eCl@ss

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eCl@ss ist der weltweite, ISO/IEC-normkonforme Datenstandard für die Klassifizierung und eindeutige Beschreibung von Produkten und Dienstleistungen mit Hilfe von standardisierten ISO-konformen Merkmalen. Der eCl@ss-Standard ermöglicht den grenzenlosen, digitalen Austausch von Produktstammdaten über Branchen, Länder, Sprachen oder Organisationen hinweg. Insbesondere in ERP-Systemen ist die Nutzung von eCl@ss als standardisierte Grundlage für eine Warengruppenstruktur oder mit produktbeschreibenden Merkmalen von Stammdaten weit verbreitet. Als ISO-konformer und weltweit einziger merkmalsbasierter Klassifikationsstandard dient eCl@ss auch als „Sprache“ für die Industrie 4.0 (IOTS).

Der eCl@ss Verein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entstehung und Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der eCl@ss e. V. wurde am 14. November 2000 von 12 großen Unternehmen der deutschen Wirtschaft gegründet. Mittlerweile (2017) hat der Verein weltweit rund 150 Mitglieder aus Wirtschaft, Verbänden und öffentlichen Einrichtungen. Grundlegend für eine elektronische Beschaffung von Dienstleistungen – genauso wie bei materiellen Produkten – ist ein Standard für den Informationsaustausch zwischen Lieferanten und Kunden. Der eCl@ss e. V. ist eine Non-Profit-Organisation, die den gleichnamigen Klassifikations- und Stammdatenstandard branchenübergreifend international definiert, weiterentwickelt und verbreitet.

Gegründet wurde der eCl@ss e.V. von den Firmen Siemens, BASF, AUDI/VW, e.on, SAP, Bayer, Degussa, Wacker, infraserv chemfidence und Solvay. Heute zählen neben großen Industrieunternehmen auch viele mittelständische Unternehmen – darunter einige „Hidden Champions“ – zu den Mitgliedern. Außerdem große Organisationen der öffentlichen Hand wie das Land NRW oder die Österreichische Bundesbeschaffung.

Mitgliedschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Organigramm zeigt die Struktur des Vereins

Im Verein bestehen folgende Mitgliedschaften:

  • ordentliche Mitglieder: Ordentliche Mitglieder können Unternehmen, Verbände oder öffentliche Körperschaften oder Gebietskörperschaften sein.
  • Fördermitglieder: Die Fördermitgliedschaft dient dazu, natürlichen Personen oder Unternehmen die Gelegenheit zu geben, die Arbeit des Vereins kennenzulernen, diesen finanziell und fachlich zu fördern und auf der Basis eines reduzierten Mitgliedschaftsbeitrages geeignete Informationen zum Thema Klassifizierung, Normung etc. zu erhalten.

Neben den üblichen Vereinsgremien wie Mitgliederversammlung und Vorstand hat der Verein noch folgende Gremien:

  • Eine Hauptgeschäftsstelle zur Koordinierung und Durchführung der laufenden Aufgaben nach Beauftragung durch den Vorstand: Die operativen und administrativen Tätigkeiten des Vereins werden im Auftrag des Vorstands von einer Geschäftsstelle durchgeführt. eCl@ss unterhält neben der Hauptgeschäftsstelle in Deutschland (im Institut der deutschen Wirtschaft Köln) internationale Geschäftsstellen für China, Frankreich, Österreich, Portugal, Spanien und die Schweiz.
  • Einen wissenschaftlichen Beirat: Die Aufgabe des wissenschaftlichen Beirates ist es, alle Aspekte der Entwicklung von eCl@ss wissenschaftlich zu begleiten, ihn mit eigenen Ideen und Aktivitäten zu fördern und seine Verbreitung in der Wissenschaft zu unterstützen.

Finanzierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verein wird durch Beiträge der Mitglieder, Fördermittel sowie aus den Einnahmen durch den Vertrieb des Standards finanziert.

Jedes ordentliche Mitglied entrichtet einen jährlichen Mitgliedsbeitrag entsprechend seiner Unternehmensgröße. Fördermitglieder entrichten einen reduzierten Beitrag. Die konkrete Höhe der Beiträge ergibt sich aus der Beitragsordnung des Vereins.

Der eCl@ss Standard ist lizenzpflichtig. Die Kosten hierfür sind nach Unternehmensgröße gestaffelt. Die eCl@ss-Lizenzen können über das Download-Portal erworben werden.

Der eCl@ss Standard[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pyramide

Der eCl@ss Standard ist ein hierarchisches System, ähnlich dem UNSPSC-Klassifikationssystems, zur Gruppierung von Produkten und Dienstleistungen. Es besteht aus vier Hierarchieebenen (Klassen): Sachgebiet (Ebene 1), Hauptgruppe (Ebene 2), Gruppe (Ebene 3) und Untergruppe (Ebene 4). Aus der Hierarchie ergibt sich, dass eine übergeordnete Klasse ihre unterordneten Klassen umfasst, d. h., sie sind ihr logisch zugeordnet.

Die Baumstruktur verdeutlicht die einheitliche und vergleichbare Struktur von Daten.

