Bahn (Verkehr)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Schienenverkehr)
Wechseln zu: Navigation, Suche

Bahnen sind spurgebundene Verkehrs- beziehungsweise Transportmittel und ein wichtiger Bestandteil der Verkehrsinfrastruktur. Sie verkehren hauptsächlich auf oder unter einer beziehungsweise zwei Leitschienen (Schienenbahn, Hängebahn), schweben über oder unter einem Magnetfeld (Magnetschwebebahn), hängen an Stahlseilen (Luftseilbahn) beziehungsweise sind von einer Oberleitung abhängig (Gleislose Bahn). Fast alle Schienenfahrzeuge haben Stahlräder mit einem Spurkranz, die auf zwei Stahlschienen geführt werden. Diese sind mit Holz-, Beton- oder Stahlschwellen verbunden. Vereinzelt fahren Bahnen mit gummibereiften Rädern auf Beton-Fahrspuren, wie auf einigen Linien der Métro Paris, bei anderen Métros in Frankreich, der Linie m2 der Métro Lausanne, der Metro Montreal und dem Flughafen-Shuttle in Frankfurt.

Zu den mechanischen geführten Systemen gehören vor allem die Schienenbahnen, die das Rad-Schiene-System nutzen. Sie werden auch als Schienenverkehrssysteme bezeichnet, die Fahrzeuge als Schienenfahrzeuge. Diese haben entweder einen eigenen Fahrantrieb (Triebwagen) oder werden von einer Lokomotive gezogen oder geschoben. Seltenere Spezialfälle mechanisch geführter Systeme sind Hängebahnen sowie Systeme, bei denen die Fahrzeuge keinen eigenen Antrieb haben, sondern von einem ortsfesten Motor bewegt werden, beispielsweise Seilbahnen. Magnetisch geführt sind z. B. Magnetschwebebahnen.

Eisenbahnen[Bearbeiten]

Am weitesten verbreitet sind auf zwei Stahlschienen geführte Eisenbahnen. Sie dienen dem öffentlichen Personen- Nah- und Fernverkehr und/oder dem Güterverkehr. Sie werden nach ihrer Bedeutung und den technischen Gegebenheiten in Haupt- und Nebenbahnen unterschieden. Eisenbahnen werden hauptsächlich von staatlichen, aber auch von privaten Eisenbahnverkehrsunternehmen betrieben. Für den Güterverkehr gibt es darüber hinaus Eisenbahnen des nichtöffentlichen Verkehrs (Werksbahnen): Anschlussbahnen verbinden einen Betrieb mit dem öffentlichen Eisenbahnnetz, während Gruben- und Feldbahnen dem innerbetrieblichen Verkehr dienen.

Nach ihrer Spurweite unterscheidet man Normalspur- (1435 mm), Schmalspur- (z.B. Meterspur mit 1000 mm) und Breitspurbahnen (in Spanien, Portugal, Finnland, Russland, Weißrussland und Ukraine). Die Personenzüge unterscheidet man nach Beförderungsentfernung und -dauer in Fern- und Nahverkehrszüge.

Wesentlich ist zur Definition einer „Eisenbahn“ in Deutschland auch die rechtliche Abgrenzung zu anderen Schienenbahnen, vor allem den Straßen-, Stadt- und U-Bahnen, aus denen sich jeweils unterschiedliche Rechtsvorschriften für den Betrieb ergeben:

Fernverkehrsbahnen[Bearbeiten]

Fernverkehrszüge halten nur an stark frequentierten großen Bahnhöfen und verbinden große Städte. In Deutschland sind dies Intercity (IC), Eurocity (EC) und außerdem die Hochgeschwindigkeitszüge ICE und TGV. Des Weiteren sind dies private Fernverkehrszüge wie z.B. der Interconnex, der Vogtland-Express oder der Harz-Elbe-Express.

Nahverkehrsbahnen[Bearbeiten]

Regionalbahnen[Bearbeiten]

Der Regionalverkehr erschließt die Region. Die Regionalbahn-Züge (RB) halten außerhalb des S-Bahn-Netzes an jeder Station, die Regional-Express-Züge (RE) halten nur an stark frequentierten Bahnhöfen.

