Energiesparende Fahrweise

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Energiesparende Fahrweise (engl. energy-efficient driving) ist ein vor allem in Deutschland auch offiziell verwendeter Begriff für ein „sparsames“, also energieeffizientes Verhalten beim Führen von Fahrzeugen. Dagegen können der Anglizismus Ecodriving und ähnlich prägnante Kurzformen als später entstandene Wortschöpfungen betrachtet werden, die im deutschsprachigen Raum wie international benutzt werden.[1]

Der Begriff fand spätestens in den 1970er Jahren Eingang in die politische Diskussion um den Straßenverkehr,[2] aber erst 1998 mit der Fahrerlaubnis-Verordnung in das deutsche Recht.[3] Mit dem Inkrafttreten dieser Verordnung wurden Kenntnisse einer „umweltbewussten und energiesparenden Fahrweise“ ab 1999[4] verbindlicher Bestandteil der deutschen Fahrausbildung und Fahrerlaubnisprüfung für das Führen von Kraftfahrzeugen; im Gesetz wird der Begriff jedoch nicht weiter inhaltlich ausgeführt.[5]

Ebenfalls 1999 wurde in der Schweiz im Zusammenwirken von Staat, Verkehrsverbänden und Privatwirtschaft der Verein Quality Alliance Eco-Drive gegründet, um in der Schweiz das ökologische, ökonomische und sichere Fahren zu fördern. Die Bezeichnung Eco-Drive war schon vorher eine auf das Bundesamt für Energie eingetragene Wortmarke und umfasst eine Reihe von Empfehlungen zu Fahrzeug und Fahrweise.[6] Der Erfolg des Programms veranlasste die zuständige Bundesstelle, Eco-Drive ab 2005 in die obligatorische Fahrausbildung der Schweiz zu integrieren.

Bereits etwa 1980 startete in Österreich der ÖAMTC die Kampagne Gleiten statt Hetzen für gleichmäßiges und vorausschauendes Fahren im Straßenverkehr. Der prägnante Slogan führte gleich zu Beginn zu öffentlichen Diskussionen, schließlich aber auch zu dessen Übernahme in verschiedenste Bereich der Werbung.

Über den Straßenverkehr als dominierendem Verkehrsträger hinaus wird der Begriff ebenso beim Schienenverkehr verwendet. So bezeichnet Energiesparende Fahrweise (ESF) ein in mehrjähriger Zusammenarbeit mit der Universität Hannover entwickeltes Konzept der Deutschen Bahn, das sie ab 2003 in ihr rechnergestütztes Fahrplansystem EBuLa aufnahm, dessen Anfänge seinerseits in die 1980-Jahre zurückreichen.[7] Daneben existieren Konkurrenzsysteme, jedoch unter anderen Bezeichnungen.[8]

Während Aktivitäten und Konzeptionen um eine energiesparende Fahrweise erst nach der Ölkrise einsetzten und mit der neu entstehenden Umweltpolitik einhergingen, haben die Prinzipien einer energiesparenden Fahrweise die Entwicklung der unterschiedlichen Fahrzeugarten schon sehr viel früher und vermutlich von Beginn an begleitet. Sie beschränken sich darüber hinaus nicht auf Motorfahrzeuge, wofür der seit Jahrzehnten im Radsport etablierte Belgische Kreisel ein Beispiel darstellt.

Grundlagen[Bearbeiten]

Energieflussdiagramm am Beispiel eines neuen Mittelklasse-PKW im Stadtverkehr (oben) und auf der Autobahn (unten), jeweils auf der Basis eines Verbrennungsmotors.
Quelle: Energieministerium der Vereinigten Staaten.

Ansatzpunkte einer energiesparenden Fahrweise ergeben sich aus den Widerständen, die ein Fahrzeug bei der Fortbewegung zu überwinden hat, sowie aus den Wärmeenergieverlusten der eingesetzten Energie bei ihrer Umwandlung in Bewegungsenergie. Diese gelten grundsätzlich für alle Arten von Fahrzeugen. Sie können nicht nur während des Fahrens beeinflusst werden, sondern schon vor Fahrtantritt beim Vorbereiten des Fahrzeugs, was der energiesparenden Fahrweise im Allgemeinen hinzugerechnet wird.[6]

Verlustbereich Während der Fahrt
beeinflussbar
Vor Fahrtantritt
beeinflussbar
Luftwiderstand Geschwindigkeit Anbauten (z. B. Dachgepäckträger), Aerodynamik
Rollwiderstand Geschwindigkeit Zustand (z. B. Reifendruck), Zuladung
Motor-Effizienz Drehzahl/Drehmoment
(Wahl der Übersetzung)
Zustand
Bremsverluste Bremsennutzung
Leerlaufverluste Motorbetrieb im Stand Leerlaufdrehzahl
Trägheitsverluste Geschwindigkeitsänderung
Zusatzverbraucher
(Klimaanlage, Licht, Audioanlagen usw.)
Nutzung

Die daraus abzuleitenden Maßnahmen hängen nicht unwesentlich vom individuell verwendeten Fahrzeug und dessen Motorisierung und sonstiger Ausstattung ab. Technische Maßnahmen können das Verhalten der Fahrer unterstützen oder ersetzen, zum Beispiel die automatische Abschaltung des Motors im Stand oder ein Tempomat. Staatliche Stellen und Verbände richten sich mit Tipps und detaillierter Information insbesondere an Autofahrer (siehe #Weblinks).

