Effektiver Altruismus

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Der australische Philosoph Peter Singer gilt als bedeutendster Vertreter des effektiven Altruismus.

Der effektive Altruismus ist eine Philosophie und soziale Bewegung, die darauf abzielt, die beschränkten Ressourcen Zeit und Geld optimal einzusetzen, um das Leben möglichst vieler empfindungsfähiger Wesen möglichst umfassend zu verbessern. Als Mittel hierzu dienen empirische Beweise und rationale Argumente.[1]

Effektive Altruisten berücksichtigen alle Ursachen und Maßnahmen, um dann so zu handeln, dass ihr Handeln die größten positiven Auswirkungen hat.[2][3] Dieser auf Evidenz basierende Ansatz unterscheidet den effektiven Altruismus vom traditionellen Altruismus oder der klassischen Wohltätigkeit. Der Philosoph Peter Singer ist einer der berühmtesten Befürworter des effektiven Altruismus.[4]

Grundsätze[Bearbeiten]

Kosten-Nutzen-Rechnung[Bearbeiten]

Wenn man den Begriff der Kosten-Nutzen Rechnung auf wohltätige Zwecke anwendet, bezieht sich die Kostenwirksamkeit auf die Menge an Gutem, die man pro Euro erreicht. Zum Beispiel kann die Wirtschaftlichkeit von Interventionen im Gesundheitsbereich in qualitätskorrigierten Lebensjahren (Lebensjahre, die um Qualität, d. h. Gesundheit bereinigt sind) gemessen werden. Effektives Spenden ist ein wichtiger Bestandteil des effektiven Altruismus, weil einige Wohltätigkeitsorganisationen weitaus effektiver sind als andere.[5] Hinzu kommt, dass einige Hilfsorganisationen ihre Ziele schlicht verfehlen.[6] Unter den übrigen Organisationen erzielen einige weit bessere Ergebnisse mit weniger Geld als andere.[7][8] Forscher der Organisation Givewell haben errechnet, dass einige wohltätige Organisationen hunderte oder sogar tausende Male effektiver sind als andere.[7]

Obwohl Wirtschaftlichkeit ein relativ neues Konzept im Bereich der Wohlfahrt ist, wird es häufig von Ökonomen verwendet. Viele effektive Altruisten kommen aus der Philosophie, den Wirtschaftswissenschaften, der Mathematik oder aus Bereichen, die rationales und quantitatives Denken bevorzugen.[9]

Effektive Altruisten sind auch Verfechter der Idee vom „Raum für mehr Mittel“, den eine Hilfsorganisation hat: dieser Gedanke besagt, dass man eine wohltätige Organisation nicht nach dem auswählen sollte, was sie schon erreicht hat, sondern was sie zukünftig mit einer Spende erreichen kann.

Priorisierung der Sache, für die man sich einsetzt[Bearbeiten]

Viele effektive Altruisten denken, dass es sehr wichtig ist herauszufinden, für welche Sache (englisch: causes) man sich am besten einsetzen sollte, d. h. welche Sache (z. B. Gesundheit, Armut, Ungleichheit, Bildung) am effektivsten ist.[10] In dieser Hinsicht unterscheidet sich der effektive Altruismus vom traditionellen Altruismus oder der Nächstenliebe.

Effektive Altruisten wollen, dass die Effizienz und Evidenz von Hilfe überprüft wird. Zwar ist dies im Bereich der Nonprofit-Organisationen bereits Praxis, allerdings findet eine solche Überprüfung in der Regel nur innerhalb bestimmter Themenfelder statt, zum Beispiel im Bereich Bildung oder Klimawandel. Allgemein ist es noch nicht Praxis, dass die unterschiedlichen Themenfelder der Hilfe kritisch und vergleichend analysiert und zwecks Effizienzsteigerung in ein strategisches Konzept eingebunden werden. Effektive Altruisten stellen nicht eine bestimmte Sache als gegeben an den Anfang ihrer Hilfsüberlegungen, zum Beispiel Tierschutz und Tierrechte oder Menschenrechte. Stattdessen sollte schon die Sache selbst nach Effizienzgesichtspunkten ausgewählt werden.[11]

