Liste von Antipsychotika

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Entwicklung der Verschreibungszahlen von Antipsychotika der ersten (grün) und zweiten (blau) Generation in den Jahren 2000 bis 2010 in Deutschland in Millionen Tagesdosen

Die Liste von Antipsychotika nennt Wirkstoffe und deren Handelsnamen für atypische Antipsychotika, typische Antipsychotika und Depot-Antipsychotika.[1]

Die Antipsychotika der ersten Generation (als typische Neuroleptika oder klassische Neuroleptika bezeichnet) sind bei 30 bis 40 % der Patienten unwirksam.[2] Daher kommt es oft zu Wechseln in der Behandlung. Zunehmend werden atypische Neuroleptika eingesetzt. Zu den unerwünschten möglichen Nebenwirkungen zählen Störungen des extrapyramidalmotorischen Systems (EPS), die mit zusätzlichen Medikamenten bekämpfbar sind. Ein Absetzen der Medikamente sollte schrittweise erfolgen, um das Risiko von Beschwerden und das Auslösen einer Psychose (Schizophrenie) oder von Symptomen, die einer Psychose ähneln, möglichst gering zu halten.[3][4]

Der Begriff Antipsychotika ist irreführend, da er nicht Medikamente umfasst die gegen depressive Psychosen wirken.

Liste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Angaben zu den Handelsnamen für Mono- und Kombinationspräparate mit den verzeichneten Arzneistoffen sind oftmals nicht abschließend.

Antipsychotika der ersten Generation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirkstoff Handelsname Zulassung in Deutschland Zulassungsstatus für die Anwendung bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland (Indikation, zum Teil in Auszügen bzw. gekürzt)[5] Orale Tageshöchstdosis Erwachsener (stationär)
Benperidol Glianimon 1966[5] nicht für Kinder und Jugendliche zugelassen[5] 24 (60) mg[6]
Bromperidol Impromen 1984[5] ab zwölf Jahre (akute, subakute und chronische Schizophrenien).[5] 50 mg[7]
Chlorpromazin Megaphen 1953[5] außer Handel seit Dezember 2007[5] ab drei Jahre[5] 800 mg[7]
Chlorprothixen Truxal 1959[5] ab 3 Jahre (Dämpfung psychomotorischer Unruhe und Erregungszustände im Rahmen akuter psychotischer Syndrome, maniforme Syndrome)[5] 600 (800) mg[6]
Droperidol Xomolix 1963[5] ab zwei Jahre (Vorbeugung und Behandlung von Übelkeit und Erbrechen nach Operationen als Therapie der 2. Wahl)[5] 40 mg[7]
Flupentixol Fluanxol 1966[5] nicht für Kinder und Jugendliche zugelassen[5] 60 mg[6]
Fluphenazin Lyogen 1961[5] ab zwölf Jahre (akute und chronische schizophrene Psychosen, psychomotorische Erregungszustände)[5] 40 mg[7]
Fluspirilen Fluspi 1972[5] nicht für Kinder und Jugendliche zugelassen[5]
Haloperidol Haldol 1959[5] ab drei Jahre (akute und chronische schizophrene Syndrome, psychomotorische Erregungszustände psychotischer Genese, akute manische Syndrome, Tic-Störungen, Erbrechen)[5] 40 (100) mg[6]
Levomepromazin Neurocil 1959[5] ab 16 Jahre (psychomotorische Unruhe- und Erregungszustände im Rahmen psychotischer Syndrome, leichte akute psychotische Syndrome mit Wahn, Halluzinationen, Denkstörungen und Ich-Störungen, maniforme Syndrome, Kombinationstherapie bei der Behandlung von Schmerzen)[5] 600 (1000) mg[6]
Melperon Eunerpan 1975[5] ab zwölf Jahre (Schlafstörungen, Verwirrtheitszustände, psychomotorische Unruhe, Erregungszustände)[5] 200 (400) mg[6]
Perazin Taxilan 1958[5] ab 16 Jahre (akute und chronische Psychosen, maniforme Syndrome, psychomotorische Erregungszustände)[5] 600 (1000) mg[6]
Perphenazin Decentan 1957[5] Kinder und Jugendliche (akute psychotische Syndrome, katatone Syndrome, delirante und andere exogen-psychotische Syndrome, psychomotorische Erregungszustände)[5] 48 (64) mg[6]
Pimozid Orap 1971[5] Kinder und Jugendliche (Erhaltungstherapie bei chronischen Psychosen des schizophrenen Formenkreises)[5] 16 (32) mg[6]
Pipamperon Dipiperon 1961[5] Kinder und Jugendliche (Schlafstörungen, psychomotorische Erregungszustände)[5] 360 mg[6]
Promazin Protactyl 1957[5] außer Handel seit Januar 2006[5] ab drei Monate (psychomotorische Erregungszustände, Schlafstörungen, Kombinationstherapie bei der Behandlung von Schmerzen, Neuropathie im Kindesalter)[5] 1200 mg[7]
Promethazin Atosil 1950[5] ab zwei Jahre (Unruhe und Erregungszustände im Rahmen psychiatrischer Grunderkrankungen)[5] 1000 mg[6]
Prothipendyl Dominal 1958[5] Kinder und Jugendliche (Dämpfung bei psychomotorischen Unruhe- und Erregungszuständen im Rahmen psychiatrischer Grunderkrankungen)[5] 600 (1000) mg[6]
Thioridazin Melleril 1959[5] Kinder und Jugendliche (chronische Formen schizophrener und anderer Psychosen)[5]
Thiothixen Navane
Tiaprid Delpral 1978[5] Kinder und Jugendliche (Chorea Huntington)[5]
Trifluperidol Triperidol Mitte 2005 erlosch die Zulassung.
Zuclopenthixol Ciatyl-Z 1981[5] nicht für Kinder und Jugendliche zugelassen[5] 150 mg[6]

