Elisabeth von Hessen-Darmstadt (1895–1903)

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Prinzessin Elisabeth von Hessen und bei Rhein im Jahr 1903

Prinzessin Elisabeth Marie Alice Victoria von Hessen und bei Rhein (* 11. März 1895 in Darmstadt; † 16. November 1903[1][2] in Skierniewice, Russisches Kaiserreich, heute Polen) war die einzige Tochter des letzten regierenden Großherzogs Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein und seiner ersten Gemahlin Victoria Melita von Sachsen-Coburg und Gotha.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geburt und Trennung der Eltern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Elisabeth mit ihren Eltern (1897)
„Prinzeßchen“ Elisabeth blickt aus ihrem Prinzessinnenhaus (1902/1903)

Elisabeth war das erste Kind aus der Ehe ihres Vaters mit Victoria Melita von Sachsen-Coburg und Gotha. Das Paar hatte am 19. April 1894 im Schloss Ehrenburg bei Coburg geheiratet.[3] Die Ehe war von der britischen Königin Victoria, Großmutter der beiden, angeregt worden. Die Taufe der Prinzessin erfolgte am 24. März 1895, wobei das Kind die Namen seiner Taufpatinnen Großfürstin Sergius von Russland (Ernst Ludwigs Schwester Elisabeth), Königin Marie von Rumänien (Victoria Melitas Schwester), Zarin Alexandra Fjodorowna von Russland (Ernst Ludwigs Schwester Alix) und Königin Victoria erhielt. Die beiden letztgenannten waren jedoch nicht bei Elisabeths Taufe im Neuen Palais in Darmstadt anwesend, die durch Oberhofprediger Bender mit Wasser aus dem Jordan durchgeführt wurde. Ebenfalls Taufpate war Herzog Alfred von Coburg, der Großvater des Kindes.[4]

Von den Darmstädtern „Prinzeßchen“[5] oder auch „Prinzessin Sonnenschein“ (in Anlehnung an ihre Tante Alix) betitelt, begann Elisabeth früh damit, Repräsentationspflichten in der Öffentlichkeit wahrzunehmen, so etwa 1901 bei der Eröffnung einer Ausstellung der Künstlerkolonie Darmstadt mit ihren Eltern auf der Mathildenhöhe.[6] Ernst Ludwig betete seine Tochter an und bezeichnete sie später als „Sonnenschein“ in seinem Leben, die „immer freundlich und vergnügt“, aber auch häufig „tief traurige Augen“ hatte. „Obwohl nur ein Kind, hatte sie besonders tiefes Empfinden mit einem großen Herzen […] Nie habe ich ein Kind gesehen, das so viel Einfluß auf Erwachsene hatte. Obwohl sie es vergötterten, blieb es immer das gleiche, weil seine innerliche Persönlichkeit so stark war. Wer mit dem Kind verkehrte, hat es nie vergessen, denn es war eine Art Nimbus um dasselbe, welches es vor allem Verwöhntsein schützte.“, so Ernst Ludwig.[4]

Die Ehe von Elisabeths Eltern verlief unglücklich, was hauptsächlich Victoria Melita angelastet wurde: Sie habe nicht die Aufgaben erfüllen können, die von ihr an einem so kleinen und traditionsgebundenen Hof als Landesmutter erwartet wurden.[7] Nach der Totgeburt eines Sohnes im Jahr 1900 trennte sich das Paar und ließ sich am 21. Dezember 1901 scheiden.[4] Elisabeth litt unter der Trennung der Eltern und soll ihren Vater bevorzugt haben, bei dem sie ab Ende 1901 weiterhin lebte:[8] „Einstens, wie sie [Elisabeth] zu ihrer Mutter zurückkehren mußte, erklärte ich ihr, wie ihre Mutter sie doch liebe. Da antworte sie einfach: ‚Mama sagt es. Du tust es.‘. Ich mußte schweigen …“, so Ernst Ludwig.[4]

