Emilie Bieber

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Bildnis von Emilie Bieber

Emilie Bieber (* 26. Oktober 1810 in Hamburg; † 5. Mai 1884 ebenda) war eine der ersten deutschen Fotografinnen.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Biographie von Emilie Bieber ist wenig bekannt. Erst im Alter von über 40 Jahren trat sie als Gründerin und später als alleinige Betreiberin des photographischen Ateliers „E. Bieber“ hervor. Die Tätigkeit als Photographin war für eine Frau zu ihrer Zeit außergewöhnlich. Emilie Bieber wurde in den Hamburger Adressbüchern nur mit den Anschriften ihrer Ateliers „Gr. Bäckerstraße 26“ und anschließend „Neuen Jungfernsteig 20“ erwähnt.[1] Es gibt nur wenige von ihr hergestellte und heute noch erhaltene Fotografien.

An beiden Atelierstandorten war zeitweilig Julius Berlin als Bewohner verzeichnet. Julius Berlin war ihr Schwager und möglicherweise auch finanzieller Partner ihres Ateliers. Er starb vermutlich im Jahr 1876.[2] Julius war der Vater von Leonard Berlin, der ihr Nachfolger wurde.

Das fotografische Atelier E. Bieber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 16. September 1852 eröffnete Emilie Bieber gemeinsam[3] mit ihrer über zehn Jahre jüngeren Freundin Marie Auguste Adelgunde Lyra[4] in Hamburg in der Großen Bäckerstraße 26[5] ein „Daguerreotypie Atelier“.[6][7] Adelgunde Lyra war mit dem Porträtmaler Gustav Adolf Koettgen verheiratet. Sein Atelier war im selben Haus oder sogar Teil des photographischen Ateliers. Im Frühjahr 1854 verließ Gustav Koettgen mit seiner Familie Hamburg[8] in Richtung Düsseldorf. Emilie Bieber führte das Atelier als alleinige Inhaberin weiter.[9] Da es ungewöhnlich war, dass Frauen als Künstlerin oder überhaupt tätig waren, hielten sich die (größtenteils männlichen) Kunden mit Aufträgen zurück. Emilie Bieber spezialisierte sich auf handkolorierte Porträts.[10] Da diese Porträts farbig waren, waren sie bei einer flüchtigen Betrachtung nicht als Fotografie zu erkennen.

Neuer Jungfernstieg von der Binnenalster. Das Haus mit dem Atelier E. Bieber ist an der Flagge erkennbar.

Nachdem sie einige Jahre Erfahrungen gesammelt, und sich die technischen Möglichkeiten (z.B. Albuminpapier, Carte de visite) verbessert hatten, präsentierte Emilie Bieber ihre Porträts auf der ersten[11] photographischen Ausstellung 1865 in Berlin und wurde für deren Qualität mit einer Preismedaille belohnt.

1868 veranstaltete der Hamburger Bezirks-Verein des Deutschen Photographen-Vereins[12] eine zur damaligen Zeit vielbeachtete photographische Ausstellung, die am 13. November eröffnet wurde. Aus diesem Anlass waren auch einige bekannte Photographen persönlich nach Hamburg gekommen, u. a. Joseph Albert, der mit Valentin Ruths in der künstlerischen Jury tätig war, u.v.a. Hier wurden die Porträts von Emilie Bieber mit einer Silbermedaille ausgezeichnet.

Ebenfalls im Jahr 1868 hatte „Frl. E. Bieber“, wie in den Adressbüchern[13] zu lesen war, neue Räumlichkeiten an dem Neuen Jungfernstieg 20 bezogen.[14] Die Angaben auf den Revers ihrer Photographien lassen aber den Schluss zu, dass Emilie Bieber noch zwei weitere Jahre in der Gr. Bäckerstraße gearbeitet hat.

Ab 1869 wurde unter dem Eintrag „Bieber, E. Photogr.“ in den Adressbüchern Julius Berlin als Inhaber des Bankkontos geführt. Es ist denkbar, dass er mit finanziellen Mitteln das Atelier unterstützt hatte. Im selben Jahr war „Fräul. E. Bieber“ Spenderin einer Gabelweihe, wie man dem Verzeichnis der dem „Zoologischen Garten“ zugegangenen Geschenke an Thieren[15] entnehmen kann.

Es ist bekannt, dass photographische Ateliers, wie es Emilie Bieber betrieb, nur durch Mitarbeit von Angestellten betrieben werden konnte. Nur selten wurden sie namentlich erwähnt. In einer kurzen Mitteilung zu seinem Tode 1912 wurde erwähnt, dass der aus Ungarn stammenden „Magister der Pharmacie und Photograph“ Arnold Mocsigay 1867 oder 1868 eingestellt worden war. Er hatte bei Ludwig Angerer in Wien das Fotografieren erlernt. Bis 1897 hatte er die Leitung des Ateliers E. Bieber[16] innegehabt.

Auf der Weltausstellung 1873 in Wien präsentierte Emilie Bieber, die zwischenzeitlich mit dem Titel einer Hof-Photographin ausgezeichnet worden war, ihre Fotografien und wurde für deren Qualität mit einer Medaille geehrt.