S-Bahnen[Bearbeiten]

Die Stadtschnellbahn, kurz S-Bahn genannt, dient dem Personennahverkehr in Großstadtregionen und verkehrt in der Regel im dichten festen Takt auf eigenen Gleisen neben den Hauptbahnen oder im Tunnel durch das Stadtzentrum. Außerhalb des Kernnetzes fahren sie im gemischten Verkehr mit den Regional-, Fern- und Güterverkehr. Berlin und Hamburg haben separate S-Bahn-Netze, in denen die Stromversorgung über seitliche Stromschienen mit Gleichstrom (800 Volt bzw. 1200 Volt) hergestellt wird. Die Hamburger S-Bahn-Züge nach Stade über Buxtehude sind Zweisystem-Triebzüge, die außerhalb des Gleichstromnetzes mit Bahnstrom 15 kV, 16,7 Hz aus der Oberleitung versorgt werden.

In allen anderen Stadtregionen wie München, Stuttgart, Frankfurt, Köln-Düsseldorf-Ruhrgebiet, Hannover, Nürnberg, Dresden und Leipzig fahren die S-Bahn-Züge auf den Kernstrecken auf eigenem Gleiskörper, ansonsten mit den Regional- und Fernzügen zusammen und erhalten den Wechselstrom (Bahnstrom 15 kV, 16,7 Hz) aus der Oberleitung.

Rechtlich gelten die S-Bahnen als klassische Eisenbahnen.

Andere Nahverkehrsbahnen[Bearbeiten]

Schienenbahnen des Nahverkehrs, die nicht zu den Eisenbahnen zählen:

Straßenbahnen[Bearbeiten]

Straßenbahnen sind öffentliche Schienenbahnen, die weder zu den Haupt- und Nebenbahnen noch zu den Bergbahnen zählen. Sie dienen dem Nahverkehr, vor allem in großen Städten, und werden in der Regel von kommunalen oder privaten Unternehmen betrieben. Fast alle Straßenbahnen werden heute elektrisch betrieben. Im 19. Jahrhundert gab es zahlreiche Pferde- und Dampfstraßenbahnen. Klassische Straßenbahnwagen fahren auf der Fahrbahn oder auf einem besonderen Bahnkörper im Straßenbereich. Straßenbahnfahrer fahren zumeist auf Sicht, daher müssen die Fahrzeuge über sehr wirksame Bremsen verfügen. Auf eigenen Bahnkörpern, auf denen höhere Geschwindigkeiten zugelassen sein können, oder in Tunnelstrecken kommen Signalsysteme zum Einsatz.

In Deutschland gilt für Straßenbahnen in Abgrenzung zum Eisenbahnbetrieb die Verordnung über den Bau und Betrieb von Straßenbahnen (BOStrab).

Kabelbahnen sind Straßenbahnen, die von einem ortsfesten Antrieb an einem Kabel gezogen werden, beispielsweise die Cable cars in San Francisco. Technisch sind sie eine spezielle Art der Standseilbahnen.

Stadtbahnen[Bearbeiten]

Stadtbahnen (auch Light Rail, frz.: Métro léger, Pré-Metro (Metro-Vorlaufbetrieb), niederl.: Sneltram) nennt man ausgebaute Straßenbahnen, deren Netz großteils vom Straßenverkehr unabhängig ist und meist einen besonderen Bahnkörper haben. In der Innenstadt verlaufen sie teilweise im Tunnel. Die Netze sind oft mit dem Logo der U-Bahn (z. B. in Stuttgart und Hannover), in Karlsruhe der S-Bahn versehen. In einigen Städten weisen nur die unterirdischen Stationen das U-Bahn-Logo auf (Köln). Auch die Stadtbahnen unterliegen der BOStrab.

Von Regionalstadtbahnen (auch RegioTram, Tram-Train, engl.: Light Rail) ist die Rede, wenn Stadtbahnen auf Haupt- oder Nebenbahnen der Eisenbahn übergehen (z.B. Stadtbahn Karlsruhe, RegioTram Kassel, Saarbahn); solche Bahnen sind rechtlich Zwitter.