Antipsychotika der zweiten Generation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirkstoff Handelsname Zulassung in Deutschland Zulassungsstatus für die Anwendung bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland (Indikation, zum Teil in Auszügen bzw. gekürzt)[5] Orale Tageshöchstdosis Erwachsener (stationär)
Amisulprid Solian 1999[8] nicht für Kinder und Jugendliche zugelassen[5] 1200 mg[6]
Aripiprazol Abilify 2004[8] ab 13 Jahre (Bipolar-I-Störung)[5]
ab 15 Jahre (Schizophrenie)[5]
30 mg[6]
Asenapin Sycrest im September 2010 durch die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) zugelassen[9][10] nicht für Kinder und Jugendliche zugelassen[5] 20 mg[7]
Brexpiprazol Rexulti
Cariprazin Reagila in den USA seit 17. September 2015 zugelassen[11]
Clozapin Leponex 1973[8] ab 16 Jahre (therapieresistente Schizophrenie).[5] 600 mg[6]
Loxapin Adasuve 2013[12]
Lurasidon Latuda seit 2010 in den USA[13] und seit März 2014 in der EU zugelassen[14]
Olanzapin Zyprexa 1996[8] nicht für Kinder und Jugendliche zugelassen[5] 20 mg[6]
Paliperidon Invega 2007[8] nicht für Kinder und Jugendliche zugelassen[5] 12 mg[7]
Quetiapin Seroquel 2000[8] nicht für Kinder und Jugendliche zugelassen[5] 1200 mg[6]
Risperidon Risperdal 1994[8] ab fünf Jahre (symptomatische Kurzzeitbehandlung von anhaltenden Aggressionen bei Verhaltensstörungen bei durchschnittlichen intellektuellen Fähigkeiten oder mentaler Retardierung)[5] 12 mg[6]
Sertindol Serdolect 1997[8] nicht für Kinder und Jugendliche zugelassen[5] 24 mg[7]
Sulpirid Dogmatil 1972[5] ab sechs Jahre (akute und chronische Schizophrenie, depressive Störung (wenn die Behandlung mit einem anderen Antidepressivum erfolglos war oder nicht durchgeführt werden kann), therapieresistent Schwindelzustände bei Morbus Meniere)[5] 3200 mg[7]
Ziprasidon Zeldox 2002[8] ab zehn Jahre (manische oder gemischte Episoden bis zu einem mäßigen Schweregrad bei bipolaren Störungen)[5] 160 mg[6]
Zotepin[15] Nipolept 1990[8] außer Handel seit Dezember 2010[5] nicht für Kinder und Jugendliche zugelassen[5] 450 mg[6]