Im Kreise ihrer 30 Angestellten, wie in der Photographischen Correspondenz zu lesen ist, feierte Emilie Bieber am 16. September 1877 das 25-jährige Bestehen ihres Ateliers.[17]

Daguerreotypien und Photographien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausstellungen und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Angabe gilt als „nicht verifiziert“, wenn sie ausschließlich auf dem Revers einer Fotografie abgebildet/erwähnt zu finden ist.

Ernennung zum Hof-Photograph
Am 31. Oktober 1872 wurde Emilie Bieber von Friedrich Karl Prinz von Preußen zur Hoffotografin ernannt.[18][19] Auf den Revers einiger Kabinett- und Visitkarten waren abgebildet das Wappen von Friedrich Karl als preußischen Kronprinzen und das Allianzwappen als Deutscher Kronprinz und Kronprinz von Preußen und seiner Frau Prinzessin Victoria.

Auszeichnungen
Als die Carte-de-Visite aufkam, ließ Emilie Bieber wie andere Ateliers die Rückseiten zunächst nur mit Namen und Anschrift ihres Ateliers bedrucken. Im Laufe der Jahre (ca. ab 1865) kamen auch Abbildungen von erworbenen Medaillen hinzu.

  • Preismedaille (für Porträts) anlässlich der vom photographischen Verein zu Berlin veranstalteten Ausstellung im Mai 1865.[20]
  • Silbermedaille für Porträts (Vierte Gruppe) auf der Hamburger Ausstellung [für Photographie] im November 1868.[21]
  • Medaille, Paris 1870.[22]
  • London 1872 (nicht verifiziert).
  • Fortschritts-Medaille für Porträts anlässlich der Weltausstellung 1873 in Wien (Abt. Photographie).[23]

Mitgliedschaften

Nachfolger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1872 ernannte sie ihren Neffen Leonard Berlin, der später den Nachnamen Berlin-Bieber führte, zu ihrem Nachfolger.[28] Er gründete in Berlin ein zweites Atelier E. Bieber, dessen guter Ruf ihm Erfolg brachte. Ihm folgte dessen Sohn Emil Bieber, der das Hamburger Atelier zu sehr großer Bekanntheit und Anerkennung führte. Dieses Atelier hat über 80 Jahre bestanden, solange wie nur sehr wenige.

Namensträger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gab in Hamburg eine Familie Bieber, von denen die meisten Namensträger Kaufleute waren. Besonders hervorgetreten und daher bekannt sind Johann Ehlert Bieber (1799–1856), der Glockengießer war, und Theodor August Bieber (1839–1912), der eine Privatschule[29] für Jungen besaß. Zu dieser Familie bestehen keine bekannten Verbindungen.

Auf der photographischen Ausstellung 1868 in Hamburg wurde der Lieferant J. D. Bieber für Jod- und Brompräparate mit einer „Bronzenen Medaille“ geehrt. Hierbei handelte es sich um die Firma Johann Diedrich Bieber. Auch hierzu sind keine familiären Verbindungen bekannt.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hanni Schwarz: Photographie als Frauenberuf. In: H.W. Vogel (Hrsg.): Photographische Mitteilungen,45. Jg., Gustav Schmist, Berlin, 1905, S. 161ff.
  • Franz Hilgendorf: Verzeichnis der dem Zoologischen Garten zugegangenen Geschenke an Thieren. In: Führer durch den Zoologischen Garten zu Hamburg. Mit einer Einleitung zur Geschichte des Gartens von Dr. jur. H. Donnenberg, Verlag der Zoologischen Gesellschaft, Hamburg, 1869, S. 93ff.
  • Prof. Dr. Josef Maria Eder (Hrsg.): Photographische Korrespondenz, Wien.
    • 49. Jg., 1912, S. 46–47.
    • 14. Jg., 1877, S. 229-230, Vereins- und Personalnachrichten, (online)
    • 10. Jg., 1873, S. 84ff., Die Photographie auf der Weltausstelung 1873./ Auszeichnungen/Medaille für guten Geschmack, (online).
    • 3.Bd., 1866, S. 102ff, Protokoll über die Versammlung ....
    • 2.Jg., 1865, S. 217ff, Verzeichnis jener Aussteller, ..., (online)
  • Hermann Vogel (Hrsg.): Photographische Mitteilungen, Louis Gerschel Verlagsbuchhandlung, Berlin
    • 5. Jg., 1869, S. 239ff., Liste der Auszeichnungen der Hamburger Ausstellung, (online).
    • 4.Jg., 1868, S. 157ff. Mitglieder-Liste des Deutsche Photographen-Verein, 2. Hamburger Bezirks-Verein. S. 160
  • Bulletin de la Société Francaise de Photographie, Tome Dix-Septieme, (17. Bd.), 1871, Paris, Gauthier-Villars, 1871, S. 10.
  • Wilhelm Weimar: Die Daguerreotypie in Hamburg, (1. Beiheft zum Jahrbuch der Hamburgischen Wissenschaftlichen Anstalten, XXXII, 1914,) Verlag Otto Meissner, Hamburg, 1915, (online)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Fritz Kempe: Vor der Camera. Zur Geschichte der Photographie in Hamburg. Christians, Hamburg 1976, S. 61 ff.
  • Fritz Kempe: Daguerreotypie in Deutschland. Vom Charme der frühen Fotografie. Heering, Seebruck am Chiemsee 1979, S. 135, S. 138.
  • Bodo von Dewitz, Fritz Kempe: Daguerreotypien. Ambrotypien und Bilder anderer Verfahren aus der Frühzeit der Photographie. Museum für Kunst und Gewerbe, Hamburg 1983, S. 264.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Rückseiten/Revers zu Zeiten von Emilie Bieber – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Fotografien vom Atelier E. Bieber – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Zeitschriften für Photographie – Quellen und Volltexte
 Wikisource: Adressbücher > Hamburg – Quellen und Volltexte

