikes eine Besonderheit auf: Die Zylinderköpfe sind quasi „verkehrt herum“ montiert. Die Einlass-Seite, mit den davor montierten Ansaugkomponenten (Vergaser, Kompressor) befindet sich Vorne, die Auslass-Seite mit dem Auspuffsystem hinten. Dies ermöglicht eine bessere Versorgung des Motors mit Sauerstoff (durch direktere Anströmung) und eine schnellere, geradlinigere Entsorgung der Abgase. Durch die kürze des Renndistanz ist eine Kühlung der Auspuffanlage durch den Fahrtwind (wie bei Serienmotorrädern) nicht notwendig.

Europameisterschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die verschiedenen PRO-Klassen wird von der FIM Europe eine European Drag Bike Championship (Drag-Bike-Europameisterschaft) ausgeschrieben.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Dragster motorcycles – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. A History of Motorcycle Drag Racing’s Sanctioning Bodies. Abgerufen am 21. Februar 2020.
  2. a b Top Fuel Dragster von Rikard Gustafsson. 31. Mai 2017, abgerufen am 17. Oktober 2020 (deutsch).
  3. a b c eurodragster.com: European Bests. eurodragster.com, 2019, abgerufen am 15. Januar 2020 (englisch).
  4. http://www.zat-suedbaden.de/ZAT-SUEDBADEN.DE/PDF/BW-Timing/
  5. Nitrolympx / Hockenheimring: Drag Racing im Wandel der Zeit. In: Hockenheimring BW (Hrsg.): Nitrolympx Programmheft. Band 2017, 2017, S. 07.
  6. patrick_b: Top Fuel Bikes - Motorrad News. 12. August 2013, abgerufen am 17. Oktober 2020 (deutsch).