Effektive Altruisten versuchen, die effektivsten Sachen auf Basis von breit anerkannten Werten wie der Verhinderung von Leiden zu wählen. Dann stellen sie ihre Zeit und ihr Geld Aktionen und Organisationen zur Verfügung, die diese Ziele effizient verfolgen. Mehrere Organisationen forschen über die Auswahl der besten Sache.[12][13] Viele effektive Altruisten denken, dass die wichtigsten Sachen die Armutsbekämpfung in der Dritten Welt, die Minderung des Leidens von Tieren in Massentierhaltung und die Sorge um die langfristige Zukunft der Menschheit sind.[10]

Unparteilichkeit[Bearbeiten]

Effektive Altruisten weisen die Ansicht, dass das Leben Einiger wertvoller sei als das Anderer, zurück. Zum Beispiel glauben sie, dass eine Person in einem Entwicklungsland den gleichen Wert hat wie eine Person aus einer Industrienation. Peter Singer schreibt beispielsweise:

Es macht keinen Unterschied, ob die Person, der ich helfen kann, das Kind eines Nachbarn zehn Meter von mir entfernt ist oder ein Bengali, dessen Namen ich nie erfahren werde, der 10.000 Meilen entfernt wohnt. […] Die moralische Sicht verlangt von uns, über die Interessen unserer eigenen Gesellschaft hinaus zu schauen. Bisher […], kann dies wohl kaum möglich gewesen sein, aber es ist jetzt durchaus möglich. Vom moralischen Standpunkt aus, muss die Verhinderung des Hungertods von Millionen von Menschen außerhalb unserer Gesellschaft mindestens ebenso bedrängend wie die Aufrechterhaltung des Eigentums und der Normen in unserer Gesellschaft betrachtet werden.[14]

Darüber hinaus sind viele effektive Altruisten der Meinung, dass zukünftige Generationen den gleichen moralischen Wert wie jetzt lebende Menschen haben, weswegen sie sich auf die Verringerung der existentiellen Risiken für die Menschheit konzentrieren. Andere glauben, dass den Interessen der Tiere das gleiche moralische Gewicht wie vergleichbaren Interessen der Menschen zukommt, und sie konzentrieren sich darauf, das Leiden der Tiere z. B. in der Massentierhaltung zu verhindern.[15]

Thomas Pogge argumentiert gegen diese Ansicht und sagte: „Was moralisch zählt, ist nicht nur, wie wir Menschen beeinflussen, sondern wie wir handeln durch die Regeln, die wir aufstellen.“[16] Thomas Nagel argumentiert ähnlich, und bezieht sich auf Derek Parfit Terminologie von „Agent-neutralen“ und „Agent-relativen“ Gründen.[17]

Kontrafaktische Argumentation[Bearbeiten]

Effektive Altruisten argumentieren, dass kontrafaktische Argumentation wichtig ist, um herauszufinden, welche Handlungen die positiven Auswirkungen maximieren. Viele Menschen gehen davon aus, dass der beste Weg, um Menschen zu helfen, direkte Methoden wie Arbeit für eine Wohltätigkeitsorganisation oder soziale Dienstleistungen sind.[18][19] Weil Wohlfahrtsverbände und Sozialdienstleister in der Regel viele Mitglieder bzw. Unterstützer haben, die bereit sind, für sie zu arbeiten, vergleichen effektive Altruisten die Menge des Guten, das jemand in einer konventionellen altruistischen Karriere (wie z. B. Arzt) tun könnte, mit der Situation, in der der gleiche Job mit dem nächstbesten Kandidaten besetzt werden würde. Nach dieser Argumentation können die Auswirkungen bei der Wahl einer konventionellen altruistischen Karriere kleiner sein als sie zunächst zu sein scheinen.[20] Z. B. wird die Karriere in der Medizin oft intuitiv ethisch sehr hoch bewertet, weil man direkt viele Menschenleben rettet, obwohl die Entscheidung Arzt zu werden nur soviele Leben rettet, wie der Differenzbetrag zwischen der eigenen Leistung und der des nächstbesten Kandidaten ist.