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eine Wohnanschrift ist nicht bekannt.
  2. Im Adressbuch von 1877 lautet der Eintrag „Berlin, J. Wwe.“ im Straßenverzeichnis.
  3. Hanni Schwarz, S. 161.
  4. http://www.bremer-frauenmuseum.de.
  5. Die Räumlichkeiten als fotografisches Atelier haben über 60 Jahre Bestand gehabt. U. a. Rudolph Dührkoop begann hier seine Karriere als Fotograf.
  6. Wilhelm Weimar, S. 43.
  7. Es sind keine Einträge unter den Namen „Bieber“ oder „Koettgen“ im Personenverzeichnis mit dem Zusatz „Daguerreotypieatelier“ o.ä. in den Adressbüchern von 1852 und 1853 zu finden. Im Straßenverzeichnis findet sich nur der Eintrag von „Gustav Koettgen, Porträtmaler“ in der „Gr. Bäckerstraße 26“.
  8. Als „Nachfolger“ in der „Gr. Bäckerstraße“ ist in den Jahren 1855 bis 1856 ein „Berlin, Julius, Buchhalter“ eingetragen. Ab 1857 residiert „Berlin, Julius, Buchhalter, Commissions- und Speditionsgeschäft“ in der „Rathausstr. 23“.
  9. Das Hamburger Adressbuch führte ab 1855 erstmals ein Branchenverzeichnis. Dort ist unter D„aguerreotypisten und Photographen“ ein Eintrag „E. Bieber“ zu finden.
  10. Es ist denkbar, dass sich Emilie Bieber in den Jahren der Zusammenarbeit mit Adelgunde Koettgen durch deren Mann, der bekanntlich als Porträtmaler tätig war, in dieser Technik hatte ausbilden lassen.
  11. Es war die erste Ausstellung auf „deutschem“ Boden, veranstaltet vom Photographischen Verein Berlin.
  12. Es wird an anderen Stellen von Photographischem Verein zu Hamburg geschrieben. Es war zu der Zeit nicht unüblich, dass die Namen nicht genau übernommen wurden.
  13. Nur im Personenverzeichnis, denn im Straßenverzeichnis wurde sie weiterhin als Bewohnerin der Gr. Bäckerstraße geführt.
  14. Erster Eintrag im Personen- und Firmenverzeichnis des Adressbuchs von 1869 unter „Bieber, E. Photogr.“.
  15. Franz Hilgendorf, S. 94.
  16. Photographische Korrespondenz, 49. Jg., 1912, S. 46–47.
  17. Photographische Correspondenz, 14. Jg. 1877, S. 229.
  18. Fritz Kempe: Vor der Camera.
  19. Im Jahr 1875 (ohne Angabe von Tag und Monat), Quelle: Photographische Korrespondenz, 12. Jg., 1875, S. 249.
  20. Photographische Correspondenz, 2.Jg., 1865, S. 218.
  21. Photographische Mitteilungen, 5. Jg., 1869, S. 239.
  22. Bulletin de la Société Francaise de Photographie, Tome Dix-Septieme, (17. Bd.), 1871, Paris, Gauthier-Villars, 1871, S. 10.
  23. Photographische Correspondenz, 10. Jg., 1873, S. 84ff.
  24. Photographische Correspondenz, 3.Bd., 1866, S. 102
  25. Sie wird als Mitglied geführt. Dr. H. Vogel, 1868, S. 160.
  26. Sie wird in der ersten erschienen Mitgliederliste geführt. In: H. Vogel (Hrsg.): Photographische Mittheilungen, 6. Jg., Robert Oppenheim, 1870, S. 183–186.
  27. Bulletin de la Société Francaise de Photographie, Tome Dix-Septieme, (17. Bd.), 1901, Paris, Gauthier-Villars, 1901, S. 8.
  28. Rita Bake
  29. Das Bieberhaus wurde „…auf dem Gelände der ehemaligen Jungenschule von St. Georg, der Anstalt des beliebten Dr. Theodor August Bieber, als Stahlbetonskelettkonstruktion mit Kunststeinfassaden errichtet“. geschichte-oberalster