Eichener See

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Eichener See
Der Eichener See bei Wasserstand (Juni 1999)
Der Eichener See bei Wasserstand (Juni 1999)
Geographische Lage Landkreis Lörrach, Baden-Württemberg (Deutschland)
Orte in der Nähe Eichen
Daten
Koordinaten 47° 38′ 41″ N, 7° 51′ 44″ O47.6447347.862209Koordinaten: 47° 38′ 41″ N, 7° 51′ 44″ O
Eichener See (Baden-Württemberg)
Eichener See
Der Eichener See mit teils überfrorener Wasseroberfläche (Februar 2011)

Der Eichener See (im Volksmund, alemannisch Eiemer See genannt) bei Eichen im baden-württembergischen Landkreis Lörrach ist ein nur zeitweise (astatisch) erscheinender Karstsee im Südschwarzwald.

Der nur bei hohem Grundwasserstand wasserführende See liegt in einer Mulde, einer Muschelkalk-Karstwanne. Er hat keinen oberirdischen Zufluss, der Abfluss erfolgt teilweise unterirdisch und teilweise durch Verdunstung.[1]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Der Eichener See liegt im Naturpark Südschwarzwald im nordöstlichen Randgebiet des Gebirgszugs Dinkelberg zwischen dem nahen Schopfheimer Ortsteil Eichen im Westen, der Gemeinde Hasel im Ostnordosten und der Kernstadt von Wehr etwa im Südosten. Er befindet sich 2,5 km westlich der Erdmannshöhle (Hasler Höhle) in einem flachen Tal rund 350 m südlich der Bundesstraße 518.

Geologie und Hydrologie[Bearbeiten]

Geologisch handelt es sich um eine zeitweise mit Wasser gefüllte Doline, in der besonders nach der Schneeschmelze oder nach längeren Regenphasen Grundwasser zu Tage tritt. In trockenen Phasen kann der Flurabstand (Höhenunterschied zwischen Grundwasserspiegel und Erdoberfläche) bis zu 40 m betragen; dabei liegt der tiefste Punkt der das Grundwasser stauenden Wanne etwa 48 m unter der Erdoberfläche. Hintergrund der starken Schwankungen sind die Hohlräume des vorwiegend aus Muschelkalk bestehenden Dinkelbergs, die sich aufgrund eines Grundwasserstaus sehr schnell mit Wasser füllen können, hingegen nur langsam wieder leeren.[2]

Biologie[Bearbeiten]

Der Seegrund ist von einer krautreichen Wiesengesellschaft bewachsen. Diese darf bei Trockenheit weder beweidet noch gedüngt werden. Im See lebt der Blattfußkrebs Tanymastix lacunae aus der Ordnung der Kiemenfüßer (Anostraca). Für seinen Entwicklungszyklus ist ein Austrocknen des Seegrundes unabdingbar. Für Deutschland ist hier der einzig gesicherte Fundort für sein Vorkommen, in ganz Europa sind lediglich sieben weitere sichere Fundorte bekannt.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Erstmals urkundlich erwähnt wird der See 1771, als fünf Menschen von einem gekenterten Boot in ihm ertranken. Auch 1876 und 1910 kamen Menschen in dem See um.

Die erste wissenschaftliche Beschreibung ist wohl der Artikel Von einem merkwürdigen See in der oberen Markgrafschaft Baden von Heinrich Sander, erschienen 1782 in der Zeitschrift Der Naturforscher. Der See steht seit 1939 unter besonderem Schutz, seit 1983 ist er mit einer Größe von 3,75 Hektar als flächiges Naturdenkmal ausgewiesen, zudem als Fauna-Flora-Habitat-Gebiet von europäischem Rang.[1]

Räumliche und zeitliche Ausdehnung[Bearbeiten]

In besonders niederschlagsreichen Jahren kann der (oberirdisch sichtbare) Wasserstand bis zu drei Meter betragen und der See innerhalb von ein bis fünf Wochen eine Ausdehnung von 250 m Länge und 135 m Breite (ca. 2,5 ha) erreichen. Bis das gesamte zu Tage getretene Wasser wieder verschwindet, können acht bis 160 Tage vergehen.[2]

Erscheinen (Auswahl)

  • Mitte Januar 2011[1]
  • Mitte Januar 2012[3]

Literatur[Bearbeiten]

  • Heinrich Sander: Von einem merkwürdigen See in der obern Markgrafschaft Baden; In: Heinrich Sanders Kleine Schriften (herausgegeben von Georg Friedrich Götz), Band 1, Dessau und Leipzig 1784, S. 324–328 online in der Google Buchsuche
  • Johann Jakob Schneider: Der Eichener See; In: Das Badische Oberland, Lörrach 1841, S. 130-132

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Eichener See – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d bz: Naturdenkmal taucht wieder auf - Eichener See bei Schopfheim hat beachtliche Größe erreicht. In: badische-zeitung.de, Lokales, Kreis Lörrach, 22. Januar 2011
  2. a b André Hönig: Der Eichener See: Ein Phänomen, das kommt und geht. In:badische-zeitung.de, Lokales, Schopfheim, 5. Januar 2012 (14.Januar 2012)
  3. dpa/BZ: Der Eichener See ist wieder da. In: badische-zeitung.de, Nachrichten, Schopfheim, 14. Januar 2012 (14.Januar 2012)