Die Strategie des Verdienen-um-zu-spenden (earning to give) wird für effektive Altruisten vorgeschlagen. Sie besteht darin, eine hoch bezahlte Karriere anzustreben mit dem Ziel, viel von dem verdienten Geld für wohltätige Zwecke zu spenden. Einige effektive Altruisten argumentieren, dass die marginalen Auswirkungen von potentiell unethischem Verhalten in solch einer lukrativen Karriere (z. B. unethisches Verhalten als Investmentbanker) gering sind, da – wenn man die Karriere nicht einschlagen würde – jemand anderes unabhängig die gleichen Entscheidungen treffen würde, während hingegen die Auswirkungen der Spenden groß sein würden.[21][22]

Einige bestreiten jedoch dieses Prinzip. So führt Bernard Williams ein ähnliches Beispiel über einen Job in einer Chemiewaffenfabrik an, um gegen den Utilitarismus zu argumentieren.[23] Laut Williams erfordert Utilitarismus unangemessen, dass Menschen in einer Weise, die ihre eigene Integrität verletzt, handeln.[24]

Die Ansichten über übergebührliche (supererogatorische) Handlungen[Bearbeiten]

Mehrere einflussreiche Philosophen des effektiven Altruismus, darunter Peter Singer und Peter Unger, lehnen die Ansicht, dass die Spende für wohltätige Zwecke übergebührlich ist, ab. Eine übergebührliche Handlung ist eine, die gut aber nicht moralisch geboten ist. Effektive Altruisten bestreiten zwar nicht grundsätzlich die Existenz von übergebührlichen Wohltaten. Spenden an Wohltätigkeitsorganisationen aber, die sehr effektiv den ärmsten Menschen in der Welt helfen, halten sie für moralisch geboten. Singer und Unger verwenden beide verschiedene Gedankenexperimente, um diesen Punkt zu veranschaulichen. Die Grundstruktur des Gedankenexperimentes ist, dass man eine Person in tödlicher Gefahr trifft, und man selbst der Person mit wenig Aufwand helfen könnte. Wenn man nicht hilft, würde die Person sterben. Die meisten Leute sagen, es wäre moralisch falsch, nicht zu helfen. Singer und Unger schließen daraus, dass es moralisch falsch ist, nicht an Wohltätigkeitsorganisationen, die ein Menschenleben mit wenig Ressourcen retten können, zu spenden. Dieses Argument setzt voraus, dass räumliche Distanz zu einer Person sich nicht darauf auswirkt, ob man einer Person helfen muss. Dies ist ein Schlüsselprinzip im effektiven Altruismus.

Berühmte Befürworter[Bearbeiten]

Peter Singer[Bearbeiten]

Hauptartikel: Peter Singer

Der Philosoph Peter Singer hat mehrere Werke über effektiven Altruismus verfasst, darunter The Life You Can Save. Hierin argumentiert er, dass Menschen evaluieren sollten, wie sie ihre Spenden am effektivsten einsetzen können.[25] In seinem Artikel Hunger, Wohlstand und Moral behauptet er, dass die Menschen die Pflicht haben, Menschen in Not zu helfen:

Wenn es in unserer Macht steht, etwas Schlimmes zu verhindern, ohne dabei etwas von vergleichbarer moralischer Bedeutung zu opfern, dann sollten wir moralisch verpflichtet sein, es zu tun.[26]

Er gründete die gemeinnützige Organisation 'The Life You Can Save', die dafür eintritt an besonders effektive Wohltätigkeitsorganisationen zu spenden. Er ist Mitglied von Giving what we can, einer Organisation des Effektiven Altruismus, die die Menschen dazu ermutigt, zehn Prozent ihres Einkommens für wohltätige Zwecke zu spenden. Singer selbst spendet mindestens 25 % seines Einkommens für wohltätige Zwecke.[27][28]