Bau des „Prinzessinnenhauses“ im Schloss Wolfsgarten und früher Tod[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1902 ließ der Großherzog für seine Tochter im Park von Schloss Wolfsgarten das sogenannte Prinzessinnenhaus errichten, das noch heute existiert. Das vom österreichischen Architekten Joseph Maria Olbrich (1867–1908) im Jugendstil erbaute eingeschossige Spielhaus mit einer Raumhöhe von 1,90 Metern ist ganz an die Maße und Bedürfnisse eines Kindes angepasst und besteht aus einem Salon und einer Küche. Die Initiale „E“ für Elisabeth ist vielfach an und in der Mischung aus Villa und Landhaus angebracht. Es ist das letzte in seiner Originalsubstanz erhaltene Gebäude Olbrichs.[9] Hofdame Georgine Freiin von Rotsmann erzählte später die Geschichte des Prinzessinnenhäuschens in Form eines Märchens, das von Olbrich mit fünf farbigen Lithografien illustriert wurde.[10]

Trauerzug für Prinzessin Elisabeth in Darmstadt, 19. November 1903
Elisabeths Grab im Park Rosenhöhe mit der von Ludwig Habich geschaffenen Engelsfigur
Gedenkstein Prinzessin Elisabeth im Herrngarten in Darmstadt

Im November 1903 begleitete Elisabeth ihren Vater zu einem Jagdausflug mit dem russischen Kaiserpaar Nikolaus II. und Alexandra nach Skierniewice (heute Polen). Dort starb sie im gleichnamigen Jagdschloss im Alter von acht Jahren. Als Todesursache wurde anfangs Kindercholera angegeben, dann Strychnin vermutet, das dem russischen Zaren gegolten haben soll, und schließlich eine Typhusinfektion genannt.[11] Ihr Leichnam wurde in einem silbernen Sarg mit einem Extrazug nach Darmstadt überführt. Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung fand dort am 19. November ein Trauerzug auf die Rosenhöhe statt, bei dem sechs weißbehangene Pferde den Wagen mit dem Sarg zogen. Die Bestattung wurde durch den Oberhofprediger Ludwig Ehrhardt durchgeführt.[12] Elisabeths Grab wird von einer Engelsfigur mit ausgebreiteten Flügeln geschmückt, die von dem Bildhauer Ludwig Habich geschaffen wurde. Fast zwei Jahre nach ihrem Tod wurde, ebenfalls von Habich, ein Gedenkstein gestaltet, der bis heute in unmittelbarer Nähe zum Südausgang des Darmstädter Herrngartens aufgestellt ist. Der Stein aus Marmor ist mit einem Medaillonbild Elisabeths sowie einem Relief des von sieben Zwergen bewachten Schneewittchens im gläsernen Sarg versehen und wurde am 25. Oktober 1905 im Beisein von über 10.000 Darmstädter Kindern enthüllt, die für das Denkmal gespendet hatten.[8]

Ernst Ludwig konnte den Tod seiner Tochter nur schwer verwinden. Er wollte Elisabeths Schmuck von niemandem mehr getragen sehen und ließ diesen daher nach eigenen Vorstellungen von dem großherzoglichen Hofjuwelier Robert Koch in Frankfurt am Main in einen Abendmahlskelch, einen Bibeleinband und eine Ampel einfassen. Die Bibel ist heute im Besitz der Stadtkirche Darmstadt.[13]

Ernst Ludwig heiratete im Jahr 1905 Prinzessin Eleonore zu Solms-Hohensolms-Lich und gründete mit ihr eine neue Familie, der zwei Söhne entstammten. Gemäß seinem Wunsch wurde er 1937 nahe seiner verstorbenen Tochter Elisabeth beigesetzt.[14] Im selben Jahr kam am 16. November 1937 fast die gesamte Familie Ernst Ludwigs bei einem Flugzeugabsturz nahe Ostende ums Leben, dem 34. Todestag Elisabeths.