Die Knoten der Baumstruktur werden zusammen als Materialklassen bezeichnet. Auf der 4. Ebene (Untergruppe) stellt eCl@ss sogenannte Merkmalleisten zur Verfügung. Merkmale ermöglichen die detaillierte Beschreibung von Produkten und Dienstleistungen in den zugehörigen Stammdaten und ermöglichen so die Suche in den verschiedenen Katalogen. Die Merkmale werden durch Werte definiert. Jeweils angehängte Schlagwörter und Synonyme dienen dem schnellen, zielgerichteten Auffinden der Produktklassen und ihrer Merkmalleisten.

Zusammengefasst besteht das System aus den folgenden Elementen:

  • Klassen: Die Klassen oder Warengruppen erlauben es, Produkte zu gruppieren und auf diese Weise zu ordnen.
  • Schlagworte: Durch die einzelnen Klassen zugeordneten Schlagworte wird die Suche nach Produkten vereinfacht und standardisiert (z. B. Warengruppe „Stühle“ wird auch bei Suchbegriffen wie „Sitz“ oder „Bürostuhl“ gefunden).
  • Merkmale: Merkmale sind zusätzliche Produktattribute, die nur für Produkte einer speziellen Klasse sinnvoll verwendet werden können, beispielsweise die Leistung bei Glühlampen oder der Durchmesser bei Röhren. Das Ziel ist die Einbringung dieser Merkmale in die Normung, d. h. DIN, EN, ISO, DKE/IEC
  • Werte: Werte spezifizieren den Wertebereich für die Merkmale
  • Einheiten: Basierend auf DIN und ECE Einheiten zur Angabe der Einheit der Merkmale.

Internationale Normen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sowohl die Prozesse zur Entwicklung des Standards als auch die Ausleitungsformate und die datenmodelltechnischen Grundlagen basieren auf internationalen Normen.

Die Identifikation besteht aus einem dreistelligen Präfix als Herkunftsnachweis, aus dem Identifier und der Versionsnummer des Strukturelements. Der ICD (International Code Designer) für eCl@ss lautet 173.[2]

  • Der ReleaseProcess erfolgt gemäß ISO 22274.

Versionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jedes Jahr erscheint ein neues Release. Ein Release stellt eine Aktualisierung des bestehenden Standards in einer neuen Version dar. Die Releaseplanung ist gestaffelt: Major Releases, die zusätzlich Strukturänderungen beinhalten, wechseln sich mit Minor Releases ab, die bei unveränderter Struktur neue Inhalte bieten. So wird der Aufwand für die Benutzer klein gehalten und trotzdem jederzeitige Aktualität erreicht. Das aktuelle Release mit der Bezeichnung eCl@ss 10.0.1 hat fünf zusätzliche Sachgebiete aufgenommen, z.B. Humanmedizin oder Bekleidung, dazu 2.000 neue Klassen und 1.500 neue Merkmale. Hierfür wurden über 100.000 Anpassungen durchgeführt: Neuaufnahmen, Umstrukturierungen, Weiterentwicklungen und Aktualisierungen. Zu jeder neuen Version veröffentlicht der eCl@ss e.V. maschinenlesbare Dateien. Damit ist eCl@ss der einzige Standard weltweit, der automatische - weil maschinenlesbare - Migrationen ermöglicht.

Die Grafik zeigt die Entwicklung des eCl@ss-Standards.

Die folgenden eCl@ss-Releases sind aktuell verfügbar:

  • eCl@ss 4.0
  • eCl@ss 4.1
  • eCl@ss 5.0.1
  • eCl@ss 5.1 und ServicePack 5.1.1, 5.1.2, 5.1.3, 5.1.4
  • eCl@ss 6.0.1
  • eCl@ss 6.1
  • eCl@ss 6.2 und Service Pack 6.2.1
  • eCl@ss 7.0
  • eCl@ss 7.1
  • eCl@ss 8.0
  • eCl@ss 8.1
  • eCl@ss 9.0
  • eCl@ss 9.1
  • eCl@ss 10.0.1

Im Laufe der Jahre ist der eCl@ss Standard stark gewachsen, sodass es heute (2017) schon mehr als 41.500 Klassen, rund 17.000 Merkmale und über 57.000 Schlagwörter gibt.

Release Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Release-Entwicklung

Die Weiterentwicklung des eCl@ss Standards basiert auf ISO Standards. Die Teilnahme an der Weiterentwicklung ist für jeden kostenfrei möglich. Dafür steht ein kostenloses Online-Portal, die ContentDevelopmentPlatform, zur Verfügung, auf der Änderungsanträge eingereicht werden können. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit der aktiven Mitarbeit in Fachgruppen. In diesen Gruppen wirken Hersteller, Händler und Abnehmer aus verschiedenen Unternehmen mit und erarbeiten gemeinsam strukturelle Inhalte des Standards. Änderungsanträge werden zunächst auf formelle Vollständigkeit und Richtigkeit kontrolliert, anschließend in den Fachgruppen von Produktexperten geprüft und ggf. weiterentwickelt und schließlich vom CQC (Center of Quality Control) final auf formelle und inhaltliche Richtigkeit im eCl@ss-Gesamtkontext geprüft.

Vorteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

eCl@ss ermöglicht die Erschließung von Absatz- und Synergiepotenzialen sowie die Kostensenkung und Effizienzsteigerung von Warenwirtschaft und Datenmanagement. Mit eCl@ss ergeben sich Vorteile entlang der gesamten Wertschöpfungskette:

  • Beschaffungsvolumina werden gebündelt
  • Ausschreibungen beschleunigt
  • Lagerbestände optimiert, Fehlkäufe abgewendet
  • Transparenz geschaffen
  • Verbesserungspotenziale in Produktion und Verwaltung gehoben
  • Daten veredelt und vereinheitlicht, Medienbrüche und Konvertierungen vermieden
  • Suchfunktionen ausgeweitet, Terminologien präzisiert
  • Compliance und Datenschutz unterstützt
  • Die Kommunikation mit Kunden und Partnern verbessert.

Bereits jetzt profitieren mehr als 3.500 Unternehmen von diesem Standard. Erst mit standardisierten Stammdaten wird Master Data Management möglich. Über die klassischen Anwendungen in Beschaffung, Controlling und Vertrieb hinaus zeigt eCl@ss seine besondere Stärke im Einsatz für das unternehmensübergreifende Prozessdatenmanagement und im Engineering. "eCl@ss für das Engineering".

Zusammenarbeit mit anderen Organisationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem 1. Januar 2006 ist ETIM Mitglied von eClass und umgekehrt. ETIM Deutschland e. V. (ElektroTechnisches InformationsModell) ist eine Initiative zur Standardisierung des elektronischen Austausches von Produktdaten im Fachbereich Elektrotechnik.[3] Beide Organisationen haben sich die Harmonisierung von ETIM mit dem eCl@ss-Standard zum Ziel gesetzt und arbeiten dabei u. a. mit VDMA, ZVEI und dem DIN zusammen.

Am 1. Januar 2013 ist Prolist International e. V. in den eCl@ss e. V. aufgegangen. Durch die vollständige datentechnische und organisatorische Integration wurde die Weiterentwicklung der vorhandenen Technologien sichergestellt.

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Längst hat sich eCl@ss in der Industrie, im Handel, im Handwerk und im Dienstleistungssektor etabliert. Die aktuell 44 Sachgebiete (Stand 2017) umfassen zum Beispiel Bau, Logistik, Lebensmittel, Medizin, Optik, Automotive, Labortechnik oder Büromaterial. Auf diese Art entwickelt eCl@ss verschiedene Branchenstandards zu einem einheitlichen, branchenübergreifenden Standard. Neben großen internationalen Unternehmen wie Siemens, VW-Audi oder BASF, hat sich z. B. die deutsche Medizinbranche[4] für eCl@ss als Klassifizierungsstandard für den elektronischen Datenaustausch entschieden. Auch in der öffentlichen Beschaffung wie z. B. beim Kaufhaus des Bundes[5] und einigen Bundesländern wird er eingesetzt.

Bereits im Jahr 2002 veröffentlichte das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation eine Umfrage, nach der von 296 befragten Unternehmen 34,9 % eine Standardproduktklassifikation einsetzten, davon wiederum 32,4 % eCl@ss, absolut also 11,3 %. Damit lag eCl@ss in Deutschland vor ETIM (6,6 %) und UNSPSC (3,8 %).[6]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Martin Hepp; Joerg Leukel; Volker Schmitz: A quantitative analysis of product categorization standards: content, coverage, and maintenance of eCl@ss, UNSPSC, eOTD, and the RosettaNet Technical Dictionary. In: Knowledge and Information Systems. Band 13, Nr. 1, 2007, ISSN 0219-1377, S. 77–114, doi:10.1007/s10115-006-0054-2.
  • Martin Hepp: Güterklassifikation als semantisches Standardisierungsproblem. Dt. Univ.-Verl., Wiesbaden 2003, ISBN 3-8244-7932-X (Zugl.: Würzburg, Univ., Diss., 2003).
  • Wolfgang Brenner, Tina Galuschka: Klassifizierung in der Praxis. A. Bernecker Verlag, Melsungen 2008, ISBN 978-3-87064-129-0.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. IRDI. 25. Juni 2013, abgerufen am 26. Juli 2014 (englisch, im eCl@ss WIKI).
  2. http://oid-info.com/get/1.3.173
  3. ETIM
  4. http://www.bvmed.de/themen/ehealth/E-Commerce/pressemitteilung/medizinprodukte-branche-setzt-auf-eclass.html
  5. http://www.bescha.bund.de/DE/ElektronischeEinkauf/KaufhausBund/node.html
  6. Boris Otto, Helmut Beckmann, Oliver Kelkar, Sylvia Müller: E-Business-Standards: Verbreitung und Akzeptanz. Fraunhofer IRB Verlag, Stuttgart 2002, ISBN 3-8167-6162-3 (fraunhofer.de [PDF; 1,5 MB; abgerufen am 8. September 2008]).