Toby Ord[Bearbeiten]

Toby Ord ist ein Ethiker an der Universität Oxford. Er plädiert für konsequentialistische Ethik und beschäftigt sich mit der weltweiten Armut und Katastrophenrisiken.[29] Er gründete die Organisation „Giving what we can“. Ord lebt von 18.000 £ (27.000 $) pro Jahr und spendet den Rest seines Einkommens für wohltätige Zwecke.[30]

Thomas Pogge[Bearbeiten]

Hauptartikel: Thomas Pogge

Als ein Schüler von John Rawls nähert sich Pogge dem effektiven Altruismus aus weniger konsequentialistischer Sicht. Pogge ist Mitglied von Giving what we can sowie dem Health Impact Fund, der versucht moderne Medikamente zu niedrigen Kosten für arme Menschen verfügbar zu machen,[31][32] und der Organisation Academics Stand Against Poverty, die Wissenschaftlern hilft, einen größeren positiven Einfluss auf die Armut in der Welt zu haben.

Pogges Buch Armut in der Welt und Menschenrechte argumentiert, dass die Menschen in wohlhabenden Demokratien aktiv Menschen in den Entwicklungsländern verletzen: „Die meisten von uns haben nicht nur die Menschen verhungern lassen, sondern beteiligen sich daran sie auszuhungern“[33] Deshalb, im Gegensatz zu Singer und Unger, die behaupten, dass wir Menschen in Not wegen der positiven Verpflichtungen helfen müssen, glaubt Pogge, dass die Verantwortung, den Armen der Welt zu helfen aus der Tatsache resultiert, dass die Menschen in der ersten Welt durch Kreditvergabe an korrupte Regierungen aktiv den Menschen in anderen Ländern schaden.[34]

Peter Unger[Bearbeiten]

Hauptartikel: Peter K. Unger

In seinem Buch Leben und sterben lassen präsentiert Unger mehrere Argumente, dass die Menschen in der entwickelten Welt eine starke moralische Verpflichtung anderen gegenüber haben.[35] Ein Beispiel Gedankenexperiment ist „Der vintage Sedan“:

Du bist nicht wirklich reich, dein einziger Luxus im Leben ist ein Mercedes-Oldtimer, den du mit viel Zeit, Aufmerksamkeit und Geld zu einem neuwertigem Zustand restauriert hast … Eines Tages stoppst du an der Kreuzung zweier kleiner Landstraßen, die beide kaum befahren sind. Du hörst eine Stimme um Hilfe schreien, du steigst aus und siehst einen Mann, der verletzt und von seinem Blut überströmt ist. Der Mann versichert dir, dass seine Wunde sich auf eins seiner Beine beschränkt, der Mann, informiert dich auch, dass er zwei Jahre lang Medizin studiert hat. Und obwohl er wegen Schummelns im zweiten Jahr exmatrikuliert wurde, was seinen mittelosen Stand seitdem erklärt, hat er sachkundig mit seinem Hemd das Bein in Nähe der Wunde abgebunden, um den Blutverlust zu stoppen. Also besteht keine dringende Lebensgefahr, wie du informiert wirst, aber es besteht eine große Gefahr, dass der Mann sein Bein verliert. Dies kann verhindert werden, wenn du ihn zu einem ländlichen Krankenhaus fährst, das 50 Meilen entfernt liegt. „Wie ist das mit der Wunde passiert?“ fragst du. Er – ein begeisterter Vogelbeobachter – gibt zu, dass er unbefugt ein nahes Feld betreten und beim unachtsamen Verlassen sich am rostigen Stacheldraht geschnitten hat. Wenn du diesem Eindringling helfen möchtest, musst du ihn über deinen schönen Rücksitz legen. Aber dann wird deine feine Polsterung mit Blut getränkt werden, und die Restauration des Autos wird über fünftausend Dollar kosten. Also fährst du weg. Am nächsten Tag wird der Mann von einem anderen Fahrer abgeholt, er überlebt, verliert aber das verletzte Bein.