U-Bahnen[Bearbeiten]

Untergrundbahnen (Metros) dienen dem Personennahverkehr in Großstädten, werden elektrisch mit Gleichstrom (meist aus Stromschienen) betrieben und weisen ausschließlich unabhängige Bahnkörper auf, oft in Tunneln, auch auf Dämmen oder Viadukten als Hochbahn, im Einschnitt oder ebenerdig. Der U-Bahn-Betrieb ist durch Signalsysteme gesichert. Da sie i. d. R. keine höhengleichen Kreuzungen mit Straßen aufweisen, sind sie vom Straßenverkehr unabhängig, zählen aber rechtlich dennoch zu den Straßenbahnen. Sie werden in der Regel von Verkehrsunternehmen betrieben, die sich (noch) in kommunalem Besitz befinden. Reine U-Bahnen in Deutschland haben Berlin, Hamburg (direkt angeschlossen die auch von der Hamburger Hochbahn mit betriebene U-Bahn Norderstedt), München und Nürnberg. Darüber hinaus gibt es außerdem U-Bahn-mäßig ausgebaute Stadtbahnlinien (U4 Stadtbahn Frankfurt (bis 2009), U18 Stadtbahn Essen). Rechtlich zählt in Deutschland die U-Bahn in Abgrenzung zum Eisenbahnbetrieb zu den Straßenbahnen. Hier gilt die BOStrab.

Einschienenbahnen[Bearbeiten]

Einschienenbahnen dienen (meist) ebenfalls dem öffentlichen Personenverkehr, deren Fahrzeuge fahren auf oder unter einem einzelnen schmalen Fahrweg.

Bei den Hängebahnen befindet sich das Fahrzeug unter einer Tragschiene. Die berühmte, 13 Kilometer lange Wuppertaler Schwebebahn verläuft großteils über dem Fluss Wupper und wurde 1901 in Betrieb genommen. Jünger sind die H-Bahn in Dortmund und der Sky-Train in Düsseldorf, bei denen es sich um automatische, fahrerlose Systeme handelt.

Bei Sattelbahnen befindet sich das Fahrzeug oberhalb des Fahrwegs. Das Fahrzeug umfasst hierbei den Tragkörper. Zu ihnen gehören die Alwegbahn sowie Magnetschwebebahnen wie der Transrapid.

Bergbahnen[Bearbeiten]

Bergbahnen befördern Personen – meist Touristen – oder Güter vom Tal auf einen Berg oder umgekehrt. Sie benutzen als Zahnradbahnen oder Seilbahnen vom normalen Eisenbahnnetz getrennte Strecken. Seilbahnen können entweder als Standseilbahnen auf der Erdoberfläche oder als Luftseilbahnen verkehren. Die Zahnradbahn überträgt ihre Antriebskraft mit einem Zahnrad auf die Schiene. Bei der Fell-Lokomotive wird die Antriebskraft durch eigene Reibräder mit erhöhtem Anpressdruck auf eine Mittelschiene übertragen.

Andere Eisenbahnen – auch Zahnradbahnen –, die im Gebirge verkehren, werden als Gebirgsbahnen bezeichnet. Bei ihnen handelt es sich um Haupt- oder Nebenbahnen, die Teil eines größeren Bahnsystems sind.

Sonstige Bahnen[Bearbeiten]

Auf Schienen fahren auch Fahrzeuge einiger Fahrgeschäfte auf Jahrmärkten und in Freizeitparks, z.B. Achterbahnen und Geisterbahnen. Für den Gütertransport innerhalb von Gebäuden existieren verschiedene Schienenförderanlagen, die für den automatischen Transport konzipiert sind.

Für Kinder gibt es Spielzeugeisenbahnen, für die Freizeitbeschäftigung die Modelleisenbahn.

Siehe auch[Bearbeiten]

 Portal: Bahn – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Bahn
 Portal: U-Bahn – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema U-Bahn
 Portal: Straßenbahn – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Straßenbahn

Weblinks[Bearbeiten]