Ahnentafel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ahnentafel von Prinzessin Elisabeth
Urgroßeltern

Prinz Karl von Hessen und bei Rhein (1809–1877)
∞ 1836
Prinzessin Elisabeth von Preußen (1815–1885)

Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha (1819–1861)
∞ 1857
Königin Victoria (Vereinigtes Königreich) (1819–1901)

Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha (1819–1861)
∞ 1857
Königin Victoria (Vereinigtes Königreich) (1819–1901)

Zar Alexander II. von Russland (1818–1881)
∞ 1841
Prinzessin Marie von Hessen und bei Rhein (1824–1880)

Großeltern

Großherzog Ludwig IV. von Hessen und bei Rhein (1837–1892)
∞ 1862
Prinzessin Alice von Großbritannien und Irland (1843–1878)

Herzog Alfred von Coburg (1844–1900)
∞ 1874
Großfürstin Marija Alexandrowna von Russland (1853–1920)

Eltern

Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein (1868–1937)
∞ 1894 (Scheidung 1901)
Prinzessin Victoria Melita von Sachsen-Coburg und Gotha (1876–1936)

Elisabeth (1895–1903), Prinzessin von Hessen und bei Rhein

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Elisabeth von Hessen-Darmstadt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Manfred Knodt: Ernst Ludwig, Großherzog von Hessen und bei Rhein. Sein Leben und seine Zeit. Schlapp, Darmstadt 1978, ISBN 3-87704-006-3, S. 12.
  2. Eintrag Prinzessin Elisabeths bei WW-Person; abgerufen am 23. Juli 2011.
  3. Manfred Knodt: Ernst Ludwig, Großherzog von Hessen und bei Rhein. Sein Leben und seine Zeit. Schlapp, Darmstadt 1978, ISBN 3-87704-006-3, S. 65.
  4. a b c d Manfred Knodt: Ernst Ludwig, Großherzog von Hessen und bei Rhein. Sein Leben und seine Zeit. Schlapp, Darmstadt 1978, ISBN 3-87704-006-3, S. 70.
  5. Manfred Knodt: Ernst Ludwig, Großherzog von Hessen und bei Rhein. Sein Leben und seine Zeit. Schlapp, Darmstadt 1978, ISBN 3-87704-006-3, S. 128.
  6. Manfred Knodt: Ernst Ludwig, Großherzog von Hessen und bei Rhein. Sein Leben und seine Zeit. Schlapp, Darmstadt 1978, ISBN 3-87704-006-3, S. 298.
  7. Manfred Knodt: Die Regenten von Hessen-Darmstadt. Schlapp, Darmstadt 1977, ISBN 3-87704-004-7, S. 129.
  8. a b Sehenswürdigkeiten im Herrngarten. (PDF; 2,6 MB) abgerufen am 17. Juli 2011.
  9. Prinzessinnenhaus im Park Wolfsgarten bei gg-online.de; abgerufen am 17. Juli 2011.
  10. Manfred Knodt: Ernst Ludwig, Großherzog von Hessen und bei Rhein. Sein Leben und seine Zeit. Schlapp, Darmstadt 1978, ISBN 3-87704-006-3, S. 71.
  11. Harald Sandner: Coburg im 20. Jahrhundert. Die Chronik über die Stadt Coburg und das Haus Sachsen-Coburg und Gotha vom 1. Januar 1900 bis zum 31. Dezember 1999. Von der „guten alten Zeit“ bis zur Schwelle des 21. Jahrhunderts. Gegen das Vergessen. Verlagsanstalt Neue Presse, Coburg 2002, ISBN 3-00-006732-9, S. 34.
  12. Manfred Knodt: Ernst Ludwig, Großherzog von Hessen und bei Rhein. Sein Leben und seine Zeit. Schlapp, Darmstadt 1978, ISBN 3-87704-006-3, S. 207.
  13. Manfred Knodt: Ernst Ludwig, Großherzog von Hessen und bei Rhein. Sein Leben und seine Zeit. Schlapp, Darmstadt 1978, ISBN 3-87704-006-3, S. 72.
  14. Manfred Knodt: Ernst Ludwig, Großherzog von Hessen und bei Rhein. Sein Leben und seine Zeit. Schlapp, Darmstadt 1978, ISBN 3-87704-006-3, S. 404.