Unger weist darauf hin, dass die meisten Menschen sagen, dass dieses Verhalten moralisch verwerflich ist, und Sie bereit sein sollten, die Kosten der Restaurierung Ihres Auto zu akzeptieren, wenn sie das Leben des Mannes rettet. Er kontrastiert diese Reaktion mit unseren Reaktionen auf The Envelope:

In Ihrem Postfach ist etwas von der (US-Komitee für) UNICEF. Nachdem Sie es durchgelesen haben, glauben Sie korrekterweise, dass, wenn Sie nicht bald einen Scheck über 100 $ an Unicef senden, mehr als dreißig Kinder bald sterben werden, anstatt noch viele Jahre zu leben.

Unger argumentiert, dass unsere verschiedene Reaktionen zu den Gedankenexperimenten moralisch inkonsistent sind und daher unsere Pflicht, an UNICEF spenden, genau so groß ist wie die, den hypothetischen Eindringling in „The Vintage-Limousine“ zu retten. Unger sagt, ein relativ wohlhabender Mensch „wie du und ich, muss in starkem Maße effektive Gruppen wie Oxfam und Unicef unterstützen, mit dem meisten Geld und Eigentum, das man jetzt besitzt, und mit dem meisten von dem, was noch in der absehbaren Zukunft dazu kommt.“[35][36]

Shelly Kagan[Bearbeiten]

Hauptartikel: Shelly Kagan

Shelly Kagan eröffnet The Limits of Morality mit der Behauptung „Moral erfordert, dass Sie – von den nicht anderweitig verbotenen Handlungen – die Handlung auswählen, von der nach vernünftigem Ermessen erwartet werden kann, die besten Auswirkungen insgesamt zu haben.“[37] Er verteidigt diesen Anspruch mit einer detaillierten Analyse sowohl der verschiedenen möglichen Ansichten über moralische Optionen und moralische Zwänge als auch wie diese verteidigt werden könnten. Er bemerkt, dass es eine Verbindung zwischen dem Glauben an die Existenz von moralischen Wahlmöglichkeiten und dem Glauben an die Existenz von moralischen Zwängen gibt; eine Person, die glaubt, dass es Möglichkeiten gibt suboptimal zu handeln, wird mit ziemlicher Sicherheit auch einige Einschränkungen für unser potentielles Verhalten befürworten.

Lebensstil[Bearbeiten]

Die Prinzipien des effektiven Altruismus' können erhebliche Änderungen des Lebensstils bedeuten.[35] Viele effektive Altruisten versuchen, gemessen an den Standards der wohlhabenden Nationen, sparsam zu leben, so dass sie mehr spenden können. Ein Paar effektiver Altruisten wurde in der Washington Post vorgestellt. Es lebte 2012 von 10.000 $. In einem durchschnittlichen Monat verbrauchten sie weniger als 200 Dollar für Lebensmittel und etwa 300 Dollar für nicht notwendige Anschaffungen. Sie begannen, bei den Eltern des Mannes zu wohnen, um weitere Kosten zu sparen.[38] Einige effektive Altruisten versuchen gezielt Karriere zu machen und möglichst viel zu verdienen, um mehr Geld spenden zu können.[39] So arbeitet ein effektiver Altruist, der in Washington Post vorgestellt wurde, als quantitativer Analyst für ein Finanzunternehmen und spendet die Hälfte seines Gehalts.[38]

Andere effektive Altruisten leben bewusst vergleichsweise weniger sparsam und spenden weniger, mit dem Ziel den effektiven Altruismus für andere attraktiv erscheinen zu lassen, sie zu sparsamer und wohltätiger Lebensweise zu motivieren und so in Summe mehr Gutes zu bewirken.

Organisationen[Bearbeiten]

Die Giordano-Bruno-Stiftung ist im deutschsprachigen Raum die bedeutendste Organisation, die den effektiven Altruismus unterstützt.

