Roadster (Motorrad)

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Norton 850 Commando (Bj. 1973)
Triumph Bonneville T120 (Bj. 1965)

Roadster [ˈrəʊdstəʳ] sind straßenzugelassene Motorräder, bei denen sowohl der Antrieb als auch das Fahrwerk unverkleidet sind und deren Ausstattung für das reine Fahren[1] auf asphaltierten Straßen reduziert ist. Roadster sind eine Unterkategorie der Naked Bikes, bei denen ebenfalls auf Verkleidungsteile und Windschutz verzichtet wird.[2] Die Fahrwerksgeometrie und das Erscheinungsbild klassischer Roadster ähneln dem Motorradbau der 1960er Jahre.[3]

Klassifikation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Roadster vereinen die Fahrwerksgeometrie klassischer Motorräder mit drehmomentstarken Zwei- bis Vierzylindermotoren. Auf eine Verkleidung von Motor, Rahmen und Fahrwerk sowie ein Windschild wird meistens zugunsten eines geringen Leergewichts und „ursprünglichen Fahrgefühls“ verzichtet. Da durch die fehlende Verkleidung dauerhafte Geschwindigkeiten von über 160 km/h unkomfortabel sind, werden Roadster auf eine hohe Elastizität, dynamische Kraftentfaltung und Durchzug anstatt von Höchstleistung und Endgeschwindigkeit ausgelegt.

Die Fahrzeuggeometrie mit steilem Lenkkopfwinkel und daraus resultierendem kurzen Nachlauf und Radstand ist auf eine hohe Kurvenwendigkeit ausgelegt. Sitzhöhen von unter 65 cm ermöglichen ein entspanntes Aufsteigen und aufrechtes Sitzen. Eine niedrige, breite und weiche Sitzbank steigert den Sitzkomfort bei ausdauernder Fahrt. Eine niedrige Schwerpunktlage mit entsprechender Gewichtsverteilung verbessert die Handlichkeit. Eine Haltevorrichtung für Gepäckträgersysteme, an denen Seitenkoffer und ein Topcase befestigt werden können, ist meist nicht vorgesehen. Die Fahrerassistenzsysteme wie Antiblockiersystem und Traktionskontrolle sind, sofern vorhanden, zumeist nur in einer Basisversion ausgeführt.[1] Ein straßentaugliches Reifenprofil verbessert die Straßenlage und Kurvenfahrt. Nennleistungen von 35 kW (48 PS) bis 110 kW (150 PS) bei einem Hubraum zwischen 600 und 1200 cm³ sind marktüblich.

Verkaufsbezeichnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Motorräder wie der Norton Commando 750 Roadster (1970–77)[4], BSA B44 Victor Roadster (1968–70), Honda VRX 400 Roadster (1995–96), Cagiva Roadster 125 (1994–2000), Sachs Roadster 800 (2000–2004), Voxan Roadster 1000 und Horex VR6 Roadster führen die Klassifizierung in ihrer Verkaufsbezeichnung.

Abgrenzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Scrambler haben eine hochgelegte Auspuffanlage und sind im Vergleich zu Roadster etwas geländeorientierter. Chopper haben eine niedrigere Sitzbank und höhere Lenker. Cruiser haben einen längeren Radstand, breitere Bereifung und einen großvolumigeren Antrieb. Cafe Racer haben kurze, nach unten abgewinkelte Stummellenker.

Moderne Roadster[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zweiradhersteller kategorisieren ihre unverkleideten, straßenorientierten Motorräder unterschiedlich. Triumph Motorcycles bezeichnen die Speed Triple und Street Triple-Baureihen als Roadster, während die Bonneville mit ihren Derivaten als Classic angeboten werden. BMW vermarktet alle unverkleideten Motorräder der F-, R-, K- und S-Baureihen als Roadster, dabei kommt die BMW R nineT der Definition eines klassischen Roadsters am nächsten. Yamaha kategorisiert alle Naked Bikes als Roadster.[5] Der italienische Zweiradhersteller MV Agusta bezeichnet die MV Agusta Brutale 800 als „the most versatile roadster“.[6] Die japanischen Motorradhersteller Honda, Suzuki und Kawasaki vermarkten keine Naked Bikes als Roadster.

Konzeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut Andreas Bildl haben die Hersteller bei der Konzeption unterschiedliche Herangehensweisen: „Während Triumph und Kawasaki mit modernen Konstruktionen formal die eigene Vergangenheit gekonnt zitieren, verkörpern Harley und Moto Guzzi das lebendig gehaltene, aber stetig weiterentwickelte Urkonzept.“[7]