Depot-Antipsychotika[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirkstoff Handelsname Gruppe
Aripiprazol Abilify Maintena atypisch
Flupentixol Fluanxol-Depot typisch
Fluphenazin Dapotum-Depot typisch
Fluspirilen Imap typisch
Haloperidoldecanoat Haldol-Depot typisch
Paliperidon Xeplion atypisch
Risperidon Risperdal Consta atypisch
Olanzapin Zypadhera atypisch

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Neuroleptika reduzieren und absetzen. Eine Broschüre für Psychose-Erfahrene, Angehörige und Professionelle aller Berufsgruppen. (PDF) Deutsche Gesellschaft für Soziale Psychiatrie (DGSP), Oktober 2014
  2. Frank Theisen, Helmut Remschmidt: Schizophrenie. Manuale psychischer Störungen bei Kindern und Jugendlichen. 2011, ISBN 3-540-20946-8, S. 150.
  3. Peter Lehmann: Psychopharmaka absetzen – gewusst wie. In: Pro mente sana aktuell (Schweiz), 1998, Heft 1, S. 20–22
  4. Peter Lehmann: Peter Lehmann: Probleme beim Absetzen von Neuroleptika als Folge von Rezeptorenveränderungen und Toleranzbildung. Unveröffentlichtes Manuskript. Letzte Aktualisierung am 16. November 2014
  5. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z aa ab ac ad ae af ag ah ai aj ak al am an ao ap aq ar as at au av aw ax ay az ba bb bc bd be bf bg bh bi Christian J. Bachmann, Thomas Lempp, Gerd Glaeske, Falk Hoffmann: Antipsychotika-Verordnungen bei Kindern und Jugendlichen. Auswertung von Daten einer gesetzlichen Krankenkasse für den Zeitraum 2005–2012. (PDF) In: Deutsches Ärzteblatt, Jg. 111, Heft 3, 17. Januar 2014
  6. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u Michael Pelz: Neuroleptika-Übersicht. dr-michael-pelz.de; abgerufen am 29. Juli 2017
  7. a b c d e f g h i Borwin Bandelow, Stefan Bleich, Stefan Kropp: Handbuch Psychopharmaka. Hogrefe Verlag, November 2011, ISBN 978-3-8409-2323-4, S. 143 ff.
  8. a b c d e f g h i j Schizophrenie-Therapie. Generationenkonflikt. In: Pharmazeutische Zeitung, Nr. 42, 2007
  9. Summary of Product Characteristics Asenapine/Sycrest. (PDF) EMA, 2010
  10. Sycrest® (Asenapin). (PDF) Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, 2011
  11. USA: Neues Antipsychotikum zugelassen. In: Pharmazeutische Zeitung, 22. September 2015
  12. Neues Psychopharmakon. Loxapin erhält EU-Zulassung. In: Pharmazeutische Zeitung, Nr. 11, 2013
  13. FDA approves Latuda to treat schizophrenia in adults. Pressemitteilung, 28. Oktober 2010.
  14. Summary of opinion (initial authorisation) (PDF) Committee for Medicinal Products for Human Use (CHMP), 23. Januar 2014.
  15. Max Schmauß: Verträglichkeitsaspekte atypischer Neuroleptika. In: Hans-Jürgen Möller, Norbert Müller (Hrsg.): Atypische Neuroleptika: Der Stellenwert in der Therapie schizophrener Psychosen. Springer-Verlag, 2013, ISBN 978-3-7985-1179-8.
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