Droperidol

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Strukturformel
Struktur von Droperidol
Allgemeines
Freiname Droperidol
Andere Namen
  • 1-{1-[4-(4-Fluorphenyl)-4-oxobutyl]-1,2,5,6-tetrahydropyridin-4-yl}-2,3-dihydro-1H-benzimidazol-2-on (IUPAC)
  • Droperidolum (Latein)
Summenformel C22H22FN3O2
CAS-Nummer 548-73-2
PubChem 3168
ATC-Code
DrugBank DB00450
Kurzbeschreibung

weißes bis fast weißes, polymorphes Pulver [1]

Arzneistoffangaben
Wirkstoffklasse

Antipsychotika, Antiemetika

Wirkmechanismus

Hemmung von dopaminergen Rezeptoren in der Area postrema

Eigenschaften
Molare Masse 379,44 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Schmelzpunkt

145,75 °C [2]

Dampfdruck

2,69 nPa (25 °C) [2]

pKs-Wert

7,46 [2]

Löslichkeit
Sicherheitshinweise
Bitte die eingeschränkte Gültigkeit der Gefahrstoffkennzeichnung bei Arzneimitteln beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [3]
07 – Achtung

Achtung

H- und P-Sätze H: 302
P: keine P-Sätze [3]
Toxikologische Daten

750 mg·kg−1 (LD50Ratteoral)[2]

Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

Droperidol (Dehydrobenzperidol, DHB, DHBP) ist ein Neuroleptikum, welches zur Vorbeugung und Behandlung von Übelkeit und Erbrechen nach Operationen eingesetzt wird.

Wirkmechanismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Droperidol hat eine starke Affinität zum D2-Rezeptor (siehe Dopamin-Rezeptor) in der Area postrema, einem Teil des Brechzentrums, wo die Substanz hemmend wirkt,[4] sowie geringere Affinität zu D3-, 5-HT2- und α1-Rezeptoren.

Gegenanzeigen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Droperidol darf nicht angewendet werden bei Patienten mit:[5]

  • Überempfindlichkeit/Allergie gegen Droperidol oder einen der sonstigen Bestandteile;
  • Überempfindlichkeit/Allergie gegen Butyrophenone;
  • bekannter oder vermuteter verlängerter QT-Zeit (QTc >450 ms bei Frauen und >440 ms bei Männern). Dies gilt auch für Patienten mit angeborener verlängerter QT-Zeit, Patienten mit angeborener verlängerter QT-Zeit in der Familiengeschichte und Patienten unter Behandlung mit Arzneimitteln, die bekanntermaßen die QT-Zeit verlängern;
  • Hypokaliämie oder Hypomagnesiämie;
  • Bradykardie (weniger als 55 Herzschläge pro Minute);
  • Bekannter Begleitmedikation, die zu Bradykardie führen kann;
  • Phäochromozytom;
  • Komatösen Zuständen;
  • Parkinson-Krankheit;
  • Schwerer Depression.

Nebenwirkung/Wechselwirkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis in die 1980er Jahre hinein wurde zur Prämedikation vor operativen Eingriffen das Medikament Thalamonal gegeben. Dabei handelt es sich um eine Kombination der beiden Wirkstoffe Fentanyl und Droperidol. Ziel war es, den Patienten die Angst vor dem operativen Eingriff zu nehmen und sie gleichzeitig zu sedieren. Viele Patienten äußerten nach der Operation jedoch den Wunsch, dieses Medikament in Zukunft auf keinen Fall wieder verabreicht zu bekommen. Viele von ihnen klagten auch unter dem Einfluss der beiden Wirkstoffe über innere Aufgewühltheit, depressive Episoden, sogar Panik, das Ganze bei gleichzeitig äußerer Müdigkeit. Mehrere von Ihnen zogen sogar ihr Einverständnis zum Eingriff in letzter Minute zurück oder verweigerten diesen, wegen der kurzfristigen und drastischen Verschlechterung ihres psychischen Befindens. Seit dieser Zeit setzen Anästhesisten nur noch in Ausnahmefällen die Wirkstoffkombination ein. Mittlerweile ist es Standard, zur Prämedikation Benzodiazepine zu verwenden, die von den meisten Patienten als angenehm, und angstlindernd empfunden werden. Außerdem bewirken sie auch einen rückwirkenden Gedächtnisverlust, so dass die unangenehmen Aspekte vor der Operation dem Kranken nicht mehr in Erinnerung sind.[6]