Foto Hersteller Modell Antrieb Verkaufsstart
BMW R nineT - Hamburger Motorradtage 2014.jpg BMW R nineT 2 Zylinder, Boxermotor
Hubraum: 1170 cm³
Leistung: 81 kW (110 PS)
2014
XL883NIron.JPG Harley-Davidson XL883R Roadster 2 Zylinder, V-Motor
Hubraum: 883 cm³
Leistung: 39 kW (53 PS)
2002
今市市小倉にて.jpg Honda CB1100 4 Zylinder, Reihenmotor
Hubraum: 1140 cm³
Leistung: 66 kW (90 PS)
2013
Kawasaki W800 2011 Tokyo Motor Show.jpg Kawasaki W800 2 Zylinder, Parallel-Twin
Hubraum: 773 cm³
Leistung: 35 kW (48 PS)
2011
Paris - Salon de la moto 2011 - Moto Guzzi - V7 - 002.jpg Moto Guzzi V7 Classic 2 Zylinder, V-Motor
Hubraum: 744 cm³
Leistung: 35 kW (48 PS)
2008
Triumph Bonneville Steve McQueen SE b.jpg Triumph Bonneville T100 2 Zylinder, Reihenmotor
Hubraum: 865 cm³
Leistung: 50 kW (68 PS)
2002

Rezension[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Es gab eine Zeit, als ein Motorrad einfach nur ein Motorrad sein durfte. Fern aller Klassenzwänge, ohne jeden Leistungsdruck. Fahren, erfahren, unterwegs sein – die Fortbewegung zwischen zwei Orten könnte kaum fassettenreicher sein als auf zwei Rädern. […] Motorräder, die weder Rekorde brechen noch Bestmarken setzen werden. Sie wollen ihrer Besatzung einfach nur ein Stückchen Ursprünglichkeit zurückbringen.“

Sascha Zdrahal: Motorrad[2]

„Motorrad Fahren pur ist groß im Kommen: Die Technik aufs Wesentliche reduziert, der Umgang damit unaufgeregt und doch hochemotional. […] Statt einer vollverkleideten Hightech-Sänfte mit Navi, Tempomat und Kofferset stehen bei immer mehr Motorrad-Fans puristische Roadster hoch im Kurs, die an die legendären Café Racer der Sechziger Jahre erinnern und wie aus einem Manufakturbetrieb wirken. Statt neonfarbener Sicherheitsrüstung geben Halbschalenhelme, Lederjacken und Jeans den Ton an.“

Ralf Schütze: Focus[8][3]

„[Der Roadster] erfüllt eine Sehnsucht. Nach dem puren Fahrzeug; nach einer Technik, die überschau- und begreifbar ist wie früher; nach einem Charakter, der sich aus „look, sound and feel“ ergibt, wie die Traditionsexperten von Harley sagen. Ein anscheinend wachsender Teil der Motorradgemeinde ist vom Leistungswettrüsten gelangweilt. Immer umfassenderer elektronischer Tamtam interessiert ihn nicht. All die Assistenzsysteme, die Attraktionen, die in Menüs von Bordcomputern stecken und auf Knopfdruck zu aktivieren und zweifellos ein Fortschritt sind, aber vom Wesentlichen ablenken, lassen ihn kalt.“

Walter Willi: Frankfurter Allgemeine Zeitung[1]

„Italien, Frankreich, England, sogar in Deutschland: Überall ist Vintage der große Trend in der Motorradszene. Dahinter steckt, grob gesagt, die Liebe zum alten Eisen – und die Sehnsucht nach dem Purismus der frühen Jahren. Die alten Bikes werden dabei meist gechoppt, also von Überflüssigem befreit. Ein gutes Beispiel sind die alten Zweiventil-Boxer von BMW. Eine ganze Szene an Customizern zeigt, wie man mit gerader Sitzbank, kurzen Kotflügeln und gestutzten Heckpartien zu neuer Coolness aufläuft, egal ob man sich einen Café Racer, einen Scrambler oder einen Bobber baut.“

Peter Schönlaub: Kurier[9]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Walter Willi: Der Boxer der Herzen. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 29. Januar 2014, abgerufen am 15. März 2014.
  2. a b Sascha Zdrahal: Landliebe. In: Motorrad. Ausgabe 10/2001. 2. Mai 2001, abgerufen am 12. April 2014.
  3. a b Ralf Schütze: Purismus, der Generationen verbindet. In: Handelsblatt. 23. Januar 2014, abgerufen am 17. März 2014.
  4. Fred Siemer: 1967 ein echtes Superbike. In: Motorrad. 13. August 2013, abgerufen am 17. März 2014.
  5. Thomas Schmieder: Vergleichstest: V2-Roadster. In: Motorrad, Ausgabe 15/2011. 7. Juli 2011, abgerufen am 15. März 2014.
  6. MV Agusta: Herstellerproduktinformation zur Brutale 800. Abgerufen am 17. März 2014.
  7. Andreas Bildl: Vergleichstest: Retro-Bikes 2012. In: Motorrad, Ausgabe 13/2012. 6. Juni 2012, abgerufen am 17. März 2014.
  8. Ralf Schütze: Purismus, der Generationen verbindet. In: Focus. 24. Januar 2014, abgerufen am 15. März 2014.
  9. Peter Schönlaub: Klassisch, aber nicht von gestern. In: Kurier. 22. März 2014, abgerufen am 31. März 2014.