Eine Reihe von Organisationen sehen sich als Teil der Bewegung des effektiven Altruismus an. Dies sind:

  • die Giordano-Bruno-Stiftung,
  • Giving what we can, eine internationale Gesellschaft, die für die Kosten-effektivsten Wohltätigkeitsorganisationen zur Armutsbekämpfung wirbt. Sie erforscht die Effizienz von Wohltätigkeitsorganisationen, fördert intelligentes Spenden und baut eine Gemeinschaft von Menschen auf, die einen wesentlichen Anteil ihres Einkommens für eine möglichst wirksame Hilfe geben wollen.[40]
  • 80.000 Hours, eine ethische Berufsberatung für Menschen, die ihre Karriere nutzen wollen um einen positiven Einfluss in der Welt zu haben.[41]
  • Animal Charity Evaluators, eine gemeinnützige Organisation, die sich nach möglichst effektiven Möglichkeiten zur Verbesserung der Lebensbedingungen von Tieren sucht.[42]
  • The Life You Can Save, eine Bewegung, die sich für die Bekämpfung von extremer Armut durch Spenden an sehr effektive Wohltätigkeitsorganisationen einsetzt. Die Organisation wurde von dem Philosophen Peter Singer nach der Veröffentlichung seines Buches The Life You Can Save gegründet.[43]
  • The High Impact Network, eine Organisation, die Ideen des effektiven Altruismus verbreitet, indem sie lokale Treffen veranstaltet.[44]
  • Instituto Ética, Racionalidade e Futuro da Humanidade, eine brasilianische Organisation, die wirksame Spenden fördert und erforscht, wie Technologie den künftigen Generationen helfen kann.[45]

Peter Singer vertritt die folgenden effektiven gemeinnützigen Organisationen:[46]

  • GiveWell
  • Against Malaria Foundation
  • Schistosomiasis Control Initiative
  • Vegan Outreach
  • The Human League
  • The Future of Humanity Institute

Rezeption[Bearbeiten]

Besonders kontrovers diskutiert wird die Earning to Give Idee, eine „Hochertrags-Karriere“ in einer potenziell unethischen Industrie aufzunehmen, um mehr Geld zu spenden. David Brooks, Kolumnist der New York Times, kritisierte diese Idee. Er glaubt, dass die meisten Menschen in der Finanzbranche und anderen hochbezahlten Branchen Geld aus egoistischen Gründen verdienen, und dass, wenn man als effektiver Altruist von diesen Menschen umgeben arbeitet, man selbst weniger altruistisch wird.[47] Einige effektive Altruisten sehen diese Gefahr ebenfalls und versuchen, sie durch Online-Communities, öffentliche Bürgschaften und Spenden an Donor-advised Funds zu reduzieren.[48] Brooks fragt auch, ob Kindern in fernen Ländern wirklich der gleiche moralische Wert zugeschrieben werden sollte wie Kindern in der unmittelbaren Umgebung. Er behauptet, dass die Moral „intern adeln“ sollte, eine der Tugendethik ähnliche Position.[47]

In einer Reaktion auf die Kritik an diesem Aspekt des effektiven Altruismus stellte der National Review infrage, ob die Industrien, von denen allgemein angenommen wird, dass sie unethisch sind (wie zum Beispiel die Finanzindustrie), wirklich unethisch sind. Der Autor behauptet, dass diese Branchen oft mehr Nutzen als Schaden produzieren.[49] Das Wirtschaftsmagazin Euromoney hat sich als wirksam Altruismus für seine Hervorhebung der individuellen karitativen Aktion gelobt.[50]

Paul Brest von der William und Flora Hewlett Foundation, ein Geldgeber Givewells, schrieb einen Artikel für das Stanford Social Innovation Review und sagte im Schreiben abschließend: „Alles in allem ist mein ungebetener Ratschlag an Befürworter des effektiven Altruismus, auf dem selben Kurs zu bleiben.“[51] Im Gegensatz dazu schrieben Ken Berger und Robert Penna von Charity Navigator eine lange Kritik an der Philosophie des effektiven Altruismus in der Stanford Social Innovation Review. Ihre Kritik wurde auf der Website im November 2013 veröffentlicht.[52] Die Kritik provozierte starke Reaktionen von effektiven Altruisten, sowohl in den Kommentaren auf SSIR Website als auch an anderen Stellen, einschließlich einer Antwort von William MacAskill, die auch in der SSIR veröffentlicht wurde.[53][54][55][56]