Geschichte der Marktrücknahme und Wiederzulassung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Marktrücknahme der peroralen Darreichungsformen erfolgte durch den Hersteller (Janssen) im Jahr 2001, da bei der hochdosierten oralen Langzeittherapie kardiale Nebenwirkungen (QT-Syndrom) aufgetreten waren. Die parenterale Applikationsform, wo diese Nebenwirkung kein Problem darstellte, wurde aus kommerziellen und markttaktischen Gründen eingestellt.[4] Droperidol war weiterhin in Deutschland für den Gebrauch zugelassen und über ausländische Hersteller bzw. Vertreiber (z. B. Abbott, USA) zu beziehen.

Nachdem Janssen-Cilag angekündigt hatte, den Vertrieb von Droperidol Ende Juni 2001 weltweit einzustellen, wurde von der damaligen Schweizer Heilmittelbehörde (IKS) der Verkauf der Substanz Ende September 2001 verboten. Droperidol wird in der Schweiz von der Firma Sintetica wieder produziert und ist im Schweizer Handel auch legal wieder erhältlich.

Nach der angekündigten Einstellung der Produktion wurde die Lizenz von der Firma Arzneimittel ProStrakan vom früheren Lizenzinhaber Janssen-Cilag gekauft, was nach einem neu durchgeführten Zulassungsverfahren 2007 zu Zulassungen in verschiedenen europäischen Ländern führte (u. a. am 27. März 2008 in Deutschland).[7]

Bedeutung und Einsatzgebiete[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alte Zulassung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Droperidol erlangte nie eine Bedeutung in der Psychiatrie, stattdessen wird es in der Anästhesie verwendet. Zusammen mit einem hochpotenten Analgetikum (meist Fentanyl) ist es ein Bestandteil der Neuroleptanalgesie, deren Anwendung und Bedeutung im Bereich der klinischen Anästhesiologie seit etwa 1980 an Bedeutung verloren hat (Zunahme der Verfügbarkeit alternativer Verfahren wie etwa der TIVA). Zum anderen ist Droperidol ein wichtiges und eines der am besten untersuchten Medikamente bei postoperativer Übelkeit und Erbrechen (PONV). Bei PONV werden 0,5 mg – 1 mg Droperidol langsam i.v. appliziert.[8] Zur Neuroleptanalgesie werden überwiegend höhere Dosierungen verwendet.

Neue Zulassung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der neuen Zulassung steht das Fertigarzneimittel Xomolix in der Anästhesie zur Verfügung:[5]

Handelsnamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monopräparate

Xomolix (D, A), Dehydrobenzperidol (A), Droperidol (CH)

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Abbildungen zur Strukturformel – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Europäische Arzneibuch-Kommission (Hrsg.): EUROPÄISCHE PHARMAKOPÖE 5. AUSGABE. 5.0–5.8, 2006.
  2. a b c d e Eintrag zu Droperidol in der ChemIDplus-Datenbank der United States National Library of Medicine (NLM)
  3. a b c Datenblatt Droperidol bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 29. März 2011 (PDF).
  4. a b Pharmazeutische Zeitung Nr. 27, S. 25 f.
  5. a b Fachinformation Xomolix 2,5 mg/ml Injektionslösung (ProStrakan Limited). Stand: Oktober 2009, abgerufen 24. Januar 2016.
  6. (Höfling S, Dworzak H, Butollo W, Neeef W,: Der Angstprozess unter verschieden hohen Thalamonaldosen zur Prämedikation, Anästhesist 1983;32;512-518).
  7. Xomolix Receives Additional Key European Approvals, ProStakan Pressemitteilung vom 2. April 2008 auf der Webseite www.cmocro.com.
  8. Fachinformation Droperidol® Sintetica des Arzneimittel-Kompendiums® der Schweiz.
  • Larsen Anästhesie (5. Auflage)
  • E. Burgius, Intensivkurs Allgemeine und spezielle Pharmakologie
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