Siehe auch: Elektromobilität

Ziele[Bearbeiten]

Die öffentlichen Maßnahmen konzentrieren sich fast ausschließlich auf Kraftfahrer, also die Teilnehmer am motorisierten Individualverkehr (Autofahrer, Motorradfahrer usw.) sowie Berufskraftfahrer, weil hier die größten Effekte für die angestrebten Ziele erreichbar sind, sowohl aufgrund dessen gegenwärtiger Dominanz im Modal-Split als auch wegen der größten Einsparmöglichkeiten im Einzelfall. So erreicht der Wirkungsgrad von Otto-Motoren Werte von 10 % bei Teillast bis zu fast 40 % unter Volllast, wogegen insbesondere bei Elektromotoren, also im Schienenverkehr, die Bandbreite zwischen Teil- und Vollast und somit das Einsparpotential durch Optimierung der Drehzahl vergleichsweise geringer ist.[9]

Die Absichten der sich für eine energiesparende Fahrweise einsetzenden Organe bzw. des Staates sind gesellschaftlich-politischer Natur, vor allem eine Verbesserung in den Bereichen

Neben diesem öffentlichen Nutzen für die Allgemeinheit bestehen private Gewinne der Betreiber oder Nutzer eines Fahrzeuges, die einen unmittelbaren Vorteil Nutzen ziehen. Ihre Ziele können mithin in der

wobei letztere neben dem Energieverbrauch auch weitere Verbräuche, Verschleiße und Wertverluste umfasst.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bestes Beispiel ist die Wortmarke Eco-Drive des schweizerischen, durch das Bundesamt für Energie mit getragenen, Vereins Quality Alliance Eco-Drive.
  2. Deutscher Bundestag, 156. Sitzung, 30. Mai 1979. Plenarprotokoll. 31. Mai 1979, S. 12489, abgerufen am 25. Februar 2013 (PDF; 1,2 MB): „Mahne, Parl. Staatssekretär: (…) Wir haben in Abstimmung mit der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände erreicht, daß die Fahrlehrer gerade das Thema energiesparende Fahrweise verstärkt zum Inhalt der Fahrausbildung machen werden. Die Bundesregierung hat in ihrer Sitzung zu Fragen der Energiepolitik am 16. Mai auch einen entsprechenden Beschluß gefaßt.“
  3. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-Format2. Nationaler Energieeffizienz-Aktionsplan (NEEAP) der Bundesrepublik Deutschland. Juli 2011, S. 66 (PDF 65), abgerufen am 25. Februar 2013 (PDF; 1,8 MB): „M 66: Kampagne „Neues Fahren“ (…) Die Bundesregierung hat bereits 1999 die Grundzüge energiesparender Fahrweise für die Fahrausbildung und Fahrerlaubnisprüfung verbindlich in der Fahrerlaubnisverordnung vorgeschrieben.“ (Vgl. Nationale Energieeffiziensaktionspläne.)
  4. Nach unbestätigter Sekundärquelle erklärte der damalige Vorstandsvorsitzende der Dekra, Klaus Schmidt, am 12. September 2007 bei einem Pressegespräch auf der Internationalen Automobil-Ausstellung in Frankfurt, dass „die umweltschonende und energiesparende Fahrweise (bereits) seit 1992 Bestandteil der Fahrausbildung (ist)“.
  5. So in § 2 Abs. 5 Nr. 4 und § 6 Abs. 1 Nr. 1 lit. f des Straßenverkehrsgesetzes sowie § 16 Abs. 1 Nr.  1 und § 17 Abs. 1 Satz 1 der Fahrerlaubnis-Verordnung.
  6. a b Eco-Drive – geben Sie richtig Gas. S. 5, abgerufen am 26. Februar 2013 (PDF; 910 kB).
  7. Erläuterung Energiesparende Fahrweise (ESF) im „Bahn-Lexikon“ unter eib-t.de.
  8. Die Deutsche Bahn selbst betreibt zugleich das System Ecotrainbook, weitere Systeme wurden vor allem von Schweizer Unternehmen entwickelt.
  9. Kfz energetisch betrachtet. Fachinformation. In: Internetpräsenz der Freien Universität Berlin. Abgerufen am 1. März 2013.