Einige Sympathisanten des effektiven Altruismus haben auch Kritiken geschrieben, teilweise, weil sie an ihre Kritik wirklich glauben und teilweise als einen ideologischen Turing-Test.[57][58]

Begriffe[Bearbeiten]

  • Effective giving („effektives Spenden“)
  • High impact philanthropy („Philanthropie der hohen Auswirkung“)
  • Earning to give („Verdienen um zu spenden“)
  • Room for more funding („Raum für mehr Finanzierung“)

Weiterführende Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatEffektiver Altruismus. Wie kann das Leben möglichst vieler empfindungsfähiger Wesen verbessert werden? Giordano-Bruno-Stiftung, 14. August 2014, abgerufen am 15. August 2014 (Artikel, deutsch).
  2. http://effective-altruism.com
  3. http://www.thelifeyoucansave.org/ReadAboutUs/Organization.aspx
  4. http://blog.ted.com/2013/03/01/effective-altruism-peter-singer-at-ted2013/
  5. Your dollar goes further when you fund the right program. GiveWell, abgerufen am 27. Juli 2014 (englisch).
  6. Giving 101: The basics. GiveWell. Abgerufen am 28. Februar 2013.
  7. a b Your dollar goes further overseas. GiveWell. Abgerufen am 28. Februar 2013.
  8. Holden Karnofsky: Hunger here vs. hunger there. GiveWell. Abgerufen am 28. Februar 2013.
  9. Peter Singer: The Why and How of Effective Altruism. In: TED. TED Conferences, LLC. Abgerufen am 17. Juli 2013.
  10. a b William MacAskill: What Is Effective Altruism?. In: Effective Altruism. Abgerufen am 17. Juli 2013.
  11. Holden Karnofsky: Strategic Cause Selection. In: The GiveWell Blog. GiveWell. Abgerufen am 22. Juni 2013.
  12. Causes. In: 80,000 Hours. Centre for Effective Altruism. Abgerufen am 22. Juni 2013.
  13. GiveWell Labs Overview. GiveWell. Abgerufen am 27. Juli 2014.
  14. Singer 1972, pp. 231-232, 237.
  15. Animal Charity Evaluators. Abgerufen am 27. Juli 2014.
  16.  Thomas W. Pogge: Responsibilities for Poverty-Related Ill Health. In: Ethics & International Affairs. 16, Nr. 2, 2002, S. 71-79, doi:10.1111/j.1747-7093.2002.tb00398.x.
  17. Thomas Nagel: The Limits of Objectivity. 1979.
  18. Best jobs for saving the world. In: CNN, November 2011. Abgerufen am 28. Februar 2013. 
  19. Aimee Hosler: 10 „helping“ professions and how to train for them. Schools.com. 14. Juni 2011. Abgerufen am 28. Februar 2013.
  20. Benjamin J. Todd: Just What Is 'Making a Difference'? - Counterfactuals and Career Choice. In: 80,000 Hours. Centre for Effective Altruism. Abgerufen am 17. Juli 2013.
  21. Benjamin Todd: Which ethical careers make a difference?. Abgerufen am 27. Juli 2014.
  22. William MacAskill: Replaceability, Career Choice, and Making a Difference. In: Ethical Theory and Moral Practice. 
  23. Bernard Williams: A critique of utilitarianism in Utilitarianism: For and against, S. 97 ff. Cambridge University, Cambridge 1973
  24. Damian Cox, Marguerite La Caze, Michael Levine: Integrity. Stanford Encyclopedia of Philosophy. 2013. Abgerufen am 7. März 2013.
  25. Peter Singer: The Life You Can Save: Acting now to end world poverty, Random House, New York 2009
  26. Famine, Affluence, and Morality (PDF) 1972. Abgerufen am 23. Mai 2011.
  27. List of Members. Abgerufen am 22. November 2012.
  28. FAQ on Singer's webpage at Princeton. Princeton.edu. Abgerufen am 23. Mai 2011.
  29. Toby Ord: Academic Site. In: A Mirror Clear. Abgerufen am 2. März 2013.
  30. Tom Geoghegan: Toby Ord: Why I'm giving £1m to charity. In: BBC News, 2010-12-163. Abgerufen am 2. März 2013. 
  31. Thomas Pogge, Aidan Hollis The Health Impact Fund: Making New Medicines Accessible for All. Incentives for Global Health, 2008.
  32. Medicine for the 99 percent. September 2011. Abgerufen am 27. Juli 2014.
  33. ISBN 0745641431
  34.  Barbara Fleisch: Book Review: Thomas Pogge, World Poverty and Human Rights. In: Ethical Theory and Moral Practice. 6, Nr. 4, 2003, S. 455-458, doi:10.1023/B:ETTA.0000004700.20750.0d.
  35. a b c ISBN 0195108590
  36. Martha Nussbaum: If Oxfam ran the world. In: London Review of Books, 9/4/1997. Abgerufen am 7. März 2013. 
  37. Shelly Kagan: The Limits of Morality (1991)
  38. a b Matthews, Dylan. „Join Wall Street. Save the World.“ Washington Post, May 31, 2013. http://www.washingtonpost.com/blogs/wonkblog/wp/2013/05/31/join-wall-street-save-the-world/
  39. „Earning to Give.“ 80,000 Hours. http://80000hours.org/earning-to-give
  40. http://givingwhatwecan.org/
  41. http://80000hours.org/about-us
  42. http://www.animalcharityevaluators.org
  43. http://thelifeyoucansave.com/idea
  44. http://www.thehighimpactnetwork.org/about
  45. http://www.ierfh.org/br/Objetivos.html
  46. Peter Singer: The why and how of effective altruism. TED. Abgerufen am 21. Mai 2013.
  47. a b Brooks, David. „The Way to Produce a Person.“ New York Times. June 3, 2013. http://www.nytimes.com/2013/06/04/opinion/brooks-the-way-to-produce-a-person.html?_r=0
  48. „FAQ.“ 80,000 Hours. http://80000hours.org/faq#faq-what-is-earning-to-give
  49. Reihan Salam: The Rise of the Singerians. In: National Review. National Review Online. Abgerufen am 17. Juli 2013.
  50. Kanika Saigal: Impact Investing: The Big Business of Small Donors. In: Euromoney. Euromoney Institutional Investor PLC. Abgerufen am 16. Juli 2013.
  51. Paul Brest: The Promise of Effective Altruism: The effective altruism movement has the potential to create an aspirational anchor, which may change giving practices over time.. Stanford Social Innovation Review. 28. Oktober 2013. Abgerufen am 26. November 2013.
  52. Ken Berger, Robert Penna: The Elitist Philanthropy of So-Called Effective Altruism. Stanford Social Innovation Review. 25. November 2013. Abgerufen am 26. November 2013.
  53. William MacAskill: What Charity Navigator Gets Wrong About Effective Altruism. Stanford Social Innovation Review. 3. Dezember 2013. Abgerufen am 3. Dezember 2013.
  54. Effective Altruists (Facebook comment thread). Effective Altruists (Facebook group). November 2013. Abgerufen am 26. November 2013.
  55. Darren McKee: Charity Navigator is Dead to Me and This is Why.. 25. November 2013. Abgerufen am 26. November 2013.
  56. Paul Crider: „elitist philanthropy“ and charitable prioritization. Quitting Providence. 27. November 2013. Abgerufen am 27. November 2013.
  57. Ben Kuhn: A critique of effective altruism. 1. Dezember 2013. Abgerufen am 25. März 2014.
  58. Jacob Steinhardt: Another Critique of Effective Altruism. 5. Januar 2014. Abgerufen am 25. März 2014.